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Unverhofft kommt oft!

(1 Eintrag)

Mein Widder
575 mal angesehen
24.05.2014, 16.00 Uhr

Unverhofft kommt oft!

Es ist jetzt schon einige Jahre her, aber die Geschichte geht mir so oft durch den Kopf, dass ich sie heute zu Papier bringen möchte.
Mein Jagdfreund Klaus hat eine Pachtbeteiligung in einem wunderschönen und sehr wildreichen Hochwildrevier nördlich von Pilsen in der Tschechischen Republik. Sika- und Muffelwild, jede Menge Sauen und ein sehr guter Rehwildbestand charakterisieren das Revier.
Die Zeit der Hubertusjagden näherte sich und als Jagdhornbläser kommt auch hin und wieder eine Einladung zu Freunden. Auch in diesem Jahr war das nicht anders.
Klaus rief an und lud mich ein an der Hubertusjagd im tschechischen Revier mit "Horn und Waffe" teilzunehmen. Hoch erfreut stimmte ich zu und harrte der Dinge, die da kommen sollten.
Im Hotel angekommen wurden zunächst die Zimmer bezogen und anschliessend mit einem guten Pilsener Urquell die Kehle befeuchtet. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es noch Grund für Sekt geben sollte.
Die Hubertusjagd, bei schönstem Wetter mit etwa 5 Zentimeter Neuschnee war ein voller Erfolg. Mehrere kleine Treiben brachten 6 Stück Sikawild und 4 Sauen auf den Streckenplatz. Heisser Tee und Gutes aus dem Kessel, der über dem prasselnden Lagerfeuer hing, rundete diesen wunderschönen Jagdtag ab. Man redete mit Händen und Füssen um Sprachbarrieren zu überwinden. Am Ende liess ich den Tag noch einmal Revue passieren. Freude an der Jagd und die Verpflichtung zum jagdlichen Brauchtum werden in Tschechien sehr gross geschrieben. Sobald das Horn erschallt wird der Hut gelüftet und andächtig ans Herz gedückt. Der Spruch "Jäger sprechen eine Sprache" ist hier Programm.
Der nächste Morgen liess sich etwas zäh an und fand auch ziemlich spät statt. Nach dem Mittagessen eröffnete mir Klaus, dass am Nachmittag noch angesessen wird. Zu Jagen ist alles was die Karte hergibt. Und das meinte er wörtlich. Auch Sika, Mufflon und Schwarzwild der Klasse 1 durfte ich strecken. das war so, als ob Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen würden.
Ich wurde in einem Altholzbestand aus Fichten am Rande einer etwa 15 jährigen Schonung angesetzt und wartete gespannt. Nichts war zu hören. Die wunderschöne Landschaft, die aussah als wäre sie mit Puderzucker überzogen war einzigartig. Hermann Löns könnte das alles noch besser beschreiben. Mir fehlen einfach oft die Worte, um eine solche Stimmung festzuhalten. Plötzlich vernahm ich in der Dickung anwechselndes Wild. Dann war wieder Ruhe. Die Sinne waren angespannt. Kein Ton und keine Bewegung sollten mir entgehen. Dann war es soweit. Nach einer langen halben Stunde schob sich ein 5-6 jähriger Widder aus der Dickung und verhoffte ca. 40 Meter vor mir. Beeindruckt vom Anblick vergass ich fast, warum ich eigentlich hier bin. Dann ging alles ganz schnell. Angebackt, eingestochen und die 8x57 IS verliess den Lauf in Richtung Blatt des Muffelwidders. Die Schusshärte dieser Wildart war mir aus Literatur und Erzählungen anderer Jäger bekannt. Ein Zeichnen war auch hier kaum zu erkennen. Eher ein ganz leichtes Rucken. Die obligatorische Zigarette nach dem Schuss habe ich mir 1996 aus gesundheitlichen Gründen abgewöhnt. Jetzt hatte ich nur noch Sorge, dass der Schuss gut sitzt.
Durch den Knall angelockt, stand plötzlich Klaus unterm Sitz. Nach kurzer Absprache gingen wir zum Anschuss und fanden hier reichlich Schweiss. Eine Nachsuche mit Hund schenkten wir uns, da wir den Widder verendet nach etwa 30 Metern Flucht am Dickungsrand fanden. Nach einem donnernden Waidmannsheil, letztem Bissen und Schützenbruch wurde die Beute an den dafür vorgesehenen Griffen (Schnecken) zum Weg gezogen und auf dem Pick Up verladen. Die Ankunft im Hotel war überwätigend. Das Haus war voller Jäger, da im Nachbarrevier auch gejagt wurde. Der abendliche Umtrunk schloss dann auch den angekündigten Sekt mit ein und stand der Hubertusfeier vom Vorabend in keinster Weise nach.
Kein Neid, nein Freude mit dem Erleger und Respekt gegenüber der Kreatur war überall spürbar.
Inzwischen hatte ich öfter die Gelegenheit hier jagen zu dürfen. Und immer wieder bin ich tief beeindruckt von der Gastfreundschaft, die einem entgegengebracht wird. Jeder redet vom Europa das zusammenwachsen soll. Die Jäger haben es vielerorts schon geschafft.

Waidmannsheil und vielen Dank lieber Klaus, dass Du mir dieses Erlebnis ermöglicht hast.
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hubertus200

hubertus200

Alter: 57 Jahre,
aus Deggendorf
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Kommentare

15.06.2017 20:58 Hans_Eidig
Ein sehr schönes Erlebnis und toll geschrieben! Wmh, Thorsten
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