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einer von nur zweien, nach Hahn in Ruh...
670 mal angesehen
18.05.2014, 22.28 Uhr

Da muss doch was gehen...!

Diesen Gedanken hegte ich im Vorfeld des von uns geplanten Gruppenansitzes. Der ist mittlerweile zu einer schönen Mai-Tradition geworden. Mitpächter und Jagfreunde treffen sich seit ein paar Jahren im Mai in userem Revier. Natürlich geht es dabei darum, Strecke zu machen. Aber für uns ist es vor allem wichtig, mit guten Freunden einen Frühlingsabend gemeinsam im Revier zu verbringen. Der Grill tut seinen Job und wir haben Gelegenheit, ein wenig zu klönen.

Der gerade pausierende Altvogel des in der Nähe brütenden Kranichpaares beäugte uns zwar eine Weile etwas argwöhnisch, als wir um den Grill stehend ein wenig dusselig quatschend auf das frühabendliche Mahl warteten. Im Gegensatz zum Vorjahr meinte es Petrus in diesem Jahr wirklich gut. Die Sonne lachte vom beinahe wolkenlosen Himmel. Der Wind wehte schwach aus nördlichen Richtungen. Gut, das war nun nicht wirklich ideal. Aber Ostwind wäre schlechter...

Nur noch ein paar Minuten fehlten bis 18 Uhr, als sich elf hoffnungsfrohe Nimrode auf den Weg zu den zugewiesenen Ständen machten. Ich nahm einen sehr guten älteren Jagdfreund mit zu seinem Stand. Als ich den Jagdschein vor viel zu vielen Jahren gemacht hatte, war er es, bei dem ich meine ersten selbstständigen jagdlichen Schritte machte. In seinem Revier gelang mir auch mein bsiheriger größter Ansitzerfolg mit zwei Sauen und einem Fuchs innerhalb einer Stunde. Nach meiner ersten großen Freude plagten mich damals auch gleich Zweifel, ob mein Tun nicht zu ausverschämt gewesen wäre. Aber alles, was mir von seiner Seite in Anbetracht der Strecke entgegenschlug war pure Freude über meinen Erfolg...

Ich setzte ihn am Rand eines Rapsfeldes ab und hoffte, dass er hier zum Erfolg käme. Rehwild war sowieso da. Aber im Raps steckten auch Sauen und ichspekulierte darauf, dass diese eventuel mal an der Kante auf Patroullie gehen würden.

Ich selbst bezog meinen Stand im benachbarten Wald. Wir hatten dort ein paar Tage vorher noch einen leichten Drückjagdbock aufgestellt. Der Standort war nicht all zu weit von der Bundesstraße entfernt. Und da in den vergangenen Jahren viel zu viel Rehwild eben dieser Bundesstraße zum Opfer fiel, war meine erste Entscheidung nach der Übernahme dieses kleinen Eigenjagdbezirkes, hier ziemlich rigoros durchzugreifen beim Rehwild.

Ich nahm den neuen Drückjagdbock also auch jagdlich in Besitz, machte es mir bequem, richtete mich ein. Mein Blick wanderte immer von einer Seite zur anderen. Vor mir duchzog ein Graben den Wald, den auf einer Seite auch einen 10 Meter breiten, befahrbaren und gehölzlosen Streifen begleitet. Und auf diesem Streifen saß ich auf meinem Ansitzbock.

Ich hatte mich noch gar nicht richtig eingerichtet, schimpfte vor mir ausgiebig eine Amsel. Dass sie nicht wegen mir so ein Theater machte, sollte ich ein paar Minuten später registrieren. Unmittelbar an der Stelle, wo sie also schimpfte, entdeckte ich zwischen den Haselnussträuchern eine rote Decke, die sich wenig später als Böckchen entpuppte. Natürlich hatte ich vorsichtshalber den Unsäglichen längst in den Voranschlag gebracht, versuchte das Böcklein im Zielfernrohr anzusprechen.
Das Böcklein unterdessen plätzte hinter ein paar Sträuchern und tat sich dann nieder - keine 30 Meter vor mir.

Es dauerte mir viel zu lange, bis ich ihn endlich sicher als Jährling ansprechen konnte, der bereits ein ansprechendes Sechsergehörn ausgebildet hatte - bei uns doch eine Seltenheit. Ja, ich weiß:"Entscheidung zum Schuss vom Gehörn abhängig machen - das ist blödsinnig."
Aber das war mir egal. Ich setzte die Waffe ab und beobachtete ihn, ohne dabei die Schneise rechts und links von mir zu vernachlässigen. Nach etwa einer halben Stunde erhob sich das Böcklein und begann wieder zu naschen. Dabei kam er mir immer näher un d war schließlich nur noch etwa 15 Meter von mir entfernt. Ich hatte den Unsäglichen wieder im Anschlag - nur zu so, ohne erntshafte Schießabsichten. Und das Böcklein schien es zu wissen...

Südlich von mir fiel ein Schuss. Dieser holte mich aus meinen Gefanken und mir schoss ein, dass ja immerhin 11 Jäger hier im Umfeld auf Strecke hofften. Da wurde kir schon ein wenig mulmig. Sollte das der einzige Schuss heute abend bleiben...? Es blieb der einzige Schuss. Mit diesem konnte ein Mitpächter an diesem Abend einen reifen aber nicht zu starken Bock strecken.
Nun war es nicht so, dass die anderen Nimrode keinen Anblick gehabte hätten. Es kamen neben Rehwild auch Rot- und Damwild, Fuchs und Dachs in Anblick. Aber keiner konnte sich zum Schuss entscheiden - ähnluch, wie es mir eben auch geangen war.

Wir klönten noch eine ganze Weile am spätabendlichen Treffpunkt, tauschten unsere Beobachtungen aus. Und niemandem tat der Abend leid, weil er ohne Beute geblieben war. Ich muss zugeben, mir war etwas mulmig. Ich hätte jedem Einzelnen einen jagdlichen Erfolg gegönnt. Aber manchmal halt...

Wir hatten uns für den nächsten Morgen noch einmal verabredet. Jeder kannte seinen Platz, bezog diesen auf festgelegten Wegen selbstständig. Ich hatte wieder meinen neuen Drückjagdbock bezogen. Der Nordwind war frisch. Der lange Abend, die Müdigkeit ließen mich trotz warmer Sachen schnell etwas frösteln. Abgesehen von einem Damspießer, der auf etwa 60 Meter links von mir erschien, war es ruhig. Kein Stück Rehwild überfiel die Schneise oder zog langsam äsend sichtbar durch den Wald vor mir. Lediglich Grimbart schliefte über den Wechsel rechts von mir zügig vom benachbarten Feld Richtung Dachsburg, war im hohen Gras aber nur kurz zu sehen, als er sichernd sein Haupt über das Gras erhob.
Um mich herum hatten Amsel und Singdrossel längst begonnen, lautstark ihre Lieder zu präsentieren, während die Rotkehlchen langsam verstummten. Mönchsgarsmücke und Zaunkönig waren unermüdlich dabei, ihren Frauen zu imponieren, der Zilpzalp turnte zwitschernd durch die Zweige der Eschen und Hainbuchen.

Ich erhoffte ständig einen Knall, der die Hoffnung auf den Erfolg des einen oder anderen Jagdfreundes nährte. Aber es blieb ruhig. Auch bei meinem älteren Jagdfreund, der am Vorabend weder auf das ihn anwechselnde Schmalreh noch den folgenden Jährling zu Schuss kam, blieb es ruhig.
Sollten wir wirklich mit einer so dürftigen Strecke den Gruppenansitz beschließen sollen...? Plötzlich polterte aus dem Nichts ein Stück Rehwild direkt auf mich zu, gefolgt von einem zweiten. Jährling und älterer Bock! Schon war der Unsägliche im Anschlag. Der Revierinhaber stockte und auch der Jährling verhoffte und sicherte dabei zum Alten. Allerdings verdeckten Zweige das Blatt. Der Träger und das Haupt waren frei. Aber lieber kein Schuss als Trägerschuss...
Ein vorsichtiger Schritt stellte schließlich das Blatt frei. Wenige Augenblicke tat der Jährling hinter mir im Wald nach ein paar Fluchten seinen letzten Atemzug. Die Ruhe hatte mich wieder. Mönchsgrasmücke und Zilpzalp sangen unbeeindruckt weiter. Und über allem stand der Ruf des Kuckucks, als wäre nichts geschehen...

Der Bock war schnell versorgt, die Zeit mittlerweile so weit vorangeschritten, dass ich mich auch auf dem Weg zum Traffpunkt machte. Ein Mitpächter wollte für ein zünftiges Frühstück nach dem Streckelegen sorgen. Bei dem Gedanken verspürte ich einen ziemlich guten Hunger, Appetit auf selbstgemachte Wurst von Hirsch und Schwein, selbstgeräuchertem Wildschweinschinken und Kaffee. Mein Weg führte mich an einer Koppel vorbei. Und wie es sich gehört, standen dort Schmalreh und Bock und ästen seelenruhig, scheinbar wissend, dass jetzt Hahn in Ruh galt...

Tatsächlich blieb es bei den beiden Böckchen. Mein schlechtes Gewissen vom Vorabend wurde dabei nicht gerade weniger. Aber beim gemeinsamen ausgiebigen Frühstück verflogen mir alle Zweifel. Keiner der Jagdfreunde schien irgendwie betrübt, enttäuscht oder gar beuteneidisch. Zu erzählen hatten sie alle genug! Und ausgiebig wurden die beiden Böcke begutachtet.

Sicher, gern hätte ich auch Schmalrehe auf der Strecke gehabt, aber was soll´s. Manchmal steht eben das Streckemachen nicht im Vordergrund. Eine Erfahrung, die mich einmal mehr erfreut und beruhigt...

Wobei, ein Wehmutstropfen bleibt: Ein paar gute Freunde haben dieses Jahr gefehlt. Also Leute, wir üben das für nächstes Jahr im Mai schon mal im September... Macht euch also frisch!!!
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Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 51 Jahre,
aus Rapsfeld
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Kommentare

19.05.2014 05:58 Opa_Hoppe
Schön geschrieben......

Viele Grüße
Opa Hoppe
20.05.2014 06:30 swinging_elvis
Jäger sind anscheinend auch Menschen...
Waidmannsheil zum Stück. El
Ps: wenn ich das sagen darf: mir scheint, Du hast dieses Erlebnis recht schnell niedergeschrieben... An der ein oder anderen Stelle könnt' man noch ein wenig bügeln
20.05.2014 10:00 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Jäger sind anscheinend auch Menschen...
Waidmannsheil zum Stück. El
Ps: wenn ich das sagen darf: mir scheint, Du hast dieses Erlebnis recht schnell niedergeschrieben... An der ein oder anderen Stelle könnt' man noch ein wenig bügeln


Sagen wir´s mal so: kurze vorherige Nacht und dann schon wieder recht später Abend... Das hinterlässt Spuren...
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