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Jagd allgemein

..und darum jage ich (14 Einträge)

Elephant eye
480 mal angesehen
27.09.2014, 21.04 Uhr

Alptraum auf weißem Sand (Auszug)

(übersetzt aus meinem Tagebuch für Jemanden aus meiner Vergangenheit)

Der warme Wind war ungewöhnlich für die Winterzeit. Die bräunlich welken Blätter der trockenen Mopanebüsche gaben einen raschelndes Geräusch in der leichten Briese die aus Norden wehte. Ein blassblauer Himmel aber zeigte einen Wechsel in Richtung der kalten Jahreszeit. Bald würde der Wind aus Süden wehen, die Nächte abkühlen und Frost am Morgen bringen. Die blass weiße Sonne war fast schon am Zenit und außer dem irritierenden Geräusch einiger Fliegen war es still. Langsam bewegte ich mich vorwärts auf den kleinen Hügel der sich vor mir befand. Ich folgte ihm schon seit der Morgendämmerung und er wusste es. Der weiße Sand des Sikumi Waldes verschluckte alle Geräusche meiner Courtney Stiefel. Ich griff meine Waffe fester. Die Büsche wurden niedriger je mehr ich mich dem Hügel nähere. Gleichmäßig laufend konnte ich sogar fühlen wie der weiße Sand langsam von den Rändern meiner Schuhe rieselte. Vor mir am Horizont sah ich die Umrisse kleiner Mopanebäume. Ich hob die Waffe. Es wird gleich zu Ende sein. Noch einen Schritt. Ich glaube mich selbst von einem höheren Punkt sehen zu können, meinem Körper entrückt. Ich entsichere die Waffe. Ich fühle keine Furcht aber ich weiß dass er nun kommt. Die Büsche teilen sich und der grau weiße Schädel des Elefanten ist über mi im Bruchteil einer Sekunde. Das Korn der schweren Waffe sucht sich sein Ziel tief unten unter dem Rüsselansatz. Keine fünf Meter. Ich betätige den Abzug aber der Schuss klingt wie das Zerplatzen einer Kaugummiblase. Unverletzt scheint er auf mich zuzukommen. Meine Waffe klemmt. Ich schaue verwundet zu ihr hinunter. Und dann wird alles schwarz.
Ein erstickter Schrei kommt aus meiner Kehle. Ich springe auf, aber sie hält mich fest. Es war nur ein Alptraum. Ich fühle klebrigen Schweiß an meinem Hals hinunterlaufen der mein ganzes T-Shirt durchnässt. Ich versuche tief zu atmen. Sie schaltet die Nachttischlampe an. Ihre braunen Augen schauen mich besorgt an. Der Traum war zurück, der tägliche Alptraum. Immer wieder kam er. Immer gleich war er fast wie eine Langspielplatte die immer wieder in die gleiche Rille springt.
Ich bin gewiss nicht abergläubisch aber dieser Traum war es der mich zweifeln ließ. Er brachte mich zum Grübeln und ließ mich auch während des Tages nicht mehr los. Das erschreckende an ihm waren die Details. Und ich kannte die Stelle. Ich wusste nur eines genau. Ich musste dorthin um es zu sehen.
Der Weg dorthin war weit. Ich musste zwei benachbarte Jagdblöcke durchfahren. Ich fuhr nicht alleine sondern mit einem meiner Tracker. Die Stelle fanden wir überraschend rasch. Ich rannte förmlich die Anhöhe hinauf. Jeder Busch und jeder Baum war bis ins Detail wie im Traum. Der Sand, die Fliegen. Alles war da. Ich ertappte mich dabei nach meinen eigenen fiktiven Spuren zu suchen. Der Tracker war schon über den kleinen Hügel. Ich erreichte „meine“ Stelle. Doch es fehlte was. Der Elefant war nicht da. Der Tracker winkte mir zu und deutete auf den Boden. Elefantenfährten. Nichts Ungewöhnliches hier. Und es waren auch Fährten von Kühen mit Kälbern. Ich drehte mich um und ging zurück zum Wagen. Fast schon enttäuscht, aber doch wiederum erleichtert. Der Alptraum konnte wiederkommen doch ich wusste nun mehr. Und doch kam er wieder etwas unregelmäßiger.
Ich fuhr zur morgendlichen Kontrolle meiner Salzlecken. Der Tag war noch jung und es fröstelte mich. Die Sonne stand noch tief und würde noch nicht wärmen. Cosmos und Douglas saßen rücklings an das Fahrerhaus des Landcruisers gelehnt. Wir bogen zum Tal des Dete ab und erreichten die erste Salzlecke. Das lose Salz schütteten wir in die im Laufe der Zeit entstandene Senke und verteilten es sorgsam mit einem Rechen. Douglas tippte mich an und deutete auf die gegenüber liegende Seite des Tälchens. Ein fremder Landcruiser bewegte sich dort sehr langsam auf der sandigen Fahrspur. Man konnte einige Leute auf der Ladefläche erkennen. Ich fuhr hinüber und blockierte den Weg. Der Wagen rollte heran und blieb direkt neben uns stehen. Nun erkannte ich den Fahrer. Es war ein Berufsjäger von einer der Nachbarblocks mitsamt seinen Trackern und zwei amerikanischen Jagdgästen. Man habe Tags zuvor einen Elefantenbullen beschossen der durch das benachbarte Jagdgebiet gewechselt sei und bei mir nun eingewechselt. Meine Frage warum man mich nicht schon eher informiert hätte wurde erwidert dass man keinen Funkkontakt zu mir gehabt habe. Die Beschreibung des Bullen war knapp. Ja, er wäre um die vierzig bis fünfzig Pfund, der Schuss wäre von vorne abgegeben worden auf die Stirn. Schweiß wäre hie und da zu finden, abgestreift an Ästen in Kopfhöhe des Bullen, aber die Fährten wären klar. Ich erlaubte der Gruppe weiter zu suchen, wolle mich aber mit meinen Trackern auch auf die Suche begeben.
Wir trennten uns von der Gruppe und fuhren das Tal entlang. Rechter Hand war ein Bergrücken, dicht bewachsen mit Teak Bäumen, Marullas und Msasa Bäumen sowie kleineren Mopanebüschen. Wir fuhren etwas schneller, von der eingeschlagenen Richtung des Bullen her müsste er Kilometer zurückgelegt haben während der Nacht. Wir hielten am letzten der Dämme an und suchten nach Fährten des Riesen. Ein schrilles ärgerliches Trompeten ließ uns aufhorchen. Das würde er sein. Er bewegte sich wohl auf halber Höhe über uns im Berghang. Ich rannte zurück zum Auto und versuchte Funkkontakt mit dem anderen Landcruiser herzustellen. Nach einigen Minuten vergeblicher Versuche kam der Wagen auch schon an. Seine Fährtenleser haben auch das Trompeten gehört und man sei gleich in die Richtung aufgebrochen. Wir beratschlagten kurz. Er würde den unteren Weg nehmen und ich den Weg nahe des Grates. Die Zeit drängte, denn vor uns lag nur wenige Kilometer entfernt die Sikumi Tree Lodge, ein Gebiet das nur für Fototourismus zugelassen ist.
Unsere Suche blieb weiterhin erfolglos. Fährten von Elefanten konnten wir ausmachen. Nur Schweiß konnten wir zunächst nicht finden. Schon waren wir an der Grenze des Jagdblocks angekommen als eine krächzende Stimme aus dem Lautsprecher des Funkgerätes vermeldete. Elefant gekreuzt durch Tal. Schweiß vorhanden. Richtung Good Luck eingewechselt. Folge geklärt fahren weiter. Bitte folgen.
Noch konnten wir eine leichte Staubwolke ausmachen vom vorausfahrenden Fahrzeug. Der Wald auf dieser Seite war lichter und mehr von weißem Sand bedeckt. Typisch der Bewuchs nun mit zunehmend mehr Mopanebüschen. Ich trat auf die Bremse. Vor uns am Weg erscheint ein einzelner Elefant. Nein er ist es nicht, dieser hat nur etwa 25 Pfund und scheint auch unverletzt zu sein. Doch scheint er sichtlich nervös und aggressiv. Wir warten bis der Bulle im Unterholz verschwunden ist. Kaum sind wir auf der Höhe auf der sich der Bulle befand als Cosmos nach rechts zeigt. Dort bricht ein Elefant in schnellem Gang durch den Busch vor uns weg. Die Fluchtrichtung hat wieder gewechselt und der kranke Elefant spurtet in Richtung des Nationalparks. Dazwischen liegt nur noch eine weitere Jagdkonzession. Genau diejenige aus meinem Alptraum. Ich schaue meinen Tracker an und der scheint meine Gedanken zu erraten. Er winkt vorwärts.
Der Wagen vor uns ist nicht mehr auszumachen. Über Funk weise ich an dass der Bulle gesichtet wurde und zum Park will. Ein kurzes Ok bestätigt den Funkspruch. Wir biegen auf der Sandpad nach links und sind bald an „meiner“ Stelle angelangt. Ich halte den Wagen an und steige aus. Meine beiden Tracker schauen etwas verwundert aber ich greife meine 458 repetiere durch und laufe den Hügel hinauf. Ich höre Douglas keuchend hinter mir herrennen. Cosmos rennt links von mir kopfschüttelnd bergauf.

"Gleichmäßig laufend konnte ich nun fühlen wie der weiße Sand langsam von den Rändern meiner Schuhe rieselte. Vor mir am Horizont sah ich die Umrisse kleiner Mopanebäume…".
Unwillkürlich halte ich nun die Waffe fester, kontrolliere noch einmal ob sie geladen ist. Ich hebe die Waffe bevor ich oben auf dem Hügel angekommen bin. Und nichts passiert. Es ist kein Elefant da. Enttäuscht und doch erleichtert gehe ich in die Hocke. Douglas steht neben mir und schaut mich fragend an. Cosmos kommt und legt seine Hand auf meine Schulter: „Er war es nicht und es ist auch nicht heute!“ Ich nickte stumm und schaute auf den Boden.
Der angeschossene Elefant wurde nie gefunden. Er wechselte in den Hwange Nationalpark ein. Ranger berichteten später den Bullen gesichtet zu haben. Er schien aber genesen zu sein. Ich habe einige Elefantenangriffe miterlebt. Manche waren Scheinangriffe, andere wenige waren Angriffe aus Bedrängnis. Alle waren ähnlich doch keiner so wie der in meinem Traum.
In den letzten Jahren hatte ich den Traum nicht wieder. Vielleicht war es das geänderte Umfeld in dem nun ich lebe. Nun kam er zurück.

……………Und ich denke an dich.

memories of the past - memories of a future
offline

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Kommentare

01.10.2014 05:48 swinging_elvis
... Beeindruckend erzählt... ! El
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