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Kaliber-Bestimmung

In die Zange genommen (10 Einträge)

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399 mal angesehen
24.10.2014, 08.20 Uhr

"Treiber rein"

Treiber rein!
Gesellschaftsjagden, ob als Treib-, Drück- oder Bewegungs- (Anrühr-)jagd durchgeführt, erfordern einen nicht unerheblichen logistischen und finanziellen Aufwand. Auch wenn der Ausrichter, ob Pächter, Eigenjagdbesitzer oder Forstamtsleiter alles getan hat, können Jagdgäste ganz wesentlich den Erfolg heben oder schmälern. Daher soll einmal auf Dinge hingewiesen werden, die vorrangig den Ablauf von Treibjagden auf Hasen betreffen, sich in vielen Punkten aber auch auf andere Jagd- und Wildarten übertragen lassen.

Das Programm
gibt der Jagdleiter am Beginn der Jagd bekannt. Er weist auf die Sicherheits-bestimmungen hin, gibt bestimmte Wildarten und Stücke frei und nennt die Zahl der Treiben. Er stellt die Obertreiber und Ansteller vor und teilt die Gruppen ein. Er wird darauf achten, dass in jeder Gruppe Hundeführer und Bläser gleichmäßig verteilt sind und gibt an, wie erlegtes Wild zu versorgen oder zu bergen ist. Nicht vergessen wird er, die Teilnehmer auf flotte Abwicklung hinzuweisen, um die geplante Zahl an Treiben auch durchführen zu können.

Gutes Gelingen
hängt insbesondere was die Einhaltung des Zeitplans angeht, von der Mitarbeit der Jäger ab. Es immer wieder erstaunlich, dass Jäger, die schon mehrfach dabei waren, sich weder an frühere Abläufe und Örtlichkeiten, wie Stand- oder Sammelplätze erinnern können. Generell wird beim Anstellen jeder Jäger eingewiesen, bzw. er läuft, den anfänglichen Abstand zum Vordermann einhaltend, bis zum Anblasen den Kessel aus.

Langjährige Beobachtungen ließen erkennen, dass der Ablauf von Feldjagden gestrafft werden kann, ohne die Teilnehmer hetzen zu müssen oder „leer“ laufen zu lassen, denn wird nur jedes Treiben um zehn Minuten überzogen, kommt man bei dem kurzen herbst- und winterlichen Tageslicht schnell in Verzug. Nebel, Schnee und Regen sind weitere Verzögerungsfaktoren, die eine Planung über den Haufen werfen können. Zwar überschneiden sich die Phasen einer Treibjagd in mancherlei Hinsicht, bestimmte Abschnitte lassen sich dennoch als typische Zeitfresser heraus greifen.

Treiber in den Kessel, alle Schützen halt!
Nach herrschender Lehrmeinung löst dieses Hornsignal die zunächst einreihige Schützenkette in die weiter vorrückende Treiberlinie und die am Platz verharrende Linie der Jäger auf. Diese Handhabung hat aber einige entscheidende Nachteile:

1. Nach dem Weiterlaufen der Treiber entsteht ein zweiter Ring, den nach außen laufende Hasen als Sperre erkennen und sie wieder in den Kessel zurück flüchten lassen.

2. Das Schussfeld wird reduziert, denn zwischen Treibern und Jägern entsteht ein nicht nutzbarer Raum, der nicht beschossen werden darf.

3. Speziell bei geringer Anzahl von Jägern bleiben die Abstände oft so groß, dass auf durchflüchtendes Wild nicht „zusammengelangt“ werden kann.

4. Der Ablauf verzögert sich, wenn Treiber wieder nach außen laufen müssen, um bei der Bergung von Wild zu helfen.

In einigen Revieren wird daher wie folgt verfahren, ohne dass die im Vordergrund stehende Sicherheit tangiert wird:

1. Vor dem Auslaufen gibt der Jagdleiter die Generalrichtung des Treibens an.
Um Leerlauf zu vermeiden, wird dabei auf das nächste Treiben zugetrieben.

2. Je nach Anteil der Jäger und Treiber laufen diese im entsprechenden Verhältnis nach beiden Seiten aus. Ein Jäger in der Front sollte autorisiert sein, diese im Bedarfsfall zu ordnen, z.B. Lücken auszugleichen

3. Wenigstens einer der Ausläufer ist Hornist. Nach dem Signal „Treiben beginnen“ rücken alle gegen einen bestimmten Punkt zu, der nicht die Mitte des Kessels sein muss. Oft dienen markante Geländepunkte, wie Strommasten, Feldscheunen, Wegkreuze oder Solitärbäume als Anlaufpunkte

4. Um jede Gefährdung der entgegen kommenden Gesellschaft auszuschließen, wird etwa bei der 500 Meter-Marke das Signal „Treiber in den Kessel“ geblasen.

5. Die Schützen bleiben jedoch nicht stehen, sondern ziehen zunächst noch mit den Treibern mit. Das Signal ist jedoch insofern bindend, dass nicht mehr in den Kessel geschossen werden darf.

6. Erst bei etwa 300 Meter Kesseldurchmesser rücken die Treiber alleine vor. Mit einem weiteren vereinbarten Signal, etwa nur dem „Schützen halt“, (dem zweiten Teil des „Kessel-Signals“) lässt sich hierfür eindeutiger Befehl geben. Spätestens hier lassen sich Lücken schließen, die während des Auslaufens und Vorrückens entstanden sind. Der weitere Ablauf nach dem Abblasen des Treibens durch „Hahn in Ruh“ ist der übliche.

7. Die ganze Gesellschaft sollte nicht am Platz verharrend beobachten, bis ein hoch gemachter Hase erlegt oder gefehlt wurde, beziehungsweise durchwischt.

Obwohl einige der vorgenannten Punkte eigentlich selbstverständlich sein sollten, werden diese dennoch nicht selten ignoriert. Bei räumlich aufeinander folgenden Treiben kann die Front zum nächsten „Trieb“ auch dünner abgestellt werden, was besonders bei anschließenden Waldtreiben sinnvoll ist. Zwar laufen Hasen, die in Waldnähe im Feld liegen gerne in die Deckung, verhalten jedoch meist dort, wenn im Feld hoch gemacht wurden.

Durch das meist unsymmetrische Zusammenziehen des Kessels, das von den Jägern entsprechende Aufmerksamkeit und Mitarbeit erfordert, lässt sich der Zeitrahmen ohne Verlust an Sicherheit straffen. Jäger brechen sich während des Vorrücken durchaus keine Zacken aus der Krone, wenn sie die Treiberwehr durch „Harr-Harr“ und „Hussa“ stimmlich unterstützen, um die Hasen zum Aufstehen zu bewegen. Absichtlich klaffende Zwischenräume zu bilden, um Hasen dort hinlaufen zu lassen, ist sowohl unkameradschaftlich als auch jagdschädlich, denn nach einem „Doppelfehler“ sind die Läufe leer und die Schussweite für Nachbarschützen zu groß.

Wildverwertung
ist oberstes Ziel einer Treibjagd auf essbares Wild. Wegen des Eindringens der Schrote in den Wildkörper und der damit verbundenen Verletzung des Verdauungstraktes, ist alsbaldiges Auswerfen unabdingbar. Wenigstens bei Halbzeit zur Mittagspause und am Ende der Jagd ist die Beute fleischhygienisch zu behandeln. Am besten erfolgt dies gleich bei der Anlieferung am Hasenwagen. Zu nahes Beschießen entwertet das Wildbret, während zu weite Schüsse Nachsuchen verursachen. Das Greifen durch den Hund geht ebenfalls nicht ohne „Druckstellen“ ab, verkürzt aber vermeidbares Leiden der Kreatur.

Schrotpatronen und Kaliber
sind ständiger Gesprächstoff. In aller Regel reichen Vorladungen von 32 g aus, die in Kaliber 12 und 16 als Standardladung angeboten werden. Wird nicht zu grobes Schrot gewählt, steigt die Zahl der Schrote pro Ladung. Allein zwischen 3 mm (200) und 3,5 mm (125) beträgt der Unterschied etwa 75 Schrote. Bei 4 mm sogar 115 Schrote, das sind über 50% weniger. Die Weitschusswirkung des einzelnen stärkeren Schrotkorns ist zwar geringfügig höher, spielt aber bei der nachlassenden Deckung nur noch eine untergeordnete Rolle. Ob ein Hase auf 35 m von 10 oder 20 Schrot getroffen wird, ist wegen der ungleichen Verteilung einer ohnehin schütteren Garbe durchaus von Bedeutung.
Bei Schützenabständen von unter 70 m reichen sogar Durchmesser von 2,7 bis 2,8 mm als Universalschrote. Bei sehr eng gebohrten Läufen lässt sich mit Filzpfropfen eine breitere, mit offener Bohrung und Becherpfropfen eine engere Streuung erzielen. Genaue Aufschlüsse geben aber nur Testbeschüsse auf die 16-Felder-Scheibe.
Obwohl die Munitionsindustrie und jagdliche Praktiker immer wieder darauf hinweisen, wird häufig noch zu grobes Schrot verschossen, das in sehr kleinen Kalibern eine noch schlechtere Deckung zur Folge hat. So fasst eine 28 g - Standardladung im Kaliber 20 nur etwa 110 Schrote 3,5 mm, in 2,7 mm doppelt so viel.
Ob Quer-, Bock- oder Selbstladeflinte ist ebenso nebensächlich wie die Lauflänge. Wie weit „hinaus gelangt“ werden kann hängt weit mehr von der Chokebohrung und der verwendeten Patrone ab. Wer das ganze Jahr seine Flinte nicht anrührt, braucht sich über mangelhafte jagdliche Ergebnisse nicht zu wundern. Zu dem schränkt die winterliche Bekleidung den flüssigen Anschlag ganz erheblich ein.

Sicherheit
gilt es auch außerhalb des unmittelbaren Waffengebrauchs zu gewährleisten. So sollten Durchgehschützen die Mündungen ihrer Waffen abkleben, damit keine Fremdkörper wie Regen, Schnee, Erde, Blätter u.s.w. in die Läufe geraten, was bei Flinten wegen der größeren Kaliber schneller passiert als bei Büchsen. Auf dem Hasenwagen sollte daher ein Putzstock und ein Pack Werg bereit liegen, um bei derlei Vorfällen helfen zu können. Dass für Notfälle ein Verbandskasten vorhanden sein sollte, sei gleichfalls erwähnt.
Die UVV Jagd schreibt vor, dass sich „Teilnehmer an Gesellschaftsjagden farblich von der Umgebung abheben müssen, wobei Jäger wenigstens ein rotes Hutband und Treiber und Durchgehschützen darüber hinaus gelbe oder rote Warnwesten zu tragen haben. Um Jagdausrichtern Kosten sparen zu helfen, sollte jeder teilnehmende Jäger eine Warnweste für den Jagdtag an Treiber zur Verfügung stellen, die er dann wieder zurück erhält. Da die Hutbänder eher eine Alibifunktion darstellen als von praktischem Wert zu sein, sind rote Mützen, die auch in warmer Winterversion im Handel sind, für Jäger weitaus besser geeignet.
Soweit Stöberhunde eingesetzt werden, erhöht sich deren Sicherheit gegen „Beschuss“ durch das Anlegen von Warnjäckchen ganz erheblich. Wie bei jedem Jagdunfall, kann sich der Unglücksschütze nicht damit heraus reden, er hätte das Ziel für Wild gehalten und geschossen.
Nicht nur wenn öffentliche Straßen durch einzelne Treiben führen empfiehlt sich das Aufstellen von Warnschildern, sondern generell. Forstbehörden tun sich zumindest bei der Sperrung von Waldwegen leichter als es seitens Privatjägern möglich ist.

So sehr ein Jagdtag vom Wetter und der Strecke bestimmt wird, so ist es nicht weniger von Belang, wenn der Jagdleiter am Abend auch den unfallfreien Ablauf feststellt. Nach diesen Hinweisen bleibt nur noch zu wünschen: „Guten Anlauf und Waidmannsheil“
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SirHenry

SirHenry

Alter: 81 Jahre,
aus Fürth
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Kommentare

24.10.2014 10:51 Gento
So sollte es sein. Habe selber mal an einem "Chaos-Treiben" teilgenommen, wo jeder "sein" Ding zu machen schien. Die sehen mich da nie wieder !
24.10.2014 12:52 SirHenry
Letzten Sonntag war das erfreulich anderes. Acht Super Treiber und 15 nette Jäger, flotter Ablauf ohne Leerlauf, bestes Wetter, südlich Erlangen.
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