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Wollt ein Jägerlein jagen

Erlebnisse eines jungen Jägers (4 Einträge)

440 mal angesehen
25.11.2014, 20.07 Uhr

Wenn Katzen grunzen

Es ist Mitte November, als ich gemeinsam mit meinem Vater unseren langjährigen Jagdfreund Harry im Harz besuche, um an der jährlichen Drückjagd in dessen Revier teilzunehmen. Er würde mit seinem Revier an einer revierübergreifenden Drückjagd teilnehmen, die insgesamt rund 2800 Hektar umfasst. Wir malen uns gute Chancen aus, ist das Revier doch sehr wildreich. In den letzten Jahren war ein Großteil des Altholzes eingeschlagen worden (böse Stimmen sprechen gar von Raubbau), nun kommt der Aufwuchs hoch und das ganze Revier ist quasi eine einzige große Dickung, unterbrochen nur von kleinen Altholzrestbeständen. Ein Paradies für Schwarz- und Rehwild.
Kurz und gut, die Drückjagd verläuft alles andere als optimal. Laut Planung sollten in allen Revieren die Hunde um 10.30 Uhr geschnallt werden, aber bereits um 10.15 Uhr kommt ein Hund aus einem Nachbarrevier herüber, die Sauen riechen den Braten und verdrücken sich ins „Feindesland“, wo daraufhin ein munteres Feuerwerk losgeht, während wir in die Röhre gucken. Laut den Nachbarn soll die Rotte, die herüberkam, rund 30 Stück stark gewesen sein. Am Ende der revierübergreifenden Jagd liegen 52 Sauen und 60 Rehe, davon aber nur ein Überläufer aus „unserem“ Revier. Der schwerste Keiler des Tages wog sage und schreibe 150 Kilogramm.
Dennoch ist es ein sehr schöner Tag. Das Wetter ist kühl und klar und wir sind eine gesellige Runde, die sich da nach der Jagd an Wildgulasch mit Brötchen gütlich tut. Harry macht das Angebot, wer wolle, könne noch nachmittags bis zum Dunkelwerden auf herumziehendes und zurückkehrendes Wild ansitzen. Ich habe noch nicht genug und nehme dieses Angebot, genau wie mein Vater, an, woraufhin Harry mich gegen 15.20 Uhr im Revier absetzt und ich die letzten hundert Meter zu Fuß zu einem Drückjagdbock gehe, der am oberen Ende einer Schlucht steht. Von dort kann man den Weg, der in die Schlucht hinabgeht, entlangblicken. Dieser wird rechts und links von Aufpflanzungen gesäumt, ein nahezu undurchdringliches Filz aus Bäumchen im Plastikmantel, Brombeeren, Himbeeren, Disteln und hohem Gras, wie ich vormittags beim Durchgehen feststellen musste.
Ich richte mich mit meinem üblichen Ritual auf der Leiter ein, breite mein Filz auf dem feuchten Sitzbrett aus, hänge den Tarnschal um die Leiter, lege die Büchse griffbereit auf die Auflagehölzer und stelle mich auf längeres Warten ein. Nach kurzer Zeit höre ich links von mir ein Rascheln und sehe, wie sich das Gestrüpp in der Aufpflanzung in etwa 15 Metern Entfernung bewegt. In einer kleinen, halbwegs freien Stelle kann ich einen kleinen Tierkörper erahnen, überwiegend weiß mit ein paar schwarzen Flecken. „Nun gut, eine Katze“ denke ich mir und konzentriere mich wieder auf den Weg vor mir, wo ich mit herüberwechselndem Rehwild rechne.
Plötzlich fahre ich zusammen: Die Katze hat gegrunzt! „Moment, hier stimmt etwas ganz und gar nicht!“, zuckt es mir durch den Kopf. Und tatsächlich wechselt einen Moment später ein einzelner Frischling aus dem Filz heraus in die anschließenden Buchenloden. Fast ganz weiß ist er, nur auf der Flanke, dem Blatt und dem Wurf hat er schwarze Flecken. Ein Schecke! Bereits vor zwei Jahren hatte ich in Harrys Revier eine gescheckte Sau gesehen und mir wurde erst wirklicher Glauben geschenkt, als diese zwei Tage später von der Wildkamera portraitiert wurde. Alles Nachstellen meinerseits war allerdings vergeblich, die Sau blieb verschwunden. Nun also sollte ich die Gelegenheit bekommen, doch noch eine weiße Sau bei Harry zu schießen, wenn auch eine ziemlich kleine.
Ich „liege“ im Anschlag hinter meiner gespannten Büchse und das Absehen fährt auf dem Frischling mit, während ich auf den passenden Moment warte. Er zieht schräg von mir weg durch den Rand der Buchenloden, immer so, dass ich nicht schießen kann (Baum-schräg-Baum-Baum-schräg-…). Kurz darauf tut er mir den Gefallen, breit und halbwegs unverdeckt in etwa 20 Metern Entfernung zu verhoffen. Mit einem Donnerknall wirft ihn die 8x57 um.
Nach einem reflexartigen Blick auf die Uhr -15.35 Uhr- besinne ich mich und kann es nicht fassen: Habe ich tatsächlich gerade einfach so eine weiße Sau geschossen?
Genauso ungläubig reagiert mein Vater, als ich ihn über den schnellen und ungewöhnlichen Erfolg per SMS unterrichte. Er hat nicht weit entfernt von mir gesessen und den Knall natürlich gehört. Auch Harry kann es nicht fassen, als ich ihn nur gut 20 Minuten, nachdem er mich abgesetzt hat, anrufe und bitte, mich wieder abzuholen, weil ich schon Strecke gemacht habe. Was ich geschossen habe, verschweige ich wohlweislich. Als Harry mit dem Auto neben meinem Sitz hält, trage ich mit einem breiten Grinsen den Frischling aus den Buchen. „Du bist doch verrückt!“ entfährt es ihm ehe er mich mit einem „Waidmannsheil!“ kräftig umarmt, nachdem ich den Frischling auf dem Wildträger abgeladen habe.

Unter engen und echten Freunden in einem wunderschönen Revier ungewöhnliche Beute machen, was gibt es schöneres?
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Cobra

Cobra

Alter: 26 Jahre,
aus Raum Köln/Bonn

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Kommentare

26.11.2014 05:33 swinging_elvis
Waidmannsheil zur "groben" Sau el
26.11.2014 08:22 RhoenerKauz
Waidmannsheil!
Da würde sich doch ein Spanferkel mit Schwarte anbieten? Kann man ja eigentlich wie bei nem Hausschwein vergleichen...
26.11.2014 12:45 Auwaldfex
WMH dir und WMD dem "Harry!"
26.11.2014 13:15 Cobra
Waidmannsdank euch allen!
28.11.2014 07:34 Rapsjaeger
Weidmanns Heil zum "Meerschwein"! Nach Drückjagden zu sitzen ist oft recht erfolfgreich. So habe ich mich mal sehr enttäuscht in eine Wiese gesetzt, weil ich nach dem Anblick von abfahrenden "Drückjägern" im Nachbarrevier meinte, der geplante Sauenansitz wäre damit aussichtslos. Eine Stunde später hatte ich meine erste Sau und 20 Minuten später die nächste...
28.11.2014 08:54 Cobra
Rapsjaeger schrieb:
Weidmanns Heil zum "Meerschwein"! Nach Drückjagden zu sitzen ist oft recht erfolfgreich. So habe ich mich mal sehr enttäuscht in eine Wiese gesetzt, weil ich nach dem Anblick von abfahrenden "Drückjägern" im Nachbarrevier meinte, der geplante Sauenansitz wäre damit aussichtslos. Eine Stunde später hatte ich meine erste Sau und 20 Minuten später die nächste...


Waidmannsdank!
Richtig. Gerade wenn die Rotten gesprengt werden, sind die Frilis oft am hellichten Tag unterwegs und suchen die Bache.
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