Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
Herrlicher Maien-Abendansitz Besuch beim Abendansitz Überläufer-Keilerchen
800 mal angesehen
27.05.2014, 20.59 Uhr

Auf Zack

Der Mai – wie ich ihn liebe… Mit jedem Jahr spüre ich es intensiver, das Grün, die Frische, das Neue, das Wiedererstehen nach einem grauen und kalten Winter.

Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die beiden letzten Wonnemonde, die ich erleben durfte sehr verschieden waren. Im letzten Jahr wanderte ich durch das Revier und konnte es kaum glauben: Aufgrund des langen und kalten Winters waren die Knospen noch gar nicht aufgesprungen oder soeben erst dabei. Das Gras durchdrang erst jetzt die matten Reste des Vorjahres, der Frühling war spät dran.

Dieses Jahr ein ganz anderes Bild: Der Winter war unglaublich mild gewesen und gleich im März hatten sich die ersten Zeichen des Frühlings deutlich gezeigt. Nach einem warmen April stand jetzt im Mai das Revier im vollen Saft. Grün und damit Deckung für das Wild, soweit das Auge reichte.

So sehr ich diese Bedingungen, die sonst ab Juni herrschen liebe, so sehr ahnte ich doch, dass es dieses Jahr schwer werden würde mit dem großen Anteil am Rehwildabschuss, den wir ansonsten recht erfolgreich im Mai schafften. Klar, dass dann auch noch berufliche Dinge dazwischen kommen, so dass man sich nur schwer frei machen kann…

An diesem Sonntagabend hatte ich mich recht früh zu einem Abendansitz ins Revier aufgemacht. Die Sonne schien warm vom Himmel, kaum ein Lüftchen wehte… alleine das sorgte bei meiner Ankunft schon dafür, dass ich Stress und Alltag hinter mir ließ und sich meine Stimmung zusehends besserte. Vor dem Ansitz wollte ich noch ein paar Runden drehen, um vielleicht Fegestellen territorialer Rehböcke ausmachen zu können, was mir auch an einigen Stellen gelang. Es waren Böcke da. Jetzt mussten Sie nur noch in Anblick kommen.

Für den Abendansitz wählte ich einen wunderbar in einem Wiesental gelegenen Hochsitz. Vor mir zog sich beiderseits einer Hecke ein Wiesenschlauch weit in den Wald hinein, hinter mir öffnete sich die Landschaft und an die Wiese schloss auf einer Seite ein Rapsfeld an. Hier hatte ich einen Weitblick in die Felder, der einem den Atem verschlug – herrlich! Gerade ob des schon hohen Rapses hoffte ich hier auch auf Anblick von Schwarzwild und Raubwild – natürlich neben dem hoffentlich zahlreichen Rehwild. Trotz meines Abendspazierganges war ich noch sehr früh und erfreute mich darum des tollen Wetters und der Natur. Stand der Wind auch nicht ganz nach meinem Wunsch, so konnte hier doch das Wild aus allen Richtungen kommen.

Zuerst einmal genoss ich eine kleine Brotzeit und machte mich dann mit dem Schießen in verschiedene Richtungen vertraut. Kommt nämlich das Wild urplötzlich in Anblick, so ist es besser, wenn man seine optimale Schießposition schon kennt, anstelle dass man erst hin- und her rücken muss. Mit diesen Beschäftigungen verging die Zeit und schon näherte sich der Zeiger der achten Abendstunde. Meine Hoffnung, vielleicht eine frühe Ricke austreten zu sehen, hatte sich leider nicht erfüllt. Aber bis zum letzten Büchsenlicht war es ja noch lang. Ganz plötzlich bemerkte ich, wie sich eine Wolke vor die Sonne schob. Gleichzeitig lebte von hinten ein kalter und scharfer Wind auf, der auch in den Bäumen zu rauschen begann… Was kam denn da auf mich zu?

Was genau das Wetter beeinflusste, leuchtete mir nicht ein. Jedenfalls nahm der Wind noch zu und bald hatte ich Fliesjacke und auch den Lodenmantel an. Man, war das ungemütlich nach dem anfangs so schönen Wetter. Eingemuckelt saß ich da und ließ den Blick kreisen. Plötzlich eine Bewegung direkt neben mir am Randes des Rapses. Mit tapsigen Schritten kam ein Maskierter, der in unserem Revier immer stärker zunehmende Waschbär, an getappt. An Schießen dachte ich noch nicht, lieber wollte ich im Winter die Gelegenheit auf einen reifen Balg nutzen. So beobachtete und fotografierte ich den kecken Burschen, nur um zu bemerken, dass vom Waldrand über die Wiese ein weiterer Bär dem Raps zu wechselte… na das musste doch was geben mit meiner Kappe…

So schnell wie gekommen, so schnell waren die kleinen Kobolde auch schon wieder verschwunden. Dafür vertrieben mir drei Hasen die Zeit. Auch hier plante ich schon den Hasenbraten im Herbst… schöne Gedanken. Was aber war mit dem Rehwild? Auf der ganzen großen Fläche zeigte sich kein einziger roter Punkt. Konnten denn das mit rechten Dingen zu gehen? War vielleicht der Wetterumschwung schuld? So langsam kam ich ins Grübeln… Die Sonne hatte sich mittlerweile ebenfalls verabschiedet, so langsam nahte die spannende Stunde. Glücklicherweise ließ nach neune der Wind etwas nach, so dass ich wieder etwas entspannter wurde. Meine Chancen auf Anblick oder gar Beute schätzte ich allerdings nicht mehr allzu hoch ein. Dafür ließ ich meinen Gedanken freien Lauf…

Mit einem Jagdfreund habe ich mich schon einmal über jagdliche Vorahnungen unterhalten. Manchmal hat man einfach so einen sechsten Sinn, der unerklärlich bleibt. Und genau so ein Gefühl packte mich plötzlich. Auch sonst mache ich es oft so, dass ich bei Eintritt der Dämmerung den aktiven Gehörschutz anlege, um bei plötzlichem Erscheinen von Wild parat zu sein und diesen Zwischenschritt nicht mehr ausführen zu müssen. Jetzt war es aber anders… irgendetwas packte mich und sagte mir: “Sei bereit – sei auf zack!“ Bedächtig machte ich mich fertig, die Büchse stand bereit…

Immer noch zeigte sich kein Rehwild, nichts Junges, was um diese Zeit gerne über die Wiesen springt, nichts Mehrjähriges, was langsam ins Grün zieht… null… Wieder einmal warf ich einen Blick über die Schulter nach Hinten, als es mich gewaltig zusammen riss – Sau!

Wie so oft beim Anblick dieses wehrhaften Wildes bei noch gutem Licht stieg der Adrenalinspiegel immens an. Aus dem Wald war der Schwarzkittel ausgewechselt. Noch im Troll des Stückes hatte ich das Doppelglas an den Augen und versuchte, es beim ersten Verhoffen in der Wiese anzusprechen. Der Größe nach ein Überläufer, die braun-blonde Schwarte an Keulen und Ziemer sprach eine eigene Sprache. Keilerchen? Schon ging es zügig weiter über die Wiese. Geschwind griff ich nach dem Repetierer, spannte… und vergaß einfach alle vorher gemachten Übungen. Nicht rechts sondern links drückte ich mich in die Ecke des Hochsitzes und versuchte, bestmöglich zu stabilisieren. Da! – in der Mitte der Wiese verhoffte die Sau erneut. Das Gras war an dieser Stelle zum Glück so niedrig, dass man deutlich erkennen konnte, dass das Stück alleine war. Auch die Statur ließ auf ein männliches Stück schließen. Keilerchen! All‘ das hatte ich durch das Zielfernrohr angesprochen, da machte sich das Stück im Troll weiter auf Richtung Raps, welcher offensichtlich sein Ziel war. Im Kopf gingen die Laternen an. Raps! Wer kennt nicht seine unangenehme Seite bei der Bejagung. Darüber hinaus war es eh unwahrscheinlich, dass die Sau vorher noch einmal verhoffen würde. Mit dem Absehen folgte ich der Sau, ein Schuss auf das bewegte Ziel und gewiss hundertdreißig Meter verbot sich von selbst. Mitziehen, mitziehen, mit… zack, die Sau verhoffte noch einmal – RUMMS war der Schuss draußen.

Den Schwarzkittel… riss es zehn Meter vor der Rapskante herum und mit Volldampf ging es die dreißig Meter zurück in den Wald. Ein Knacken – ein Brechen - weg!

Gleichzeitig mit dem schlagartigen Nachlassen der Spannung, der äußersten Konzentration, ging mir knurrend ein Fluch über die Lippen. Was hatte ich da wieder gemacht! In Sekundenschnelle repetierte und bewertete mein Gehirn das soeben Geschehene, beruhend unter anderem auf einer an dieser Stelle unter sehr ähnlichen Bedingungen schon einmal gemachten Erfahrung…

Zunächst einmal war ich anders, als man es an der Kante zum Raps eigentlich machen sollte, nicht voll auf’s Blatt abgekommen sondern eine Hand breit dahinter. Dass bei meinem harten Geschoss dann eine Sau noch geht, ist durchaus nicht ungewöhnlich. Dann befanden wir uns in der schnell fortschreitenden Dämmerung, das Stück zu finden würde keine einfache Sache werden… Ordentlich warm war es auch noch… ich hätte mich in den Allerwertesten beißen können! Als einzig positiv bewertete ich, dass es im Wald so sehr gekracht hatte, was auf kopfloses Abspringen und Anfliehen von Bäumen schließen ließ.

Jetzt hieß es aber wirklich „Auf Zack“ sein. Kamera, Objektiv, Flasche, Sitzunterlage – alles wanderte zügig geordnet in den Rucksack. Der vorherigen Ruhe war eine konzentrierte Eile gewichen – sogar das Jagdfieber, welches mich wie so oft nach dem Schuss auch hier zu schütteln begann, hielt ich im Zaum. Ich musste zum Anschuss. Trotz allem wusste ich, dass es doch zehn Minuten dauern würde, bis ich dort sein würde und so war es auch. Langsam schritt ich durch die Wiese, die Augen nach Schweiß oder niedergetretenem Gras anstrengend. Ich kannte mich in solchen Situationen: Oft sehe ich die Zeichen beim ersten noch erregten Suchen nicht, muss zurückgreifen, es erneut angehen. Und einen Anschuss in so einer Wiese zu finden – Ihr wisst, wovon ich spreche!

Ich hatte mir einen markanten Busch am Waldrand gemerkt, nach dem ich erwartete, etwas finden zu können. Zehn Meter hatte ich diese Marke schon überschritten, als ich tatsächlich eine Stelle fand, an der die Sau aufgrund des leicht niedergetretenen Grases aus- und wieder eingewechselt sein könnte. Schweiß fand ich aber keinen, so sehr ich mich auch bemühte. Da auch das bei Sauen schon einmal vorkommen kann, orientierte ich mich in Richtung Waldrand und da insbesondere an deutlich sichtbaren Einwechseln - Toren im Grünen sozusagen. Ein besonders großes Tor fand sich unterhalb eines markanten Eichenbaumes. Schleichenden Schrittes, den Blick weiterhin am Boden, bewegte ich mich darauf zu. Die Dämmerung schritt wahrlich schnell voran, wie würde es erst im Wald sein?

Heute meinten es Hubertus und Diana im Bunde anscheinend gut mit mir: bei besagtem Einwechsel zeigten sich tatsächlich schwarze Spritzer auf Blatt und Halm – schwarz? Ja, bei den Lichtverhältnissen hatte sich rot bereits in schwarz verwandelt. Unsicherheit erfasste mich. Trotzdem legte ich meine Ausrüstung ab, nahm das Zielfernrohr von der Büchse und legte die Kopflampe an. Ich wollte vorsichtig der Fährte nachhängen und schauen, ob sich was finden ließe. Im Licht der Lampe sah ich, dass es sich nicht um blasig hellen Lungenschweiß sondern dicken bräunlichen Leberschweiß handelte. Das hob zwar nicht die Stimmung, jedoch war ich mir trotzdem recht sicher, dass das Stück nicht mehr lebte, tritt doch im allgemeinen das Verenden bei Leberschüssen recht schnell ein. Geduckt wie ein Indianer pirschte ich vorsichtig Schritt für Schritt in den Wald. Alles Sinne waren gespannt, Hören, Riechen, Fühlen… das Sehen war allerdings tatsächlich schon im Wesentlichen auf den Lichtkegel der Kopflampe beschränkt… Der Schweißfährte war allerdings trotzdem sehr gut zu folgen. Nach einem Stück grünen und dichteren Randstreifens sah ich, dass das Stück einen den Hang hoch verlaufenden und breit ausgetretenen Hauptwechsel angenommen hatte. Dies ließ mich wieder unsicherer werden… Wie sehr hatte die Sau ihre Sinne an dieser Stelle noch beisammen? Keine drei Meter weiter ging es aber schon wieder quer durch‘ Holz. Geduckt, keinen Laut von mir gebend arbeitete ich mich zu einem Kessel durch. Die Nase am Boden roch es hier förmlich nach der Sippe der Schwarzen. Oder lag das Stück schon in der Nähe? Einen dichten Busch umschlug ich, fand aber auf der anderen Seite nichts, so dass ich zurückgreifen musste. Gute dreißig Meter war ich sicher schon in den Wald eingedrungen. Am oberen Rand des Hanges schimmerte schon das Restlicht eines Kahlschlages durch.

Schweiß fand sich immer reichlich, so dass ich weiterhin gut vorankam. Zehn Meter weiter folgte ich der Schweißfährte, als ich langsam begann, ans Aufgeben zu denken. Mich im Kraut aufrichtend ließ ich noch einmal den Lichtkegel der Lampe um mich wandern… und sah zwei Meter neben mir die Sau verendet liegen…

Was jetzt noch zu hören war… war mein tiefes Einatmen – Ausatmen – Einatmen – Ausatmen…

Kurz verhielt ich neben meiner Beute, freute mich immens über das große Glück, welches mir zuteil geworden war. Dann zog ich das Keilerchen auf die Wiese, wobei mir das Gefälle des Hanges sehr zupass kam. Zügig verrichtete das Messer seine Arbeit und wenig später war geringelt und aufgebrochen. Zufrieden stand ich unter dem Himmel, der die letzten hellen Blaustreifen des Tages am Horizont zeigte. Welch‘ ein herrlicher Tag hier verglimmte…

Ein wenig erschöpft packte ich meine sieben Sachen auf den Buckel. Ein anstrengendes Handwerk war das manchmal. Ich zog das Wutzchen zum Weg und machte mich auf, den Wagen zu holen. Beim langsamen Schreiten fiel nun endlich auch die letzte Spannung von mir ab und ich konnte das Erlebte in vollen Zügen genießen. Hier hatte alles zusammen gepasst und das oft nötige Quäntchen Glück hatte auch nicht gefehlt. Jetzt stand noch der Transport ins Kühlhaus bevor, dann konnte es heimgehen. Nur langsam sackte der Jagdtag in mein volles Bewusstsein…am Horizont funkelte der erste Stern. Waidmannsheil!
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 46 Jahre,
aus die Maus

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

28.05.2014 12:41 hunterbucki
Spannende Geschichte!
Waidmannsheil zum Wutz....
28.05.2014 20:41 swinging_elvis
hunterbucki schrieb:
Spannende Geschichte!
Waidmannsheil zum Wutz....

Waidmannsdank! Immer wieder Waidmannsfreuden... el
29.05.2014 11:11 nightwish74
Wmh und schön geschrieben, Top
29.05.2014 12:08 Ilnm
Waidmannsheil. Ja so ist die Jagd. Immer für eine Überaschung gut.
29.05.2014 19:49 frankietester
Waidmannsheil
30.05.2014 08:53 swinging_elvis
nightwish74 schrieb:
Wmh und schön geschrieben, Top

Waidmannsdank
30.05.2014 08:53 swinging_elvis
Ilnm schrieb:
Waidmannsheil. Ja so ist die Jagd. Immer für eine Überaschung gut.

So kann man es sagen; Waidmannsdank!!!
30.05.2014 08:54 swinging_elvis
frankietester schrieb:
Waidmannsheil

... und Waidmannsdank!
01.06.2014 23:42 Sebaho
Moin Elvis - danke für´s Aufschreiben ! Wiedmannsheil zum Keilerchen - Horrido - Seb
02.06.2014 15:16 swinging_elvis
Sebaho schrieb:
Moin Elvis - danke für´s Aufschreiben ! Wiedmannsheil zum Keilerchen - Horrido - Seb

Waidmannsdank! Horrido, el
03.06.2014 16:47 Rapsjaeger
Weidmanns Heil!

Solche Ansitze liebe ich. Aber in diesem Jahr hatte ich bislang damit kein Glück!

Grüße von Rügen!
07.06.2014 15:14 Forstling
WMH
Gut geschrieben!!!

Gruß vom
Forstling
08.06.2014 10:03 swinging_elvis
Forstling schrieb:
WMH
Gut geschrieben!!!

Gruß vom
Forstling

Waidmannsdank!
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang