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Vom Keiler geschlagen...
1189 mal angesehen
16.11.2007, 23.09 Uhr

Jagd auf Leben und Tod

Wie sagte doch schon der alte Fries: "Wer Schweinsköpfe will, muß Hundsköpfe drangeben".

Auch heute noch genießt der alte Forst- und Rüdemann im Stöberhundlager einen geradezu legendären Ruf. Aber trifft seine o.g., vor rd. 100 Jahren gewonnene Erkenntnis auch heute noch uneingeschränkt zu? Ich meine nein!

Die Hunde sind einfach besser geworden, die Organisation und Durchführung der Jagden ist - nicht zuletzt durch die Errungenschaften der Technik - inzwischen wesentlich effektiver, das Equipment der Hundeführergespanne ist heute besser und die Tiermedizin ist mit dem damaligen Standart nicht mal mehr im Ansatz zu vergleichen.

Aber der Reihe nach:
Ich will an dieser Stelle nicht die uralten Rassediskussionen anheizen, aber entscheidenden Einfluß auf das Verletzungrisiko bei der Stöberjagd hat der Hundeführer bereits bei der Auswahl der Rasse und der Elterntiere seines künftigen Jagdhelfers. Der vielgepriesene Wahlspruch "je schärfer, desto besser" hat beim Verletzungsrisiko eindeutig seine Schattenseiten, denn zu scharfe Hunde werden selten alt.

Auch eine gewissenhafte Einarbeitung an Sauen trägt entscheidend dazu bei, dass der Hund seine Kräfte uund die jeweiligen Risiken richtig einzuschätzen weiß. Hier kann die Einarbeitung in einem Saugatter, unter Mitwirkung eines erfahrenen Rüdemanns/Gattermeísters außerordentlich hilfreich sein (leider aber nicht in allen Bundesländern möglich).

Auch im Zuge der Einsatzplanung werden Weichenstellungen vorgenommen, die ein höheres oder geringeres Unfallrisiko bedeuten können. Beispielhaft sei z.B. darauf hingewiesen, dass aufeinander eingespielte Hunde eines Zwingers oder befreundeter Hundeführer zwar u.U. sehr effektiv jagen, aber mit zunehmenden Jagdeinsätzen einem oftmals steigendem Risiko ausgesetzt sind, geschlagen zu werden. Bei zunehmendem Selbstbewustsein durch erfolgreiches Beutemachen kommt irgendwann der Punkt, wo die Hunde - nicht zuletzt durch die Konkurrenzsituation - ihre Kräfte überschätzen. Bei 3 und mehr Hunden gibt es dann irgendwann doch einmal "Kleinholz". Insoweit hilft ein häufiges Wechseln der gemeinsam eingesetzten Hunde, tendenziell Unfälle durch Fehleinschätzungen der Situation zu vermeiden.

Doch nun konkreter zu den Maßnahmen die von jedem Hundeführer vor der Jagd bedacht werden sollten:

Ein Unfall kann Mensch und Tier gerade während der Treibjagd immer passieren.

Infolgedessen ist dringend zu empfehlen, mit dem Jagdleiter zuvor Weichenstellungen für den Ernstfall zu erörtern:
- Wie ist dieser bzw. sein ortskundiger Ansteller im Ernstfall während der Jagd zu erreichen (Handy, Funk)?
- Nimmt ein Arzt an der Jagd teil, der ggf eine Notfallversorgung vornehmen kann?
- Wo / wie können die Fahrzeuge geparkt werden, um im Notfall ohne Verzögerung und ohgne Gefährdung zum Transport von Verletzten eingesetzt werden zu können?
- Welche Ortsangaben sind erforderlich, um ggf. einen Rettungswagen oder einen Hubschreiber einzuweisen?
- Wo befindet sich der nächste erreichbare Arzt bzw. das nächste Krankenhaus?

Da unsere Sorge aber vor allem auch unseren vierläufigen Jagdhelfern gilt, sollte vor allem auch für sie Vorsorge getroffen sein:
- Nimmt an der Jagd für die etwaige Notversorgung der Hunde ein Tierarzt teil (Tel.Nr.)?
- Wo befinden sich in der Umgebung Tierärzte und Tierkliniken (Tel.-Nummern, Wegbeschreibungen mgl. mit Kartenausschnitten)?

Der gute Jagdleiter hält diese Informatzionen bereits vorausschauend bereit. Andere, im Zweifel weniger erfahrene sollte man unbedingt zuvor auf diese Punkte ansprechen. Fliesst erst einmal Blut, kommt es auf jede Sekunde an!

Abgesehen von einer Ersthelfer-Ausbildung für Mensch und Hund, ist jedoch auch das Equipment des Hundeführers von ausschlaggebender Bedeutung:

So sollte der Hundeführer für Notsituationen und zur medizinischen Notversorgung mind. folgende Ausrüstung "am Mann" mit sich führen:

1. Handy (ggf. auch Funkgerät)
2. Taschen- bzw. Stirnlampe (Batteriekontrolle)
3. Leine / Band
4. Notfall-Telefonnummern
5. Polsterbinden bzw. Wundkompressen (ggf. Bw-Verbandspäckchen)
6. ggf. selbsthaftende, dehnbare Binde
7. Dreieckstuch
8. Wundpflaster

Am Fahrzeug - in erreichbarer Nähe - sollte neben dem vollständigen Erste-Hilfe-Kasten zudem weitere Ausrüstung vorgehalten werden:

a) Reservebatterien Taschen-/Stirnlampe
b) gebogene Schere
c) stumpfe Pinzette
d) Fieberthermometer
e) weitere dehnbare und selbsthaftende Binden unterschiedlicher Breite
f) Schmerztabletten
g) Wunddesinfektionsmittel for Mensch und Tier
h) Hunde-Augensalbe mit Kortison
i) Antibiotische Salbe
j) Med. Instrumente, wie kleine Knopfsonde, mehrere gebogene Artherienklemmen, Häkchen-Pinzette
k) Tacker zum Klammern großer Wunden (ggf. mit Klammern-Entferner).

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Allerdings muß sowohl bei den Medikamenten aber auch bei Verbandsmaterial fortwährend die Haltbarkeit überwacht werden.

Egal, ob bereits erste Hilfe geleistet wurde, oder nicht: Auch wenn der Hund beim Tierarzt auf dem Tisch liegt, gibt es noch einiges zu bedenken. Nicht immer sollte man sich - meinen Erfahrungen zufolge - blindlings auf den tierarztlichen Rat verlassen. Während diese oftmals dazu neigen, den Hund sofort schlafen zu legen, will das gut überlegt sein!
1. Der Hund kommt - durch den Schock und die Adrenalin-Ausschüttung oftmals noch weitgehend ohne Schmerzen - mit dem Führer zum Tierarzt. Hier wird er schlafen gelegt und wacht dann später - ohne zu wissen was geschehen ist - u.U. mit großen Schmerzen wieder auf. Dieses kann zu einem erheblichen Vertrauensverlust zum Führer, zum Tierarzt oder zu Menschen schlechthin führen. Solange der o.a. Zustand geringer Schmerzen anhält, und es für die Behandlung zu vernatworten ist, sollte der Hund bei Bewußtsein behandelt werden.
2. Desweiteren wird dem Schockzustand bei der tierärztlichen Behandlung gelegentlich wenig, manche sagen zu wenig, Beachtung geschenkt. Der Hund kommt mit einem schweren Schock auf den Tisch und wird - ohne diesem Umstand oftmals hinreichend Rechnung zu tragen - in seinem Kreislauf durch die Gabe von Betäubungsmitteln zusätzlich erheblich belastet. Wie mir von fachkundiger Seite versichert wurde, wäre es häufig angebracht, die Grundsätze einer humanmedizinischen Schockbehandlung bei der tierärztlichen Versorgung unserer Vierläufer intensiver zu berücksichtigen.

Das soll keine pauschale Kritik sein, aber vielleicht erweist es sich in dem ein oder anderen Fall als sinnvoll, den Tierarzt darauf anzusprechen. Trotz guter Ausbildung fehlt so manchem Tierarzt die ERfahrung mit auf der Jagd verunglückten Hunden....
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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

12.01.2008 17:26 Meffi
Moin, habe es jetzt erst gelesen.

Liest sich gut und schlüssig. Kann nur leider mit dem letzten, geklammerten Satz nichts anfangen.
Ich würde mich über eine Fortsetzung zumindest freuen.

Gruß und wmh, Meffi!
12.01.2008 21:29 Ruedemann
Meffi schrieb:

Moin, habe es jetzt erst gelesen.

Liest sich gut und schlüssig. Kann nur leider mit dem letzten, geklammerten Satz nichts anfangen.
Ich würde mich über eine Fortsetzung zumindest freuen.

Gruß und wmh, Meffi!


Hey Meffi,
das ist ganz einfach: Wenn wir hier etwas für die "Tribüne" schreiben, dann hoffen wir natürlich wenigstens auf ein möglichst pos. Feedback. Dieser Beitrag war den Lesern im Schnitt nur 3 Punkte wert und bislang nicht einmal einen Kommentar... Dafür ist mir dann die Zeit zu schade! Ich denk', dass verstehst Du. Gruß Ruedemann
12.01.2008 22:58 Meffi
Also, dann nimm mein Positives Feedback bitte zum Anlass, hier weiter zu schreiben.
Du schreibst übrigens gut, also bitte weiter so.

Gruß und wmh, Meffi!
31.01.2008 07:49 zickigeRicke
Hallo Ruedemann, habe den Beitrag erst heute gelesen.
Du sprichst viele Punkte an, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Leider belehrt uns die Praxis eines besseren.
Vielleicht schreiben deshalb einige lieber nicht auf diesen Blog, immerhin hälst Du den Revierinhabern, die Drückjagden nach dem Motto: "Es wird schon nichts passieren!" durchführen, unverblümt den Spiegel vor´s Gesicht. Vorsorgen wird leider oft mit Unken (das Unglück herbeirufen) verwechselt!
Besonders interessant finde ich auch, dass Du viele Fragen angesprochen und zusammengefasst hast, die einem Stöberhundführer so durch den Kopf gehen.
Eine Anmerkung hätte ich zu j und k in deiner Auflistung der Sachen, die sich im Fahrzeug befinden sollten, allerdings: Es nützt nichts, wenn man etwas mitführt, wenn man nicht weiß, wie und wann man es einsetzt! Ach ja: Als Plasmaexpander habe ich immer eine Flasche Ringerlaktatlösung und Infusionsbesteck dazu im Notfallkoffer.
Lass Dich nicht entmutigen und schreib weiter so!
Herzliche Grüße zR
01.02.2008 12:50 Ruedemann
Hallöchen,
das mit "dem Spiegel vorhalten" ist so eine Sache, scheinen doch die wenigsten Revierinhaber/Jagdleiter hier reinzuschauen...
Aber es schadet keinem Hundeführer, sich der Dinge noch einmal b4ewußt zu werden und keine Gelegenheit auszulassen, seitens der Jagdherren bzw. Jagdleiter auf entsprechende Praventiv-Maßnahmen zu dringen. Hinsichtlich der Pukte j) und k) hast Du natürlich recht, während eine Sonder ja rel. unspaktakulär zu handhaben ist, muß man sich das Klammern natürlich mal zeigen lassen!!!! Bei der Verabreichung von Infusionen jedoch würde ich mich gegenwärtig doch überfordert sehen.
Auch herzliche Grüße R.


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