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Stammbaum: Waffen mit Zylinder...

Pirschgang durch die Waffengeschichte (1 Eintrag)

Pirschgang durch die Waffengeschichte Pirschgang durch die Waffengeschichte Pirschgang durch die Waffengeschichte
433 mal angesehen
26.10.2014, 18.09 Uhr

Pirschgang durch die Waffengeschichte

Nachdem ich gestern zu später Stunde einen Beitrag über die Geschichte der Zylinder-oder Kammerverschlußbüchsen geschrieben habe, wurde ich gebeten, ihn als Blog zu veröffentlichen. Der Bericht hat keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, wer Fragen hat, kann sich gerne bei mir melden:

Der Konstrukteur des 19. Jahrhunderts war Dreyse aus Sömmerda. Er war der Vater der modernen Gewehre. Während seine Zeitgenossen der Großmächte sich überlegten, wie sie ein Steinschloßgewehr schneller laden und auf Perkussion aptieren oder die Vorteile von Jägerbüchse und Muskete mit schnellem Laden und Zügen kombinieren (Thouvenin, Minie), erfand er 2 Dinge: 1. eine Einheitspatrone mit integriertem Geschoß, Treibspiegel, Pulver und Zündhütchen und das ganze noch hülsenlos. 2. Nachdem er ein ungespanntes Gewehr geladen hat und den fliegenden Ladestock erfunden hat , merkte er, daß es so nicht weiterging, zumal seine Hand darunter deutlich litt. Er kombinierte den Verschluß eines Gartentors mit seinem Gewehr und erfand so den Kammerverschluß. Dieses Gewehr, Zündnadelgewehr, wurde dann im Königreich Preußen 1841 eingeführt und setzte sich sehr deutlich durch. Erfolge: Dänemark 1864, Österreich (Königgräz) 1866. Auf dieser Linie ging es dann weiter. Chassepot versuchte sich an diversen erfolglosen Gegenentwürfen, bis es ihm mit französischer kaiserlicher Order erlaubt wurde, das Zündnadelgewehr zu kopieren und entsprechend zu verbessern. 1866 in Frankreich eingeführt. Im 70er Krieg wurden alle Systeme aufeinander losgelassen. Eine bayerische Einheit hatte ein Gewehr mit Metallpatronen. Das Werdergewehr oder das bayrische Blitzgewehr. Es war das schnellste Gewehr des Krieges, entwicklungstechnisch aber eine Sackgasse. Der Verschluß war ein Blockverschluß nach Peabody und wie fast alle Blockverschlüsse ( Remington, Sharps, Peabody, Martini-Henry etc) nicht zu Mehrladern weiterzuentwickeln.
Nun kommt Mauser. Er verbesserte das Chassepotgewehr zu einem Gewehr für Metallpatronen. Er nahm die Werderpatrone (eine Erfindung von Berdan, der durch Betrügereien in Deutschland in Ungnade fiel) und verlängerte sie. Zusätzlich erfand er die Selbstspannung (Zündnadelgewehre mußten vor dem Öffnen gespannt werden) und die typische Sicherungsschaufel. Gewehr 71. Die Mauserpatrone wurde von Frankreich (Gras 1874), Österreich etc kopiert.
Nächste Stufe Mehrlader. Nach verschiedenen Versuchen nahm Mauser das Röhrenmagazin von Winchester und Deutschland führte das Gewehr 71/84 ein.
1878 erfand ein Amerikaner schottischer Abstammung namens James Paris Lee ein Gewehr mit Magazin, wie wir es gewohnt sind. Das System verkaufte er an Remington, sie machten es serienfähig und produzierten es. Die Weiterentwicklung führte übers Lee-Metford zum Lee Enfield, welches später in England eingeführt wurde.
Kommen wir wieder zum Kontinent. Ein Herr Lebel konstruierte ein Gewehr für Nitropulver. 1886 in Frankreich eingeführt. Kaliber 8x50R. Verbessertes Gras, Röhrenmagazin, Erstes Gewehr mit Verriegelungswarzen vorne im Verschluß.
Deutschland brachte den Gegenentwurf 1888: Kaliber 8x57 (erste Patrone in Serie ohne Rand (Prototyp von der Schweiz abgeluchst)), Mittelschaftmagazin verbessertes Mannlichersystem, Verriegelungswarzen auch vorne aber oben und unten und nicht wie beim Lebel links und rechts. Der Erfinder Schlegelmilch, der Finanzier Löwe, dem mittlerweile auch Mauser gehörte. Dieses Gewehr war der Beginn der Gegenwart und wurde von so manchen Unwissenden verrissen. Ein Beispiel: Mein Vater erzählte mir von dem Skandalgewehr 88. Als ich ihm entgegnete, daß Opas hochgelobtes Mannlicher-Schönauer nichts anderes ist, als eine Weiterentwicklicklung des Gewehr 88, war er sprachlos.
Den Namen Schelgelmilch merken wir uns.
Mauser war indes nicht tatenlos. Er schuf 1889 die Grundlage für den 98er, Einführung in Belgien, 1890 verbessert in der Türkei eingeführt. Laden via Ladestreifen. Das Mittelmagazin von ihm führte zu einem Rechtsstreit mit Lee, die Klage Lees wurde abgewiesen.
1893 erfand Mauser den berühmten Auszieher, Spanien. 1894 die Kammerleitschiene, Schweden. 1895-97 gabs den Prototyp fürs Kaiserreich und einen Gegenentwurf von Schlegelmilch. Der hat es in sich. Verschlußführung via Führungsschienen. Die Führung taucht wieder beim Mauser 66 und beim Blaser 850 und später R93 auf. Ob der Erfinder des Mauser 66, Walter Gehmann, etwas vom Schlegelmilchgewehr gewußt hat, weiß ich nicht.
Nun wieder zurück, bzw weiter zum 98er. Das Kaiserreich nahm den Mauserentwurf an mit 3 Ergänzungen von Schlegelmilch: Die verstärkte Verschlußhülse, den Schaft mit Pistolengriff und den Rückstoßschild.
Verwandschaft zu den Mausergewehren:
1) Amerika: Amerika führte das Krag Jörgensen 1892 aus nicht nachvollziehbaren Gründen ein. Im spanisch-amerikanischen Krieg lernten die Amis ganz schnell, was die Mausergewehre der Spanier konnten, was zur Entwicklung des Springfieldgewehrs und der Patrone 30-06 führte. Die Amis zahlten an Mauser Lizensgebühren.
2) England (und wieder Amerika): Die Engländer bekamen beim Burenkrieg durch die Buren mit ihren Mausergewehren soviel Feuer unterm Arsch, daß sie, um der Buren Herr zu werden, 450.000 Mann nach Südafrika brachten, um die Buren (40.000- 80.000) Mann zu besiegen. Als das nicht half, führten sie Konzentrationslager ein, in ihnen wurden 120.000 Frauen, Kinder und alte Leute eingesperrt, von denen über 26.000 an Hunger und Krankheiten starben.
Deshalb wollten sie ein mauserähnliches Gewehr einführen, Pattern 1913, Kaliber ähnlich 7x57. Durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde die Einführung verhindert. Jedoch brauchten die Briten dringend neue Waffen und fragten bei den Amis an, ob sie das englische Lee-Enfield nachbauen und den Briten schicken könnten. Die Amis sagten: So einen Schwachsinn bauen wir nicht. Da erinnerte man sich an das Pattern 1913 und es wurde geändert in das britische Kaliber .303, ein technischer Rückschritt, Randpatrone, bei Remington und Winchester produziert und den Inselaffen geliefert.
Als die Amis dem ersten Weltkrieg 1917 beitraten, änderten sie das Gewehr um in .30-06 und nahmen dies als Bewaffnung ihrer Soldaten mit nach Europa.
Dieses Gewehr, mit Mausereinflüssen bei Winchester und Remington gefertigt, führte später zum Winchester 70 und zum Remington 700.
Nicht erwähnt habe ich Mosin Nagant und die Einflüsse auf finnische Gewehre, Mannlicher (Geradezugverschluß), Carcano (erstes Repetiergewehr mit Handspannung) etc.
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Schlosser

Schlosser

Alter: 57 Jahre,
aus Tiefenbronn

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Kommentare

26.10.2014 18:19 esau
Gute Entscheidung und mal eine angenehme Abwechslung von ( zu) vielem substanzlosen Geschwalle.
26.10.2014 18:23 Ente
esau schrieb:
Gute Entscheidung und mal eine angenehme Abwechslung von ( zu) vielem substanzlosen Geschwalle.


...aber Abwechslung muss trotzdem sein, man darf nur nicht alles so ernst nehmen.
26.10.2014 18:29 esau
Ente schrieb:
...aber Abwechslung muss trotzdem sein, man darf nur nicht alles so ernst nehmen.

Und ganz wichtig..... mehr blödeln!
26.10.2014 18:32 Ente
esau schrieb:
Und ganz wichtig..... mehr blödeln!

..richtig, das Leben ist zu kurz um alles ernst zu nehmen
26.10.2014 18:35 esau
Ente schrieb:
..richtig, das Leben ist zu kurz um alles ernst zu nehmen

....und lebendig kommst du eh nicht davon.
26.10.2014 18:37 Ente
esau schrieb:
....und lebendig kommst du eh nicht davon.


..nur etwas angeschlagen kannst dich vielleicht durchmogeln
26.10.2014 21:42 kong
Danke dafür
26.10.2014 22:36 Schlosser
kong schrieb:
Danke dafür






Kein Problem, danke für den Tipp
27.10.2014 06:49 KeilerHeinrich
Nochmals danke für deine Mühe.
Wirklich sehr interessant
27.10.2014 17:59 R93Hunter
Wo liest man sich sowas alles an?
27.10.2014 18:49 Stephan83
Klasse Beitrag , kleine Anmerkung von mir, der Krieg gegen Dänemark war 1864, u.a. Sturm auf die Düppelner Schanzen, und der Krieg gegen Österreich, Bayern, Sachsen etc. 1866.

Gruß und Wmh, Stephan
27.10.2014 18:51 Schlosser
R93Hunter schrieb:
Wo liest man sich sowas alles an?






Zum Glück ist es keine Doktorarbeit, sonst müßte ich eine lange Liste erstellen Ich beschäftige mich schon länger mit Geschichte, Archäologie, Technik und besuch gerne Museen. Hinzu kommt, daß ich einiges über alte Waffen gelesen habe und auch ein Waffenmagazin (Visier) abonniert hab. Ich hab eine kleine Büchersammlung und so kam das Wissen über die Jahrzehnte zusammen. Einige Freunde wollten mich schon zum Sammeln überreden, aber das ist nicht mein Ding, da ich hier nicht zum Museum werden will, sondern lieber im Jetzt lebe.
Meine Frau staunt immer wieder, wenn ich bei einem historischen Film feststelle, daß eine falsche Knarre benutzt wird. Genauso sah ich halt, daß Esaus Knarre keinen Mauser-sondern einen Springfieldverschluß hat. Und dann dachte ich, ich schreib mal kurz was.
27.10.2014 18:56 Schlosser
Stephan83 schrieb:
Klasse Beitrag , kleine Anmerkung von mir, der Krieg gegen Dänemark war 1864, u.a. Sturm auf die Düppelner Schanzen, und der Krieg gegen Österreich, Bayern, Sachsen etc. 1866.

Gruß und Wmh, Stephan






Danke, ich ändere es gleich. Ich hatte das Ganze in Rekordzeit kurz runtergeschrieben, darum ist das passiert.
Gruß
Thomas
27.10.2014 22:25 esau
R93Hunter schrieb:
Wo liest man sich sowas alles an?

Ich glaub ,man muss nur immer neugierig bleiben.
Der Rest geht von Allein.Denn mi jeder Antwort kommen mindestens zehn neue Fragen.
27.10.2014 22:32 esau
Ich hab mit diesem Wissen hier mal schön vor Schwager und Vater brilliert.
Schwägerlein konnte mir zuvor nicht mal die Marke des Püsters ,der der Auslöser für diesen wunderbaren Exkurs war ,genau benennen.
Es war herrlich ,ihm sein Schießeisen zu erklären.
Ich glaub, er sieht es jetzt mit anderen Augen und etwas mehr Stolz.
Danke auch in seinem Namen.

P.S.Der Schaftriss ist übrigens mit Epoxy ausgeleimt beigeschliffen und poliert.
27.10.2014 23:09 Schlosser
esau schrieb:
Ich hab mit diesem Wissen hier mal schön vor Schwager und Vater brilliert.
Schwägerlein konnte mir zuvor nicht mal die Make des Püsters der der Auslöser für diesen wunderbaren Exkurs war genau benennen.
Es war herrlich ihm sein Schießeisen zu erklären.
Ich glaub, er sieht es jetzt mit anderen Augen und etwas mehr Stolz.
Danke auch in seinem Namen.

P.S.Der Schaftriss ist übrigens mit Epoxy ausgeleimt beigeschliffen und poliert.



Einfach Super, ich hab selten bei landlive solch eine Freude wie beim Verfassen dieses Artikels gehabt und noch nie eine so begeisterte Resonanz.
Viele Grüße an Vater und Schwager!


28.10.2014 18:12 vonfleming
Sehr lehrreich.
28.10.2014 18:13 esau
Schlosser schrieb:
Einfach Super, ich hab selten bei landlive solch eine Freude wie beim Verfassen dieses Artikels gehabt und noch nie eine so begeisterte Resonanz.
Viele Grüße an Vater und Schwager!





Bestell ich!
30.10.2014 19:29 Gangloff
Guter Beitrag. Danke.
31.10.2014 18:55 namhunt
Super !!! gefällt
01.11.2014 16:58 R93Hunter
Wenn ich mir die Bilder so betrachte kann ich nur sagen: Edle Teile ...

Dabei verblüfft mich, zu welcher Präzision unsere Vorfahren fähig waren (auch ohne CNC)
01.11.2014 17:01 R93Hunter
Im rechten Bild die vordere Waffe, hat da ein Lehrling den Abzug falsch herum eingebaut? ...
01.11.2014 18:09 Schlosser
R93Hunter schrieb:
Im rechten Bild die vordere Waffe, hat da ein Lehrling den Abzug falsch herum eingebaut? ...





Du merkst aber auch alles Das ist der Öffnungshebel. Nach dem Schuß drückt man ihn, der Verschlußblock wird leicht nach unten gedreht und die Hülse ausgeworfen. Neue Patrone einlegen und mit dem Hahn den Verschluß schließen und spannen. Der Abzug ist sehr weit hinten.
01.11.2014 18:17 R93Hunter
Schlosser schrieb:
Du merkst aber auch alles Das ist der Öffnungshebel. Nach dem Schuß drückt man ihn, der Verschlußblock wird leicht nach unten gedreht und die Hülse ausgeworfen. Neue Patrone einlegen und mit dem Hahn den Verschluß schließen und spannen. Der Abzug ist sehr weit hinten.



... ... und ich hab gedacht, der Hebel oben sei dazu da den Verschluß zu öffnen (aufgrund des langen Hebelweges)
01.11.2014 18:28 Schlosser
R93Hunter schrieb:
... ... und ich hab gedacht, der Hebel oben sei dazu da den Verschluß zu öffnen (aufgrund des langen Hebelweges)





Nein, innen ist eine Blattfeder, die den Verschluß senkt. Um das ganze wieder nach oben zu bringen und zu spannen, ist ein kräftiger Zug an dem Hahn angesagt, für einen fingerhakelnden Bayer kein Problem
01.11.2014 18:42 R93Hunter
Schlosser schrieb:
für einen fingerhakelnden Bayer kein Problem



Heißt das jetzt, das ist der Ursprung des Fingerhakelns ? ....
02.11.2014 07:57 Schlosser
R93Hunter schrieb:
Heißt das jetzt, das ist der Ursprung des Fingerhakelns ? ....






08.11.2014 08:48 SirHenry
Ein guter Abriss, zwar hauptsächliche über Militärgewehre, aber dennoch nicht weniger interessant, schon weil viele Modelle später auch jagdlich eingesetzt wurden. Die anfangs rundköpfigen Militärgeschosse bekamen der besseren Ballistik wegen eine scharfe Spitze. Wer damit anfing ist nicht sicher (Deutschland 19o5?).
Alles in allem in dieser komprimierten Form recht übersichtlich, auch mit kleinen Randnotizen.
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