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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

In-Besitz-nahme... Damals reichte ein Stück von der Schwarte...
688 mal angesehen
27.07.2014, 12.41 Uhr

Der kleine Sauhund

Endlich Urlaub… - nach turbulenter Woche hatte ich mich heute – am ersten Urlaubstag - einfach mal gehen lassen: Gut ausgeschlafen, gut gefrühstückt, ein wenig bummeln gegangen, ein wenig gelesen, ein kleines Nachmittags-Nickerchen, zwischendurch Reviergänge mit den Hundis - so liebe ich es!

Um 20 Uhr meldete ich mich dann zuhause ab zum Ansitz. Meinen Jüngsten, Fiete, nahm ich wieder mit; er sollte sich ein wenig in "Standruhe" üben und vielleicht, ja vielleicht machten wir ja sogar Beute…

Die Aueleiter war heute unser Ziel. Fuchs ging hier immer und Rehwild war hier auch noch nicht gefallen. Als ich jedoch anging, stieß ich zunächst überrascht auf ein buntzes Gemisch an Saufährten. Diese hatten ziemlich frisch auf dem gegrubberten Rapsstoppel gebrochen. Auch auf der Wiese am angrendenden Bach hatten sie unübersehbare Spuren hinterlassen. Ob die im Roggen stecken? Angesichts des warmen sonnigen Wetters tippte ich jedoch eher auf das kühle Schilf.

Ich richtete mich auf der Leiter an der Birke ein und bedauerte sogleich diese Wahl:
Die Birke, die Leiter und wenig später auch ich waren voll von kleinen, schwarzen Stinkwanzen. Eklig! Sie krabbelten auf dem Zeug, in den Haaren, in den Ohren, auf der Waffe, einfach überall… Aber nun war ich einmal hier.

Fiete - mit seinen knapp 6 Monaten - hatte ich am Fuß der Leiter angebunden. Während ich mit dem Ungeziefer kämpfte, sondierte er aufmerksam die Gegend. Nach einer halben Stunde wurde ihm langweilig und er begann Gras auszureißen und halb vermoderte Stöcke auszugraben. Aber er verhielt sich ruhig. Als er plötzlich Richtung Schilf davonstiefelte – die Leine hatte sich gelöst – musste ich einmal kurz abbaumen.

Kein Reh, kein Hase, kein Fuchs… - nichts ließ sich blicken. Trotzdem war es ein angenehmer Abend. Am blauen Himmel strichen Kraniche vorüber. Weit hinten lagen Ringeltauben auf dem umgebrochenen Rapsacker. Aber sonst – nix!

Zwischendurch nahm ich immer wieder mit Fiete Blickkontakt auf. Er stellte sich dann auf die 2. Sprosse der Leiter und wäre sicher gern mit hoch gekommen. Inzwischen war es fast 22 Uhr. Das wurde wohl heute nichts mehr….

Plötzlich begann der Lütte dunkel vor sich hin zu grollen. Was hatte er denn? Er starrte geradeaus in den Roggen. Sollten die Sauen stecken und nun geradewegs bei uns auswechseln wollen? Er grummelte vor sich hin! Leise zischte ich durch die Zähne, um ihn zu veranlassen, leise zu sein. Er knurrte gebannt in den Roggen. Sehen und hören konnte ich nichts!

Das konnten nur Sauen sein!

Sein Grollen wurde lauter. Er war gespannt wie ein Flitzebogen. Von ihm waren es nur gut 3m bis an den Roggen, der am Rand auch noch einmal auf gut 3m flach lag. Jetzt bellte Fiete schon einmal verhalten auf. Längst war ich im Anschlag! Kamen die Sauen hier raus, konnte es passieren, dass sie meinen Hund annahmen, der sich – festgebunden – nicht wehren könnte. Sehen und hören konnte ich immer noch nichts!

Unablässig grummelte Fiete vor sich hin. Plötzlich bellte er wieder auf und jetzt hörte ich es im Roggen knispern und knacken – Sauen! Offenbar traten sie unschlüssig keine 10m vor unserer Leiter hin und her. Jetzt wurde Fiete richtig wütend. Sein Keifen veranlasste die Wutze jetzt doch abzuziehen. Ich hörte das Anstreichen des Roggens an vielen Wildkörpern. Das waren nicht nur 5 oder 6, das waren viel mehr! Sie zogen Richtung der ehemaligen Maileiter. Hoffnungsvoll behielt ich die Getreidekante im Auge, aber so blöd werden die doch nicht sein…!?
Entweder ziehen die sich wieder in die Tiefe des Schlages zurück, oder sie wechseln über die gut gedeckte Ecke in das Schilfgras des Aubaches. Jedenfalls war die Chance wohl vertan.

Fiete entspannte sich noch immer nicht – er grollte! Im Hintergrund tönte die laute Muskik eines Festes aus dem Nachbarort - eine Open-Air-Veranstaltung - wie ich später erfuhr. So laut, als stände ich mitten auf dem Veranstaltungsgelände.

In den Pausen konnte ich mit der Hand hinter dem Ohr tatsächlich noch Wild ziehen hören. Was hatten die vor? Jetzt wurde Fiete wieder ärgerlicher. Immer wieder leuchtete ich die Feldkanten ab – nix! Die Musik brandete wieder auf und jetzt gab Fiete wieder anhaltend Laut, als würde ihm die Musik nicht passen...

Der Grund aber war ein anderer: Im schwindenden Licht des Abends schob sich auf ca. 70m eine geringe Bache aus dem Roggen. Den immer wütender kläffenden Hund würde sie wohl kaum aushalten. Als ich mutmaßlich dieselbe Rotte vor Wochen schon einmal vor hatte, reichte ein schreckender Bock, und sie floh in die Deckung zurück.

Jetzt aber hatten sie wohl Durst, denn die Bache strebte Richtung Aubach. Sogleich folgten 2,3,4 Frischlinge, aber da knallte es schon. Ich hatte auf einen der verhoffenden Frösche fliegen lassen.

Er klagte erbärmlich und kreiselte am Anschuss, während der Rest der augenscheinlich großen Rotte in den Roggen zurück preschte. Dann kehrte Ruhe ein!

Fünf Minuten wartete ich, dann baumte ich ab.

Fiete schien sich nicht klar werden zu können, ob er dem Alten folgen sollte, oder ob er sich besser in Zurückhaltung übte. 5 Schritte vor – stehen bleiben – 2 Schritte vor – wieder stehen bleiben. Ich leinte ihn ab und ging zum Anschuss, während mein Hund mich aus der Ferne beobachtete.

Sehen konnte ich nichts mehr und die Lampe war im Auto geblieben. Na, vielleicht überwand Fiete ja bald seine Zurückhaltung. Auf mein Locken hin fasste er sich ein Herz und kam tatsächlich heran. Die kleine Wutz musste hier irgendwo liegen.

Er nahm die Nase runter und ab ging’s in den Roggen. Statt Wundwitterung arbeitete er offenkundig die Dunstwolke der Rotte aus, die hier tatsächlich schon ordentliche „Autobahnen“ ausgetreten hatte. Die waren nicht erst 2-3 Tage da drin…

Nachdem er sich schon eine Ecke voran gearbeitet hatte, rief ich ihn ab, schließlich wollte ich mit dem Youngster nicht der Bache begegnen.

Wir kehrten Richtung Anschuss zurück. Plötzlich bog er vom ausgetretenen Wechsel ab und stolperte buchstäblich über den längst verendeten Frischling. Die Kugel hatte die Kammer tief eröffnet und einen Vorderlauf zerschlagen. Als ich die Beute jetzt ein wenig bewegte, hing er auch schon am Teller und beutelte das Wutzchen. Wütend schleifte er die kleine Bache hin und her. Derweil holte ich – ohne dass Fiete von dem Schweinchen ab ließ – die restlichen Sachen von der Leiter.

Nur schwer konnte ich ihn überzeugen, ab zu lassen. Was für ein Erlebnis für so einen kleinen Hund. Heute Nacht würde er gewiss - da war ich mir sicher- das Erlebte lauthals in seinen Träumen verarbeiten.

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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

27.07.2014 21:29 swinging_elvis
Tolles Erlebnis... Jagd ohne Hund... Habe leider (noch) keinen und muss mich beim Schuss im letzten Dämmer entsprechend verhalten... El
28.07.2014 11:03 nightwish74
Tolle Geschichte und ein tolles Erlebnis für den Kleinen und sein Herrchen, er wird sicher besonders gut im Körbchen geschlafen haben
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