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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Hahnen-Fieber 1 Hahnen-Fieber 2 Hahnen-Fieber 3
351 mal angesehen
25.11.2014, 16.07 Uhr

Hahnen-Fieber

Vor nicht allzu langer Zeit lieh mir ein Jagdfreund (der Langhoxerte!) ein Buch, welches den Namen „Leidenschaft Jagd“ trug. Welch Fehlgriff im Titel – oder doch nicht? Es handelte sich um eine Sammlung der schönsten Erzählungen des Autors Wolfgang Freiherr von Beck und in den meisten dieser Erzählungen fiel nicht ein Schuss… nicht ein Schuss! Ich gebe zu, das Einlesen bedurfte einiger Zeit, steigt doch dieser Jäger immer wieder in die Berge seiner Heimat, „nur“ um Gämsen – dann allerdings Gamspersönlichkeiten – über die Jahre zu beobachten. Als Beispiel seien hier der Einkrucker und der Keinkrucker genannt. Genauso begibt er sich immer wieder zu einer Baumpersönlichkeit, um in dessen Schatten einen Adler sowie die Natur in der Umgebung zu beobachten… zu beobachten… über Jahre…

Gibt es denn sowas? Oder: ist solch eine Haltung gegenüber der Natur heute noch zeitgemäß? Muss man diesem Waidmann das Feuer absprechen?

Es war Ende 2013, als ich zu meiner großen Freude zum wiederholten Male die Einladung eines Freundes aus Südtirol erhielt, mit einer ausgesuchten Gruppe Jäger Anfang Mai die Balz des großen Hahnes zu erleben. Alles passte, so dass ich sogleich mit Feuer und Flamme zusagte. Schnell war das Frühjahr da und schon ging es mit der Bergausrüstung los Richtung Süden. Schon alleine die Anreise war mit Stationen im Raum Stuttgart und im Allgäu ein Abenteuer und ein besonderes Erlebnis. Schön war, dass es dieses Mal keine Hau-ruck-Aktion sein musste. Ich hatte mir genügend Zeit auch für die Anreise genommen, so dass ich die Gastfreundschaft meiner „Mitjäger“ in vollen Zügen genießen konnte. Meinen herzlichen Dank rückwirkend!!!

Endlich aber rollten drei hoffnungsfrohe Waidmänner vom Allgäu rüber ins „gelobte Land“ und hinauf in die Berge. Kurzweilig war die Fahrt und schneller als gedacht waren wir in der Nähe des Jaufen-Passes angekommen, wo sich die Jagdhütte befindet. Unser Gastgeber befand sich soeben auf Erkundungstour im Hahnengebiet, so dass wir uns sogleich mit Bergstiefeln und Bergstock bewaffneten und in eine telefonisch vereinbare Richtung pirschten. Anders als beim letzten Mal lag heuer noch eine tüchtige Schneedecke, die nur um die Bäume herum aufaperte. Welch herrliche Natur!

Da kam er ja auch schon aus dem Bergwald gestapft! Wie groß war das hallo und die Wiedersehensfreude. Die Stimmung war ausgezeichnet. Sogleich durften wir auch an einer kleinen Führung zu potentiellen Hahnen-Einständen teilnehmen. Interessiert wurde jedes Zeichen, ob Geläuf oder Gestüber im Schnee war genommen. Die Vorfreude auf den kommenden Hahnenmorgen stieg. Am Ende durfte auch das sich Vertraut machen mit einer alten Fortbewegungsmethode der Ureinwohner nicht fehlen: die berühmt-berüchtigte Arschrutsche am Hang. Welch ein Spaß!

Dann ging es zurück und es hieß, die Ausrüstung und das Mitgebrachte zur Hütte zu schleppen, da der Weg aufgrund des Schnees nicht befahrbar war. Aber das macht solch‘ gestählten Bergjägergestalten natürlich nichts aus… Für die Anstrengung wurden wir dann auch sogleich mit Unmengen an Speis und Trank entlohnt, dass es eine wahre Freude war. So lässt es sich leben in der kargen Bergwelt! Der Hahnenvater war ebenfalls eingetroffen, so dass der Abend mit Plänen für den kommenden Morgen und Horrido-Gesängen schnell verging („Es war einmal ein treuer Husar…!). Ein besonderes Schmankerl stellte eine kombinierte Probe der musischen Künste Südtirol / Allgäu dar: die zwei spielten zusammen Trompete, dass es eine wahre Freude war… erst recht, als die beiden auch noch einmal vor die Hütte traten und der Klang von den Bergwänden zurück geworfen wurde… welch ein Hochgenuss!

Aufgrund weitestgehend kontrollierten Saufens am Abend wurde (fast allen, Stichwort Nussler!) das frühmorgendliche Aufstehen nicht zur Qual. Schnell die vielschichtige warme Jägerkleidung an, ein Schneehemd konnte auch nicht schaden und schon stapften wir in die noch stockfinsterer Nacht. Der Langhoaxerte durfte mit dem Hahnenvater gehen und das unterhalb liegende Gebiet verhören, der Allgäuer und ich folgten unserem Gastgeben in die höheren Lagen, um hier nach dem Wundertier zu suchen. Um es vorweg zu nehmen: am ersten Morgen konnten zwar Hahnen bestätigt werden, es kam allerdings keiner in Anblick. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch, schließlich waren sie da und wir hatten ja noch Zeit. So ging es also zurück in die Hütte, in der wir ausgelassen den Tag verbrachten, nicht ohne Bergflora und –fauna weiter mit Trompetenklang zu erfreuen. Selten im heutigen Leben hat man so einen Tag, an dem nichts drängt, nichts treibt… welch Labsal für die Nerven!

Am kommenden Morgen dann teilten wir uns neu auf. Ich wurde von meinem Bruder in Huberto, dem Langhoxerten geführt, die beiden Trompeter versuchten ihrerseits ihr Glück, Mittlerweile hatten alle den Vorteil der Schneetarnung erkannt und so bewegten wir uns fast unsichtbar durch den noch nächtlichen Wald. Endlich waren wir an einer Stelle angekommen, von wo aus sich das Verhören lohnen sollte. Zunächst aber schwieg der Wald, nur ein Käuzchen war aus der Ferne zu hören. Nach einiger Zeit verlagerten wir unseren Standplatz ein wenig und plötzlich, mein Jagdbruder erlauschte es zuerst, waren die ersten magischen Töne zu hören. Unterhalb im Hang vernahm man das erste noch müde Glepfen eines Hahnes. Ich schloss die Augen, öffnete leicht den Mund und versuchte, diesen geheimnisvollen Laut quasi aufzusaugen, jede Nuance zu vernehmen. Ob vielleicht schon das Schleifen zu vernehmen sei oder der Hauptschlag, dieser Sektkorkenknall am Ende der Strophe? Ja, plopp machte es das erste Mal, der große Hahn spielte sich ein. Nach einiger Zeit dann wollten wir es wissen. Der eine den anderen deckend wollten wir den Auerhahn anspringen. Hang ab ging das mit weiten Sprüngen recht schnell, erforderte aber am Ende des Schleifens, während dessen der Vogel taub und blind zu sein scheint, - vollkommen im Balzrausch versunken quasi -, ein ruckartiges Beenden der Talfahrt, wobei uns der Bergstock eine große Hilfe war. Ohne diesen wäre es mit dem Gleichgewicht manches Mal so eine Sache gewesen.

Teck, teck-teck… immer wieder begann der Wundervogel seine Strophe aufs Neue, immer wieder warteten wir auf das Schleifen, näher und näher kamen wir dem vermuteten Standort, um das Anspringen beim plopp erneut zu unterbrechen. Alles lief wie am Schnürchen. Doch da! Was war das? Der Hahn verschwieg. Hatte er uns mitbekommen? Wir standen starr wir die Statuen im Bergwald, suchten nur mit den Augäpfeln in den Wipfeln nach einem Anzeichen, einen Scherenschnitt gegen den Himmel im Morgengrauen. Doch nichts. Unendlich langsam schien die Zeit zu vergehen. Würde der Hahn aushalten? Plötzlich erfüllte ein Rauschen die Fichten unter uns und wir sahen einen Schatten hangabwärts streichen: den Hahn! Enttäuscht schauten wir uns an. Vertan, vergeblich! Schnell wies ich den Langen darauf hin, dass ich meinte, einen weiteres Stück Auerwild mit stählernem Schlag der Fittiche in der Nähe einfallen gehört zu haben… vielleicht…? Der Freund aber tat einige unwirsche Schritte bergan ob der verlorenen Chance, als es nicht weit entfernt erneut in den Bäumen rauschte. Ich hatte mich nicht getäuscht. Was nun an einer Reihe grober Flüche folgte, soll mit Rücksicht auf den Leser hier nicht widergegeben werden! Ich nahm es leicht! So ist Jagd, so ist auch diese „Schein“-Jagd auf den großen Hahn. Zum Glück hatte sich der Langhoxerte nach kurzer Zeit schon wieder beruhigt, die Flammen loderten aber noch einmal auf, als wir auf den anderen Suchtrupp stießen, der frohgemut den Erfolg und die Beobachtung eines balzenden Hahnes aus nächster Nähe verkündete. Aber hallo! Schon auf dem Weg zurück verbuchten wir dieses Erlebnis, welches gerade die Allgäuer „Hahnen-Jungfrau“ schwer beeindruckte, als unseren gemeinsamen Erfolg. Auf zur Hütte! Es wartete ein ereignisreicher Tag auf uns, denn wir mussten den Proviant aufbessern… und Bier war auch schon leer…

Es folgte ein wunderbarer Tag im Kreise der Hahnenverluser, den wir in der Stadt und bei Freunden unseres Gastgebers verbrachten, wo es in der Jägerstube herrliche Trophäen von Gams, Rot- und Rehwild anzuschauen gab. Das leibliche Wohl kam wie immer auch nicht zu kurz und so sahen wir uns gut gerüstet für den letzten Morgen. Mein Team unter der Führung des Langhoxerten, auch der Graf genannt, legte sich einen Plan wie folgt zurecht: Dieses Mal wollten wir schon früh so nah wie möglich an den vermuteten Balzplatz des heute vertretenen Hahnes heran, um bei Beginn der Morgenbalz alle Möglichkeiten zu haben. Dann hatten wir nicht so einen weiten Weg zu überwinden, so die Hoffnung. Gedacht und umgesetzt. In fast stockfinsterer Nacht schlichen zwei Gespenster durch den verschneiten Bergwald zum Ort gestriger Ereignisse. Nach kurzem Peilen der Lage wählten wir einen Fichtenstamm als Rückenlehne und ließen uns, mit Blick bergab und in Richtung des vermuteten Balzplatzes, nieder.

Was war alleine dieses Hocken in freudiger Erwartung und in dieser Natur ein Erlebnis! Nur sachte sickerte das erste Licht zwischen den Baumriesen hernieder und erhellten zusätzlich zum Schnee unsere Umgebung. Plötzlich ein Stoß in die Seite. Mein Freund hatte die ersten Klänge vernommen. Ja, jetzt hörte auch ich es. Der Hahn stand nicht auf demselben Baum wie gestern sondern etwas tiefer links. Das sollte uns aber nicht stören, frohgemut packten wir es an. Es würde schon klappen! Ich sprang voraus.

Wieder vertieften wir uns ganz in den Rhythmus des wundersamen Liedes. Immer schneller spielte der Auerhahn sich ein, in langen Sprüngen kamen wir näher. Jetzt mussten wir auf vielleicht dreißig Meter heran sein. Nicht mehr drei sondern nur noch zwei Sprünge machte ich nun um ganz sicher zu sein. Mein ganzes Sinnen stand danach, die Silhouette des großen Vogels endlich gegen den Himmel zu sehen. Nur am Rande bemerkte ich, dass die Sprünge des Grafen hinter mir nicht mehr zu hören waren… oder sprang er im gar wundersamen Einklang mit mir? Zwei weitere Sprünge – stop! Der Hahn balzte munter weiter, aber wo war er nur? Ich war wie im Wahn, suchte die Wipfel ab, fand aber nichts. Plötzliches Verschweigen. An mir konnte es nicht liegen, denn ich verhoffte soeben und wartete auf das nächste Schleifen. Stille! Hitze unter der Jacke. Hitze im Kopf. Hahn, wo bist Du? Teck, teck-teck… spielte er sich wieder ein. Aber was war das? Soeben hatte ich einen quer zum Hang verlaufenden Forstweg übersprungen und war mir sicher, der Hahn stand unterhalb desselben. Nun aber kamen die Strophen von links oberhalb des Weges. Ein Umstellen hatte ich aber beim besten Willen nicht vernommen. Egal, im Fieber sprang ich wieder den Berg hinan, dem Hahn entgegen. Erneutes Verschweigen. Wieder konnte er mich nicht mitbekommen haben – theoretisch. Im Schädel wälzte ich die Möglichkeiten, was hier geschah, war regelrecht im Wahn: Wo ist der Hahn!!!

Da, jetzt balzt er wieder! (Analogie: „Da bläst er!“) Aber oh Wunder, nun steht er anscheinend rechts oberhalb des Weges, Ich kannte mich selbst nicht mehr. Zwei Sprünge in diese Richtung und erneutes Verhalten. Waren das Wahnvorstellungen, Hahnen-Fieber? Konnte ich mich so täuschen? Ein drittes Mal erloschen die wundersamen Klänge und ich verharrte, wartete auf ein erneutes Einspielen…doch da, eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ohne großen Flügelschlag, ohne Hast sah ich den Hahn aus einem nahen Wipfel – fast über mir - zu Tal reiten. Und nun fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Was ich bei Cramer-Klett bereits gelesen hatte, war mir nun selber passiert. Ich hatte den Hahn quasi untersprungen und anscheinend verschlägt sich der Schall dann derart, dass das Lied aus allen Richtungen zu kommen schien. Hereingefallen! Und den Hahn hatte das alles nicht gestört. Er hatte seine Morgenbalz in aller Ruhe beendet und war dann zu den morgendlichen Äsungsplätzen verstrichen. Ausgetrickst! Bedeppert stieg ich den Hang wieder hinauf, über den Weg und versuchte dabei, mich zu ordnen. Kurz oberhalb traf ich auf meinen Freund, der an dieser Stelle, übrigens mit gutem Ausblick auf den balzenden Hahn, zurück geblieben war im Glauben, ich hätte den Vogel auch gesehen und wolle eine noch bessere Position erreichen. Aber nix war’s. Mein Freund hatte den Hahn beobachtet, fotografiert und sogar gefilmt, ich war dem Hahnen-Fieber erlegen. Sapperlot. Ich konnte es nicht fassen.

Aber auch so waren wir beide bald wieder bester Laune, teilten wir doch erneut ein besonderes Erlebnis. Die Stimmung stieg noch, als der Südtiroler und der Allgäuer zu uns stießen und wir hören mussten, dass die Hahnen des Jaufen-Passes unseren Hahnen-Neuling quasi wie die Keiler der Tiefebene annahmen! Bei der stillen Pirsch kam gleichsam der Berg zum Propheten, die beiden wurden von einem Hahn in der Bodenbalz fast umgerannt! Anders konnte man es einfach nicht nennen. Nach dem Beobachten aus nächster Nähe hielt der Hahn seine Vorstellung für abgeschlossen und verschwand hinter Baum und Schneewehe! Welch wundersames Erlebnis!

Viel zu schnell kam dieser letzte Tag. Viel zu schnell hieß es wieder Abschied nehmen von unserem großzügigen Gastgeber. Tolle Eindrücke konnten wir wieder mitnehmen, Eindrücke, die alles andere als alltäglich sind: ein Kleinod, welches wir mit nach Hause nehmen durften.

Nach diesem Erlebnis muss ich obige Frage hinsichtlich des Feuers mit Nein beantworten. Feuer, nein Fieber war bei der „Jagd“ auf den großen Hahn in mir gewesen. Eindruck und Erlebnis, Stunde und Stimmung sind viel tiefer gegangen als bei so manchem Waidmannsheil mit Büchse oder Drilling. Ich muss sagen, dass ich nach dem Einlesen in diese Ausnahme-Literatur fast nicht mehr von ihr lassen konnte… so sehr, dass heute eine ganze Anzahl der Werke dieses Jägers mein Regal zieren… ja, dieses Jägers!
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swinging_elvis

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Kommentare

25.11.2014 16:29 platzi
Geschrieben so detailgetreu - als ob man dabei gewesen wäre!
Kompliment!
Diether

P.S.: was ist denn das für ein krumme Bergstecken?
28.11.2014 07:26 Rapsjaeger
Ja, ja... das Jagdfieber ....
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