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Was für ein Hund?

(1 Eintrag)

Ein Hauptschwein
756 mal angesehen
12.07.2014, 11.27 Uhr

Was für ein Hund?

Jeder Bauer lobt seine Butter, jeder Jäger lobt seinen Hund. Das ist eine alte Geschichte, die durchaus menschlich und verständlich ist. Nun aber gibt es - jeder Rüdemann weiss es - zuweilen auch Hunde, die über jedes Lob erhaben sind. Es sind Asse unter den Hunden. Sie bedürfen der Lobsprüche nicht, Ihr Wesen und ihre Taten sprechen für sich selber.
Ein solches As war meine gute, alte Biene.
Kraftstrotzend und mit der ganzen Dynamik ihrer Rasse geladen, wildscharf und mit einem nie enden wollenden Finderwillen.Sie hat mich viele, viele Jahre
auf Ansitz und Pirsch begleitet, manche Sau und manchen Hirsch erfolgreich nachgesucht und wenn ich im Winter die Sauen im Kessel anging mit ihrer feinen Nase die Richtung gewiesen.
Gern erinnere ich mich wie sie vor dem gestellten, weidwunden Rothirsch stand und ihn verbellte. Was war das für ein Bild? Der Starke, mit gesenkten Geweih und davor die tänzelnde Hündin.
Unendlich Weidmannsfreuden haben wir gemeinsam erlebt, doch ein Erlebnis steht über alle anderen.
Es war Winter. Nach der zweiten oder dritten Neuen hatten wir die Sauen fest.
Das Treiben war umstellt und die Jagd wurde angeblasen. Sie begann mit einem Höllenspektakel, den ein Eichelhäherschwarm vollführte, als die Hunde geschnallt wurden und die Treiber in die Dickung krochen. Dort, wo ich meinen Stand hatte, lief die Dickung an einer Kahlfläche entlang, die unter einem prächtigen, weichen Schneetuch lag und im Sonnenlicht märchenhaft glitzerte. Links und rechts von mir waren deutlich die Spuren und Fährten des Wildes zu erkennen, das in der Frühe hier aus und eingezogen war. Es standen nicht nur die Fährten von Rehwild, auch ein Hase sowie ein Fuchs hatte seine Spur in die Neue geschrieben. Weiter rechts war die Schneedecke von den Sauen umgebrochen. "Jiff!" tönte es plötzlich. "Jiff, jiff!"
War das nicht meine Biene, die ein Stück Wild durch die Tiefe der Dickung hetzte? Es war schwer sich darüber klar zu werden, denn der dicke Schneebehang dämpfte die Stimme. Auch mischten sich schnell noch andere Hundestimmen ein, bis schließlich ein richtiger Bail daraus wurde. Ein tolles giftiges Gebell, immer von demselben Platz, wie es Hunde so vollführen, wenn sie eine Sau oder eine ganze Rotte gestellt haben und sie wütend umtanzen.
Es war eine wilderregende Musik, es war ein Konzert elementarster, urtümlichster Laute und Gefühle. Die Hunde heulten, sangen und schrieen, alles in einem. Zuweilen auch kletterte die eine oder andere Stimme die ganze Skala der Tonleiter bis zum höchsten Diskant hinauf, überschlug sich und zerfloß in einem winselnden Schluchzen.
Meine Pulse hämmerten. Den Kopf vorgebeugt, lauschte ich dem Bail ganz hingerissen. Obwohl ich nichts von dem Vorgang sah, erlebte ich doch alles im einzelnen mit. Ich war gewissermaßen ein Zuschauer von innen her, dem jeder Laut, der aus der Dickung drang, zu einer bildhaften Beschreibung des Kampfes wurde, der da drinnen tobte. Mit einmal brach der Bail ab und einem Atemzug blieb alles ruhig. Dann aber gaben die Hunde aufs neue hals, jetzt aber nicht mehr von ein und derselben Stelle aus, sondern nach verschiedenen Richtungen hin. Ich wußte, dass der Bail keiner einzelnen Sau sondern einer ganzen Rotte gegolten hatte. Jetzt war die Rotte gesprengt und die Sauen suchten, zerstreut nach allen Richtungen das Weite.
"Achtung, Sauen!" riefen die Treiber. Und dann knallten auch die ersten Büchsen und es erscholl ein Hornsignal. Ganz weit in der Ferne verhallte das Hundegeläut. Auf meinem Stand trat Stille ein, die so tief war, dass ich beinahe erschrak, als ein Meisenschwarm sich aus einer Jungfichte schwang und der Schnee herunter rieselte. Schon aber kam das zweite Furioso in Gang. Den Auftakt bildete ein jäher Ruf eines Treibers, dem sich im Nu ein wildes Geschrei und Gebell beigesellte. Diesmal gab es kein langes Platzkonzert, gab es keinen Bail; diesmal setzen sich die Sauen, unberechenbar wie sie nun mal sind, sofort in Bewegung und die Hunde folgten mit lautem Hall und Schall
dahinter. Die Jagd kam direkt auf mich zu und ich stand mit der gespannten Büchse in den Händen in der vollsten Erwartung. Ihr kennt diese Situation ja.
Der giftige Hals der Hunde scholl mir immer näher, immer näher entgegen. Ich hörte Reisig splittern und das Abstreifen von Ästen an Wildkörpern. Schon glaubte ich, die Sauen in jedem Moment aus der Dickung hervorpreschen zu sehen, als die Jagd nach scharfer Schwenkung in eine andere Richtung ging, wo dann auch alsbald einige Büchsen knallten.
Das alles ging auf einmal an meinem Ohr vorbei. Jetzt galt mein Lauschen etwas anderem, galt ganz und gar einem hellsingenden Hetzlaut, der mir wohlvertraut war, der seit Jahr und Tag eine mich immer aufs neue wieder erregende und beglückende Begleitmusik bei meinem Weidwerk war. Nein, es gab keinen Zweifel - jetzt kam Bienchen. Silberhell erscholl ihr Geläut, sich schnell nähernd, mir entgegen. Sie jagte gern allein. Auch dieses mal hatte sie sich von der Meute abgetan und sich hinter ein Stück Wild gehängt und folgte mit giftiger , sich überschlagender Stimme. Aber was zum Teufel mochte es sein, dass sie so rasend machte? Ich brauchte mir nicht lange den Kopf zerbrechen. Dicht vor mir, hinter den schneebehangenen Randfichten, kam die wilde Hatz plötzlich zum Stocken. Deutlich konnte ich grimmiges Blasen und Waffengeklapper hören. "Bienchen aufpassen!", waren meine Gedanken.
Aber sie hatte schon viel Lehrgeld bezahlt und Erfahrungen gesammelt. Dennoch war sie Gift und Galle. Ihr Wutgesang ging in hellsingendes Winseln
über und ich sah immer noch nicht, absolut nichts. Plötzlich. mitten im tollsten Fortissimo, verstummte ihr Gesang. Es splitterte Reisig und es krachte Fallholz - die Jagd kam auf mich zu. Längst hatte ich angebackt, folgte dem Keiler mit dem roten Punkt und war mir des grünen Bruches am Hut so gut wie sicher.
Und wahrhaft, schneeumspült, wie ein Stück lebendig gewordener Urwelt tobte der Keiler aus der Dickung, überfiel einen Graben und bot ein leichtes, nicht zu verfehlendes Ziel. Gleich in der nächsten Baumlücke wollte ich ihm die Kugel aufs Blatt setzen. Ich fuhr mit - doch der Finger blieb gerade, weil ich genau in Höhe des Blattes, im aller letzten Moment "orange" sah. "Biene" jagte genau parallel zum Keiler. Was wäre passiert, wenn sie auf der anderen Seite gejagt hätte? Der Schreck lähmte mich völlig. Ich entspannte meine Büchse und versuchte meine innere Ruhe wieder zu finden. Das hätte schief ausgehen können!
Irgendwann fiel in der Ferne ein Schuß und bald war auch "Hahn in Ruh!".
Auf dem Sammelplatz hörte ich vom Jagdleiter die Worte: "Wird Zeit dass Du kommst". "Biene" hielt auf ihrem Keiler die Wacht und schickte jedem, der sich dem Keiler nähern wollte ein grimmiges "Wahr' dich!" entgegen.
Was für ein Hund?
Am 1. Mai diesen Jahres habe ich mit ihr, im 17.-ten Jahr, den letzten Reviergang gemacht. Sie liegt an der schönsten Stelle des Reviers, wo wir oft gemeinsam ansaßen, im Schatten einer starken Buche begraben. Ein Findling und Blumen aus "ihrem" Garten schmücken das Grab.
Der kleine schwarze Schatten, der mir so lange folgte, fehlt mir sehr.
Wenn es so etwas wie einen Hundehimmel gibt, hat sie , von allen meinen Hunden, den allerbesten Platz verdient.
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Gangloff

Gangloff

Alter: 71 Jahre,
aus Oranienburg

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Kommentare

12.07.2014 12:36 kong
Ein donnerndes Ho Rüd ho für Dich und Deine Biene...ein sehr schöner Nachruf, danke dafur
12.07.2014 16:06 Gangloff

Lange habe ich gehofft, dass sie eines Morgens in Ruhe eingeschlafen ist. Es folgten immer wieder Phasen des Auflebens und der Hoffnung
und schlimmes Erlebens.
12.07.2014 21:12 GentleGuy
Gangloff schrieb:
Ja, man kann sehr geteilter Meinung darüber sein.
Ich wollte sie nicht mehr leiden sehen und habe
sie erschossen. Sie hat den Knall nicht mehr gehört und war sofort tot.
Lange habe ich gehofft, dass sie eines Morgens in Ruhe eingeschlafen ist. Es folgten immer wieder Phasen des Auflebens und der Hoffnung
und schlimmes Erlebens.
Den Weg zum Tierarzt wollte ich ihr ersparen.
Es war wohl besser so.


kann ich sehr gut nachvollziehen, 1 Woche vor dem 15. Geburtstag meines Labradors hab ich die selbe Entscheidung getroffen. Sie hatte es mehr als verdient ein würdiges Ende ohne unnötiges Leiden zu erfahren.
13.07.2014 09:58 frankietester
Ho Rüd Ho
13.07.2014 13:54 Ruedemann
Genialer Nachruf auf einen genialen Hund! Vielen Dank.

Deine Schilderungen haben auch in mir wieder Erinnerungen an meinen "Besten" heraufbeschworen... Schön, dass uns wenigstens diese erhalten bleiben!
13.07.2014 17:33 Gangloff
Ruedemann schrieb:
Genialer Nachruf auf einen genialen Hund! Vielen Dank.

Deine Schilderungen haben auch in mir wieder Erinnerungen an meinen "Besten" heraufbeschworen... Schön, dass uns wenigstens diese erhalten bleiben!


Danke für deine Worte. Auch wenn schon längst ein jüngerer Jagdkamerad meiner Fährte folgt, bleibt die Erinnerung.
14.07.2014 17:28 Stoffhund
das treibt einen schon mal eine Träne ins Auge,aber schöne Stunden mit einem treuen Kameraden vergisst man nie
15.07.2014 14:53 Rapsjaeger
Gangloff schrieb:
Danke für deine Worte. Auch wenn schon längst ein jüngerer Jagdkamerad meiner Fährte folgt, bleibt die Erinnerung.


Schön aber, wenn man sich nach unvermeidlichem Verlust zum "Wachwechsel"entschließt und einem jungen Hund eine Chance gibt...!


Grüße von der Küste
15.07.2014 15:12 Sucher
Der schlimmste Gang ich kann dich verstehen.
Ich mußte den letztes Jahr auch gehen und habe meine bis dahin beste Hündin mit nur 10 Jahren verloren. Für meinen Sohn (7) war das auch sehr schlimm die beiden waren ein Herz und eine Seele. Aber er weiß, das sie jetzt mit den anderen Hunden im Himmel Jagd. Oft geht er zu den Gräbern und steht davor mit einer Träne und einem Lächeln im Gesicht.
15.07.2014 18:33 Hesse
Ihr ward ein großartiges Gespann! Du hast deine Biene mit einen Nachruf bedacht, der sie wie auch dich ehrt. Einfach schön!
Herzliche Grüße
Peter
24.07.2014 10:58 nurmalso
Ho Rüd ho

Ich musste meinen Teckel am 02. Mai mit nur 7 Jahren auch gehen lassen. Viel zu früh, viel zu unerwartet.
25.07.2014 13:01 Dackelbiene
Behalte die gute Zeit mit deiner "Biene" immer in Erinnerung ... und habe viel Freude an ihrer jungen Nachfolgerin!!!

Herzliche Grüße
Sabine
05.02.2016 22:15 ZH-7x57
Ich denke, diese Erinnerungen an Biene und die gemeinsamen jagdlichen Stunden die vergisst man nicht! Ein wunderbarer Nachruf.
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