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Das erste Jahr

Geschichten eines Jungjägers (1 Eintrag)

638 mal angesehen
16.03.2014, 21.50 Uhr

Das erste Jahr. Geschichten eines Jungjägers

Achtung Überlänge

Das erste Jahr. Geschichten eines Jungjägers.
Das Jagdjahr 13/14 geht langsam dem Ende zu, der Winter, der eigentlich keiner war, verliert langsam den Kampf und der Frühling erobert das Land. Ruhe ist in die Reviere eingekehrt und es bleibt Zeit, das Erlebte Revue passieren zu lassen.
Noch vor genau einem Jahr liefen die letzten Vorbereitungen auf die Prüfung, Waldgänge, Wiederholung der Fachgebiete, Umgang mit der Waffe und vor Allem 2x wöchentlicher Tontaubenstandbesuch. Die 10 Monate Kurs vergingen wie im Fluge und allen Sorgen und aller Aufregung zum Trotz wurde die Prüfung im Mai anstandslos bestanden. Nun hieß es: aus der Theorie zur Praxis.
Ich hatte von Anfang an die Möglichkeit in 2 Revieren direkt vor der Haustür aufgenommen zu werden, was ja nicht gerade selbstverständlich ist wenn man nicht aus einer Jägerfamilie stammt, und daher weiß ich dies umso mehr zu schätzen.
Mein Ausbilder und Jagdaufseher in einem der Reviere stellte mir für die ersten Ansitze seine .222Rem mit variablem 42er Glas, später eine .222Rem Mag mit 8x52er Glas zur Verfügung und die Freude beim ersten erlegten Fuchs war unermesslich auf beiden Seiten. Diesem Fuchs, meinem ersten erlegten Stück Wild, sollten im Laufe des Jahres noch 8 weitere Folgen.
Um der Übergangslösung mit der Leihwaffe zu entgehen wurde das Internet und Zeitschriften durchforstet um bald fündig zu werden – Meine erste eigene Waffe. Eine Ferlacher Bockbüchsflinte in 8x57irs, 16/70 mit einem 2,5-10x56 Schmidt und Bender Zenith sind die perfekte Kombinationen für die hiesigen Verhältnisse.
Großzügiger Weise gab mir ein Pächter einen Bock frei, den ich nach mehrmaligem Ansitz am Morgen des 7.7.13 um kurz nach 5:00 Uhr sauber zur Strecke bringen konnte.
All diese Erlebnisse wurden nur von einer Sache getoppt: Meiner ersten Sau! Seit Juni sitze ich mir fast jeden Morgen oder Abend den Hintern platt, doch es sollte nie wirklich gelingen. Einmal hatte ich eine große Rotte auf dem Feld vor, ein Schuss verbot sich aber aufgrund der Frischlinge. Die Zeit drängte, meine Freie Zeit zwischen Abitur und Ausbildungsbeginn wurde knapp..
Wir schreiben den 24.8.13 und ich sitze auf einer offenen, alten Leiter. Vor mir eine kleine Wiese mit Kirrung, links unterhalb von mir Schwarzdornhecken mit Suhle, rechts angrenzender Hochwald. Meine Bedenken wegen des Lichts bestätigten sich nicht, aufgrund der Stadtnähe herrschen gute Lichtverhältnisse. Ich setze mich gegen 22:00 Uhr an, weiß die Sauen kommen spät. Mich muss ein kurzer Müdigkeitsanfall in den Schlaf gerissen haben, denn als ich gegen 1:00 Uhr meine Augen wieder öffne steht ein einzelnes starkes Stück Schwarzwild vor mir. Ich bin mir meiner Sache bzw. eher der Freigabe nicht sicher, also nutze ich die Möglichkeit und beobachte die Sau.
´´Warum hast du denn nicht geschossen?`` war die Frage des Pächters und umso erfreuter war ich als er sagte ´´Die Sau ist für dich reserviert.``
Nachdem ich nun noch einmal vergeblich ansaß, begab ich mich am Abend des 27.8. wieder auf meine Leiter am ´´Püpp Elli``. Gegen 21:00 Uhr baume ich auf, mache alles parat, Licht und Wind passen auch und so genieße ich die Ruhe und döse vor mich hin. Ein Rascheln im Hochwald über mir lässt anwechselndes Wild vermuten und mich hellwach werden. Ein Blick durch das Fernglas bringt Klarheit: Ein Stück Rehwild tritt aus und beginnt ruhig zu äsen. Wieder kehrt Ruhe in die Szenerie ein, bis auf einmal ein lautes Knacken im Schwarzdorn anwechselnde Sauen verrät und meinen Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen lässt. Durch das Fernglas beobachte ich, dass das Stück Rehwild abspringt und beim zurückschwenken Richtung Kirrung steht sie auch schon darauf : Meine Sau! Ich beginne zu Zittern wie Espenlaub – Jagdfieber, Scheiße! Ich lasse mir Zeit, beobachte eine Weile um sicher zu gehen, dass keine Frischlinge folgen und als ich dann langsam das Gewehr in den Anschlag bringe werde ich ruhiger. Die Auflage ist gut, der Leuchtpunkt steht ruhig auf dem Blatt, die Waffe ist entsichert und gestochen - dumpf hallt ein lauter Knall durch die Nacht. Ich bilde mir ein, ein Schlegeln im Gras gehört zu haben, jedenfalls keine Flucht. Liegen sehe ich die Sau aber auch nicht, also auf Nummer sicher gehen und dem Pächter Bescheid geben, der sich unverzüglich auf den Weg macht. Sein 10 minütiger Weg erscheint mir endlos, und ich will einfach nur zum Anschuss. Als er ankommt verlasse ich den Sitz und schildere ihm die Lage. Er beruhigt mich und wir gehen gemeinsam Richtung Anschuss und als die Lichtstrahlen der Taschenlampen auf die Kirrung wandern liegt er dort! Verdeckt von einem Grasbusch war der ca. 60kg schwere Überläuferkeiler für mich vom Sitz nicht zu sehen. Die freudige Umarmung und die Übergabe des Bruchs werden mir immer in Erinnerung bleiben.
Nach diesem Erlebnis und meinem anfänglichen Glück stellte sich erst einmal Ruhe ein. Die Sauen waren da, machten Schaden, aber ein herankommen war nicht möglich. Sie liegen in der ehemaligen Tongrube und egal welchen Wechsel man besetzt, sie sind schlauer! Unzählige und ich meine wirklich Unzählige Ansitze folgten, Abends, Nachts, Morgens und immer sind die Schwarzkittel gewitzter. Es ist die große Rotte die ich im Sommer schon einmal vorhatte und die scheinbar unversehrt und unbeschossen durch diesen gekommen ist. Zweimal habe ich sie vor, doch an Stellen wo ich nie mit ihnen rechnete und sie schneller als ich Gucken konnte Wind bekamen und so schnell verschwanden wie sie auftauchten. Dies stichelte mich aber nur noch mehr an und mein Jagdtrieb stieg immer weiter.
Dies alles geschah in dem anderen Revier, in dem die Sauen in diesem Jahr die Tongrube für sich als optimalen Einstand gefunden haben und so das vorher eher sauarme Wald-Feld-Revier unsicher machten.
Am Abend des 12.12.13 entschließe ich mich spontan zum Ansitz. Große Hoffnungen auf Sauen mache ich mir nicht, die Kirrung dort ist seit Wochen nicht angenommen und auch ein Auswechseln der Sauen aufs freie Feld bei hellem Mondschein scheint mir unrealistisch und so hoffe ich eher auf einen Fuchs im Winterbalg. Dieser kommt auch, wechselt auf 20 Metern an, leise entsichern, er stoppt. Gut, den Abzug vorsichtig nach vorne drücken, Klick! Das war zu viel - der Fuchs springt ab.. Wieso ich in dieser Situation nicht zum hinteren Abzug gegriffen habe, der die 3,5mm Schrote auf die wahrscheinlich tödlich werdende Reise geschickt hätte ist mir bis heute ein Rätsel. Naja der Abend ist noch jung.
Ich sitze auf der Kanzel ´´Am Mais`` vor mir ein Wildacker, der links in das mit Raps bestellte Feld endet auf dem die Sauen schon sich schon ordentlich zu schaffen machten, am Ende des Wildackers die Waldgrenze die sich rechts entlang des Wildackers auf mich zu zieht. Im Wald vor mir erstreckt sich ein Tal, durch das ein kleiner Bach fließt. Dieser wurde von den Sauen an mehreren Stellen zu Suhlen umfunktioniert und diese sind seitdem her markante Anziehungspunkte geworden. Genau aus diesem Tal höre ich auf einmal eine Geräuschkulisse, wie ich sie nie zuvor erlebt habe. Ein Blätterrauschen, knacken und quiecken ließ mir das Blut in den Adern gefrieren – damit hätte ich nie gerechnet. Und dann wechseln schon schneller als ich schauen kann 3 starke Sauen aufs freie Feld in ungefähr 250m Entfernung, schlielich wechseln auch vor mir 7-8 schwächere Sauen auf den Wildacker und machen sich auf ca. 100m dort zu schaffen. Sollte es jetzt endlich klappen? Ich bringe vorsichtig das Gewehr in den Anschlag, mittlerweile sind insgesamt locker 20 Sauen ausgewechselt, teils auf dem Feld, teils auf dem Wildacker. Ich versuche auf eine der schwächeren Sauen auf dem Wildacker klar zu kommen, aber immer wieder rotten sie sich zusammen und an einen Schuss ist nicht zu denken. Lange will ich allerdings auch nicht warten, da ich unter halbem Wind sitze. Dann endlich tut mir eine der Sauen den Gefallen und trennt sich von der Rotte. Halb sitzend, halb liegend steht der Leuchtpunkt sicher auf dem Blatt, entsichert, gestochen und das 12,6g Gramm schwere TMR Geschoß der 8x57irs verlässt den Lauf. Die Sau liegt mit Hochblattschuss im Knall, Erleichterung pur!
Doch dann geschieht etwas was ich auch so nie für möglich gehalten habe. Ein Teil der Rotte flüchtet wieder zurück in den Wald. Der andere Teil aber, eine Bache mit ihren Frischlingen, wechselt irritiert aufs freie Feld und rottet sich dort mit ihnen zusammen. Doch bevor ich wieder einen klaren Kopf und nachgeladen habe, wechseln sie dann doch wieder in den Wald. Ich könnte an dieser Stelle die Entschuldigung anbringen, dass ich mir beim Schuss, aufgrund des improvisierten Anschlags das Zielfernrohr gegen die Stirn geschlagen habe, aber das realisierte ich eh erst als der Adrenalinspiegel sank, und würde daher wohl nicht ziehen. Naja aus Fehlern lernt man ja bekanntlich.
Diese Erlebnisse sind es die ich so sehr an der Jagd so schätze. Diese unverhofften, spannenden und daher umso interessanteren Situationen. Dinge die andere Menschen so nie erleben oder erfahren dürfen und können.
Im Herbst folgten noch mehrere Treibjagden. Ein paar als Treiber, ein paar als Schütze. Highlight bei diesen, war die Treibjagd, bei der ich schon vorher bei der Organisation, Drückjagdsitzbau, Standauswahl etc. dabei war und als Ansteller fungierte. Die Freigabe war auch sehr großzügig, Rothirsche bis zum Eissprossenzehner dürften erlegt werden. Kaum hatte ich meinen Platz besetzt wechselte mich links aus den Fichten ein Hirsch an. Sollte ich also wirklich das Glück haben auf dieser Jagd meinen ersten Hirsch erlegen zu dürfen? Also Fernglas hoch, Blick ins Geweih, Kronenzwölfer. Naja dann genieße ich halt diesen majestätischen Anblick.
Wenn ich also an mein erstes Jagdjahr zurück denke, denke ich an viele spannende Erlebnisse zurück. An ein Jahr voller Aufs und Abs. Traurige Situationen wie der Tod eines Jagdhundes meines Jagdfreunds. Lustige Situationen, wie eine erfolgreiche Pirsch auf Jungdachse im letzten Büchsenlicht die sich nach mühsamen herankommen dann doch als Hasen herausstellten oder an diverse Schlüsseltreiben. Viel Arbeit, oft freudig, oft lästig. An viele neue Kontakte und Freunde die ich knüpfen und finden dürfte. An die innerliche Ruhe die ich auf dem Ansitz finde, die aber auch von jetzt auf gleich umkippen kann. An die unbeschreibliche Spannung wenn im Herbst das Hundegeläut auf einen zuwechselt und einfach an viele gemeinsame Stunden in Gemeinschaft und Gesellschaft die ich sehr zu schätzen weiß. Alles in allem denke ich einfach daran, dass ich nun genau das Leben führe dass ich mir immer gewünscht habe, und hoffe dass mir und uns allen noch lange die Möglichkeit bleibt diese Passion, die Traditionen und den gelebten Naturschutz, auszuleben !

Lars
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Henschi

Henschi

Alter: 23 Jahre,
aus Grafschaft-Lantershofen
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Kommentare

17.03.2014 04:13 swinging_elvis
Sauber! Sehr gut zu lesen und tolle Erlebnisse im ersten Jahr. Waidmannsheil! Lass uns gerne an weiteren Erlebnissen teilhaben! El
17.03.2014 07:41 WiednerDerSteirer
..scheinbar bist a jaga der alles in sich vereint,der hinhocht, hineinfühlt,in sich geht...und die ruhe und stimmung draußen aunehmen kann.
dein beitrag gefällt mir sehr gut
17.03.2014 17:17 Henschi
swinging_elvis schrieb:
Sauber! Sehr gut zu lesen und tolle Erlebnisse im ersten Jahr. Waidmannsheil! Lass uns gerne an weiteren Erlebnissen teilhaben! El


Vielen dank Werde ich gerne tun !
17.03.2014 17:18 Henschi
WiednerDerSteirer schrieb:
..scheinbar bist a jaga der alles in sich vereint,der hinhocht, hineinfühlt,in sich geht...und die ruhe und stimmung draußen aunehmen kann.
dein beitrag gefällt mir sehr gut


Ich geb mein bestes Danke !
18.03.2014 00:15 tirolerfan
Sehr schön geschrieben,
An deinem Handeln sieht man das du überlegst bevor du etwas tust.Mach weiter so!!
Waidmannsheil
Tirolerfan
18.03.2014 03:01 wachtelman
Weiter so ......
freue mich schon auf den nächsten Teil...

Gruss u Waidmannsheil
Wachtelman
20.03.2014 17:02 Remmi
Waidmannsheil!
Am besten gefällt mir die Stelle mit dem Zielfernrohr So ist das manchmal, auch ich habe eine "schöne" Narbe auf der Stirn
20.03.2014 18:33 Henschi
tirolerfan schrieb:
Sehr schön geschrieben,
An deinem Handeln sieht man das du überlegst bevor du etwas tust.Mach weiter so!!
Waidmannsheil
Tirolerfan


So sollte es doch sein Vielen Danke & Wmh
Lars
20.03.2014 18:34 Henschi
wachtelman schrieb:
Weiter so ......
freue mich schon auf den nächsten Teil...

Gruss u Waidmannsheil
Wachtelman


Dankeschön Demnächst kommt bestimmt wieder was Wmh Lars
20.03.2014 18:35 Henschi
Bolchower schrieb:
Waidmannsheil!
Am besten gefällt mir die Stelle mit dem Zielfernrohr So ist das manchmal, auch ich habe eine "schöne" Narbe auf der Stirn


Gehört anscheinend dazu und man hat auch was zu lachen Wmh Lars
20.03.2014 18:47 Remmi
Henschi schrieb:
Gehört anscheinend dazu und man hat auch was zu lachen Wmh Lars


Mir ging es wie dir! Erst dachte ich, ich wäre am schwitzen wegen dem Jagdfieber, aber dann beim abwischen war die ganze Hand rot!
Dadurch wird mir der Bock ewig in erinnerung bleiben - die narbe sehe ich ja oft genug im Spiegel
20.03.2014 19:18 Henschi
Bolchower schrieb:
Mir ging es wie dir! Erst dachte ich, ich wäre am schwitzen wegen dem Jagdfieber, aber dann beim abwischen war die ganze Hand rot!
Dadurch wird mir der Bock ewig in erinnerung bleiben - die narbe sehe ich ja oft genug im Spiegel


Blut gabs bei mir zum Glück keins, aber ich das bleibt definitiv in Erinnerung
21.03.2014 07:58 Remmi
Henschi schrieb:
Blut gabs bei mir zum Glück keins, aber ich das bleibt definitiv in Erinnerung


du schiesst ja auch ein "Mädchenkaliber"
21.03.2014 19:27 Henschi
Bolchower schrieb:

du schiesst ja auch ein "Mädchenkaliber"


Also den Vorwurf musste ich mir noch nie anhören
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