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Zillertaler´s Blog

Nicht geschossen ist auch gejagt........ (3 Einträge)

Unverhofft kommt oft.....
792 mal angesehen
13.01.2014, 11.29 Uhr

Meistens kommt es anders als man denkt ...........

An diesem Sonntag im Januar wollte ich um die Mittagszeit eine Gummipirsch durch das Revier machen und dabei noch zwei Wildkameraplätze kontrollieren. Bei der letzten Wildkamera ließ ich den Wagen ca. 400 m vor der Kirrung stehen und machte noch einen „bewaffneten Spaziergang“ durch das angrenzende Waldgebiet. Vor der Kontrolle der Wildkamera baumte ich auf dem, der Kirrung gegenüberliegenden Hochsitz auf, um die Schussrichtungen zu Kirrung noch einmal mit der Waffe zu überprüfen für die kommende Mondphase. Ich hatte mich gerade mit der Waffe in Anschlag begeben Richtung Kirrung, da fielen mir aus dem Augenwinkel 3 dunkle Punkte entlang eines Grabenverlaufes auf.

Das Glas gezückt und mir stockte der Atem. Drei Stücke weibliches Damwild ästen in den Strahlen der Mittagssonne am Bachverlauf in ca. 250 m Entfernung. Ein erstes Ansprechen im Glas konnte keine Größenunterschiede in dieser Dreiergruppe ergeben. Auf den ersten Blick keine Schmaltiere und daher ging meine Einschätzung aufgrund der Erscheinung auf Alttiere. Nach Gebäude und geschätztem Gewicht hatte ich die Stücke zwischen 40 bis 45 Kilo eingeordnet
Wie nun bei dieser Entfernung das ganze Unternehmen angehen? Der Hochsitz stand in direkter Richtung zu den drei Stücken und ich musste einen Bogen schlagen, um aus dem Wind zu kommen. Also leise runter vom Hochsitz und mit ein, zwei langen Schritten die Schneise zum Kiefernwald am Bachverlauf überquert. Das Wild äste immer noch an der gleichen Stelle. Ich musste unbedingt die Schussentfernung verringern und eine günstige Position dazu finden, die aber nicht im Wind lag.

Ich entledigte mich aller Dinge in den Taschen meine Bekleidung und begann einen großen Bogen zu schlagen. Der Nadelholzbestand erleichterte mir meinen Weg durch den leisen Bodenbelag für die ersten 100 bis 150 Meter meines Angehens. In dieser Zeit hatte ich keinen Sichtkontakt und konnte nur hoffen, dass die Stücke auch weiterhin am angenommenen Platz standen.
Ich beendete den Bogen und bewegte mich nun in einer direkten Linie gegen den Wind zu einer Stelle, an der ein alter Erdsitz an der Waldkante gegenüber dem Bachverlauf stand. Die Gangart wurde immer gebückter und ca. 40 Meter vor dem besagten Erdsitz ging es auf allen vieren weiter. Das Glas unter der Jacke verborgen und die Waffe am Riemen über den Nacken gehängt. Meter für Meter und dabei immer Äste und Laub mit den Händen aus dem Weg räumend, sah ich den endlich den Erdsitz auftauchen.

Jetzt hatte ich das erste Mal wieder in den vergangenen Minuten aus diesem Beobachtungshalt heraus eine Chance, die Stücke mit dem Glas zu sehen. Sie hatten sich etwas den Grabenverlauf in meine Richtung verschoben, aber waren weiterhin sehr ruhig und ästen kontinuierlich. Noch ca. 5 Meter bis zum Erdsitz in tiefster Gangart und der Schweiß drückte sich mir aus allen Poren. In den engen Erdsitz geräuschlos hinein zu kommen hielt ich für ausgeschlossen und aufgrund der verstrichenen Zeit musste eine praktikable Lösung her. Ich schob mich langsam mit dem Kopf um den Erdsitz herum und konnte die drei Stücke in 80-90 Meter Entfernung sicher ansprechen. Alle 3 Stücke unterschieden sich nicht deutlich in der Größe. Vom geschätzten Gewicht her fühlte ich mich aus dieser Position bestätigt, das es sich um Dam Alttiere handelt. Alle 3 Stücke lagen zwischen 40-45 Kg.

Vom Erdsitz herunter hing ein Rest Tarnnetz, den ich mit einem kleinen Ast anhob um mir aus dem liegenden Anschlag einen Schusskanal mit etwas Deckung für den Körper zu ermöglichen. Kugelfang war in Verlängerung der gedachten Schusslinie durch eine alte massive Doppeleiche gegeben. Das weitere Hinterland war dichter Eichenbestand. Ich stellte mein Glas auf den Erdboden und schob meine neben mir liegende Büchse langsam am Körper vorbei neben das Glas. Nun hob ich die Büchse an und legte diese mit dem Vorderschaft unterstützt durch den gepolsterten Gewehrriemen auf das aufrecht stehende Glas.

Der linke Arm lag mit der Hand unter der Schulterstütze und so konnte ich eine stabile Schusshaltung unter diesen Umständen gewährleisten. Da der Schusswinkel von unten nach oben verlaufen würde musste ich unbedingt die große Doppeleiche hinter den Tierkörper bringen im Moment der Schussabgabe. Nach ca. 5 Minuten tat mir eins der 3 Stücke den gefallen und stand für diesen einen Moment breit vor der Doppeleiche am Bachverlauf. Jetzt galt es und ich ließ die Kugel fliegen. Das Stück zeichnete heftig und sprang zusammen mit den beiden anderen in den Kiefernbestand ab. Ich sprang auf, repetierte durch verfolgte kniend im Voranschlag die Flucht. Das von mir beschossene Stück zeigte schon nach 15 Metern starke Wirkung und brach über die Vorderläufe ein. Es kam noch einmal hoch aber nach weiteren ca. 10 Metern brach es zusammen und das Haupt sackte nach einigen Sekunden zur Seite.

Ich setze mich hin mit dem Rücken an einen Baum und beobachtete weiter durch das Glas. Mir lief der Schweiß in Strömen und das Adrenalin stand mir in den Ohren. Aber dieses Angehen an ein Stück Wild und diese Art des Jagens ist für mich immer wieder das höchste Erlebnis. Auch die Ansitzjagd hat seine Vorzüge, aber diese Erlebnisse gibt es für mich nur im direkten Angehen und Anschleichen an ein Stück Wild.
Der Treffersitz war ein klarer Kammertreffer und das Alttier wog 43 KG. Und ich war froh bei diesen Temperaturen, dass ich einen Sack mit Wechselbekleidung dabei hatte. An mir war kein einziges trockenes Stück mehr, dank der gefütterten Winterhose und der dicken Faserpelzjacke!

Waidmannsheil


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Zillertaler

Zillertaler

Alter: 53 Jahre,
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Kommentare

13.01.2014 13:53 taube54
Super geschrieben. Waidmannsheil
13.01.2014 13:58 pitter
Waidmannsheil! Schön beschrieben. Ein erfolgreiches Anpirschen ist wirklich immer das Größte!

Auch auf die Gefahr hin, als Oberlehrer und Spaßverderber tituliert zu werden: Ein Baum kann niemals ein ausreichender Kugelfang sein! Sogar in der Ausführung "Doppeleiche" nicht
13.01.2014 14:06 Zillertaler
pitter schrieb:
Waidmannsheil! Schön beschrieben. Ein erfolgreiches Anpirschen ist wirklich immer das Größte!

Auch auf die Gefahr hin, als Oberlehrer und Spaßverderber tituliert zu werden: Ein Baum kann niemals ein ausreichender Kugelfang sein! Sogar in der Ausführung "Doppeleiche" nicht


Im Grundsatz gebe ich Dir recht! Diese Doppeleiche hat einen Stammdurchmesser, der es sehr locker mit meiner WIN.308 Brennecke TUG aufgenommen hat. Zumindest sieht es auch der Einschlag des Geschosses so. Der Förster mag es anders sehen weil der Baum nun Aua hat. Da ich bei einigen Lehrgängen mit inkludierten Beschussversuchen die Wirkung und Durchschlagkraft von Geschossen und Restgeschossteilen erleben durfte, kannst du mir hier in diesem Fall Glauben schenken.
Für den Alltag gebe ich Dir zu 100% recht und würde diese Art des Kugelfangs auch nicht progagieren. Waidmannsheil
13.01.2014 14:23 pitter
Zillertaler schrieb:
Im Grundsatz gebe ich Dir recht! Diese Doppeleiche hat einen Stammdurchmesser, der es sehr locker mit meiner WIN.308 Brennecke TUG aufgenommen hat. Zumindest sieht es auch der Einschlag des Geschosses so. Der Förster mag es anders sehen weil der Baum nun Aua hat. Da ich bei einigen Lehrgängen mit inkludierten Beschussversuchen die Wirkung und Durchschlagkraft von Geschossen und Restgeschossteilen erleben durfte, kannst du mir hier in diesem Fall Glauben schenken.
Für den Alltag gebe ich Dir zu 100% recht und würde diese Art des Kugelfangs auch nicht progagieren. Waidmannsheil


Mit der Durchschlagskraft mag das ja stimmen. Glaube ich Dir unbesehen.

Das eigentliche Problem ist aber, ob das Geschoß bzw. alle Splitter auch wirklich den Baum treffen. Die Ausschuß-Splitter haben so eine "Streuung", dass ein Baum - und sei er noch so dick und stehe er noch so nah hinter dem Stück - diese nicht zuverlässig abfangen kann. Und außerdem besteht noch das Risiko von Abprallern, wenn das Geschoß oder Teile davon in einem entsprechenden Winkel auf den Baum treffen.
13.01.2014 14:32 Zillertaler
pitter schrieb:
Mit der Durchschlagskraft mag das ja stimmen. Glaube ich Dir unbesehen.

Das eigentliche Problem ist aber, ob das Geschoß bzw. alle Splitter auch wirklich den Baum treffen. Die Ausschuß-Splitter haben so eine "Streuung", dass ein Baum - und sei er noch so dick und stehe er noch so nah hinter dem Stück - diese nicht zuverlässig abfangen kann. Und außerdem besteht noch das Risiko von Abprallern, wenn das Geschoß oder Teile davon in einem entsprechenden Winkel auf den Baum treffen.


Auch diese Darstellung unterschreibe ich gerne. Durch den Rückwärtigen Bereich eines Eichenwaldes war soviel Splitterschutz wie nur irgendwie möglich gegeben. 100% Sicherheit hast du niemals, und ich habe oft genug den Finger gerade gelassen aus Gründen eines absolut nicht vorhandenen Kugelfanges. es gilt immer abzuwägen und nicht nur den Jagderfolg zu suchen. Aber in diesem Einzelfall bei mir habe ich eine überzeugte Entscheidung für die Schussabgabe getroffen. Aber trotzdem Danke für deine Anmerkungen, die die Wichtigkeit einer Betrachtung des "Hinterlands" nur unterstreichen.
13.01.2014 16:40 Berner
Das ist Jagd!!!
Weidmannsheil!
13.01.2014 20:49 KeilerHeinrich
Weidmannsheil!
Habe gestern auch einen Damspießer erwischt,
allerdings unspektakulär.
Die Bergung war allerdings auch schweißtreibend.
Ich werde langsam alt
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