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Jagdtagebuch

Jagderzählung (5 Einträge)

812 mal angesehen
27.02.2014, 18.52 Uhr

Jagdfreund Jörg

Jagdfreund Jörg kenne ich seit der Jagschule, die wir gemeinsam absolviert haben. Neben seiner Körpergröße beeindruckte Jörg durch seine exzellenten Schießfertigkeiten beim Flintenschiessen und mit der Büchse. Da wir irgendwie auf einen Wellenlänge schwammen blieb der Kontakt auch nach der Jagdschule erhalten. Jörg seine beruflichen Kontakte ermöglichten ihm zügig in einem attraktiven Schwarzwildrevier zu jagen und später dort auch als Pächter einzusteigen.
Das Revier liegt in einer geografischen Senke und beherbergt zwei kleine Seen mit ausladenden Schilfflächen. An die Schilfflächen schließen sich Ackerflächen und Obstplantagen nebst Kleingärten an. Die Seen mit den Schilfflächen sind ein idealer Lebensraum für tausende wasserliebende Säugetiere, Vögel und Insekten. Diese Tiere finden dort ideale Brut- und Nahrungsbedingungen. In Sommernächten kann man dort ein Konzert von aber Millionen Insekten und Singvögeln hören. Getrübt wird das Konzert nur durch die Anwesenheit von doppelt so vielen Stechmücken die dann einfach nur eine Plage sind. Deshalb ist die Jagd dort im Herbst oder Winter einfach angenehmer. Natürlich werden auch die Sauen von den riesigen Schilfflächen angezogen. Das Schilf bietet den Sauen eine perfekte Deckung an 365 Tagen des Jahres. Aus dieser Deckung heraus starten die Sauen dann zu ihren nächtlichen Streifzügen auf die umliegenden Felder und Obstplantagen. Aber auch im Schilf finden die Schwarzkittel reichlichen Nahrung in Form von Insekten, Fröschen und leckeren Wurzeln sowie Wasserpflanzen und vermehren sich dort prächtig. Quasi ein Paradies für Sauen.
Die nachfolgenden geschilderten Erlebnisse sind das Ergebnis von mehreren Jahren.

Erste Kontakte

Das erste Mal bei Jörg wollten wir Gänse jagen. Diese zogen regelmäßig auf die umliegenden Felder um sich für die Weiterreise gen Süden zu stärken. Das Wetter war perfekt nur die Gänse flogen an diesem Tag nicht. Also versuchten wir es auf die damals noch zahlreichen Kaninchen. Jedoch waren wir Jungjäger viel zu ungeduldig und so blieben wir Schneider.
Da wir dann die Kaninchen spannend fanden und zu Weihnachten vielleicht ein Langohr auf dem Tisch landen sollte, versuchten wir es jetzt gezielt auf Kaninchen. Kurz nachdem ich mein Platz bezogen hatte, kam auch das erste Kaninchen in Anblick. Jedoch immer zu weit für einen sauberen Schuß mit der 22.LfB. Dann kam die Meldung, dass die Sauen im Schilf aktiv sind. Also unterblieb jetzt ein Schuß auf die Langohren. Eine Sau wechselte jedoch bei uns nicht an und so blieb der Abend ohne Beute.

Die ersten Sauen

Es war Herbst und die ersten Nachtfröste zogen übers Land. Ich bezog auf einer kleinen Kanzel meinen Sitz. Die Sicht war herrlich. Vor mir lag eine querverlaufende Wiese. Dahinter erstreckten sich der Schilfgürtel und dahinter wieder eine Wiese. Meine neue Thermobekleidung, die ich heute noch habe, machte sich prima. Mir war warm und die Sachen dazu bequem und sehr geräuscharm. Nach einer guten Stunde zog das erste Rehwild aus den hinter mir liegenden Obstplantagen auf die Wiese und begann zu äsen. Dann bemerkte ich auf der zweiten Wiese einen schwarzen Fleck. Eine einzelne Sau wechselte in den Schilfgürtel und kurz hinter ihr folgte eine Leitbache samt Rotte. Freudig aufgeregt wartete ich darauf, dass die Sauen vor mir aus dem Schilf traten. Aber es blieb ruhig. Dann bellte ein Schuß durch die Nacht. Ich zuckte erschrocken zusammen. Kurz danach folgte eine SMS mit der Mitteilung, dass bei Jörg ein Überläuferkeiler lag. Das Stück wurde gemeinsam versorgt und dann ab ins Bett da am nächsten Morgen die Arbeit rief.
Einige Tage später saß ich an einer anderen Stelle direkt am Schilf an. Ich hatte meinen Stuhl direkt neben einen Strohballen gestellt und lauschte gespannt in die Nacht. Es blieb zunächst ruhig. Mal nicht auf einer Leiter oder Kanzel zu sitzen ist war richtig ungewohnt aber irgendwie spannender als sonst. Langsam wurde mir langweilig und ich fing an zu dösen. Plötzlich hörte ich ein leises Knacken und ein minimales „Quiek“. Die Sauen standen im Schilf und wollten offenbar raus und ließen sich dabei aber noch Zeit. Meine Waffe lag griffbereit und ich wartete gespannt. Dabei bemerkte ich nicht wie langsam Nebel aufzog. Dann kamen die Sauen in Bewegung. Die Leitbache sicherte noch einmal direkt an der Schilfkante und zog dann auf die Wiese. Ich nahm meine Waffe hoch wollte einen Frischling ins Visier nehmen und sah nichts. Was war das? Ich nahm das Fernglas hoch, da stand doch die Rotte!?! Waffe wieder hoch und wieder dunkel. Mist, Mist, Mist!!! Das Glas war durch den Nebel komplett beschlagen. Hektisch suchte ich in meinen Taschen ein Taschentuch. Ich fand auch eins. Jetzt schnell das Objektiv und Okular trocken legen ohne das die Rotte davon etwas mitkommt. Das klappte auch. Nur jetzt wechselte die Rotte zügig durchs hohe Gras in Richtung Gebüsch. Waffe wieder hoch. Im hohen Gras konnte ich keinen einzigen Frischling anvisieren. Mist, verdammter!!! Ich bekam die Rotte nicht mehr ins Glas. Die Chance hatte ich mir selbst versaut. Dennoch beschloss ich noch sitzen zu bleiben und hoffte, dass noch einmal Sauen aus dem Schilf heraustraten. Leider vergebens. Der Nebel war wieder dem Frost gewichen und Raureif lag auf den Gräsern. Ich beschloss zum Abschluss noch kurz zu der kleinen Kanzel zu prischen. Vielleicht war auf der hinteren Wiese noch etwas Bewegung. Ich war kaum 100m auf dem kleinen Feldweg gegangen da nahm ich einen schwarzen Fleck im Gras ca. 250 m vor mir war. Im Fernglas sah ich einen einzelnen Keiler mit einer tiefschwarzen Schwarte munter über die Wiese ziehen. Aber Diana meinte es nicht gut mit mir. Der Keiler wechselte zügig ins Gestrüpp und weiter in Richtung der Obstplantagen und war für mich nicht mehr erreichbar.

Acker“Früchte“

Im zeitigen Frühjahr zeigte Jörg mir eine Stelle an der häufig Sauen aus dem Schilf traten um dann in Richtung Dorf zu wechseln. Ich saß auf einer Metall-Leiter an. Hinter mir lag ein Rapsfeld. Nach einer gefühlten Ewigkeit zog etwa 300 m von mir entfernt ein einzelnes Stück Schwarzwild auf das Rapsfeld. Da die Sau nicht zu mir kam und der Wind passte, beschloss ich das Stück anzugehen. So schnell und so leise wie möglich pirschte ich über den Acker. Am meinen Stiefeln klebte dick der Schlamm. Die Sau zog zügig über den Acker und dachte nicht dran mal zu stoppen und ausgiebig zu brechen. Dann war ich endlich in Schussentfernung heran gekommen, da riss die Wolkendecke auf und der Mond erhellte das Rapsfeld. Das gefiel der Sau nun überhaupt nicht und im zügigen Sauengalopp wechselte das Stücks zurück ins Schilf. Der Abend war gelaufen!
Es war wieder Herbst und die Sauen machten Jörg am Mais ordentlich zu schaffen. Also fährteten wir die Schilfkanten sorgfältig ab und wurden schnell fündig. An zwei vielversprechenden Stellen setzen wir uns abends an. Bei mir herrschte Ruhe und auch bei Jörg war keine Bewegung. Da beschlossen wir, noch die Flächen um den Maisacker herum abzuleuchten. Also runter von der Leiter und ab in Richtung Straße. Plötzlich stand eine Sau keine 50 m vor. Diese bekam mich natürlich sofort mit und verschwand wieder im Schilf. Sauer stampfte ich weiter zu Straße und wartete auf Jörg. Ich drehte noch einmal zum Schilf um da Stand nun, zu meinem völligen Erstauen, eine Bache mit kräftigen Frischlingen. Dummerweise stand ich nun voll im Wind um die Rotte dampfte lautstark ab. Ich war stinksauer, warum hatte ich nicht noch 2 min auf der Leiter gewartet? Mist!
Eine Woche später saßen wir wieder am Mais an. Ohne Erfolg. Wir trafen uns am Auto quatschten noch kurz und verabschiedeten uns. Jörg fuhr voraus und ich packte in Ruhe meine Waffe ins Futteral. Da fiel plötzlich ein Schuss dem ein hektischer Anruf von Jörg folgte. Ein Frischling liegt und die Rotte steht noch direkt an der Straße im Schilf. Also im Eiltempo zu Jörg und kurze Lagebesprechung. Die Rotte aus der Jörg den Frischling herausgeschossen hatte, zog nur wenige Meter von uns entfernt im Schilf umher. Wir bargen den Frischling aus dem Graben als sich plötzlich auf der anderen Straßenseite sich eine weitere Rotte lautstark bemerkbar machte und offenbar über die Straße wollte. Das gibt es doch nicht, dachten wir uns beide. Ich holte meine Waffe aus dem Auto und machte mich fertig. Kurz darauf wechselte ein Überläuferkeiler über die Straße. Als dieser am Straßengraben angekommen war brach der Schuss. Das Stück verschwand jedoch im Dornengestrüpp und das knacken im Unterholz war deutlich zu hören und auch wie das Stück fiel. Am Anschuss waren die Eingriffe deutlich zu sehen. Wir fanden aber keinen Schweiß oder Schnitthaare. Eine kurze Kontrollsuche im Gestrüpp brachte nichts. Ich war sauer. Leider brachte auch die Kontrollsuche am nächsten Vormittag nicht das Stück, was nicht sonderlich zur Verbesserung meiner Stimmung beitrug.
Mit diesem Erlebnis begann ich mich noch stärker als zuvor, mit den verschiedensten Jagdgeschossen zu beschäftigen. Mehrfach konnte ich selbst erleben, dass das beschossene Wild selbst mit den tödlichsten Treffern noch etliche hundert Meter geht und am Anschuss außer den Eingriffen nichts zu holen ist. Diese Tatsache macht das Jagen bei Jörg nicht einfacher. Wenn ein beschossenes Stück im Schilf verschwindet und nicht in Sichtweite verendet ist es praktisch verloren. Eine Nachsuche im Schilf im kniehohen Matsch und Wasser ist einfach für den Hund und Hundeführer zu gefährlich. Beide wären bei Angriffen durch Schwarzwild praktisch hilflos. Einzig im Winter bei Frost, können die Flächen begangen werden. Eigentlich müssten die Umstände einen frustrieren aber dennoch geht Jörg in diesem Revier seiner Jagdleidenschaft mit einer Leidenschaft nach, die begeistert.

Geduldsprobe

Es war ein milder Herbst bis dato gewesen nun endlich hatten wir Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ich saß wieder an der Fläche an wo einst der Raps stand. Die Sauen waren im Schilf deutlich hörbar, machten aber keine Anstalten rauszukommen. Es war gegen 23:00 Uhr und ich wollte nach Hause, da früh die Arbeit wieder rief. Auf dem Weg zur Kanzel nur noch schnell an der anderen Schilfkante vorbeischauen ob dort nicht Bewegung ist, dachte ich mir. Ich war noch keine 50 m gekommen als im Schilf deutliche Bewegungen sichtbar wurden. Die Sauen zogen kurz hinter der Schilfkante entlang. Kurzzeitig war eine Sau erkennbar und dann wackelten wieder nur die Halme. Die Sauen zogen in Richtung Kanzel und ich prischte parallel erst auf dem Acker dann auf dem kleinen Feldweg mit. Immer wieder konnte ich für einen kurzen Augenblick ein Stück erkennen, dann war es wieder im Schilf verschwunden. Dann an einer kleinen Einbuchtung der Schilffläche blieben die Sauen stehen. Immer war für Sekunden ein Stück deutlich zu sehen. Ich machte mich machte mich Schussfertig. Die Waffe lag auf meinem Pirschstock entsichert. Mit dem Fernglas beobachtete ich das Treiben welches keine 40 m vor mir stattfand. Immer wenn ich dachte jetzt, drehte sich das Stück oder zog wieder ins Schilf zurück. Irgendwann hatten die Sauen das Interesse für Stelle verloren und zogen nun vollständig ins Schilf zurück. Die Uhr zeigte 00:45 Uhr und die Nacht war für mich gelaufen. Ich musste am nächsten Morgen wieder zeitig raus. Wieder hammerspannend gewesen aber ohne Beute.

Schneegestüber

Dann hielt endlich der Winter Einzug und eine leichte Schneedecke lag auf Land und Flur. Jörg und ich stimmen uns kurz ab und dann rauf auf die Kanzel. Ich saß oben auf dem abgeernteten Maisacker. Bereits auf dem Weg zur Kanzel stand das erste Rehwild auf den Acker. Hoffentlich verschreckt mir das Rehwild nicht die Sauen. Mit Kolkraben hatte ich ja schon so meine Erfahrungen gemacht. Ich machte mir es auf der Kanzel bequem und leuchtete die Umgebung ab. Der Ausblick vom Hügel runter über die Seen und die Schilfgürtel weiter über die verschneiten Wiesen war einfach überwältigend. Etwa 250 m entfernt stand wieder Rehwild und dahinter eine einzelne Sau. Das ging aber schnell dachte ich mir. Ich nahm die Waffe hoch und wartete, dass das Stück näher zog. Der Wind war für mich perfekt. Also hieß es warten. Plötzlich hörte der Keiler auf zu brechen und fing an intensiv zu winden. Von mir konnte er keine Witterung bekommen, dachte ich mir und schon zog das Stück nervös über den Acker. Wieder windete der Keiler und machte sich ab ins Gestrüpp. OMG, warum jetzt DAS? Na gut, die Nacht ja erst begonnen. Ca. 15 min später bemerkte ich wieder einen schwarzen Schatten auf dem Acker. Wieder zog ein einzelner Keiler über den Acker und suchte nach den Resten der Ernte. An fast der gleichen Stelle wie der vorherige Keiler blieb auch dieser plötzlich stehen und fing an zu winden. MIST, da sitzt doch einer im Nachbarrevier mitten im Wind dachte ich mir und in diesem Moment war auch dieses Stück verschwunden. Na gut, alles wird besser, dachte ich mir. Der Wind legte zu und brachte einzelne Schneeflocken mit. Ich genoss die herrliche Aussicht über das Revier und ich freute mich über meinen gut funktionierenden Taschenofen. Jetzt zog vor der Kanzel Rehwild lang und ich tauschte mich kurz mit Jörg aus. Bei ihm war ebenfalls Ruhe. Eine Stunde und dann wollten wir noch auf den unteren Wiesen Ausschau halten. Ich beschloss das Rehwild genauer zu beobachten. Der Bock hatte schon recht ordentlich was auf dem Haupt und auch die Ricke mit Kitz war gut anzusprechen. Dahinter stand ebenfalls noch ein Stück welches ich aber nicht genau ansprechen konnte. Ich genoss den Anblick und döste vor mich hin. Ich wechselte meinen Blick wieder zu dem einzelnen Stück. Das Stück Rehwild drehte sich just in diesem Moment und entpuppte sich als ein einzelner Keiler. WOW. Das Adrenalin schoss sofort in mir hoch. Dann ging alles ganz schnell. Waffe hoch, entsichern, Leuchtpunkt an, Stück steht breit und der Schuss bricht. Ein kurzes „Quiek“ und nach keinen zwanzig Gängen liegt das Stück. ENDLICH!!! Nach so vielen Jahren der Bekanntschaft mit Jörg und gemeinsamen Ansitzen bei ihm hat es endlich mit Beute geklappt. Vor mir lag ein ca. 3-4 Jahre alter Keiler. Das Stück brachte 79 kg auf die Waage und hatte dabei kein Gramm Weißes auf den Rippen. Dafür eine vollständig verheilte Schussverletzung im Bereich des großen Gescheides. Die Schussentfernung betrug 115 m und mein Geschoss (30-06 Federal Fusion 180grs) hatte den Wildkörper nicht vollständig durchschlagen und hing im Blatt auf der Austrittsseite fest.

Nun da der Bann gebrochen ist, bin ich gespannt was die nächsten Wochen und Monate bei Jörg bringen werden.
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ckgauloises

ckgauloises

Alter: 44 Jahre,
aus Schkopau

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Kommentare

28.02.2014 07:45 Jagara
Warum heiratest ihn nicht einfach ?!? Deinen Jörg ????!
28.02.2014 07:57 taube54
Sehr schön geschrieben, der Bann ist gebrochen. Wünsche Euch noch viele gemeinsame Erlebnisse. Gruß Taube
28.02.2014 19:53 Otterbock
WmH zum Keiler
Ist ja ein echtes Keilerrevier
28.02.2014 19:55 Otterbock
Jagara schrieb:
Warum heiratest ihn nicht einfach ?!? Deinen Jörg ????!

Jörg kann nicht kochen..oder so
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