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Abwärts

Ein besonderes Drückjagderlebnis (1 Eintrag)

320 mal angesehen
30.10.2014, 21.11 Uhr

Abwärts



Drückjagd im Dezember, eisiger Morgen aber die Sonne malt schon den Himmel rot. Es verspricht, ein toller Tag zu werden und die Neue der letzten Nacht zaubert eine Märchenlandschaft.
Ich führe heute unsere knapp 10 Monate alte Wachtelhündin, damit sie Jagderfahrung sammeln kann.
Mein Stand ist ein Areal an einem leicht vereisten Hang im Altholz, ein super Platz, bloß nirgends eine ebene Stelle. Schon der Aufstieg war sehr rutschig und hier sich einzurichten war nur mit Balancekünsten möglich. Also den Rucksack abgelegt, den Hund am nächsten Baum angeleint und Waffe geladen, Blick zur Uhr – noch ein paar Minuten Zeit bis zum Hundeschnallen.

Kurzes Knacken links hinten: eine Rotte Überläufer kommt auf 30 m fast direkt auf uns zu. Waffe in Anschlag und den in Ekstase geratenen Hund zur Ordnung rufen waren eins. Noch 2 m, dann ist Kugelfang gegeben, Balance halten auf dem Untergrund und dann … den Leuchtpunkt kurz vor dem Blatt , letztes Durchatmen, plötzlich eine Hundeweste im Zielfernrohr. Wie das ? Das konnte ich nicht zu Ende denken, denn es zog mir das Standbein weg – heftig und ohne Chance zu reagieren.
Waffe hoch, das war knapp. Der Hund hat sich mitsamt Leine losgemacht und tut das, wofür er da ist: jagen, Rotte sprengen. Aber das Ende der Leine war um meinen Fuß geschlungen, ich muss ja breitbeinig stehen am Hang und so gehen Überläufer, Hund und Führerin angeleint hangabwärts.

Die Waffe entspannen, die Waffe entspannen, im dritten Versuch, schon Schnee überall, gelingt das auch. Den Hund rufen, bereits einige Meter den Hang tiefer gerutscht, in Rückenlage. Längst ist die Leine nicht mehr an meinem Fuß, aber ich rutsche unaufhörlich weiter.
Ich rufe nicht, ich schreie aus Leibeskräften und befehle den Hund zurück. Sie stoppt, äugt zurück, ungläubig. Los, den Sauen hinterher! folgt sie ihrer inneren Stimme.
Inzwischen kennt jeder im Umkreis von 1km den Namen meines Hundes, ich lasse nicht locker und rufe sie ab. Immer wieder kommt sie einen Meter in meine Richtung, um erneut loszustürmen.
Ich kann die Leine nicht greifen und auch wenn sie schon mit Weste und Garmin ausgestattet ist, so will ich sie auf jeden Fall nicht mit der Leine jagen lassen. Meine Waffe halte ich beim Wühlen im Schnee tapfer nach oben, will den Gehorsam des Hundes einfordern und habe den Schnee bis in die Unterwäsche.

Was die anderen Jäger jetzt denken mögen ist mir in dem Moment völlig egal, erst als ich Schüsse höre weiß ich: die Rotte ist bei den Nachbarschützen angekommen.
Mein Hund fügt sich widerwillig meinen Kommandos, nach ca. 50 m abwärts habe ich das Ende der Leine endlich in den klammen Fingern.
Mein erster Impuls ist natürlich Meckern aber ich besinne mich und lobe ausgiebig den Gehorsam. Jetzt erst blicke ich zurück nach oben und denke an den beschwerlichen Aufstieg auf rutschigem Untergrund. Erleichtert und nass erreichen wir den Stand.

Längst ist Zeit zum Schnallen und nach einer kurzen Pause darf sie offiziell los. Sie fällt die warme Fährte an und wird bis zum Ende des Treibens nicht mehr zu mir zurückkommen. Ich habe Zeit, alle sorgenvollen sms-Anfragen zu beantworten, bei mir kommt an diesem Tag nur noch ein Fuchs aber ich habe keinen Kugelfang.
Heute trage ich einen Karabinerhaken in der Tasche, ein schlampiger Knoten soll nie mehr für so viel Gesprächsstoff beim Schüsseltreiben sorgen.
Die Passion der Hündin hat jedenfalls nicht gelitten, wir waren später auf der EP ein gutes Gespann.
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Susch

Susch

Alter: 51 Jahre,
aus MOL
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