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Flexibel zum Erfolg

In einer Stunde zur Sau ... (1 Eintrag)

ÜLK Sonntagmorgen Die erste Wiese, rechts Biotop
742 mal angesehen
13.01.2014, 08.20 Uhr

Flexibel muss man sein ...

Wer kennt das nicht, die Frage beim Vorstellungsgespräch „Nennen Sie 3 positive Eigenschaften und wenn möglich 3 negative Eigenschaften.“ Positive fallen einem meist schnell ein, aber die negativen, das ist so eine Sache. Ich führe meist als positive Aussage immer an, dass ich flexibel bin …
Jäger sollten ebenfalls diese Eigenschaft mitbringen, mal eben mit der Flinte an den Entenstrich, oder dem Bekannten schnell helfen eine Sau bergen. Am Wochenende zeigte sich, dass ich nicht der Einzige bin zuhause, der die Eigenschaft mitbringt.

Es war Samstagmorgen 12 Uhr, es klingelte an der Tür und meine Ex-Freundin war da. Sie wollte den Hund abholen. Der Hund ist mit meiner Ex Freundin groß geworden und freut sich immer wieder Sie zu sehen. Meist alle 2 Wochen am Wochenende, wenn nichts Großes ansteht. Der Schwanz vom Hund machte wieder die größten Drehbewegungen die man sich vorstellen konnte. Also schnell ins Auto und weg war der graue. Ich hab mich dann wieder der Hausarbeit gewidmet. Wischen etc. stand auf meiner „to do Liste“. Da ich meinte nachmittags fertig zu sein schrieb ich meinem Kollegen, der seit 2 Tagen wieder aus dem Urlaub da war. Wir hatten uns noch nicht gesehen, da bot sich eine gemeinsame Runde kirren an. Alle Neuigkeiten austauschen und Ansitze besprechen, wie auch ein bisschen über den Urlaub quatschen. Schnell per Fatzebook eine Nachricht geschrieben, wenn er nachmittags los geht soll er eben vorbei kommen.

In der Zwischenzeit hatte die Regierung weitere Punkte auf der „to do Liste“ ergänzt. Ich musste mich schon dran halten alles zu schaffen. Hochschwangere Frauen sind fast wie Bachen mit kleinen Frischlingen. Von jetzt auf gleich kann sich ihre Laune schlagartig ändern und wenn sie Hunger haben durchwühlen sie alles. Aber die Zeiger der Uhr drehten sich langsamer als gedacht und pünktlich um 15 Uhr war alles soweit fertig. Max kam dann aber doch erst um 15.30 Uhr. Wir wünschten uns ein „Frohes Neues und schöne Weihnachten gehabt zu haben“, dann ging es auf ins Revier. Mein Redefluss war schon sehr hoch, denn in 3,5 Wochen kann so einiges passieren im Revier, ein kurzer Auszug: 10 Gänse, 1 Hirsch, 1 Hirsch im Bach ertrunken durch Litze im Geweih, Sauen stark aktiv, ein guter Bekannter plötzlich verstorben, 1 Sau erlegt … die Liste war lang.
An der ersten Kirrung angekommen sahen wir schon vom Auto, dass nichts da war. Also ging es weiter zur nächsten die angenommen war. Allerdings hatte der liebe Pächter wieder gut gemeint und den letzten Rest aus dem Silo gekauft. Körnermais mit viel Staub und Bruchstücken. Beim geringsten Wasser wurde aus dieser Konstellation eine sehr feste stinkende Masse. Da würde ich als Wildschwein auch weiter laufen. Wieder ins Auto und auf zum nächsten Bereich. Unter der A3 drunter her, durch den Hochwald und ab auf den kleinen Wildacker, Kirrung angenommen, aber durch den Regen der letzten Tage wieder eine stinkende Masse. Also ein paar Meter weiter die Pötte sauber gemacht und neuen Mais rein. Aber auf den Wirtschaftsweg und zur großen Grünen Wiese mit der letzten Kirrung.

Schon von weitem sah man, dass die Wiesenschäden anders aussahen als gestern. Die Farbe stimmte von weitem schon nicht. Also Max unten rum und ich oben rum, wir waren uns einig, dass die Sauen hier letzte Nacht wieder frisch gebrochen haben müssen. Es war hier jetzt ein Schaden von 2000qm vorhanden war. Schon 2 Tage zuvor hatte ich angeregt nochmal durch angrenzende Dickungen zu gehen, solch eine Aktion hatten wir schon mal gemacht, Allerdings werden Keiler nicht ohne Grund alt. Denn dieser rannte exakt zwischen Autobahn und Schütze vorbei. Kein Kugelfang – kein Schuss. Max sagte dann zu mir „Wenn wir den beiden Pächtern davon erzählen, was hier wieder los ist gehen wir auf jeden Fall Morgen eben durch“. Das bejahte ich und holte das Handy aus der Tasche um einen von Ihnen über die Aktivitäten an den Kirrungen und Wechseln informieren wollte. Als ich das Handy am Ohr hatte vernahm ich irgendwelche Schatten. Ich drehte mich um und konnte es kaum glauben. Sieben Sauen rannten im lockeren Trab über die Wiese. 2 Bachen, 3 Frischlinge, 1 ÜLK und ein etwas kleinerer Keiler. Wir mussten die Situation erstmal realisieren und fanden schnell eine gute Lösung. Die Sauen rannten auf Ihrem Wechsel in Richtung des kleinen Biotops. Ich rannte so schnell ich konnte über den schlammigen Wirtschaftsweg, mit den dicken Schuhen am Fuß gar keine einfache Sache. Der Schlamm spritzte nur zu allen Seiten. Mein Ziel war die erste kleine Wiese, die die Sauen passieren mussten. Max kam langsam hinterher. Die Wiese erreichte ich genau beim Eintreffen der Sauen. Ein Foto war schnell möglich, doch das Biotop ist nicht breit. Also musste ich schnell weiter um abzusehen wohin es dann ging. „Das Beste wäre, wenn sie dort drin bleiben“, dachte ich mir. Rechts vom Wirtschaftsweg lag Stangenholz aufgestapelt. Ich muss ehrlich sagen, ich liebäugelte etwas damit dort drauf zu klettern, man weiß nie wo sie rauskommen und ob Gefahr von mir ausgeht.

An der Ecke, wo der Weg parallel zum Biotop geht und die Brücker unter der A3 ist kam ich schnell an, stellte mich auf das Holz und beobachtete die Kante. Nichts tat sich, wir hatten auch das Auto an der Kante abgestellt. Zu diesem Zeitpunkt zeigte die Uhr 16.10 Uhr. Mein Herz raste vom kurzen Spurt, schnell wieder das Handy aus der Tasche und den Pächter kontaktiert. „bist du grade bei der Niederkunft“, fragte er mich da meine Atmung etwas komisch am Telefon da. Schnell die Situation erklärt und gefragt ob es sich nicht mal lohnen würde dadurch zu gehen – sofort. Er war grade auf dem Geburtstag und wollte schnell den anderen Pächter anrufen und alles abklären. Er war grade beim Kuchen auf einem Geburtstag, flexibel?

Max und ich sind schnell zu den Autos, leise die Türe zu gemacht und ab zur Schranke. Auf dem Weg trafen wir noch eine junge Familie mit kleinen Kindern. Wir haben Ihnen geraten doch besser nicht bis zur A3 zu gehen, aufgrund der Sauen. Zuhause eben Waffen geholt und ab ging es wieder ins Revier. Kennt ihr das, wenn man zügig zu einem Termin muss und ein Opa mit Hut in einem alten E-Klasse Benz vor einem fährt …

Bernd der eine Pächter war schon da, Türen leise zu gemacht und eben die Situation erklärt (16.40 Uhr). In der Zwischenzeit kamen die beiden andern auch Erik und Karl. Erik war grade mit Karl unterwegs gewesen, so war Flexibilität gegeben. Wir waren uns schnell über die Stände einig, sowie Freigabe auf 5 Stücke, außer die grauen Bachen. Erik, Karl und Bernd stiegen ins Auto und postierten sich an den Hauptwechseln. Wenn man das Revier kennt, weiß man wohin die Reise geht. Max und ich haben uns vorher abgesprochen, er sollte diagonal reinkommen und ich parallel zur A3. Der Anruf von Karl kam und es ging los. Mein Puls war leicht angestiegen, war es doch die Spannung, ob sie noch da sind und ob wir was bekommen. Schäden war mehr als genug da, doch Sauen an den Schadstellen zu erlegen schwierig. Max machte die erste graue alte Bache hoch, sie rannte nach vorne weg. Alsbald machte sich eine weitere graue Bache nach vorne auf. Sieben minus zwei macht fünf. An dieser Stelle war ich schon etwas weiter. „Die müssen hier drin sein dachte ich mir“, also bin ich nochmal etwas zurück und habe meine Geräuschkulisse verstärkt. Auf einmal dachte ich die Dornen leben und ein Klotz machte sich auf das Biotop auf dem Rückwechsel zu verlassen. Kurze Zeit später der erste Schuss von Erik. Getrieben von Spannung und einer winzigen Rechnung im Kopf ging es weiter zurück. Zwischendurch immer Blickkontakt zu Max. Wieder lebten die Dornen vor mir, als 4 Sauen vor mir hoch sind. Schnell backte ich an, nahm die Sau ins Ziel und in einem winzigen Raum wo nichts stand ließ ich fliegen. Wenige Zeit später fielen wieder Schüsse aus Richtung Bernd. Ich war mir unsicher ob ich getroffen habe, kurze Distanz etc..

Schnell wieder gerechnet und die Summe sagte, das war´s. Es fielen aber noch Schüsse in der Zwischenzeit. Es muss eine oder mehrere Sauen bei Karl angekommen sein. 2 Schüsse fielen. Ich machte mich auf in Richtung kleine Wiese, Max hatte leider keine Möglichkeit zu Schuss zu kommen. Bernd sagte, dass er 3 Schüsse abgegeben hat. Einen Schuss auf den ÜLK und 2 weitere auf die starken Frischlinge. Auf dem Weg zu Bernd fand ich schon einen Kugelriss, was nichts heißen muss (17.00 Uhr). Karl meldete sich, er hatte eine Sau liegen, aber etwas schwereres. Bernd wusste wo die Sauen rein gewechselt sind und wir suchten kurz nach Schweiß. Auch die vermutlichen Anschüsse haben wir markiert. Bernd telefonierte schon mit dem Schweißhundeführer und erklärte ihm die Situation. Wir gingen über den Weg zu Karl um ihm beim Bergen zu helfen. Am Stand von ihm lag ein Überläuferkeiler von ca. 70kg. Es war der, der uns beim ersten Mal entwischt ist. Eben zum Auto gezogen, wo auch Bernd dann war. Sonntagmorgen um 08.30 Uhr Nachsuche, jeder der einen Schuss abgegeben hat soll kommen, es mussten 5 Schüsse geklärt werden. Schweiß haben wir nicht gefunden. Karl hat auf den Keiler 2 mal geschossen, einen kurz hinter das Blatt und einen etwas weiter hinten. Sonst war nichts zu sehen. Der ÜLK wurde versorgt und ins Kühlhausgehängt.

Am Sonntagmorgen ging es um halb 9 wieder in Richtung Revier. Es war ein sehr schöner Morgen, es war reif in den Wiesen und die Sonne kämpfte gegen den Nebel an. Der Nachsuchenführer war mit seinem Begleiter schon da. Ich bedankte mich für das kommen, der eine von Ihnen meinte „passt mir gut, meine Schwägerin hat Geburtstag“. Der Hund verwies bei den Anschüssen auf der Wiese der Frischlinge keinen Schweiß. Lief aber etwas weiter hinten in den Busch und der Begleiter fand Schweiß. Auf der Fährte ging es weiter, die Richtung passte laut Bernd mit der des ÜLK. Der Nachsuchenführer kam auch an der Stelle an wo der ÜLK gelegen hat und wünschte Bernd ein Waidmannsheil, da er den ersten Schuss gemacht hat auf den Keiler. Zurück zu der Wiese sind wir an der Autobahn entlang (alles eingezäunt). Auf der Wiese zog der BGS auf einmal in Richtung Biotop, aus der die Sauen gekommen sind. Beim Eintritt in das Biotop auf einem Wechsel fand der NSF wieder Schweiß. Ich war mir einen Tag zuvor sehr unsicher gewesen, ob ich getroffen habe. Auch zeigte der Keiler beim passieren beider Schützen keine Auffälligkeiten. Aber es war eindeutig, kein weiteres Stück kam aus diesem Wechsel raus und ich hatte auf jeden Fall einen Schuss abgegeben. Der letzte vermeintliche Anschuss ergab ebenfalls keinen Treffer. So wie es aussah musste der NSF doch noch zur Schwägerin, da wir erst 10 Uhr hatten. Bernd hat die beiden aber noch auf einen Kaffee und ein Brötchen eingeladen, bei diesem kleinen Frühstück kam dann doch noch der Anruf und die Bitte um eine Nachsuche.

Ich erfreue mich über solche Situationen und mit ein bisschen mehr Glück hätten wir eine Sau mehr haben können. Doch was ist schon dieses „haben können“ wert. Wenn man eine Sau auf der Strecke hat für eine kurze erfolgreiche Situation, wo keine weiteren Sauen krank geschossen worden sind. Es ist Klasse, wenn man auch privat flexibel sein kann …
Wo mein Schuss auf der Sau ist wird sich zeigen, Waidmannsheil gebührt Karl. Der die Sau womöglich erlöst hat. Jedoch bin ich gespannt, wenn die Sau aus der Schwarte geholt wird…

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Kommentare

13.01.2014 10:14 JanHC
Ja dann Waidmannsheil, lustig die Story hat mir der besagte Hundefürer samt Begleiter auch Sonntags erzählt.....scheinen in der selben Ecke zu jagen ;)
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