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Africas most dangerous

Jagderlebnisse in Africa (3 Einträge)

762 mal angesehen
11.11.2014, 21.18 Uhr

Africas most dangerous

Hallo Foristen ,
über 100 Jahre haben die Jäger Afrikas dieses Thema gewälzt und sind zu unterschiedlichsten Ergebnissen gekommen; ich auch :

es ist der Berufsjäger mit seinem Auto.
Ob bei den Österreichischen Bundesforsten, in Namibia, Zambia oder Zimbabwe.
Völlig wurscht, sie düsen alle wie die letzten Henker und es ist oft ein Wunder, dass nicht mehr passiert. Streit darüber, dass was passieren kann-haben Sie gern.
Die Vorstellung, dass auch jemand anderes eine unübersichtliche Waldpistenkurve entlang knattern könnte ? Nein, die haben sie nicht. So sind sie nun mal, diese großartigen Berufsjäger. Unerschrockenheit in jeder Lebenslage, das ist es was zählt.

Nach unserer Büffeljagd stand ich einmal oben auf dem Pickup bei den Jungs, schwatzten lachten, rauchten und genossen das Leben und die Aussicht.
Auch der PH fühlte sich gut drauf und gab auf der Buschpiste so richtig Vollgas.
Der Hut flog vom Kopf und plötzlich streifte mich etwas am Schädel.
Beim Zugreifen merkte ich schon die Schnittwunde, aber auch meine weichen Knie, da dieser Schnitt gar nicht mehr aufhören wollte.
Vollbremsung reingehauen und die Wunde wurde höchst interessiert begutachtet.
Höchst interessiert war ich vor allem am Blutverlust, da ich keine Ahnung hatte, dass Verletzungen dieser Art bluten können wie ein bei einem angestochenes Schwein. Leise Angst beschlich mich ,da ich eine Vorstellung hatte, wie lange es in die nächste Klinik gehen könnte, wie lange es überhaupt aus diesem Busch heraus dauern kann und meine Hände sahen bereits aus wie in Scharlach getaucht.

Guter Rat was nun? Mein PH gab mir einen Schal den er im Auto fand um die Blutung zu stillen, was ich im Hinblick auf die mögliche Verkeimung höflich ablehnte.
Zudem stellte ich fest , dass mein afrikanischer PH außer Klopapier nix ,aber rein gar nix an Bord hatte, was nach Erste Hilfe Set aussehen könnte.

Gott sei Dank trenne ich mich in fernen Ländern eigentlich nie von meinem Daypack und da ist auch ein Notfall Kit dabei.
Nun galt es erstmal die Blutung zu stoppen. Den Inhalt einer frischen Packung, der mit Recht so brauchbaren und beliebten Tempo Taschentücher, presste ich nun auf meinen Kopf und war überrascht, dass diese ruck zuck durchgesuppt war………..
Ist nichts, nur ne Fleischwunde, das sagte doch einst auch immer John Wayne, wenn er sich ein Bajonett oder einen Indianerpfeil aus der Lunge zog.
Daran richtete ich mich auf und das Bluten wurde peus a peus weniger.
Mein Jäger meinte, wir müssen in die Klinik, diese Meinung teilte ich auch, aber der Gedanke daran, nun 6 Autostunden unversorgt bis nach Bulawayo, sitzend im offenen Auto, zu fahren war nicht gerade dazu angetan meine Stimmung zu heben.
Aber nein, nix Bulawayo, am Gwayi River ,1-2 Stunden von hier gibt’s auch eine Klinik.
Famos, dachte ich mir und nix wie hin. Nach holperiger Fahrt ,kamen wir in einem besseren Buschdorf an. Besser deswegen ,weil es auch einen LKW Parkplatz mit drei Trucks dort hatte und einen Store wo man Coca Cola kaufen konnte, wenn auch ungekühlt, da wieder mal der Strom ausgefallen war.

Die „KLINIK“ war eine kleine Drei Zimmerbehausung mit dem Charme einer Bahnhofswirtschaft aus den 60iger Jahren (das können sich die Jüngeren hier nicht mehr vorstellen, aber lasst es Euch gesagt sein: Ihr habt nichts versäumt  ).
Vorstellig war dem eine resolute Krankenschwester mit Ihrer charmanten Helferin, deren Blutflecke (Aidsrate hier im Lande etwa 50% ) auf Ihrem weißen Kittel nach reichem Erfahrungsschatz aussahen und ich fühlte mich gleich in guten Händen.
Nun wurde mein Puls gemessen, mein Gewicht samt Kleidung gewogen und die Daten von mir aufgenommen. Da erlaubte ich mir der Lady zu sagen, dass wir in Deutschland, erst nach der Wunde sähen und man dann das Administrative mache .Leute, ihr wisst es alle; es ist gelogen, aber ich war nicht zwingend in der Stimmung, noch länger ohne Behandlung dazusitzen.
Sie lächelte mich an und meinte, bei der Wunde müsse sie mir auch die Haare scheren.
Oh je, dachte ich mir und sinnierte an meine Pferdeschermaschine daheim und die Vorstellung, dass gut 100 kraushaarige Köpfe damit schon zur Glatze gefunden haben.

In Afrika habe ich stets meine eigenen Kanülen und Spritzen, samt Latex Handschuhe dabei und reichte es der Krankenschwester. Worauf diese stolz antwortete, man habe auch steriles Werkzeug in Zimbabwe(bei letzterem schwoll Ihre Brust, stolz sind sie schon die Matabele Damen- schön auch) und tatsächlich ganze Klinikpackungen Handschuhe, Spritzen und Kanülen lagen vor mir. Erhalten von Unicef . Wohin meine jährliche Weihnachtsspende nun geht ,weiß ich nun auch.
Auch nahm sie ein frischverpacktes Skalpell und rasierte mir mein schütteres Haupthaar (schnüff), wusch die Wunde reichlich mit Betaisodona (kenn ich von unseren Pferden wenn was passiert, ist gut) und nähte wie eine Schneidermeisterin der Haute Couture.
Die Lady hatte es drauf und garantiert oft weitaus schlimmeres erledigt, als meine acht Stiche. Das meinte auch der Arzt daheim, der mir die Fäden zog (aber es waren halt
„Kaibe Strick“-Kälberstricke für die Nichtbayern ,die Fäden, die die Wunden aneinander fügten).
Die Daten wurden weiter aufgenommen und ich war gespannt auf die Rechnung, die die Lady für diesen medizinischen Dienst verlangte.
Sage und schreibe 1.- (einen) US Dollar war das Honorar und mein Trinkgeld ging in eine ganz andere Richtung. Wer mitten im afrikanischen Busch bereits einmal ärztlich versorgt wurde, weiß was ich meine und kann mich verstehen. Einfach Dankbarkeit.
Zwei Tage später hatte ich zur Ansicht wiederzukommen und alles war gut.

So harmlos obiger Bericht nun klingt, es hätte ruckzuck anders ausgehen können. In der Klinik München-Grosshadern brauchen die Chirurgen für eine Gehirnblutung rund 7-8 Stunden. Ich will gar nicht wissen, wie viele Stunden im KKH in Bulawayo  ein Chirurg braucht, wenn es denn einen Neurologen dort überhaupt gibt.

Wenn Ihr erlaubt, meinen Rat aus diesem Vorgang für die Wildnisjäger unter Euch:

Kümmert Euch bereits von zuhause aus um Euren Medical Air Service und gebt ihm die Daten durch und fragt, wo deren nächste Möglichkeit zum Landen für den Notfallhubschrauber oder das Flugzeug ist.
Viele Jagdcamps haben einen eigenen Airstrip , vorher die Koordinaten erfragen.
Es kann auf jede Stunde bei einem Unfall ankommen.

Die Notfalltelefonnummer der Air Rescue muss der Campmanager vor dem Betreten des Jagdgebietes erhalten. Damit er weiß, wen er anzurufen hat.
Es nutzt überhaupt nichts, wenn der Jagdgast mit Schädelbruch im Auto im liegt und keiner weiß wohin mit Dir. In Zambia hätte es bei einem schweren Autounfall im Busch etwa 24h gedauert bis Du bei einem Arzt bist,den wir uns als solchen auch vorstellen

Mach dem PH ruhig Feuer unterm Hintern, wenn er wieder zu schnell fährt, oder sorglos mit der Waffe umgeht.
Dir passiert was, er putzt sich den Mund und man sieht sich nie wieder. Aber Du trägst den Schaden.

Auf dem Pickup ist einfach Scheibe, man hält nach Wild Ausschau und nicht auf Äste die einem u.U. die Birne einschlagen. Nie ohne Käppi oder Hut.

Nehmt unbedingt eine großrahmige dicht sitzende Sonnenbrille (Blaser Schießbrille!! Z.B.) .Alles was in Afrika wächst, hat eigentlich Dornen. So ein Dorn wie ich ihn abbekam ins Auge - na gute Nacht.
Es läuft aus, ohne Wenn und Aber.

Nachtrag: die Krankenschwester war echt Klasse und ein grosses Lob nach Zimbabwe,dass dort mitten im Nirgendwo, so eine erfahrene Dame Ihren Dienst tut.Keine Hilfsorganisation oder ähnliches.Regierungsprogramm.

Meinem Jäger nehme ich keinesfalls etwas übel,es ist ja nix passiert(im Nachhinein) und ich habe einen großen Eigenanteil daran,bin ja kein Grünschnabel mehr,aber Obacht geben ist immer angesagt,denn :

Everything can happen in the bush - at any time


KF
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Kommentare

13.11.2014 09:53 NOL
als ich in Tansania jagte vor ein paar Jahren und mir bei einer Ruhepause eine Mamba über die Füße kroch fragte ich auch kurz wie lange es zum nächsten Hospital sei um ein Gegengift zu spritzen : Der WH lachte nur und meinte ich hätte gerade genug Zeit um mich per Satelliten Telefon von meiner Familie zu verabschieden!
Afrika bleibt Afrika die Gefahr macht unter anderem die Faszination aus !
13.11.2014 11:56 katzenfutter
Hallo NOL,
die Aufregung, die dort von den Tieren ausgeht,der gewinnt unsereins immer etwas ab.Auch wenns mal knapp hergeht.Aber ein Schicksalschlag durch einen Autounfall im Busch,
da fehlt mir das Verständnis für die Romanitk,das kriege ich evtl. daheim auch
Wie lang war denn Deine Mamba ?
13.11.2014 13:30 NOL
ganz ehrlich ich hatte so Angst dass ich nicht genau hingeschaut habe !
Meine Mutter hatte übrigens einen ähnlichen Unfall,
unser Fahrer ist in ein Erdloch gefahren und meine Mutter mit dem Gesicht gegen den Gewehrhalter !
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