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Spanien

Jagd auf ARRUI (1 Eintrag)

Arrui Arrui mit Teckel
528 mal angesehen
01.12.2014, 11.34 Uhr

Jagd auf ARRUI

Viele von Euch fragen sich jetzt bestimmt, was ein arrui ist. Es ist ein Mähnenspringer (auch Mähnenschaf oder Berberschaf genannt). Seine Heimat ist eigentlich Nordafrika. In der Sierra de Espuña in Murcia, Südostspanien wurde dieses urige Wild 1970 eingeführt. Von dort aus verbreitet es sich rasant. In Spanien findet der Wiederkäuer einen hervorragenden Lebensraum. In ihrer nordafrikanischen Heimat kommen sie wochenlang ohne Wasser aus, leben in Halbwüsten. Da bietet selbst das für uns Deutsche so karge Südost-Spanien für die arruis hervorragende Äsungsverhältnisse. Es gibt momentan Bestrebungen, die Population zu reduzieren. Diese Ziegenart ist ein hervorragender Kletterer, die männlichen Stücke wiegen ca. 100-140kg, die weiblichen höchstens die Hälfte. Sie leben in gemischten, zum Teil kopfstarken Rudeln.

Im November 2012 wurde ich von meinen zwei spanischen Freunden, Pepe und Julián, im bergigen Hinterland von Alicante eingeladen, auf ein weibliches Stück zu jagen. Das dortige Gebirge heißt Sierra de Aitana, umfasst ca. 2000 Hektar und dessen Gipfel ist gut 1500m hoch. Im Sommer wird es häufig um die 40 Grad heiß, im Winter liegt dort nicht selten Schnee, die jährliche Niederschlagsmenge beläuft sich auf 400 bis 900mm pro Jahr.

Die beiden Brüder Pepe und Julián sind dort aufgewachsen und die Jagd gehört für sie zum Leben, wie das Glas Wein zum Mittagessen und Abendessen.

Eigentlich wollte ich meine gute alte Mauser 66S im Kal. 8x68S mitnehmen, da ich weite Schussentfernungen auf mittelstarkes, eventuell schusshartes Wild erwartete. Es war eine relativ spontane Jagdeinladung. Ein Flug war sehr schnell gefunden. Der Einfachheit halber entschieden wir uns die Blaser R93 von Pepe in .30-06 einzusetzen und meine Mauser blieb zu Hause.

Bei meiner Ankunft am späteren Nachmittag strahlte die Sonne und die beiden best gelaunten Jagdfreunde erzählten mir, dass zwei Tage zuvor das Wetter ganz gegenteilig war. Es wechselte sich oben in den Bergen Dauerregen und Nebel ständig ab. Gleich am nächsten Morgen sollte es los gehen. Zwei volle Tage war ich vor Ort. Das Wetter konnte nicht besser sein, voller Spannung erwartete ich den nächsten Morgen. Wir hatten also zwei morgendliche und zwei abendliche Pirschgänge.

Nach einer vor Aufregung fast schlaflosen Nacht fuhren wir zu dritt mit einem 4x4 ins Revier hoch. Neben dem Weg beobachtete ich im Vorbeifahren, wie Rothühner aufstanden und wegstrichen. Pepe wusste wegen des nebligen Wetters der Vortage nicht genau, ob die "arruis" momentan in seinem Revier stehen. Als wir angekommen sind, machten wir ein kleineres Rudel beim Jagdnachbarn auf größerer Entfernung im Doppelglas aus. In der doch recht kargen hügeligen Landschaft konnte man mit dem Glas auf große Entfernung die gelblichen Mähnenspringer zwischen den dornigen Büschen und Pinienkuscheln ganz gut erspähen. Wir stiegen höher hinauf. Eine halbe Stunde später entdeckte ich als erster das zweite Rudel. Mitten in Pepe´s Revierteil! Mein Entfernungsmesser zeigte mir nichts an, es war zu weit für die preiswerte Technik. Wir prüften den Wind und besprachen, wie wir heran kommen konnten. Eine Geländeerhöhung gab uns Deckung und in zunächst gebückter Haltung, später dann ging es auf allen Vieren heran. Die Dornen und die spitzen Steine bohrten sich erbarmungslos durch mein Hemd in meine Haut, der Schweiß lief mir in meine Augen und brannte. Das Herankriechen dauerte nochmal mindestens 45 min. Immer wieder zwischendurch beobachtete Pepe das Rudel im Glas. Als wir uns von der erhöhten Geländestruktur her ein günstigen Punkt zur Schussabgabe näherten, sicherten zwei oder drei weibliche Stücke zu uns herüber. Sie können hervorragend äugen.
Das Rudel war 12-15 kopfstark. Pepe sagte aufgeregt: "¿ves el macho? ¡joder es un buen ejemplar!" Heißt so viel wie: "Siehst du den Bock? Ist ein verdammt guter!" Kurz darauf sagte er, ich solle den Bock nehmen! Er hätte noch einen im Plan! Es ist unglaublich, wie spontan und großzügig Pepe mir diesen macho freigab. Ich hätte mich auch über ein weibliches Stück sehr gefreut. Mein Entfernungsmesser zeigte knapp 200m an. Pepe und ich lagen flach auf dem Boden und wir legten den Rucksack zurecht, um dort aufzulegen, ich enfernte noch einen kleinen Zweig eines Dornenbusches, der vor der Mündung störte, nahm noch einen sehr spitzen Stein, der mir in mein Bauch drückte beiseite. Einige Stücke waren im Begriff weg zu ziehen, immer wieder verhoffend, aber so richtig konnten sie mit uns nichts anfangen, weil wir halt flach am Boden lagen. Der macho zog mit den weiblichen Stücken hinterher, verhoffte wie eine Statue auf einen Felsen. Es sollte einfach passen! Ich hielt hochblatt an. Nach meinem Schuss setzte er sich auf die Hinterkeulen, ich repetierte gewohnheitsmäßig sofort nach dem Schuss, Pepe zischte: "¡otra vez!" (nochmal!) Ich wollte gerade zünden, da sah ich ihn taumeln und kurz darauf zeigten seine Läufe schräg gen Himmel.

Pepe und Julián freuten sich (zunächst) mehr als ich. Ich konnte das Geschehene noch nicht begreifen. Gleich beim ersten Pirschgang hat es geklappt!

Das Bergen des Mähnenspringers war nochmal eine Herausforderung! Wir hatten es ca. 600m fast ausschließlich leicht bergauf, bis eine Stelle kam, wo wir mit dem Fahrzeug herankamen. Die Kugel fasste Hochblatt, aber unter der Wirbelsäule in der Kammer. Es war ein Steckschuss auf der anderen Seite in der Rippenwand.

Alles in allem war es eine spannende, physisch anstrengende und unvergessliche Jagd bei guten Freunden.

Gleich am nächsten Tag schlugen wir das Stück aus der Decke und zerwirkten es. Aus dem Wildbret wurden Chorizo-Grillwürste gemacht.
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montero

montero


aus Berlin/Brandenburg
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Kommentare

01.12.2014 12:32 Dachsbart
Waidmannsheil,

wie hat es geschmeckt? Gab es die Edelteil gebraten oder kamen die auch in die Wurst?

01.12.2014 12:44 montero
Dachsbart schrieb:
Waidmannsheil,

wie hat es geschmeckt? Gab es die Edelteil gebraten oder kamen die auch in die Wurst?


Weidmannsdank! Wir hatten aus "Jux" die Filets am nächsten Tag zubereitet. Es war ziemlich fest, um nicht zäh zu sagen. Das lag aber in erster Linie daran, dass es nicht abgehangen war. Geschmacklich war es gut. Ich glaube er wurde komplett verwurstet. Das weibliche Wild wird meist gegrillt oder im Ofen zubereitet.
Gruß, montero
01.12.2014 18:11 Nightwish_74
Das war auch mein erster Gedanke, was das sein könnte, aber es lag auf der Hand, es konnte nur etwas afrikanisches sein. Sicher ein tolles Erlebnis und eine schöne Story. Weidmannsheil
01.12.2014 18:32 montero
Nightwish_74 schrieb:
Das war auch mein erster Gedanke, was das sein könnte, aber es lag auf der Hand, es konnte nur etwas afrikanisches sein. Sicher ein tolles Erlebnis und eine schöne Story. Weidmannsheil

Weidmannsdank!
01.12.2014 19:09 KeilerHeinrich
Weidmannsheil!
01.12.2014 19:18 montero
KeilerHeinrich schrieb:
Weidmannsheil!

Weidmannsdank!
03.12.2014 16:53 katzenfutter
vergeben die Brüder auch Abschüsse dafür ?
WG
KF
03.12.2014 19:05 montero
katzenfutter schrieb:
vergeben die Brüder auch Abschüsse dafür ?
WG
KF

Bisher (leider) nicht. Ich frag mal nach. Wenn ich etwas anderes höre, gebe ich nochmal Bescheid. Beste Grüße montero
05.12.2014 05:37 tomhaus

Muss ganz ehrlich zugeben, bei dem Titel dacht ich gleich an "Kaufjagd" oder "Edeljagd", net falsch verstehen, bitte.

Auf Jagd unter Freunden wär ich net gleich gekommen.. Wieder einmal gelernt..Nicht anach dem Ersten Schein bewerten


Herzliches Waidmannsheil!!
05.12.2014 12:39 montero
tomhaus schrieb:

Muss ganz ehrlich zugeben, bei dem Titel dacht ich gleich an "Kaufjagd" oder "Edeljagd", net falsch verstehen, bitte.

Auf Jagd unter Freunden wär ich net gleich gekommen.. Wieder einmal gelernt..Nicht anach dem Ersten Schein bewerten


Herzliches Waidmannsheil!!

Weidmannsdank! Dein Kommentar hat mich sehr gefreut! Gruß vom Spanienliebhaber, montero
06.12.2014 08:27 hemingway60
Weidmannsheil! Ja die Spanier sind schon schwer in Ordnung,habe ähnliches großzügiges,selbstloses verhalten beim Wallerangeln am Rio Ebro erfahren dürfen
06.12.2014 11:06 Sebaho
Hey - WOW _ Weidmannsheil - ich bin da ab und an in der Gegend - mein Onkel hat nördlich von Altea ein Ferienhaus - beim Wandern in der BErnia hatten wir schon oft Sauen vor und ich habe schon immer darüber nachgedacht, ob und wo und wie - also das man hier doch bestimmt jagen können wird will muss - da ist auch ein CAMPO del Tiero ganz bei uns in der Nähe ... Weidmannsheil erst mal - Seb
06.12.2014 17:30 montero
hemingway60 schrieb:
Weidmannsheil! Ja die Spanier sind schon schwer in Ordnung,habe ähnliches großzügiges,selbstloses verhalten beim Wallerangeln am Rio Ebro erfahren dürfen

Weidmannsdank! Ernest Hemingway wusste auch schon damals, wo es gut ist. Er war auch viel in Spanien unterwegs, z.B. Pamplona
muchos saludos, el montero
06.12.2014 17:33 montero
Sebaho schrieb:
Hey - WOW _ Weidmannsheil - ich bin da ab und an in der Gegend - mein Onkel hat nördlich von Altea ein Ferienhaus - beim Wandern in der BErnia hatten wir schon oft Sauen vor und ich habe schon immer darüber nachgedacht, ob und wo und wie - also das man hier doch bestimmt jagen können wird will muss - da ist auch ein CAMPO del Tiero ganz bei uns in der Nähe ... Weidmannsheil erst mal - Seb

Weidmannsdank, Seb! Ja die Spanier mögen die Jagd sehr! Gruß, montero
28.01.2015 15:29 montero
katzenfutter schrieb:
vergeben die Brüder auch Abschüsse dafür ?
WG
KF

Hallo KF, am 03.02. sind die beiden "hermanos" (Brüder) geschäftlich in Berlin. Ich sehe sie abends an diesem Tag. Ich frage mal nach! Übrigens ist in der neuen uJ ein Bericht über die Jagd auf Arrui.
Wmh montero
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