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Jagderlebnisse

(6 Einträge)

Damknopfer DK 2 DK3
430 mal angesehen
24.10.2014, 11.12 Uhr

Der Damknopfer

Seit einigen Jahren habe ich im Rahmen eines BGS eine schöne Jagdgelegenheit in einem sehr gut strukturierten NW Revier etwa 20 Minuten von meiner Haustüre entfernt. Neben einem sehr guten Rehwildbestand, ordentlich Hasen und Fasanen sowie reichlich Enten habe wir Schwarzwild als gelegentliches und Damwild als seltenes Wechselwild.

Für das Damwild gilt für mich als BGS’ler eine Freigabe für Schmaltiere, Kälber beiderlei Geschlechts sowie Damschmalspiesser sofern sie gemäß Hegerichtlinie schussbar sind. Hier gilt „sichtbar unter Lauscher“; ferner darf die Zwiebel nicht „zu ausgeprägt“ sein.

Ich hatte nun in den bisherigen fünf Jahren, die ich nun in diesem Revier „mitgehe“ Damwild wohl immer wieder gefährtet aber selten im Anblick gehabt. Letztlich gibt es zwei Stellen im Revier, wo das Damwild seine Fähre zieht. Jeweils direkt an den Grenzen zu unterschiedlichen Nachbarrevieren. Vor zwei Jahren saß ich im Mai an der Kante eines größeren Feldgehölzes, vor dessen Saum größere Ackerflächen liegen. Der Ansitz galt dem Maibock. Aufgrund des langen Winters waren die Knicks und auch das Wäldchen gut einseh- oder durchsehbar. So kam mir an diesem Abend ein Damtier mit Kalb in Anblick, das aus dem Nachbarrevier in unser Wäldchen wechselte. An dieser Stelle erlegte im Herbst des besagten Jahres der Sohn des Pächters ein Schmaltier. Etwa ein Jahr später, also zu Beginn der diesjährigen Bockjagd, saß ich wieder dort – nun auf einer mobilen Kanzel, die etwa 100 m von der Waldkante entfernt auf dem Acker steht. Ich erinnere mich noch gut. Ein herrlicher Abend mit viel Anblick, insbesondere von starken und sehr starken Böcken, die ihre Reviere durchstreiften und sich gegenseitig auf die Läufe brachten.

Irgendwann nahm ich ein verdächtiges Wackeln in einem Haselnussstrauch an der Waldkante wahr. Wird wohl der nächste Bock sein, der hier versucht einen Einstand zu markieren. Glas hoch. Hm. Was ist das? Ziemlich starker Wildkörper. Was ist das denn? Ein Wedel! Damhirsch. Haupt nicht zu sehen. Dann aber doch. Spießer! Spektiv raus: Der könnte passen. Ich würde es riskieren. Aber: Pfeifendeckel. Wir haben neue Jagdzeiten bekommen. Damwild ist im Mai nicht frei. Der Spießer weiß es: Er zieht am Waldsaum auf etwa 70m gemütlich an mir vorbei. Äugt immer wieder in meine Ansitzhütte und äst gemütlich.

Ich denke mir; wenn der im Herbst wieder kommt, ist es ein Knieper. Na ja: Der Jagdherr wird sich freuen. Ich erstatte Bericht und alle sind glücklich, dass Damwild neuerlich in Anblick gekommen ist. Das weitere Jagdjahr habe ich kein Damwild mehr gesehen.

Vor ein paar Tagen ist jedoch bei uns im Revier ein junger, Hirsch (vermutlich vom 3./4. Kopf) im Straßenverkehr zu Tode gekommen. Fährten sind ebenso wieder reichlich vorhanden.

Gestern Nachmittag kam ich von einer Geschäftsreise so zeitig zurück, dass es sich noch anbot über einen kurzen Abendansitz nachzudenken. Da meine Frau Klön-Gäste und die Kinder ebenfalls Spielbesuch hatten, nutzte ich die Gunst der Stunde. Drei Stuck weibl. Rehwild hab ich noch offen. Böcke haben zwar seit diesem Jahr noch Jagdzeit; aber bei uns im Revier haben sie ab 15.10. „Hahn in Ruh“; das gilt selbst für einen Knopfer, den ich Anfang Oktober bestätigt habe, aber nicht mehr zu Schuss gekommen bin.

Wohin gehen? Vor besagtem Wäldchen teilt sich die Ackerfläche in drei Schläge. Direkt am Wald läuft Getreide auf. Nach vielleicht 75 m folgt ein Schlag mit Raps, der wieder von einem Getreideschlag gefolgt wird, der sich letztlich bis zu den Grenzknicks zieht.

Auflaufender Raps ist für Rehwild ja immer eine feine Sache. Ich entscheide mich für die mobile Kanzel, die etwa 75m vom Waldsaum entfernt an einer einzelnen Eiche steht; direkt an der Schlaggrenze zwischen Getreide und Raps. Hier kann auch der Hund mit rein. Wunderbar. Beim Angehen fallen mir bereits unten frische Damwildfährten unterschiedlicher Größe auf wie auch Fährten einer einzelnen richtig schweren Sau. Der Wind steht suboptimal; weht mir ins Gesicht. Damit ist der Bereich vom Ansitzwagen bis zur Straße sicherlich nur bedingt bejagbar. Na ja. Es gibt ja auch noch die andere Seite. Wir versuchen es.

Schnell im Wagen eingerichtet und nach 20 Minuten zieht auch schon ein Bock von der windgünstigen Seite im Raps auf mich zu. Ein junger ungerader 6er. Zwei oder drei Jahre vielleicht. Legt sich vielleicht 50 m vor dem Wagen in den Raps und döst in der schwindenden Sonne vor sich hin.

Unterhalb – also die windungünstige Seite – ist zwischenzeitlich von mir unbemerkt ein einzelnes weibl. Stuck Rehwild vom Wäldchen in den Raps gezogen. Das könnte passen. Steht nun direkt im Wind auf 50 m und sichert bereits verdächtig zu mir. Windfang hoch und Wind geholt. Das wird sie nicht lange aushalten. Ich versuche noch vorsichtig die Büchse hochzunehmen aber sie springt schon ab.

Ich Depp, bei dem Wind brauchs‘t hier ja eigentlich nicht hin. Na ja, vielleicht bekommt ja der Bock noch Gesellschaft. Der erhebt sich jetzt allerdings auch und zieht gemächlich in Richtung Reviergrenze von mir weg.

Die Sonne ist jetzt untergegangen. Nochmals die Waldkante abgeglast. Auf meiner Höhe ist nichts. Ich betrachte mit dem Glas langsam den Waldsaum nach unten in Richtung Straße. Moment! Was war denn das? Ich ziehe ein paar Meter wieder nach oben. Da ist doch ein Stück Wild. Ein Reh ist das nicht. Starker Träger, knuffiges Haupt. Ein Stück Damwild äugt da heraus. Sapperlot. Jetzt wird es interessant. Spektiv raus. Ganz klar ein Stück Damwild. Jetzt dreht es das Haupt. Oha: Da ist ja was zwischen den Lauschern. Nicht viel. Eigentlich keine Spieße. Aber doch eindeutige Erhebungen.

Mein Herz beginnt heftig zu schlagen.

Das Stuck springt und steht jetzt am Waldsaum auf dem Acker. Entfernung vielleicht 100 m. Aber es verhofft nicht. Es springt wie ein „Gummiball hüpfend“ mit wippendem Wedel in einem großen Bogen Richtung Raps.

Gewehr hoch.

Jetzt ist es am Raps und voll im Wind. Verdammt! Zum Schießen zu schnell. Ich kann nicht frei mitziehen aus der Hütte. Es „hüpft“ weiter aufgeregt auf den sich anschließenden Getreideschlag. Ich muss das Fenster wechseln. Mann oh Mann. Schnell und immer weiter. Die „hüpfende“ Flucht hat nun einen Halbkreis vom Ausgangspunkt gesehen abgeschlossen. Ich hab das Stuck im Absehen. Verhoff doch Mal! Tatsächlich. Der Spiesser steht für einen Augenblick. Wie weit ist das? 150 m vielleicht. Oder mehr? Der LP steht hoch im Blatt; fast an der Rückenlinie. Jetzt oder nie! KAWUMM!

Ein Zeichnen kann ich nicht erkennen. Wie der Blitz flüchtet das Stück – nun aber nicht mehr hüpfend – nach links von mir weg über eine Kuppe. Nach 40 m kann ich nichts mehr sehen.

Überschossen? Ich bin gut abgekommen. Damwild soll recht schusshart sein, habe ich Mal gehört. .308 WIN RWS DK 10,7g. Vielleicht nicht erste Wahl auf Damwild? Nachsuche? Ich muss morgen früh einen Kundentermin wahrnehmen. Sakradi! Fragen über Fragen.

Ich habe noch 15 Minuten halbwegs Licht. Der Hund mahnt mich zum Aufbruch. Gerümpel zusammengepackt. Wo ist jetzt der Gehörschutz; den brauchst Du doch vielleicht noch. Ganz unten in den Rucksack gestopft. Alles wieder raus. Irgendwann haben wir es aber dann.

Der Hund zieht wie blöd in Richtung links hinter der Kuppe. Ich will aber erstmal den vermutlichen Anschuss finden und markieren solange noch Licht ist.

Es ging halt Mal wieder alles ganz schnell. Wo Stand das Stuck beim Schuss? Ich laufe einfach geradeaus vom Ansitzwagen über den Rapsschlag in den anschließenden Getreideschlag. 120 m haben wir jetzt. Aufgrund des „Hüpfens“ müsste ich doch die Fährte gut finden können. Ich orientiere mich den Halbkreis der Flucht erinnernd etwas nach rechts unten. Jawohl! Hier ist das Stuck aus dem Raps „gehüpft“. Der Fährte kann ich bestens folgen. Hund abgelegt. Den Bogen immer weiter folgend bis zu der Stelle, wo das Stück verhofft hat und „breit“ stand und hoffentlich die Kugel bekommen hat. Da muss es sein. Doch! Hier sind richtig Eingriffe zu sehen. Aber Schweiß?

JA doch hier! Nur ein Tropfen ABER deutlich ROSA. Und hier in der Fluchtfährte (jetzt Wundfährte) etwas mehr und wieder deutlich ROSA und schaumig. Zwar nur Tropfen, dennoch bin ich mir nun ziemlich sicher, dass die Sache hier gut ausgehen wird.

Ich rufe den Hund heran und gehe mit dem Hund am Riemen die Wundfährte weiter aus. Der Hund zieht mich wie von Sinnen über die Kuppe und dort liegt – nach weiteren 30 m – in der Senke das längst verloschene Stück.

Aufatmen!

Ein ganz geringer Spießer eher ein Knopfer! Die Freude ist groß.

Bester Blattschuß. Auf der Ausschussseite jedoch nur ein kleines Loch aus dem es schaumig herausschweißt.

Mein erster Damhirsch und dann noch so ein Besonderer! Ich halte inne und bin dankbar, dass ich so nahe vor der eigenen Haustür eine so schöne Jagdgelegenheit habe. Jagd ist immer anders, Jagd ist immer neu. All das kann mir keiner nehmen, Danke, dass ich ein so glücklicher und zufriedener Mensch sein darf.

Zwischenzeitlich ist es dunkel. Das Wild will versorgt sein. Ein Damspießer ist kein Rehbock. Schnell wird mir klar, dass ich die Beute nicht Mal so eben mit samt meiner Ausrüstung zum Wagen trage, der in etwa 400 m unten an der Straße wartet.

Gott sei Dank ist ein in der Nähe wohnender Jagdfreund zur Stelle und hilft mit schwerem Gerät!

Da die neueste Rechtsprechung ja eindeutig ist, gibt es in der Jagdhütte beim Chef „nur“ noch kurz ein Malzbier; aber meine Frau empfängt mich zuhause doch standesgemäß mit einem „Kurzen“ und ist froh, dass der Damhirsch ein Knopfer ist; weil ihr so die Platzsorgen - was die heimischen Wände betrifft - nicht ganz so sehr auf das Gemüt gehen …

In all der Aufregung habe ich leider nur dieses eine Foto gemacht. Ich werde aber noch etwas nachliefern, wenn wir am Sonntag zerwirkt haben. Waidmannsheil!

Nachtrag: zwei weitere Bilder. Gewicht etwa 42kg aufgebrochen mit Haupt und Decke.
offline

Geschrieben von

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Kommentare

24.10.2014 11:23 Gento
Waidmannsheil !
24.10.2014 11:34 IGOR82
WMH
24.10.2014 11:34 nuhata
Waidmannsheil! Während ich so deine Geschichte gelesen habe war ich parallel in meiner Geschichte vom ersten Damspießer versunken... Toll! Danke dafür ;)
24.10.2014 12:42 Joey57
Waidmannsheil!
Ein tolles Jagderlebnis, durch deine tolle und spannende Darstellung habe ich richtig dran teilhaben können.
Das macht mir als Jungjäger lust auf mehr.
Danke Joey
24.10.2014 15:44 KeilerHeinrich
Weidmannsheil!!
24.10.2014 15:51 Boarhunter75
Waidmannsheil
25.10.2014 09:18 Sebaho
Schön beschrieben - Weidmannsheil !
Genau - Damwild ist schusshart
308 ist ein wunderbares Kaliber !
25.10.2014 13:49 Speez
Waidmannsheil!
31.10.2014 05:55 swinging_elvis
Waidmannsheil! Feine Geschichte, el
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