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Jagerlebnisse

(7 Einträge)

907 mal angesehen
24.01.2014, 09.06 Uhr

Hohlschüsse gibt es nicht!

Ich habe schon oft "totale" Aussagen gehört, "ein krankes Stück geht nicht bergauf", "es gibt keinen Kugelschlag", etc. und eben auch "es gibt keine Hohlschüsse".

Ich selber bin immer vorsichtig mit solchen Aussagen und versuche mich auch davor zu hüten irgendwelche Erlebnisse in Schablonen zu pressen. Zu unvorhersehbar ist gerade die Jagd und die damit verbundenen Erlebnisse.

Es ist Ende August, die Blattzeit ist rum, die Böcke haben sich langsam wieder erholt und sind wieder unterwegs und das Wetter lässt auch wieder einen angenehmen Ansitz zu, ohne schweißgebadet am Sitz anzukommen. Also mal wieder in die geliebte Eifel fahren und die Seele baumeln lassen. Einfach nur rauskommen, frische Luft und Ruhe. Beute sekundär, die Truhe ist noch vom Sommerüberläufer gefüllt.

Ein langer Wiesenstreifen mit kleinem Bachlauf passt perfekt in die Sommeratmosphäre. Wie aus dem Nichts steht jedoch zur fortgeschrittener Zeit ein Bock im hohen Gras. Erst gar nicht als solcher erkennbar, zeigt sich doch bei genauerem Hinsehen ein kleines Spießchen - na der passt aber! Langsam geht der Büchsflintendrilling hoch, Sicherung raus, Stecher rein, langsam den Druck verstärken und raus ist die kleine TM-Kugel 5,6x52R. Vom Schuss überrascht und gut abgekommen, so soll es sein. Der Bock geht ohne zu zeichnen über den Bach in den Bestand. Aber was soll bei den 80m schon passiert sein? Perfekte Auflage - na gut ist er halt noch ein bissl gegangen. Passiert schonmal. Nach der fiktiven Zigarettenpause schauen gehen, bevor das Licht zu dunkel ist. Am Anschuss ausreichend heller Schweiß - na also passt doch. Fährte ausgehen und das Wild bergen wird ein leichtes sein - so war zumindest der Plan. Nach ca. 100 m durch den Bestand wird die Fährte - trotz ausreichend Schweiß - duch die Dunkelheit nicht mehr haltbar. Völlig verzweifelt geht es in die Hütte, die Nacht ist entsprechend bescheiden, das kennt wohl jeder verantwortungsbewusste Jäger.

Am nächsten Morgen kommt der NSF, der gottseidank noch keine anderen Anrufe bekommen hat, recht früh. Innerlich ist das Wildbret aber schon abgeschrieben, es sind doch um die 20°. Der Hund zieht wie erwartet die Fährte gut an und arbeitet und arbeitet und arbeitet. Völlig verwirrt trotte ich hinterher. Nach ca. 800m sagt der NSF das Stück ziehe vor uns her. WIE BITTE? "ZIEHT VOR UNS HER"? Es ist doch mausetot und liegt da irgendwo mit Lungenschuss?! Hund geschnallt und ab geht die Jagd, nach ca. 300 m Hetze stellt der Hund das Stück und tut es ab. Suchenheil! Aber Krutzifix was ist denn da passiert? Antwort des NSF: Habe ich jetzt in 11 Jahren als NSF auch noch nicht gesehen. Wie mit dem Zirkel ausgemessen sitzt die Kugel knapp hinter dem Blatt, vielleicht etwas hoch, aber auch nur wenn man unbedingt etwas zu meckern haben will. Innen alles ziemlich heil, keine Rippen oder sonstigen Treffer. Hohlschüsse gibt es nicht. Aha.


Ca. 4 Wochen später, gleiches Revier, andere Ecke. Weibliches Wild ist auf, jetzt gilt es Strecke zu machen, bevor das Wild sich wieder rar macht im Nov und Dez. Wie der Teufel es will steht ein alter, zurückgesetzter Bock in der Brache. Der passt wiederum so gut, dass er zur Beute werden soll. Wieder geht der Drilling über die Brüstung. Das letzte Erlebnis im Hinterkopf, wird diesmal die große TM-Kugel in 8x57 IRS genommen - sicher ist sicher. Die 60m sind kein Kunstschuss, dennoch 10-fache Konzentration - das Erlebnis vom August ist noch im Bewusstsein. Im Schuss geht der Bock wie gesund ab und bleibt nach ca. 200m auf einer Kuppe stehen, spitz weg. Der mangelnde Kugelfang verbietet einen Nachschuss - aber was ist das? Im Zielfernrohr ist deutlich zu erkennen, wie auf beiden Seiten der Schweiß unter dem Wildkörper abläuft! Das erwartete - ersehnte Taumeln bleibt aus, der Bock zieht in den Bestand.

Mit wackeligen Knien wieder den NSF angerufen, der sagt zurecht, dass man sich in 11 Jahren einmal gesehen hat und jetzt binnen 4 Wochen zweimal. Also Hund angesetzt, Hund geht die Fährte aus und dupliziert die Ereignisse des Vormonats, lange Suche, Hetze, Abtun des Stückes. NSF und Schütze stehen völlig ratlos und kopfschüttelnd vor dem Stück. Der NSF findet als erster die Worte: "Wenn ich das nicht selber erlebt hätte, würde ich es niemandem glauben, selbst meinem Bruder nicht!".

Hohlschüsse gibt es nicht. Aha. Und kranke Stücke gehen nicht Bergauf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auf der Jagd gibt es nichts was es nicht gibt. Hat schon mein Vater gesagt, als ich noch als kleiner Bub nebenher gelaufen bin und so einiges nicht glauben konnte.
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Kommentare

24.01.2014 10:12 taube54
Super geschrieben. So macht halt jeder seine eigenen Erfahrungen.Gruß Taube
24.01.2014 10:17 alex128
Waidmannsheil zu den Böcken aber hast du eventuell auch Bilder vom Wildbrettkörper gemacht um sich solche Schüsse mal genauer anzusehen? Würde mich sehr interessieren!!!


Wmh Alex128
24.01.2014 10:28 Hunter123
Wmh

Gut geschrieben. Nichts geht über die eigenen Erfahrungen.

Bilder dazu würden mich auch interessieren.

Wmh hunter123
24.01.2014 10:45 schnuggels2000
Ihr habt Recht, habe mich auch geärgert, keine Bilder gemacht zu haben. Zumal ich mein Wild immer mitnehme und selber zerwirke.

Fakt ist, dass bei beiden Stücken keine Knochen getroffen waren. Lediglich bei der großen Kugel war auf der Ausschussseite eine Rippe angekratzt. Beim zweiten Bock war ebenfalls die Lunge angekratzt, die kleine Kugel ist aber wirklich so durchgeflogen.

Hätte nie gedacht, dass das bei TM Geschossen überhaupt geht.

Schieße jetzt im Repetierer ein härteres Geschoss wegen bleifrei, bin mal gespannt was mich da künftig erwartet...
24.01.2014 10:47 sau_hund
Kann ich nur bestätigen: ein Jagdgast hatte einen ÜK beschossen und eine Nachsuche über drei Reviere ca. 5 km "produziert", am Ende hat mich die Sau noch angenommen.........
War auch der sog. Hohlschuss!
24.01.2014 15:32 singlemalt
Toller Bericht Wmh!!
24.01.2014 22:16 Gesch
Nachträglich Waidmannsheil!

...zum Neben-Thema: meine stärkste Sau ist bergauf und das auf einen völlig blanken Acker.

Wir haben wie blöde die Senke, den Bachlauf, den Wald abgesucht, ein relativ junger Hund ist auch Richt. Wald...
...knappe zwei Stunden später im ersten Licht wieder raus, aus einem halben km Entfernung habe ich die Sau 300 Meter oberhalb vom Anschuß auf dem Acker liegen sehen, ca. 50°-Steigung... - Wetter war günstig, die Sau noch brauchbar.

Es gibt nichts, was es nicht gibt!
24.01.2014 23:40 keilerplus
Wow, interessanter Bericht!

Bei der Schusswirkung würde ich die Ursache im Geschoss suchen: Die Kammer war ja beide male perforiert, der Ein- und Ausschuss aber offenbar unzureichend, um sie ausreichend offen zu halten, sonst hätten deine Böcke auch ohne Lungenkratzer nach längstens 100m gelegen.


Und Weidmannsheil!
25.01.2014 09:56 IGOR82
WMH
Habt ihr aber schussharte Rehe.
25.01.2014 15:58 Haderer
Waidmannsheil erstmal

Ja manchmal ist es einfach komisch

Letzten Sommer kam mir auch ein Bock auf ca.70 Meter super dachte ich, Schuss wie es sein sollte kurz hintern Blatt.Bock geht flüchtig im Bestand.Ab zum Anschuss jede Menge Lungenschweiss,nach ca.150 Meter Mausetot gefunden.

Anderer Ort selbe Situation Bock auf 70 Meter kurz hinters Blatt.Lag im Knall. Gleiche Waffe,gleiches Kaliber, gleiches Geschoss fast gleicher Treffersitz.Aber diesmal waren 2 Rippen (jeweils Ein und Auschuss)getroffen worden.Immer gut wenn Rippen was abkriegen.
25.01.2014 23:03 Der_Schwabe
Hallo!

Mich würden auch mal die genutzten Geschosse interessieren! Klingt schon sehr eigenartig.

Ich hatte zwar schon Rehwild, bei dem das Accubond auf beiden Seiten zwischen den Rippen durchgerutscht ist. Die gingen dann vielleicht noch 150m. Aber dann "ging die Luft auch aus"...

WMH
Der_Schwabe
27.01.2014 09:50 schnuggels2000
Der_Schwabe schrieb:
Hallo!

Mich würden auch mal die genutzten Geschosse interessieren! Klingt schon sehr eigenartig.

Ich hatte zwar schon Rehwild, bei dem das Accubond auf beiden Seiten zwischen den Rippen durchgerutscht ist. Die gingen dann vielleicht noch 150m. Aber dann "ging die Luft auch aus"...

WMH
Der_Schwabe



zu den Geschossen:
5,6x52 R Norma TM-Spitz 4,2 gr
8x57 IRS Norma Alaska 12,7 gr.
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