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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Carpe Noctem
936 mal angesehen
26.03.2014, 21.20 Uhr

Carpe Noctem

Das hätte man nicht erwartet. Eine Einladung, eine Einladung von meinem kleinen Hessen-Revier. Es war Anfang März und natürlich war längst nicht mehr alles auf. Im Grunde sollte nur noch auf Frischlinge und Überläufer die Kugel den Lauf verlassen… und das konnte schon kompliziert genug sein… jetzt, wo die Bachen am frischen waren oder bereits kleine Gestreifte im Kessel lagen. Da war jedes stärkere und nicht genau ansprechbare Stück per se eine Bache! Raub- und Rehwild hatten auch ihre Ruhe vor mir. So ist’s nun mal im März.

Die Freude war trotzdem sehr groß, denn nach einem Herbst und Winter ohne jede Gelegenheit auf Mondgenuss war es heute Abend einfach perfekt. Schon in der ganzen Woche hatte die Sonne geschienen und uns der Himmel mit feinstem blau erfreut… dazu ein nur sehr leichter Wind… wie gesagt: perfekt!

Nun ja, es gibt ja auch noch ein Leben neben der Jagd und so konnte ich der freundlichen Einladung erst etwas später am Abend nachkommen, so dass ich um 20:30 Uhr im Revier eintraf. Heute sollte es aber auch mit aller Ruhe gehen. Nichts pressierte, die Kühlung war voll und überhaupt gemahnte die Zeit zur Zurückhaltung… aber… wenn’s passt dann passt’s!

Unter Beachtung der Windrichtung hatte ich mir eine Pirschroute zurecht gelegt, denn heute Nacht sollte es nicht auf den Ansitz gehen. Also den Wagen geparkt und zunächst noch einmal das laue Lüftchen geprüft. Sogleich ergriff mich die Stille der Nacht, den Kopf im Nacken betrachtete ich den fast vollen Mond und wusste, dies mussten ein paar tolle Stunden werden. Also Lodenmantel um die Schultern, Rucksack auf den Rücken und den Repetierer mit dem großen Glas und Leuchtpunkt unter die Achsel. Langsamen Schrittes ging es los… den Berg- und Pirschstock in der Hand.

Weiträumig umschlug ich zunächst mein Zielgebiet. Dazu hieß es, auf der Reviergrenze einem Weg zu folgen und dann möglichst leise ein kleines Feldgehölz zu durchdringen. Hier machte sich die Trockenheit der letzten Tage bemerkbar, so dass mir bei all‘ der Vorsicht beim Pirschen in der knisternden Vegetation am anderen Ende ganz schön warm war. Der Ausblick entschädigte mich jedoch sofort: von meinem erhöhten Standpunkt aus konnte ich einen weiten Teil meines kleinen Reviers im Mondenschein liegen sehen. Da ging einem das Herz auf. Im Schlagschatten des Holzes stehend nahm ich langsam das Doppelglas hoch und begann meine Spekulierrunde im Feld beim Nachbarn. Dort drüber stand ein Mondscheinreh auf dem Acker. Wenn man einige Nächte draußen verbracht hat im Licht des Erdtrabanten, kann man Sau oder Reh auch auf größere Entfernung recht sicher unterscheiden. Ein paar Schritte machte ich den Hang hinab in den Schatten eines vorgelagerten Busches. Gegen den Uhrzeigersinn drehte ich mich weiter und kam über die Reviergrenze zur Fuchskanzel an der Ecke des Dornkrätzer-Waldes. In dieser Gegend hatte ich im Februar einige umgebrochene Stellen in der Wiese gesehen und auch einen der Schwarzen auf seine raue Schwarte legen können. Sollte… da! Links von der Fuchskanzel begann am Waldrand ein Wiesenstreifen, auf dem ich zwei dunkle Schatten ausmachte. Rehe konnten es nicht sein und jetzt vermeinte ich auch, dass sich die beiden Schatten gegeneinander verschoben… das wollte ich mir genauer anschauen, wenn ich auch auf diese knappen dreihundert Meter schon den Verdacht hegte, dass dies keine Frischlinge waren und ein Schuss hier zu unterbleiben hatte.

Zunächst einmal ging es den Grenzfeldweg hinunter. Hier konnte ich es noch etwas lockerer angehen lassen, wenn ich auch – meine Vorahnung bestärkend – hier einigen frisch umgebrochenen Stellen ausweichen musste. Fast am Querweg angekommen nahm ich erneut das Fernglas hoch, sah nun aber auf der Wiese nichts mehr. Trotzdem galt es, nichts zu überstürzen. Mit nun größerer Vorsicht pirschte ich auf eine Grenzwiese, prüfte immer wieder den Wind, lauschte in die Nacht hinein… Am Grenzweg entlang verlief ein Bach, dessen Bett nun kein Wasser führte. Immer wieder ging das Glas hoch, keine Sau aber auch kein vielleicht störendes Reh kam in Anblick. Obacht – hier schien der Wind ein wenig zu küseln an der Waldesecke. Also ausweichen! Über den Bach. Hier aber wächst zu viel Altgras, was das knistert und rauscht in der stillen Nacht. Schnell ein paar Schritte zurück und einen Wildwechsel genutzt. Beim Übersteigen des Grabens war mir der Bergstock eine große Hilfe… angekommen. Jetzt nur noch den Weg entlang und gleich musste ich nah genug sein. Ja – hier bog der Weg entweder zur Fuchskanzel oder wieder ins Feld. Vor mir lag die besagte Wiese, die aber auf den ersten Blick nichts offenbarte. Und so stand ich still und lauschte, lauschte in die Nacht, den Mund leicht geöffnet…

Kaum ein Lüftchen rührte sich, ich schloss die Augen… und dann drang es zu mir, sickerte es in mein Ohr… ein feines Knistern nur, ein leises Rauschen im Laub des Waldrandes… In Zeitlupe ging des Glas an die Augen und versuchten, in das Dunkel des Waldes zu dringen. Dort, ein schiefer Baum auf vielleicht sechzig Meter und direkt daneben ein dunkler Fleck im hellen Laub, der sich aber nicht bewegte… oder doch? Ich starrte und starrte… so lange, bis es sich endlich heraus kristallisierte… das war eine stärkere Sau, grau sah man den Wurf ab und an in die Höhe schnellen und den Wind prüfen, grau auch die Schwarte auf der Keule. Genau so ruhig wie die Nacht war, so verhielt sich auch dieses Stück Schwarzwild. Beeindruckend, dieses Wild in völliger Vertrautheit zu beobachten. Das genoss ich in vollen Zügen. Ein weiteres Stück konnte ich nicht ausmachen. Was aber hatte ich vor mir? Verhalten und Erscheinungsbild sagten mir, dass es sich mindestens um einen Überläufer, wenn nicht gar um ein älteres Stück handelte. Prägnante Keilermerkmale konnte ich keine ansprechen. Trotzdem gönnte ich mir auch einen Blick durch das Zielfernrohr, die Büchse am Bergstock angestrichen… ja, würde das Stück passen, könnte ich einen sauberen Schuss antragen… wenn… Hier blieb es aber beim Konjunktiv.

Den Repetierer wieder geschultert schlug ich nach längerem Beobachten sachten Schrittes meinen Weg in entgegengesetzte Richtung ein. Hie und da blieb ich stehen und warf einen Blick zurück. Das Stück stand immer noch an selbiger Stelle… zwanzig Meter weiter stellte ich fest, dass sie wieder draußen standen, zwei gleich starke Stücke… für mich sollte es weiter gehen… und wie…

Der Weg führte entlang einer Hecke, ich schlich von Schatten zu Schatten. Gerade hatte ich noch einen letzten Blick zurück geworfen, das Fernglas an den Augen spekulierte ich im Halbkreis um mich herum, links neben mir die Hecke. Die Aufmerksamkeit sank, je näher ich in Richtung meiner kommenden Pirschrichtung kam… zack, so schnell haben sie einen: keine fünfzig Meter vor mir standen zwei Schwarzkittel im Gebrech und zeichneten sich herrlich gegen hellen Hintergrund als Schattenriss ab. Das Bild wurde ergänzt von einem gestreiften Gewimmel auf dem Weg vor mir…: Frösche! Somit hatte sich auch hier die Frage nach „Büchse oder nicht“ schnell erledigt: Bachen mit Frischlingen – Finger grade!

Langsam wollte Hubertus‘ oberster Pirschjaga noch ein paar Schritte setzen – das verziehen mir aber auch diese noch recht jungen Mamas nicht. Kein Blasen, ein pikiertes kurzes Grunzen legte beredtes Zeugnis von meinen Künsten ab. Beim nächsten Blick nach vorne war die Bühne – einfach leer… leer.

Aber weiter ging es. Schon jetzt war dies eine Traumnacht. Ein paar hundert Meter und ein paar Mondscheinrehe weiter öffnete sich der Blick ins Ransbachtal. Ein gehaltvoller Rapsacker, einige nicht weit entfernte Waldränder, hinter mir Hecken, Wiesen und Felder, ein perfekter Ort um zu verweilen. Ich packte den Lodenfleck unter meinen Allerwertesten und ließ mich nieder – mitten auf der Grasnarbe in der Mitte des Weges. Am sternenklaren Himmel stand direkt über mir der große Wagen…die Vorstellung konnte beginnen.

Es dauerte auch nicht lange, als ich schon Bewegung auf dem Acker links von mir bemerkte. Kamen da die Sauen wieder? Nein, Rehwild, wohl eine Ricke mit zwei Kitzen… wenig später stießen vereinzelt Stücke dazu, der Raps schien ein regelrechter Magnet zu sein. Immer wieder kam es zu Bewegung unter den Stücken. Einige Rehe schienen mit der Anwesenheit von anderen nicht ganz einverstanden. Ob es sich hier aber schon um konkurrierende Böcke oder territoriale Ricken handelte, ließ sich nicht ausmachen. Jedenfalls bot mir das Wild in dieser Richtung stets Kurzweil.

Nach rechts war das hintere Ende des Dornkrätzer-Waldstückes gelegen. Hier vernahm ich nach einiger Zeit in unregelmäßigen Abständen ein Knacken und Krachen… das konnten nur stärkere Stücke sein, wohl Sauen. In Anblick kam aber vorerst nichts… Plötzlich erschien am Waldrand vor mir ein kleiner schwarzer Fleck, der sich langsam bewegte. Es dauerte eine Weile, bis ich auf die knappen 200m mehr erahnte als wusste, dass ich es mit dem kleinen Bär unserer Wälder, zu Englisch: „racoon“ zu tun hatte. Schon öfter hatte ich in dieser Gegend Anblick dieser Spezies und ich nahm mir fest vor, dass mir im kommenden Winter endlich mein erster Waschbär zur Beute werden sollte!

Weiter links eine weitere Bewegung beim Abglasen: Auf dem Raps ließen sich es nicht nur die Rehe gut gehen, nein auch die Hasen rammelten hier in tollen Sätzen und Sprüngen. Vom weiter hinten ins Feld schnürenden Rotfuchs ließen sie sich dabei gar nicht stören… das Revier offenbarte in dieser Nacht wirklich seine sämtlichen Schätze! Wunderbar!

Langsam kroch ein wenig sie Kälte in die Beine. Noch einmal schlug ich die langen Schöße des Lodenmantels um, bald sollte es heimgehen, die Geisterstunde hatte ich nun schon einige Zeit hinter mir gelassen… Trotz regelmäßiger Geräusche links aus dem Wald in der noch immer fast völlig windstillen Nacht waren die Stücke Schwarzwild, um die es sich hier handeln musste, nicht aus dem Schatten des Waldes gezogen. Das konnten keine unerfahrenen Frischlinge sein… Endlich – und nach ein paar weiteren Zielübungen auf Rehe mit auf den Knien aufgelegten Ellenbogen – schaute ich, dass es Richtung Auto ging. Beim letzten Rundblick in schon wieder voller Montur war es dann soweit. Jetzt gegen kurz vor eins wagten sich die Sauen aus dem Wald ins helle Mondlicht… und es waren wieder zwei einzelne stärkere Stücke… wohl diejenigen, die ich schon vorher angegangen war. Umschlagen und Anpirschen kam mir schon gar nicht mehr in den Sinn. Langsamen Schrittes ging es die Hecke entlang zurück, die Sauen schienen mich begleiten zu wollen, zogen sie doch auch in Richtung unseres ersten Treffens. So ging es eine Weile parallel, bis ich mich entschied, eine Abkürzung über die Wiesen zu nehmen und mich also von den beiden Schwarzkitteln verabschiedete. „Man sieht sich ein anderes Mal! Horrido!“ Sprach’s und stapfte den Anstieg hoch, auf den Bergstock gestützt… Als ich hinter den Hecken meinem Ausgangspunkt zustrebte, bellte im Ransbachtal heiser ein Fuchs. Gute Nacht mit Waidmannsdank!

Epilog
Kurz bevor ich den Wagen über die Reviergrenze steuerte, walgte noch von rechts nach links ein großes graues Etwas über den Weg. Es dauerte ein paar Momente bis ich erkannte, dass es sich bei dem nun im Scheinwerferlicht verhoffenden Wunderwesen um Schmalzmann handelte, den ich auf seinem nächtlichen Streifzug mit meiner Bestrahlung empfindlich störte. Einmal verhoffte er noch, dann machte er sich von dannen. Auch ich machte mich von dannen und ließ es zurück, mein kleines Hessen-Revier.
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

27.03.2014 00:05 kong
Vielen herzlichen Dank dafür...nach langer Durststrecke endlich mal wieder ein äußerst lesenswerter Blog...danke
27.03.2014 10:53 Ammerlaender
Klasse...einfach Klasse...mehr davon!!!
27.03.2014 12:08 Schuelerlotse
Super geschrieben ... Wie immer
Danke
27.03.2014 13:11 Gabelachter
kong schrieb:
Vielen herzlichen Dank dafür...nach langer Durststrecke endlich mal wieder ein äußerst lesenswerter Blog...danke


Meinst DU das ernst...?? Fandest Du die Blockeinträge über die Kurzwaffen etwa nicht interessant und lesenswert...???
27.03.2014 13:28 swinging_elvis
kong schrieb:
Vielen herzlichen Dank dafür...nach langer Durststrecke endlich mal wieder ein äußerst lesenswerter Blog...danke

Habe die Ehre... Mal was ohne Knall und Pulverdampf! Jetzt wird es aber auch mal wieder Zeit, dass Du nicht kochst sondern schreibst... Oder beides el
27.03.2014 14:34 swinging_elvis
Ammerlaender schrieb:
Klasse...einfach Klasse...mehr davon!!!

Jetzt werde ich gleich rot... Merci! Schön, wenn's. gefallt! El
27.03.2014 18:27 Lakai
Wie immer, herrlich! Mir gings vor zwei Wochen ähnlich mit den Streifenhörnchen.
Den Platz kenn ich ja, aber ist das ne neue Kanzel ?
Waidmannsheil,
Jan
28.03.2014 05:33 swinging_elvis
Lakai schrieb:
Wie immer, herrlich! Mir gings vor zwei Wochen ähnlich mit den Streifenhörnchen.
Den Platz kenn ich ja, aber ist das ne neue Kanzel ?
Waidmannsheil,
Jan

Ja, steht seit dem Jahr nach "Jan"
Waidmannsdank! El
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