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Grenzfuchs 2 Mittagssau 1 Tolle Strecke
954 mal angesehen
24.02.2014, 21.44 Uhr

Beschwerde

Manchmal glaubt man, die Deutschen pflegten eine regelrechte Beschwerdekultur. Meine Mutter zum Beispiel beklagt sich regelmäßig über das Wetter. Im Sommer ist es zu heiß, im Winter zu kalt und im Herbst und Frühjahr fällt zu viel Regen. Ist dies ansonsten auch nicht so meine Art, so möchte ich doch – was das Wetter in der Haupt-Saison anbetrifft - dieses Jagdjahr bei meiner Mutter einstimmen: So schlechtes Wetter gab’s noch nie!

Bereits ab Ende Oktober hegt so mancher Waidmann die Hoffnung, dass doch ein morgendlicher erster Frost die Wiesen und Felder überreifen möge. Ab Ende November wird die Hoffnung dann zur Erwartung, Anfang Januar dann sollte Frost und Schnee Einzug gehalten haben… Pustekuchen!

Gerade den Mondphasen fieberte ich entgegen und gedachte, Zeit draußen in der Natur zu verbringen… und jedes Mal begrüßte mich sturmartiger Wind, tiefhängende dichte Wolken und Regen. Sogar im Fuchsrevier des Jagdfreundes, ansonsten ein Garant für Eis und Schnee, wurde es nicht besser. Es war zum Verzweifeln… Über fehlendes Waidmannsheil konnte ich mich nicht beklagen, denn passend zum Jahresende bereicherte noch ein Rickenkitz meinen Speiseplan. Was wollte ich mehr. Aber so langsam müsste sie doch einmal kommen, die Zeit, wo rot oder schwarz auf weißem Grund den Jäger mit zitternder Bewegung die Faust um den Kolben schließen lässt… elektrisierend… Rotfuchs… Sauen!

Jetzt war es Anfang Februar und morgens schienen sich die ersten Singvögel schon wieder auf Frühjahr einzustimmen… Den Winter hatte ich bereits abgeschrieben, wollte mich aber trotzdem noch einmal ins Revier wagen. Vielleicht, vielleicht… und jetzt ranzten normalerweise die Füchse den ganzen Tag!

Vorher ging ich noch die Revierkarte durch und die möglichen Ansitze. Ein gar nicht so ein einfaches Geschäft, den Wind und möglichen Anblick von Sau und Fuchs übereinander zu bringen. Für den ersten Abend entschied ich mich für einen Kahlschlag im Wald. Der Wind passte, die ruhige Lage könnte das Schwarzwild zum Verweilen locken und nicht weit entfernt müsste ein großer Bau einen Anziehungspunkt für Reineke bieten – jetzt in der Hochranz. Ich mache es aber kurz. Obschon das Wetter so schlecht nicht war, blieb am Abend die Bühne leer. Nicht einmal ein einsamer Waldhase ließ sich blicken. Lediglich ein paar Ringeltauben fielen im Abenddämmer in nicht allzu großer Ferne in eine stehengebliebene Gruppe älterer Fichten ein. Horrido! Ab in die Hütte und den Ofen geheizt.

Im Autoradio dann wunderten sich meine Ohren: „Morgen früh fallen die Temperaturen leicht unter den Nullpunkt!“. Sollte Diana doch noch Erbarmen haben und mir einen stimmungsvollen Ansitz gönnen? Ich war sogleich Feuer und Flamme. Der Sitz war auch sogleich klar: Es musste die sagenumwobene Fuchskanzel sein. Ein Hochsitz, der seinen Namen zu Recht trägt…

Aber auch dort hatte sich die Lage geändert. Der Fichtenwald war zum großen Teil Kyrill zum Opfer gefallen, im Nachbarrevier hatte der Bauer regelmäßig Rundballen gestapelt, die den Roten zur Ranz anscheinend magisch anzogen… es war nicht mehr wie früher – und doch der erfolgversprechendste Ort im Revier.

Schon der Abend machte mit sternenklarem Himmel Hoffnung. Mit einer leichten inneren Anspannung stieg ich in den Schlafsack. Als ich im Dunkel des darauf folgenden Morgens dann im Liebestöter vor die Hütte trat spürte ich schon beim tiefen Einatmen, dass es frisch war; dann machte ich in Schlappen einen großen Schritt zum direkt an der Hütte stehenden Auto und ließ die Hand über den Lack gleiten… rau von einer feinen Reifschicht! Wie wach ich auf einmal war! Rein in die Klamotten, den Lodenmantel übergeworfen und den Dreilauf geschnappt. Los ging’s!

Wenig später stapfte ich mit großen Schritten der Kanzel entgegen. Einen kleinen Bogen musste ich machen, um nicht durch ein sicher angefrorenes großes Wasserloch steigen zu müssen, dann saß ich oben und richtete mich mit den immer wiederkehrenden Bewegungen ein. Rucksack in die Ecke, Gehörschutz bereit legen, Filz unter den Allerwertesten, Laufbündel des Dreilaufs bestückt – fertig!

Am Horizont zeigten sich bereits die ersten silbernen Streifen, recht spät dran war ich also für meine Verhältnisse. Aber all‘ das konnte meine Euphorie beim Blick über die weißen Felder und Wiesen nicht mindern. Ein Traum! Hubertus sei gedankt! „Hau-hau! Hau-hau!“ Na das fing ja gut an. Aus einem Feldgehölz tönte das heisere Bellen eines Rotfuchses. Sogleich wanderte das lichtstarke Doppelglas an die Augen, außer Schatten war aber noch nicht viel auszumachen… also mit den Lauschern folgen…

Tatsächlich konnte ich so den Pass des Roten nachvollziehen… mal entschwand er jenseits des Horizonts, mal kam er wieder in meine Richtung… immer wieder prüfte ich das Licht. Da! Ein längliches Etwas löste sich aus dem sicher vierhundert Meter entfernten – und jenseits der Grenze liegenden Feldgehölz. Fuchs! „Hau-hau“ schnürte der Rote im ersten Licht zügig ins Feld und gab dabei immer wieder das sehnsüchtige Bellen von sich. Würde er wohl in meine Nähe kommen? So sah es momentan nicht aus… doch jetzt wendete der Rotrock abrupt und nahm seinen Pass zurück ins Holz. Man spürte auch auf diese Entfernung die Unruhe, die infolge der Ranz in ihm steckte… und weg war er wieder… noch ein paar Mal „Hau-hau“… dann war er verschwunden…
Ich nahm mir vor, Augen und Ohren offen zu halten… zunächst jedoch durfte ich einen herrlichen, leicht frostigen Anbruch des Morgens erleben. In der weiten Ferne stand ein einzelnes Reh auf einem Rapsacker, Rabenkrähe und Elster erwachten in ihren Schlafbäumen, das Silber am Horizont änderte sich in glühendes Gold. Wild kam auch in Anblick: Ein paar Hasen bevölkerten die Szenerie vor mir. Offenbar hatte Meister Lampe ob des milden Wetters schon Lust zu rammeln. Was fehlte war ein Fuchs. Ich dachte an vergangene Morgen, an denen ich – wenn auch beutelos – nah und fern bis zu fünf Rotröcke gleichzeitig zählte… glückliche Tage! Aber bei Fuchs – wie bei Sau – ist alles möglich! Apropos Sau! Die Anwesenheit der schwarzen Gesellen ließ sich an der ein oder anderen dunklen Stelle auf der Wiese erahnen. Auf einer Brache direkt vor mir hatten sie sich einer feuchten Stelle etwas intensiver gewidmet. Zumeist zogen die Schwarzkittel hier jedoch in finsterer Nacht. Der Anblick am Tage war die große Ausnahme… so wie dieses Frühjahr…

Anfang Mai saß ich auf einer Leiter in einer Hecke nicht weit von der Fuchskanzel. Hier ließ sich das Erwachen der Natur so richtig erleben, wenn die Singvögel das große Konzert anstimmten. Mit dem Glas im Morgengrauen einmal wieder eine Runde drehend, gewahr ich weit draußen im Feld des nachbarlichen Reviers einige dunkle Punkte, die sich durcheinander schoben. Zuerst dachte ich an einen Sprung Rehwild, bis es mir heiß durch die Glieder fuhr: Das war eine Rotte von acht Frischlingen – jetzt Überläufer – die dort im ersten Morgenlicht auf freiem Feld nach Fraß brachen. Mein Erstaunen wurde schnell vom Kopfzerbrechen abgelöst, wie der Jäger nun an einen dieser leckeren Schweinchen kommen konnte. Die Fuchskanzel an äußerster Waldesecke bot einen gern genommenen Einwechsel für alles Wild. Hier würden die Chancen am größten sein. Also Sachen gepackt, abgebaumt und mit flatterndem Lodenmantel geduckt über die Brache, um im Schatten des Waldrandes recht schnell am Ziel anzukommen. Nach dem Ersteigen der Kanzel und Laden des Dreilaufs konnte ich zu meiner Befriedigung feststellen, dass die Stücke immer noch im Feld standen, wenn auch langsam eine gewisse Unruhe von Ihnen Besitz ergriff. Ich reimte mir zusammen, dass die Frischlinge ein Feldgehölz an der Grenze als „Trittstein“ nehmen würde, um dann weiter zu ziehen und hoffentlich bei mir einzuwechseln.

Und plötzlich rotteten sich die Schwarzkittel zusammen – Beratung – und ab ging es wie die Kavallerie in meine Richtung beziehungsweise auf das Feldgehölz zu. Was ein Anblick dies alleine war… Anscheinend hatten sie gemerkt, wie hell es nun schon war und damit schon recht spät. Ab ging es in das Feldgehölz und jetzt hieß es warten. Den Drilling legte ich mir schon einmal bereit. Es musste einfach klappen… Sicher zehn Minuten vergingen aber, bis tatsächlich auf meiner Seite die Kleinen wieder in Anblick kamen. Bis zum Rande des Holzes waren es gute 250 Meter. Schon nach zehn Metern auf freiem Acker verhoffte die Bande. Erneute Beratung, zusammen rotten… und nach wenigen Momenten ging es wieder zurück in den Busch!
Mit dem Fernglas versuchte ich, den weiteren Wechsel zu verfolgen, was aber nicht gelang. Also wieder warten, warten, warten,…

Nach einer weiteren viertel Stunde tatsächlich wieder Bewegung auf meiner Seite des Feldgehölzes. Sie kamen erneut und jetzt ging es raus auf das Feld… nur um wieder, jetzt auf sicher noch 180 Meter, zu verhoffen und die Lage zu prüfen. Was nur war da los? Ich hatte den Drilling in der Faust, das Glas hochzunehmen traute ich mich nicht, denn ich fürchtete, dass mich das Jagdfieber beuteln würde… und ein Schuss kam für mich und meinen Drilling mit der dicken 11,5g TIG 7x57R auch nicht in Frage… also voller Anspannung warten.
Die Sauen zogen ein wenig hin und her, kamen aber nicht näher sondern gingen schlussendlich wieder ab im Schweinsgalopp zurück in Deckung. Kein Waidmannsheil, keine Beute. Ich habe sie an diesem Morgen nicht mehr vor gehabt…

So erinnerte ich mich beim Anblick der umgebrochenen Stellen. Soeben hatte es die achte Morgenstunde geschlagen. Meine Hoffnung auf Beute war auch am heutigen Tag schon gesunken, wenn auch in der momentanen Hochzeit der Ranz so mancher Fuchs gerne auch am helllichten Tag über die Wiese bummelt, um noch ein paar Mäuse zu fangen. Versuchsweise ließ ich das feine Mäuseln und wenig später die gellende Klage des sterbenden Meister Lampe erklingen. Vielleicht wäre ja noch Raubwild in der Nähe…
Wieder einmal zu einer Runde Spekulieren ansetzend und den Blick nach links hinten werfend, erstarrte ich. Da kam in vielleicht 150 Meter Entfernung ein Reineke übers Feld auf die Grenzwiese geschnürt. Sogleich ging das Glas an die Augen. Wo war er nur hergekommen? Welch‘ ein Anblick, wahrlich etwas für Genießer: so ein roter Balg auf überreifter Wiese. Ich genoss es in vollen Zügen… um aber auch gleich meine jagdlichen Möglichkeiten zu überdenken. Zurzeit schnürte der Rote noch in Nachbars Revier. Die Grenze lag in vielleicht 120 Metern Entfernung. Ich stellte um auf die große Kugel, da ich der .22-Hornet nur bis ca. 100 Meter traue. Jetzt mit dem Dreilauf nach hinten eingerichtet. Erneut kam mir die Freude über diesen wunderbaren Rotfuchs beim Blick durch das Zielfernrohr. Ein kleiner, schlanker Vertreter seiner Art war es, sicher eine Fähe, die nun zum bekannten hohen Sprung ansetzte, um eine Maus zu fangen. Schießen konnte ich in meiner Stellung nicht, zu wackelig die ganze Angelegenheit. Also neu überlegt, das linke Bein auf die Sitzbank, das rechte auf ein Kantholz abgestellt und schon konnte ich meinen rechten Ellenbogen auflegen. Ja, so ging es. Bombenfest lag ich im Anschlag. Der Rotfuchs hatte wohl die Hasenklage im Hinterstübchen behalten, denn neben seiner Suche nach Mäusen sicherte er regelmäßig in meine Richtung und schnürte auch immer wieder ein paar Meter im Zick-zack auf meine Kanzel zu. Schon war er auf dem Grenzweg in der Wiese angekommen, verhoffte halbspitz in der zweiten Fahrspur, gute hundert Meter mussten das sein. Starr stand der Zielstachel das Absehen eins vor dem rechten Blatt, die Zeit stand still… – PETSCH!

Schnell war das nun gegangen, den Roten aber warf die kleine Kugel, auf die ich kurz vor dem Schuss doch wieder zurück gestellt hatte, einfach um. Ein paarmal zuckte der zähe Körper noch, dann war es aus. Wie immer blieb ich im Ziel, um vielleicht noch die dicke Pille nachzusenden. Das war zum Glück aber nicht mehr nötig.

Langsam entspannte ich mich, kehrte eine tiefe Freude ein über das späte Waidmannsheil. Immer wieder erstaunlich: die Präzision dieser kleinen Kugel aus dem alten Schießprügel. Noch eine kurze Weile blieb ich oben sitzen, genoss die Landschaft und den Ausblick von der Kanzel, die ihrem Namen einmal mehr alle Ehre gemacht hatte. Ein herrlicher Tag begann…

Als ich zum Auto zurück wanderte und einen Blick zurück ins Tal warf, zog von Osten Nebel auf. Der Raureif war verschwunden. Grau zeigte sich die spätwinterliche Natur wieder. Der Zauber war vergangen…

In der Hütte machte ich mir beim Frühstück Gedanken, was noch zu erledigen sei. Noch einen Leckstein wollte ich ausbringen. Von einem Hochsitz vielleicht fünfhundert Meter von der Fuchskanzel entfernt gelegen meinte ich einen alten Baumstumpen ausgemacht zu haben, der abgesägt gut als Auflage für den Stein dienen konnte. Dort wollte ich mich hinbegeben. Also ab ins Auto. Am Ort morgendlicher Taten stellte ich den Wagen ab, belud den Rucksack mit dem Stein, Hammer, Lattenstücken und Nägel und machte mich auf. Der morgendliche gespenstische Nebel war inzwischen einem trüben Tag gewichen. Nur zur Sicherheit griff ich noch schnell den Drilling sowie eine Patrone für jeden Lauf und los ging es. Langsam stapfte ich mit meiner Last am Waldrand entlang und inspizierte dabei die eine oder andere Stelle, an der die Sauen gebrochen hatten. Ein stark belaufener Wechsel oder besonderer Anzugspunkt war nicht zu erkennen. Wie nur der Schwarzen habhaft werden? Sie schienen überall und nirgends zu sein…

Endlich kam ich an der Kanzel im Waldeseck am Rande eines kleineren Windwurfes an und erklomm diese, um mir einen Überblick zu verschaffen. Ja, dort drüben war der Stamm. Recht dick war er wohl, genauer wollte ich mir dies aber Vorort anschauen. Also einer Schneise fünfzig Meter gefolgt und einen Einwechsel in den mit Brombeerbusch übersäten Schlag gesucht. Über einen umgefallenen Baum bahnte ich mir einen Weg, kam Schritt für Schritt dem Baum näher. „Man, hier sah es ja aus wie im Wohnzimmer der schwarzen Sippe!“ Kaum hatte ich dies zu Ende gedacht, als es unter meinen Füßen lebendig wurde.

Kurz wurde ich Jahrzehnte zurück geworfen, als ich als Treiber eines Niederwildreviers solche Dickungen drückte und vor mir meist ein Hase hochging. Jetzt aber waren es zwei Frischlinge, die ich unverhofft aus dem Kessel geworfen hatte. Der eine verschwand nach links, der andere sprang nach rechts ab, nur um in einem gerade einmal zehn Meter entfernten weiteren Brombeerdickicht zu verhoffen und die Lage zu prüfen. Ich war erstarrt. Offensichtlich war den beiden nicht so recht aufgegangen, wer oder was ihre Ruhe gestört hatte. In meinem Hirn arbeitete es wie wild, wurden Möglichkeiten abgewogen. Mit meinem Dreilauf in dieser Wildnis auf Nahkampf zu gehen, war nicht so mein Ding. Nur ungern nahm ich das 8x56er Glas ab, da ich ab und an eine Verstellung der Treffpunktlage festgestellt hatte. Schnell entschloss ich mich also für den geordneten Rückzug. Schließlich stand nicht weit eine Kanzel, die besten Überblick bot und vielleicht kämen die Wutze nach ein wenig Ruhe erneut in Anblick.

Gesagt – getan! Leise pirschte ich zurück, entledigte mich meines Ballasts und baumte auf. Mit äußerster Vorsicht richtete ich mich in die erforderliche Richtung und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Der Einblick in den Schlag war wirklich gut, es konnte gelingen… Andererseits… wie oft schon hatte ich in solcher oder ähnlicher Situation gehofft… und am Ende war das Wild mit seinen überlegenen Sinnen der Sieger geblieben… eine geringe Chance bestand immerhin…

Die Minuten verrannen, nach einer viertel Stunde lies die Anspannung nach. Schwer wog der Drilling, aber ein paar Augenblicke wollte ich noch aushalten. Immer wieder prüfte ich den Wind, der leider küselte, in der Hauptsache aber zu meinen Gunsten stand. Still blieb es im Schlag… oder? War da nicht ein leises Rauschen und Knistern? Tatsächlich! Ein Brombeerbusch bewegte sich und ich ahnte eher als dass ich es sah: dort wechselte Wild. Jetzt wurde es etwas lichter und … war es ein Lichtreflex oder Realität: dort wechselte einer der Frischlinge im dichten Zeug und ich vermeinte, ihn als Schecke anzusprechen. Schon war er weiter nach links gezogen und ich überlegte, wie es weitergehen könnte, als ich auf gleichem Wechsel einen dunklen Schatten im Busch bemerkte. War das der zweite Frischling? Selbst auf die dreißig Meter war dies mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Also hoch den Dreilauf und durchs Glas geschaut. Das 8x56er Nickel ließ endlich formatfüllend Konturen erkennen. Tatsächlich, hinter den Ranken war die braun-schwarze Schwarte zu sehen und ja, der dunkle Fleck links war ein Teller… somit wurde klar, wo ich Ziel fassen musste.

KLATSCH! Vor der Waldkulisse klang der Knall der 7x57R seltsam hell. Den Gehörschutz hatte ich bei all der Spannung einfach vergessen. Wie eine Ziege bockte das Schweinchen und durchstieß mit dem Ziemer kurz das Dach seines Brombeerverstecks. Dann folgte ein Rauschen und Schlegeln… zum Glück an ein und derselben Stelle. Die Sau war getroffen und offenbar gut. Erst jetzt, als ich nachladen wollte, fiel mir ein, dass ich nur eine dicke Pille dabei hatte. Dann musste für den Notfall eben die kleine Kugel oder auch Schrot herhalten… Zu meinem Glück ging das Schlegeln aber nach kurzer Zeit vorbei und im Busch kehrte Stille ein. Meine innere Anspannung hielt allerdings noch eine Weile. Hatte ich wirklich gerade am helllichten Tag um kurz vor eins einen Frischling erbeutet? Unsägliches Waidmannsheil? Ich konnte es kaum fassen. Endlich sicherte ich den Drilling und stellte ihn ab. Das musste einfach geklappt haben.

Trotzdem baumte ich erst nach den berühmten zehn Minuten ab. Auf anderem Wechsel ging es erneut hinein in die buschige Wildnis. Hier war ich wirklich mitten in die Wohnstube hinein gestapft. Überall gebrochen, Kessel an Kessel im Brombeergerank… Zum Glück hatte ich mir den Anschuss genau gemerkt und fand nach kurzem Kampf mit den Dornen meine Beute. Hoch erfreut legte ich den Drilling ab und zog den Frischlingskeiler – denn als solcher stellte er sich heraus - ans Licht. Was eine Freude. Genauso einer fehlte mir noch in der Truhe! Horrido und Waidmannsheil. Dann aber begann das Gezerre. Aufbrechen wollte ich hängend an der Kanzel, also den kleinen Brocken durch die Ranken gezerrt. Selbst die Wechsel waren überwuchert und nur langsam ging es voran. Die Dornen gingen durch beide Hosen durch und lädierten meine Oberschenkel, einige Male wäre ich fast der Länge nach hingeschlagen, konnte mich aber jedes Mal kurz vor knapp fangen. Schließlich war ich aber raus aus der Burg der Schwarzkittel und konnte mein Werk beginnen. Mit einem stets mitgeführtem Rolladen-Gurt wurde erst hängend aufgebrochen und später machte ich mich daran, die Sau zum Wagen zu ziehen… Da der als Lecke angedachte Baum tatsächlich zu dick war und auch in der Nähe kein passender Ersatz zu finden war, musste auch der Mineralstein wieder mit zurück… dazu mein Sauer-Bauernmöbel… Wie leicht dem Jäger aber das Tragen nach solchen Erlebnissen fällt kann sich nur einer vorstellen, den Diana ebenso geküsst hat. Grund zur Beschwerde? …hatte ich wahrlich nicht an diesem Tag!
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

25.02.2014 08:36 SauerlaenderJung
Tolle Geschichte, sehr gut geschrieben! Mein aufrichtiges Weidmannsheil!!!
25.02.2014 10:56 Renevolution81
... ja der "Garant" war scho amoil besser bis heute kein Schnee auf den eisigen Höhen Um so mehr freut mich der Doppelschlag des swingeneden Mannes
25.02.2014 19:05 swinging_elvis
SauerlaenderJung schrieb:
Tolle Geschichte, sehr gut geschrieben! Mein aufrichtiges Weidmannsheil!!!

... und herzliches Waidmannsdank! Man glaubt's kaum, wenn es einem geschieht... el
25.02.2014 19:06 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
... ja der "Garant" war scho amoil besser bis heute kein Schnee auf den eisigen Höhen Um so mehr freut mich der Doppelschlag des swingeneden Mannes

Abwarten... statt der Erwärmung kommt sicher die nächste Eiszeit... und dann musst Du zu mir kommen, weil man bei Euch nimmer ins Revier kommt... aber wir packen sie auch mit Schneeschuhen!!!! el
25.02.2014 22:58 kong
ein donnerndes WMH...danke dafür, endlich mal wieder nen richtig lesenswerter Blog bei all dem "ich hab nen Hund und heute hat er schon einen Haufen gemacht"-Dreizeilern
26.02.2014 14:08 Rapsjaeger
Weidmanns Heil!!! Besser geht´s kaum!

Ja, dieser Winter war Mist! Schnee so gut wie gar nicht. In den Mondphasen ekligen Ost bis Südwind... Nein, seit Januar auch hier tote Hose. Aber heute, heute geht´s endlich mal wieder raus, den schwarzen Teufeln an die Schwarte. Sie liegen endlich wieder am See im Bruch, 200m Luftlinie von deiner Schlafstatt hier...
26.02.2014 16:18 swinging_elvis
kong schrieb:
ein donnerndes WMH...danke dafür, endlich mal wieder nen richtig lesenswerter Blog bei all dem "ich hab nen Hund und heute hat er schon einen Haufen gemacht"-Dreizeilern

... man kann es fast schon Nötigung nennen Waidmannsdank. Teile immer wieder gern.. El
26.02.2014 16:20 swinging_elvis
Rapsjaeger schrieb:
Weidmanns Heil!!! Besser geht´s kaum!

Ja, dieser Winter war Mist! Schnee so gut wie gar nicht. In den Mondphasen ekligen Ost bis Südwind... Nein, seit Januar auch hier tote Hose. Aber heute, heute geht´s endlich mal wieder raus, den schwarzen Teufeln an die Schwarte. Sie liegen endlich wieder am See im Bruch, 200m Luftlinie von deiner Schlafstatt hier...

Ach wenn doch das Beamen schon erfunden wäre... Bitte bestelle einen schönen Gruß an die Schwarzkittel!!! El
27.02.2014 17:19 Tannschuetz
Doppeltes Waidmannsheil!!! ...Gut gejagt! ...Gut erzählt!
03.03.2014 18:48 swinging_elvis
Tannschuetz schrieb:
Doppeltes Waidmannsheil!!! ...Gut gejagt! ...Gut erzählt!

.. und dann auch noch Glück dabei Waidmannsdank!
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