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Jagerlebnisse

(8 Einträge)

697 mal angesehen
06.08.2014, 11.33 Uhr

Mein erstes Stück Rotwild - der Anfang von etwas Besonderem

Als reiner Gastjäger bin ich immer auf das Gönnertum anderer angewiesen. Als junger Familienvater dazu noch im bevölkerungsreichsten Bundesland besteht leider keine Chance ein eigenes Revier oder einen eigenen Teil gewissenhaft zu pflegen.

Umsomehr bin ich jedesmal verwundert, überrascht und dankbar wenn ich - wieder mal eine großzügige Einladung zur Jagd bekomme. Zwar arbeite ich während des gesamten Aufenthalts tagsüber im Revier und nehme mein Wild immer mit, dennoch steht das sicher in keinem Verhältnis zu dem, was mir geboten wird - ich kann nur hoffen, dass meine Dankbarkeit wirklich genug zum Ausdruck kommt.

So auch dieses Mal - ich bin in der Nähe von Aschaffenburg zur Rotwildbrunft eingeladen - wow so ein Erlebnis und ich mittendrin. Waffe habe ich zwar dabei, aber es ist mir völlig klar, dass ich eher als Späher denn als Jäger eingesetzt werde. Der Hirschabschuss ist den Pächtern vorbehalten und nichts soll die Brunft stören. Zum dritten Mal bin ich zu diesem Erlebnis eingeladen. Die Brunft war leider nach sehr mäßigem Verlauf bereits zum Ende gelangt, da im Nachbarrevier ein Hirsch erlegt wurde und seitdem Ruhe eingekehrt war.

Da die Zeit nach der Brunft immer zur Erfüllung des Abschussplanes genutzt wird, staune ich nicht schlecht, als es auf einmal heißt, dass ich weibliches Rotwild freibekomme. Wahnsinn - das ist wie ein Sechser im Lotto. Nun gut, freibekommen, sehen und auch noch erlegen sind ja sehr unterschiedliche Dinge, aber alleine das Rausgehen mit dem Wissen es könnte was geben, macht die Sache noch spannender als sie sowieso schon ist.

Ich verbinge die Ansitze in spannendem Umfeld im Wald, Waldjagd ist für mich das größte, da man wirklich mit allen Sinnen jagd. Leider bleibt der Anblick von Rotwild aus, auch die reichlichen Sauen kommen entweder zu spät oder gar nicht.

Am zweiten Abend erlegt ein Mitjäger einen Überläufer. Als ich ihm beim bergen und versorgen helfe ist er sehr dankbar, da sein Kreuz etwas lädiert ist. Nach getaner Arbeit, gebe ich dem Stück den letzten Bissen und dem Erleger einen Bruch. Mir Jungspund kommt es nicht in den Sinn, dass das vielleicht dem Jagdherrn gebührt. Völlig verdattert schaut er mich an, und erwiedert mein Waidmannsheil. Als ich ihm dann den Flachmann anbiete zum tottrinken überrascht er mich komplett. So etwas hätte man in den Jahren bei all der Jägerei und dem "Stress" völlig einschlafen lassen. Und da müsste so ein Jüngelchen aus der Stadt kommen um ihn wieder an das jagdliche Brauchtum heranzuführen und zu erinnern. Er sei froh dass ich da sei und er hoffe, dass ich weiter und vor allem häufiger komme. Wow, was für eine Ehre und das für etwas was für mich selbstverständlich erscheint, denn so bin ich jagdlich aufgewachsen.

Irgendwie schein das Eindruck gemacht zu haben. Gepaart mit der Aktion, dass ich bis weit in die Dunkelheit auf halber Strecke zum Auto eine halbe Stunde stehen geblieben bin, um das Rotwild in der Nähe nicht zu vergrämen, hatte ich mein Ansehen als "gscheiter Jächer" errungen und fühlte mich vollends aufgenommen.

Prompt setzte man mich am nächsten Morgen mitten in den Kern des Reviers - "wird Zeit dass der Kleene auch mal Strecke macht" waren die Worte des Pächters.

Und wie es kommen sollte, im Regen und Morgendunst steht urplötzlich ein Alttier auf dem Waldweg. Seelenruhig fängt es an zu äsen als plötzlich ein weiteres Stück aus dem Wald zieht. Das ist ein Kalb!!! Ohoh, jetzt wird es ernst. Langsam geht der Repetierer in Anschlag. Wahnsinn, Rotwild ist so riesig und es sind nur 80m, aber das Kalb tanzt bei 8-facher Vergrößerung eine Mischung aus Samba, Breakdance und Rock N Roll. Mit aller Kraft konzentriere ich mich und bringe den Schuss heraus - Bühne leer. Na toll. Nach unendlichen 2 Stunden werde ich endlich abgeholt. Zusammen suchen wir nach, das Kalb ist trotz Bilderbuchschuss noch 80m gegangen. Eine wahnsinnige Freude setzt bei mir ein - mein erstes Stück Rotwild. Noch dazu in einer solchen Umgebung in einer solchen Runde...

Damals wusst ich nicht, dass das der Anfang einer langen Jagdfreundschaft ist, von der ich noch heute zehre. Mehrmals im Jahr darf ich Richtung Süden fahren und wir genießen tolle Tage zusammen mit Jagd, viel Arbeit aber auch viel Brotzeit und Weißbier. Eine wirklich tolle Runde, die mich so toll aufgenommen hat, wie ich es mir nie hätte erdenken können. Jedesmal frage ich mich, wie ich eine Gegenleistung erbringen kann. Irgendwann sagte der Pächter mir mal folgende Worte:"Wir bräuchten mehr Leute wie Dich. Die mit anpacken können und wissen wie man sich benimmt. Im Wald genauso wie in der Stube. Bist ein gerechter Jäger."

Wenn man den etwas wortkargen, gemeinen Bayer kennt, weiß man einzuschätzen, was diese Worte bedeuten. Klar muss die Jagd finanziert werden. Aber am Ende geht es nicht immer ums Geld - sondern auch darum wie es zusammenpasst und wie man sich anstellt. Klar kann man sich in eine Jagd einkaufen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Anstand, Benehmen und Pflichtbewusstsein häufig viel lieber gesehen sind, als Geld. Wenn man sich zu benehmen weiß - und das umfasst dass man sich als Gast auch richtig einzupositionieren weiß - wird höchstwahrscheinlich auch als revierloser Jäger an Gelegenheiten kommen. Die wachsen natürlich nicht am Baum und müssen über Jahre reifen - und gepflegt werden (!). Aber wenn man sie gefunden hat, sind sie wahre Glückstreffer.
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Kommentare

06.08.2014 13:59 Harheimer
Sehr schön geschrieben und vorallem die Situation richtig erkannt!!!
WMH!!!
06.08.2014 17:41 Ammerlaender
Top!! Weiterhin viel Waidmannsheil
07.08.2014 10:18 taube54
Sehr gut geschrieben, weiterhin viel Freude und Waidmannsheil. Gruß Taube
08.08.2014 16:28 swinging_elvis
Sauber! Waidmannsheil passt auch in diesen Zusammenhang... Gruß, el
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