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Meine erste Sau!

(2 Einträge)

578 mal angesehen
26.11.2014, 15.27 Uhr

So begann meine Sauleidenschaft!



Heimlicher Keiler und erster Überläufer

Leise murmelt der laue Nachtwind in dem hinter meiner Ansitzleiter liegende moorige Wäldchen aus Erlen, Birken sowie mit Brennnesseln und Schilf so hoch bewachsen, dass von einem Hirsch nur mehr die Kronenspitzen zu erkennen wären. Eine unscheinbar klein erscheinende Insel in dem riesigen Weizenfeld, das blaugrau im Schein des aufgehenden Vollmondes scheinbar still und unberührt vor mir liegt. Es ist Juni, die Zeit der Milchreife des Weizens und diese Feld ist laut meinem ungarischem Begleiter Janos unwiderstehlicher Anziehungs- punkt für alles Wild der Umgebung, gleich welchen Couleurs es auch angehören möge.
Vor allem aber hat sich ein alter, kapitaler Vadkan, sprich Keiler, das sumpfige Wäldchen von rund dreihundert Metern im Geviert mitten in diesem fast dreihundert Hektar großen Feld als kühlenden Einstand gewählt. Unerreichbar für jeden Jäger, der schon sein Glück geduldig von einer der vielen am Feldrand gelegen Kanzeln probiert hatte und doch nur den großen grauen Schatten mitten im Feld nahe dem Wäldchen , unerreichbar auch für weitragenden Büchsen, bestaunen konnte.
Mein Ungarischer Pirschführer, der junge Berufsjäger Janos und ich hatten bereits in der größten Mittagshitze eine tragbare Ansitzleiter geschultert und Nurejew erblassen lassend, diese, nachdem wir sie auf Samtpfötchen durchs Feld balanciert hatten, knapp 50 Meter neben dem einzig erkennbaren Wechsel aus dem Wäldchen heraus platziert.
Am späten Nachmittag schlichen wir dann zu der Leiter und erklommen diese vorsichtig unter Vermeidung jeglicher Geräusche. Eine Unterhaltung war wegen der vermuteten Nähe des Keilers auch nicht mehr möglich und so hing jeder seinen Gedanken nach.
Nun saßen wir bereits seit vier Stunden der Dinge, sprich des Keilers harrend und fingen allmählich an unserer mittlerweile eingetretenen Müdigkeit nachzugeben. Janos war bereits entschlummert und auch ich döste vor mich hin, die laue Nacht und den herrlichen Gesang der Nachtigall genießend.
Irgendwann gegen Mitternacht signalisierte mir mein Unterbewusstsein, dass das Rauschen des Nachtwindes in den Getreidehalmen, den Zweigen und Blättern des Wäldchens nicht mehr so synchron wie bisher klang und dass sich irgendein anderes, doch störendes Geräusch hier eingeschlichen hatte. Mehr schlaftrunken als hellwach nahm ich den großen, grauen Schatten, der sich an den dichten Weizenhalmen reibend, rund dreißig bis vierzig Gänge vor mir durch den Weizen schob, wahr.
Das Gewehr hochnehmen, Janos den Ellbogen in die Rippen stoßen, Ziel finden und fliegen lassen war eine durchgehende Bewegung. Ebenso dauerte es nur Zehntelsekunden, den noch wesentlich größeren, grauen Schatten fünfzig Meter weiter links am Rand des Wäldchens hinter meinem soeben beschossenen Schwein, zu orten und zu wissen, dass dies hier der Richtige ist, der hier unbehelligt das Weite sucht und seinen Adjutanten soeben Hubertus geopfert hat.
Janos und ich traten schon vor dem obligaten Tottrinken ziemlich verkatert den Canossagang zu dem mittlerweile, mit tadellosem Blattschuss längst verendeten Stück an. Wie erwartet oder eher befürchtet lag ein dreijähriger Keiler auf der Strecke, der aufgebrochen 120 kg wog und damit nur die Güte der ungarischen Landwirtschaft bewies. Allerdings nicht die der ungarischen Keiler, denn mit 15,5 cm Waffenlänge war er natürlich nicht reif, um in den ewigen Jagdgründen zu brechen. Wieder einmal hatte sich die alte Weisheit bewahrheitet, dass der Alte seine jungen Begleiter vorausschickt und dieser leider oft die Zeche bezahlen muss.
Nichts desto trotz hielten wir eine gebührende Totenwache und während dieser schweiften meine Gedanken zu dem Tag im März 1986 zurück, an dem ich meine erste Sau erlegen konnte. Besser gesagt, sie wurde mir von Diana wahrlich geschenkt, wahrscheinlich aus Mitleid, denn ein erfahrener Schwarzwildjäger hätte diese Sau niemals erlegt.
Ich wurde damals von einem Berufskollegen das erste Mal in die Nordungarischen Donauauen zwischen Mosomagyarovar und Győr mitgenommen, um hier als Begleiter am Schnepfenanstand die Schönheiten dieser Jagd Art kennen zu lernen. Das Wetter, strömender Regen und eiskalter Wind, versaute uns aber im wahrsten Sinne des Wortes den Anstand auf diesen liebenswerten Vogel und so gingen wir dem Sauwetter entsprechend gelaunt auf Sauansitz.
In Ermangelung eines Pirschführers für mich, wurde ich ganz einfach auf den nächstbesten Hochsitz, mit dem Hinweis bitte ja keine führende Bache zu schießen, abgelegt. Als ich mich so allein gelassen in der beginnenden Morgendämmerung und der langsam zu erkennenden Landschaft umsah, war selbst mir, trotz hochgestochener Erwartungen, klar, hier war ich für den örtlichen Schwarzwildbestand ungefährlich. Der mich beherbergende Hochstand stand an der Ecke eines riesigen, bereits eingezäunten Schlages, links hinter mir die Grenze des Reviers mit dem Hochwasserschutzdamm und der dahinter liegenden Ortschaft sowie direkt vor mir die Biegung eines breiten und langsam strömenden Donaualtarmes. Auf der anderen Seite des Gewässers dichtester Auwald, der keinerlei Einblicke freigab, obwohl dies die einzige Richtung war, aus der Sauen zu erwarten waren. Bei meiner weiteren Rundschau stellte ich auf rund 300 Meter rechts neben meinem Sitz einen Wechsel fest, gleich einem Elefantenpfad, so unverkennbar tief war hier die rege Wechseltätigkeit des Schwarzwildes in den Boden eingedrückt, der aus dem eingezäuntem Schlag durch den Altarm in den Hochwald verlief. Und gleich neben diesem Wechsel stand ein weiterer, sichtlich wesentlich besser geeigneter Hochstand, um dem Schwarzwildbestand gefährlich werden zu können. Jeder erfahrene Jäger hätte jetzt diesen Hafen der Zuversicht angelaufen, nur ich blieb wie versprochen unbeirrbaren und wider jedes besseren Wissens auf meinem Platz. Diana sei Dank für meine Furcht vor der angedrohten Rüge meines Jagdkameraden, den damit verhinderte er, dass ich diesen Platz verließ.
Eine Stunde später, so gegen 7.00 Uhr, als der Auwald mittlerweile unerwartet in der wärmenden Morgensonne feucht erglänzte und ich eigentlich schon geistig beim deftigen ungarischen Frühstück im Jagdhaus weilte, knackste es leise direkt hinter mir. Vorsichtig drehte ich mich um und erblickte im dichten Unterwuchs hinter meinem Sitz drei schwarze, zottelige ungarische Hirtenhunde. Wie Donnerhall durchfuhr es mich, als mir bewusst wurde, ungarische Hirtenhunde sind grau oder weiß, diese Hunde sehen aus wie Überläufer, bewegen sich wie Überläufer, das sind Überläufer. Woher die drei Morgenwanderer kamen bzw. wohin diese wollten, war mir zu diesem Zeitpunkt völlig unklar.
Als sich aber die Gesellschaft hinter mir langsam Richtung Altarm bewegte, fiel mir auch wieder ein, wie eindringlich mich mein Lehrprinz belehrt hatte, Sauen seien gute Schwimmer und nun war es unmissverständlich klar, die Minirotte wollte durch den Altarm hindurch ihrem Einstand zustreben. Die letzte der drei Sauen war deutlich schwächer, mein Entschluss diese zu erlegen stand sogleich fest und somit beschoss ich die Sau, als sie die ersten Temperaturmessungen des Donauwassers mittels Eintauchen des rechten Vorderlaufes vornahm. Der Überläufer stürzte im Feuer nach vorne, verschwand kurz im aufspritzenden Wasser, tauchte wieder auf und legte sich im flachen Uferwasser auf die Seite.
Erst jetzt überfiel mich das Jagdfieber und ich stellte zitternd das Gewehr ab. Als ich wieder zu der Sau blickte, war diese spurlos verschwunden und die zwei glücklicheren Überläufer erklommen soeben das andere Ufer. Ich suchte die ganze Uferregion sofort mit dem Fernglas ab und als dies nicht das gewünschte Ergebnis brauchte, baumte ich ab und ging zum Anschuss. Hier lag viel Schweiß, als auch der Uferbereich sowie das Wasser waren völlig rot gefärbt. Nur die Sau war nicht mehr da.
Plötzlich hallte der mir aus mehreren gemeinsamen Ansitzen schon vertraute Knall der 8 x 68 Steyr meines Kameraden durch den Auwald. Ich begab mich wieder auf meinen Hochstand, um der Dinge und der Jagdkollegen zu harren. Nach zehn Minuten sah ich sie bereits am Gatter entlang, den vorher beschriebene Wechsel ausführlich begutachtend, auf mich zustreben.
“Was hast Du geschossen?” fragte mich Hans und Stefan, der ungarische Revierjäger unisono, als ich bei ihnen am Boden stand. Ich schilderte detailliert meinen ersten alleinigen Sauansitz. Hans und Stefan gingen daraufhin zum Anschuss, wo sie mich sofort beruhigten. “Die Sau geht nicht weit!”. Diese Aussage sollte sich bewahrheiten und hier wurde die heute noch andauernde Vertrauensbasis zu meiner 7 x 64 Voere Mauser und dem daraus verschossenen, so hervorragend wirkenden 10,5 gr. KS Geschoß gelegt. Wir begannen die Uferregion in allen Bereichen gründlich abzusuchen, aber es war weder weiterer Schweiß noch sonstige Hinweise auf den Verbleib der Sau zu finden und die ursprünglich gute Laune, vor allem von Hans war ziemlich im Keller.
Auf einmal fing Hans laut zu lachen an, Stefan und ich blickten uns kurz beunruhigt an, aber der Grund der plötzlichen Heiterkeit war uns nach kurzem Fingerzeig von Hans auch sofort klar; mitten im Altarm zwischen Blättern und verschiedenem Treibgut dümpelte die Sau geruhsam dem Gott sei Dank noch weit entferntem Schwarzen Meer entgegen. Die Strömung des flachen Altarmes hatte ausgereicht um die Sau mit fort zu tragen. Das Hans und Stefan mir bei dem nun folgenden kühlen Bad gerne den Vortritt ließen, nahm ich ihnen nicht übel, denn ich war froh die Sau bergen zu können, auch wenn es Ende März noch relativ früh für ein Bad in dem Donaualtarm war. Da das Wasser aber Gottseidank nur knapp knietief oder etwas darüber war, gestaltete sich die Bergung dann doch nicht als nasse Antarktisexpedition. Als ich auch noch auf der tropfnassen Sau liegend, es war übrigens eine schlecht durch den Winter gekommene Überlauferbache von aufgebrochen knapp 30 kg, zum Saujäger geschlagen wurde, war unser Jagdliches Weltbild wieder zurechtgerückt. Da Hans ebenfalls eine schwache Überläuferbache von nur 28 kg erlegt hatte, die allerdings im Feuer lag und somit problemloser versorgt werden konnte, stand einem gemütlichen Frühstück, das allerdings erst gegen Mittag mit den unvermeidlichen Ungarischen Getränken, wie Barack und Egri Bikaver endete, nichts mehr im Wege.
Das ich am Abendansitz nach dieser ausgiebigen Feier zu Ehren meines ersten Stück Wildes allerdings etwas verkatert war und mir die Sauen eigentlich wurscht waren, tat meiner Freude über mein erstes, eher ungewöhnlich erlegtes Stück Schalenwild keinen Abbruch.
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Auwaldfex

Auwaldfex

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Kommentare

26.11.2014 22:27 Hawlitschek
Die Geschichte mit dem Adjutanten - Klassiker! Ist mit auch schon passiert.
WH - schön geschrieben!
27.11.2014 07:10 Auwaldfex
WMD! Tja, seitdem haben die Adjutanten nichts mehr zu befürchten vor mir!
27.11.2014 13:22 Reven
Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Jagdmöglichkeit auf Sauen erinnern. Einwenig belächelnd tat ich damals Kund, einen Fuchs zu bekommen wär sicher weit schöner als eine Sau. Ich wusste damals nicht wie ich mich täuschen sollte, denn ich hatte bis da noch nie welche vorgehabt.
Nach zwei Ansitzen hatte ich meinen erste Überläufer- keiler liegen, ein helles Stück von rund 50kg. Nun stand ich vor dem Brassen und durfte ihn Bergen und Versorgen. Ich hatte damals noch keine eigene Kühlmöglichkeit und so ging es in meinem Ort zu einem Jäger, der eine nutzen durfte und das Stück hat er dann später auch mit mir zusammen zerwirkt.

Wann genau diese faszinierende SW-Passion aufkam, kann ich heute nicht mehr sagen. Aber schnell merkte ich, wie schwer Sauen zu bejagen waren. Ein guter Jagdkamerad im Revier führte mich nach und nach in die Jagdkunst auf Sauen ein und gab mir so machen guten Tipp und Rat. Ganz langsam begann die Anspannung, denn oft kommte ich die Schwarzkittel nur aus der Ferne, unerreichbar ausmachen. Und trotz dieser Distanzen stieg mein Plus mit jedem Anblick kontunierlich in die Höhe. Meine Passion war geweckt und heute sitze ich gern über viele Stunden und hoffe. Es gab auch eine Zeit, wo ich so aufgeregt war, dass ich einen Schuss nicht antragen konnte. Zu Lernen, diese Hürde in den Griff zu bekommen, war die weit wichtigere Herausforderung, die es galt zu beherrschen zu können.
Ja meine Passion ist nicht nur geweckt, sie ist Vollens da. Ich hätte damals nie erahnt wie schön es ist, diese Passion zu erleben und ihr immer wieder neu nachgehen zu dürfen.

Hubertus und Diana sei Dank, Reven.
04.12.2014 23:12 swinging_elvis
Horrido und Waidmannsheil! Tolle Geschichte! Sehr lesenswert. Gerne mehr davon. Gruß, el
05.12.2014 07:03 Auwaldfex
swinging_elvis schrieb:
Horrido und Waidmannsheil! Tolle Geschichte! Sehr lesenswert. Gerne mehr davon. Gruß, el

Danke, ja habe schon mehrere Kapitel fertig.....soll einmal ein Büchlein werden!
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