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Strecke vom Wochenende Nochmal Strecke vom Wochenende
832 mal angesehen
17.11.2014, 05.37 Uhr

Schwarzwild satt!

Okktober. Überall im Umkreis werden die Maisschläge gehächselt, somit die Sauenparadiese immer kleiner. Traditionell die Zeit des Jahres, da die Sauen in mein Revier einfallen. Das restliche Jahr über sind immer mal ein paar kleinere Stellen umgedreht, man fährtet mal das ein oder andere Stück, nichts Planbares oder Konstantes. Durch Zufall kommt einem beim Fuchs- oder Rehwildansitz mal ein Schwein vor die Büchse.

Die einzige größere Suhle im Umkreis liegt bei mir, beim Transit zwischen den westlich und östlich gelegenen, großen zusammenhängenden Waldgebieten wird diese des öfteren angenommen, daher hängt dort auch eine Wildkamera. Beim Auslesen staune ich nicht schlecht. Innerhalb weniger Tage drei ganz klar unterscheidbare Rotten: eine reine Frischlingsrotte mit acht Frischlingen der 30-kg-Klasse, die sich auch am hellichten Tage dort aufhalten (siehe Videos), eine Rotte mit 15-18 sehr starken Sauen, eine gemischte Rotte > 23 Sauen. Aus dieser hat der Reviernachbar Ende September bereits einen Keiler mit > 80 kg herausgeschossen. Bisher blieb ich von Schäden verschont.

Beim letzten Mond, ich bin gerade geschäftlich 300 km von Zuhause weg, Anruf eines Jagdfreundes: "...bei Dir haben heute Nacht die Sauen gebrochen, sieht aus als wäre ein Pflug durchgefahren...". Na Super, wie immer an der gleichen Stelle, die Ecke ist feucht, im Schlagschatten. Gegen 21 Uhr komme ich Zuhause an, schnell was essen, umziehen, raus auf den Ansitz. Ostwind, Mist, da muß ich auf die unbequeme offene Leiter, wenigstens keine Gefahr einzuschlafen. Gegen 22 Uhr sitze ich. Das Licht ist gigantisch, strahlend hell, man sieht teilweise Farben. Beim Angehen bin ich schon über einen stattlichen Dachs gestolpert, wir waren beide sehr überrascht, um die Sauen nicht zu vergrämen bleibt die Kugel im Lauf.

Gegen 22:45 Uhr perlen plötzlich die Sauen aus dem östlich gelegenen Maisschlag, verhoffen auf ca. 150-170 m. Ich suche mir eine der schwächeren raus, die etwas separat steht. Sie steht leicht spitz, wenn ich jetzt vor dem Vorderlauf reingehe sollte ich vor dem Zwerchfell rauskommen. Nach dem Schuß geht die Rotte über das freie Feld nach Norden durch einen Blühstreifen ab. Ich bin wieder sehr froh darüber, so viel Zeit in eine Laborierung investiert zu haben, die bei hoher Energieabgabe aus einem relativ kurzen Lauf kaum Mündungsfeuer macht. Die Rotte bleibt kurz hinter dem Blühstreifen unruhig stehen, ein weiterer Schuß wäre möglich, allerdings sehe ich die beschossene Sau nicht, Mist, der Finger bleibt gerade, ich möchte keinen zweiten unklaren Schuß riskieren.

Nach einer Weile baume ich ab, gehe zum Anschuß, nichts, kein Schweiß, kein Kugelriß. Kann nicht sein, ich bin gut abgekommen. Ich riskiere nichts, ein guter Jagdfreund muß herhalten. Er klingt am Telephon etwas verschlafen, packt allerdings nach kurzer Diskussion seinen Dackel ein, und kommt. Wenige Minuten später suchen wir zu dritt nach dem Anschuß, nichts, wir suchen im Umkreis. Ich bin schon kurz davor abzubrechen. Wir einigen wir uns darauf, den Dackel frei verloren suchen zu lassen. Der kleine Kerl verschindet im Blühstreifen, macht einen Bogen, kommt wieder an anderer Stelle raus, wieder an der ersten Stelle rein, wieder auf dem selben Weg zu uns. Diesmal kläfft er uns kräftig an, und fordert uns auf endlich mitzukommen. Die nicht führende ÜL-Bache liegt im Blühstreifen, der erste Schweiß ist an den Stängeln abgestreift. Der Schuß sitzt genau dort, wo er sitzen sollte. Das 11,5 g TIG hat Lunge, Herz und Leber durchschlagen und steckt ausschußseitig zwischen den Rippen.

Drei Tage später, ich bin an diesem Wochenende auf einem Familienfest 450 km weg, klingelt mein Telephon, mein Mitjäger hat nach ergebnisloser Maishächselwache den gleichen Maisschlag abgefährtet, an dem ich die Sau geschossen habe. "...Die Sauen stecken im Mais...". Kurz rumtelephoniert, schnell hat man 10 Schützen zusammen, 15 Bauern aus dem Ort kommen mit Prügeln bewaffnet, die angrenzende Straße wird großzügig mit großen Schleppern abgesperrt. Schnell wird ein Schlachtplan aufgestellt, wie man Schützen abstellen kann, damit eine Gefährdung der Beteiligten minimiert werden kann. Die Bauern treiben wie die wilden, die Sauen wuseln um deren Füße. Sieben Frischlinge (sechs bei uns, einer beim Nachbarn) zwischen 25 und 35 kg können erlegt werden, ein Bauer aus dem Ort bricht die Sauen unter Zuhilfenahme des Hoftracks auf dem Hof des Jagdvorstandes auf.

Mein Streß geht nun am Tag drauf, nach meiner Rückkehr los. Zwar durften wir unsere Sauen dankendswerter Weise wieder in der zum städtischen Wildpark gehörenden Kühlung zwischenparken, allerdings muß diese in der DJ-Saison möglichst schnell wieder geräumt werden. Ein befreundeter Metzger schwartet ab und zerwirkt. Wir stehen bis spät in der Nacht im Zerwirkraum und vakuumieren. Die stärkere Bache vom Ansitz wandert in die Wurscht, schmeckt köstlich.

Am vergangenen Wochenende stand nun die langfristig geplante Treibjagd in meinem Revier an. Bereits vor Wochen wurden die Stände ausgezeichnet, DJ-Hocker gestellt, Schneisen gemäht, die Einladungen ausgesprochen. Nach dem obigen jagdlichen Erfolg bin ich eher skeptisch. Die Kirrungen sind nur schwach bis nicht angenommen, auch die Mahlbäume lassen wenig erwarten. Am Morgen noch drei Absagen, gesundheitliche Einschränkungen. Nach kurzer Lagebesprechung entscheiden wir uns, auf Risiko zu spielen. Wir haben drei Ecken, in denen die Sauen liegen können. Wir entscheiden uns, den nord-östlichen Teil nicht zu umstellen, nur ein Schütze wird an dem bekannten Fernwechsel angesetzt.

In bewährter Manier durchkämmen die Treiber den Wald. Zu Beginn gehen vier Stück Rehwild über die Straße zum Nachbarn, ein Fuchs, ein paar Hasen. Man merkt wie von Minute zu Minute die Motivation bei den Treibern nachläßt, das Rufen wird leiser und seltener. Ich fange an mir Sorgen zu machen, wir werden viel zu früh fertig sein, das Schüsseltreiben ist doch noch gar nicht fertig vorbereitet, 17 Schützen und 15 Treiber aufgemüdet und in den Wald gejagt für nichts, all die Vorbereitungszeit umsonst...

Bumm, oh, ein Fuchs? Bumm, Bumm, drei Schuß in schneller Folge: kein Fuchs! Bumm, Pause, anderes Bumm, okay, von den Richtungen her Thomas, Meinrat, Erwin, wieder drei Schuß, Andy, passt, wie erwartet fängt es hinter mir an zu krachen, in 40 m Entfernung flüchtet eine Sau über die nur 2 m breite Rückegasse, Mist, jetzt hab ich auch noch auf das DJ-Glas geatmet, die nächste geht unbeschossen durch, schnell mit dem Handschuh drüber gewischt, auf die dritte werde ich einen Schuß los, gefehlt. Unmittelbar hinter mir zwei Sauen auf kurze Entfernung, zwei schnelle Schüße, beide Sauen liegen. Zwischenzeitlich hat es hinter mir vier mal gekracht, es fallen noch mehrere Schüße.

Natürlich lagen die Sauen in der nicht abgestellten Ecke. Die Treiber haben die Rotte hoch gemacht. Der erste Schütze hat dreimal eindeutig gefehlt. Die gemischte Rotte mit 16 Sauen ließ sich nicht durch eine massive Zäunung irritieren, und ist ungebremst durch den Zaun gerauscht.

Insgesamt fielen bei uns 11 Sauen in der Gewichtsklasse zwischen 31 und 81 kg, eine nicht führende Bache hatte inne, zwei Sauen fielen beim Reviernachbarn, somit sind 13 von 16 Sauen zur Strecke gekommen. Alle Stücke sauber geschossen, die Kontrollsuchen mit erfahrenen Nachsuchengespannen blieben erfreulicherweise Ergebnislos. Wieder wurde zentral aufgebrochen, alle Sauen noch auf dem Streckenplatz verkauft! Das gemütliche Zusammensein dauerte für einige bis um drei Uhr am darauffolgenden Morgen!
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the_69

the_69

Alter: 41 Jahre,
aus Winkl
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