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Da ist er ja... Für Jährling und Schmalreh Am Ende zogen Grenzbock und Schmalreh gemeinsam durch die nebeldurchflutete Wiese zum Wald
547 mal angesehen
27.06.2014, 00.07 Uhr

Da muss doch was gehen - die Zweite...

Ich muss gestehen, eigentlich sind für mich die Sauen das Wild, das mich regelmäßig mit Adrenalinschüben versorgt. Nicht, dass ich damit ein Problem hätte - eher muss ich wegen dieser imposanten Wildart zum Adrenalin-Junkie gezählt werden. Aber manchmal, da kann ich mich auch an einem Stück Rehwild so richtig festbeißen. Da spielt die Trophäe des Bockes weniger die Rolle. Meist ist es eher der Teil des Stückes, an dem ich es immer wieder individuell erkenne.
Vor einigen Jahren, da zog in meinem Revier ein Bock seine Fährte, der mir so manchen Ansitz versaute und doch auch verschönte. Sein Gehörn zeichnete sich durch sehr eng stehende Rosenstöcke aus. Die Stangen selbst erhoben sich geschwungen wie ein mittelalterlicher Trinkbecher über das Haupt. Die Vordersprossen beider Stangen waren gleich über den Rosen angesetzt und zogen sich bis zur eigentlichen Spitze der Stangen. Von weitem mochte man an einen Vierstangen-Bock glauben.
Dieser Bock zog mehrere Jahre seine Fährte bei mir. Nie aber kam er mir so, dass ich ihn hätte strecken können und wollen. Zeitweise ließ ich wegen des Bockes sogar die im milchreifen Weizen erscheinenden Sauen ungeschoren. Aber irgendwie...
Irgendwann im Juli vor 4 Jahren, ich hatte ihn das ganze Jahr noch nicht gesehen und schon geglaubt, er wäre weg, stand er plötzlich am Dorfrand vor mir. Und beinahe langweilig war dann seine Erlegung, kein Adrenalin, keine Zweifel. Er hatte wohl im Weizen gedöst und stand dann plötzlich nur 30 Meter vor meinem Hochsitz...

Mittlerweile weiß ich, dass es solche Böcke wohl öfter geben muss, Böcke, die man immer wieder sieht, aber niemals zu rechten Zeit am rechten Ort antrifft. Auch heute saß ich wegen eines solchen Bockes an. Wohl bereits im letzten Jahr hatte ich ihn vor. Sein Gehörn ist unspektakulär aber einprägsam. Und schon im letzten Jahr schien er seinen Zenit überschritten zu haben. Lange Vordersprossen, recht kräftig der untere Teil der Stangen. Aber der obere Teil sehr spirlich, an der linken Stange kaum mehr vereckt, rechts aber eine klassische 6er-Stange.

Dieser Bock hatte schon im letzten Jahr seinen Einstand an der Reviergrenze. Im Mai, als die Jagdzeit aufging, hatte ihn mein Nachbar einmal vor - und hat sich nicht entschließen können. Da wir den Bock beide schon kannten, saß ich in Absprache zur gleichen Zeit auf meiner Seite der Grenze, falls... Ich konnte das Geschehen beobachten und fieberte, wann mein Nachbar denn endlich... Der aber machte keine Anstalten.

So hoffte ich, er würde bei mir auftauchen. Ich würde sicher nicht so lange zaudern. Doch der Bock schien zu wissen, dass es kritisch für ihn wurde. Er war eine Weile wie vom Erdboden verschwunden. Ich hoffte auf die Blattzeit - vergebens. Erst danach sah ich ihn wieder, bis zum Oktober. Immer aber stand er jenseits der Grenze, zog meist erst im Dunkeln zu mir herüber, wenn er denn überhaupt zu mir kam.

Ende März war er wieder da, für ein paar Tage. Ende April prügelte er noch einen Jährling aus dem Revier. Dann suchte ich ihn vergebens. Mein Reviernachbar verneinte die Frage danach, ob er denn wohl erfolgreich auf diesen Bock geweidwerkt habe. Und ehrlich gesagt, hätte es mich auch gewundert, wenn die Frage anders beantwortet worden wäre.

Nach dem nachmittäglichen kräftigen Gewitterguss heute bin ich raus. An einem Rapsfeld unweit der Reviergrenze wollte ich sehen, was der Regen wohl im Raps wohl so auf die Läufe bringt. Am Vorabend hatte ich dort 4 Stück Kahlwild vor, wohl zwei Rottiere und zwei Schmaltiere. Die aber waren in den Wald gezogen, nicht in die Wiese. Ein weiteres Rottier trat wenig später aus dem Raps in die Wiese, gefolgt von einem Kalb.
Sauen hatte ich auch vernommen - und gerochen. Aber sie ließen sich gestern auch nicht draußen sehen. Vielleicht brachte die Nässe das Wild von gestern heute ja in die Wiese...

Der Bauer hatte die Wiese heute gemäht. Vom Rotwild war im Raps nichts zu sehen. Die Wiese war auch leer.
Ich hatte es mir auf der Kanzel bequem gemacht und wartete. Das Wetter war genial, die Luft war noch vom Regenduft erfüllt. Die Sonne schleckte fleißig all das Nass wieder auf. Vom Wind war nicht zu spüren. In der Wiese landeten zwei Kraniche, das erfolglose Paar aus dem in diesem Jahr trocken stehenden Erlenbruch am Dorf. Sie putzten ihr Gefieder, ließen sich durch mein Anwesenheit nicht im geringsten stören. Die Rauchschwalben aus dem nahen Dorf lehrten ihren gerade flüggen Jungen die Fliegenjagd flach über der Wiese. Der Hase vom Dienst machte seine Runde. Da würden die anderen Mitglieder seiner Sippe nicht lange auf sich warten lassen.

Etwa hundert Meter vor mir trat ein Stück Rehwild aus dem Raps. Das Fernglas entlarvte es als Ricke mit prallem Gesäuge. Mir lief es den Rücken herunter - das Kitz von gestern wird doch hoffentlich nicht dem Mähwerk zum Opfer gefallen sein...?
Auf Höhe des Grenzgrabens trat ein weiteres Reh aus dem Wald. Doch selbst mit Fernglas war nicht viel zu machen. Zwischenzeitlich stieg Nebel auf und zog in die Wiese, war am Graben bereits recht dicht. Dazu kam, dass am Graben die Vegetation noch hoch stand. Ich konnte das Stück nicht vernünftig ansprechen. Es zog mit gesenktem Haupt ein Stück den Graben entlang, hinein in die mittlerweile dichte Nebelsuppe. Die sich dem Horizont zügig nähernde Abendsonne strahlte die Nebelbänke Rotgold an. An einer Stelle, wo der Nebel etwas lichter wurde, konnte ich das Stück endlich ansprechen - ein Bock. Und auf dem zweiten Blick erkannte ich den Grenzbock, der sich anschickte, de Reviergrenze zum Nachbarn zu überfallen. Ich hatte den Unsäglichen zwischenzeitlich in den Voranschlag gebracht, stellte ihn aber nun wieder ab. Stattdessen nahm ich die Knipse mit dem 500mm-Objektiv hoch, wollte dann wenigstens ein Foto haben.
Der Bock zog wieder in die Nebelsuppe, um wenig später wieder auf meiner Seite aus dem Nebel aufzutauchen. knapp 100 Meter weiter standen zwei Jährling mit einem Schmalreh - hinter der Reviergrenze... Als der Grenzbock diese entdeckte, nahm er sie sofort ungestüm an, Die beiden Jährlinge mussten zügig ausweichen, während das Schmalreh von Attacken verschont blieb. Und wieder verschwanden Grenzbock nun mit Schmalreh im Nebel. Ich stellte die Waffe weder ab, versuchte, die beiden in irgendeinem Nebelloch zu entdecken - vergebens. Erste etwas später und weiter entfernt beim Nachbarn tauchten sie vor dem Wald auf...
Ich blies den Ansitz ab. Mittlerweile war die ganze Wiese in Nebel gehüllt.
Mir ging das Geschehen noch einmal durch den Kopf: da lebt der alte Zausel also immer noch. Ziemlich heimlich ist er, steckt wohl im Raps und kommt nur selten raus.

Ich werde mich wieder verstärkt um ihn bemühen. Und selbst wenn er nicht kommt, Rotwild oder Sau kann ja immer kommen...
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Rapsjaeger

Rapsjaeger

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Kommentare

27.06.2014 07:12 taube54
Super geschrieben, als wäre ich neben Dir gesessen. Danke Taube
27.06.2014 07:20 Krico700
schöne Bilder.....
28.06.2014 08:44 Naturmaedchen
Einfach tolle Bilder!!!
Toll geschrieben!!! So warten wir mit Dir auf Teil 2 der Geschichte um den heimlichen Bock!
28.06.2014 11:41 Kija
das sind die Böcke, die den ganzen Jäger fordern - mindestens in seiner Geduld - aber aufgeben gilt nicht! Super geschrieben, tolle Bilder!!
Gruß Kija
28.06.2014 14:49 Rapsjaeger
Naturmaedchen schrieb:
Einfach tolle Bilder!!!
Toll geschrieben!!! So warten wir mit Dir auf Teil 2 der Geschichte um den heimlichen Bock!


Ja, ich warte auch, wie es wohl ausgeht... Danke!
28.06.2014 14:50 Rapsjaeger
Kija schrieb:
das sind die Böcke, die den ganzen Jäger fordern - mindestens in seiner Geduld - aber aufgeben gilt nicht! Super geschrieben, tolle Bilder!!
Gruß Kija


Ein wenig Herausforderung muss einfach sein - wenigstens zwischendurch mal...
28.06.2014 15:19 kong
grandios...wie immer, danke fürs Erzählen und fürs Mitnehmen...
29.06.2014 07:56 swinging_elvis
Feines Erleben und wirklich tolle Bilder... Da fällt mir wieder Gagerns Stunde und Stimmung ein... Passt hier 100%... Waidmannsheil in Deinen schönen Gefilden.. El
29.06.2014 11:52 Rapsjaeger
kong schrieb:
grandios...wie immer, danke fürs Erzählen und fürs Mitnehmen...


Ach nöööö..., grandios ist anders... Aber trotzdem Danke für´s Lob!
29.06.2014 11:53 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Feines Erleben und wirklich tolle Bilder... Da fällt mir wieder Gagerns Stunde und Stimmung ein... Passt hier 100%... Waidmannsheil in Deinen schönen Gefilden.. El


Ich genieße solche Tage manchmal mehr als solche mit Jagderfolg...

Grüße zurück!
29.06.2014 12:24 kong
Rapsjaeger schrieb:
Ach nöööö..., grandios ist anders... Aber trotzdem Danke für´s Lob!


Sei mal nicht so bescheiden...es gibt hier wenige, die solch fesselnde und mitreissende Erzählungen schreiben können, wo man quasi beim Lesen neben dem Erzähler zu stehen scheint...
30.06.2014 18:02 swinging_elvis
Rapsjaeger schrieb:
Ich genieße solche Tage manchmal mehr als solche mit Jagderfolg...

Grüße zurück!

Wirst Du alt???
Klar, dass ich Dich verstehe... El
30.06.2014 20:12 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Wirst Du alt???
Klar, dass ich Dich verstehe... El


definitiv...
25.07.2014 14:29 homiwan
Spitzen Fotos!!!
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