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Eine Mutter mit vielen Töchter...

30-06 Varianten (1 Eintrag)

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10.01.2014, 11.28 Uhr

30-06 Varianten

„30-06“, eine Mutter mit vielen Töchtern
Wer bei „30 Null Sex“ an eine lustlose Dreißigjährige denkt, liegt völlig falsch. Dieses Kürzel bezeichnet vielmehr eine uramerikanische Büchsenpatrone, die metrisch als 7,62 x 63 bekannt ist. Nun ist hier nicht daran gedacht, die Geschichte eines weltweit bekannten Kalibers zum x-ten Male aufzuwärmen, vielmehr soll einmal auf deren zahlreiche Abkömmlinge eingegangen werden.

Deutsche Vorbilder
Das Kaiserreich stellte Ende des 19. Jahrhunderts, zusammen mit dem Gewehr 88, eine neue Patrone in Dienst. Vom Kaliber her waren die Franzosen mit ihrer 8 mm Lebel zwar etwas schneller, verwendeten jedoch immer noch eine Rand-hülse. Die deutsche Gewehrkommission leitete mit der Entwicklung der rand-losen Patrone, die heute als 8 x 57 J, bzw. JS, bekannt ist, eine Epoche neuer Militär- und Jagdpatronen ein, die noch heute nachwirkt.
Der Verwandtschaftsgrad der einzelnen Kaliber wird anhand der Bodenform und dem Durchmesser (DM) P 1 (über der Auszieherrille), mehr noch am Boden-DM der Hülse ermittelt, im speziellen Fall auf dem Maß „R 1“ von 11,95 mm. Darauf basiert eine Unzahl anderer Patronen in den unterschiedlichsten Kalibern und Hülsenlängen, von der kleinen 5,6 x 57 bis zur dicken 9,3 x 62.
Die U.S.A. lösten 1903 die damalige Randpatrone 30-40 Krag durch die rand-lose 30-03 Springfield ab, die mit einem 14,4 g schweren die Rundkopf-geschoss geladen war. Ein Jahr, nachdem Deutschland die Form und Gewicht des 8 mm - Geschosses geändert hatte, machten die Vereinigten Staaten den gleichen Schritt und stellten 1906 ebenfalls auf ein leichteres Spitzgeschoss um. Fortan hieß die Patrone 30-06 Springfield, auf deren Boden-DM von .473 (12,01 mm) fast noch mehr Nachfahren basieren, als auf ihrer Schwester vom Alten Kontinent. Nach militärischem Usus wurde mit .30“ die Bohrung von 7,62 mm, also der Feld-DM bezeichnet, während das Geschoss mit .308“ 7,82 mm misst.

„06“: Thema mit Variationen
Während in Europa die bekanntesten Kaliber auf die Waffen- und Munitions-industrie zurückgehen, von wenigen Büchsenmacher-Patronen einmal abgesehen, haben sich in Amerika schon frühzeitig Schützen und Jäger mit der Entwicklung neuer Kaliber befasst. Zwar wurde nahezu jede Patrone in irgend einer Weise „vergewaltigt“, die 30-06 schlägt jedoch die Konkurrenz um Längen.
Leute mit einem ausgeprägtem Munitionsfimmel wurden schon bald als „Wildcatter“ bezeichnet und ihre Geisteskinder dementsprechend als „Wildcats“, was sich mit Wildkatze nur unzureichend übersetzen lässt.
Geht man von Kreationen aus, die sich der annähernd gleichen Hülsenlänge bedienen wie die 30-06, stößt man auch auf Kaliber, die eine direkte Abstammung, zumindest von der heutigen Bezeichnung her, gar nicht vermuten lassen.

25 - 06 Remington
Für mittelstarkes Wild und als Weitschuss-Varmintpatrone vom amerikanischen Munitionspabst A.O.Niedner konzipiert, wurde sie nach einer ungewöhnlich langen Zeit von fast 50 Jahren standardisiert. Remington übernahm dabei die Urform der lediglich auf .257 eingezogenen Hülse der 30-06.
Auf eine Lauflänge um 60 cm laboriert, reagieren progressive Pulver in kurzen Läufen mit ausgeprägtem Blitz und Donner. Mit etwas „schnelleren“ Treib-ladungsmitteln lassen sich diese Mündungserscheinungen jedoch reduzieren. Die drei großen US-Hersteller, Federal, Remington und Winchester, bieten bis zu sechs Laborierungen an. Außerhalb der Staaten wird die Patrone nicht hergestellt.
Mit Geschossgewichten von 4,9 bis 7,8 g lässt sich ein großer jagdlicher Einsatzbereich abdecken, der die 25 - 06 vom hamstergroßen Präriehund bis hin zum 125 kg schweren Maultierhirsch verwendbar macht. Auf hiesige Verhältnisse übertragen, wäre die Verwendung von Fuchs über Reh bis Gams besonders dann sinnvoll, wenn auf größere Entfernung zu schießen ist, liegt doch die GEE bei 200 bis 210 m.
Am ehesten ist sie leistungsmäßig mit der 6,5 x 57 zu vergleichen, obwohl diese eine wesentlich kürzere Hülse hat. Von Aussehen her, entspricht sie jedoch mehr der noch jungen 6,5 x 65 von RWS, deren 8,2 g schwere Geschosse eine E° von 3500 Joule entwickeln. Die Amerikanerin kommt dagegen nur auf 3150 Joule.
Die meisten amerikanischen Viertelzoll - Kaliber, wie 250 Savage oder 257 Roberts, haben einen Geschoss-DM von 6,55 mm, während unsere „6,5er“ 6,70 mm messen. Beide stellen nach dem BJG das Mindestkaliber für alles Schalenwild dar, denn auch die E100 der 25 - 06 liegt bei mindestens 2500 Joule. Der „Unbekanntheitsgrad“ hält sich in den jeweiligen Ländern die Waage, denn die 25er - Kaliber sind hier genauso wenig verbreitet, wie „drüben“ die dickeren europäischen 6,5er.

270 Winchester
Wenngleich bei dieser Patrone das Anhängsel „06“ vermisst wird, kann sie mit einer reinrassigen Abstammung von der Springfield aufwarten. Die Hülse weist, wie schon die 25-06, mit 17½° exakt den gleichen Schulterwinkel der 30-06 auf. Von der Verbreitung her, ist sie eine der beliebtesten Jagdpatronen in den USA und erfüllt ihre Aufgabe am zuverlässigsten auf bis zu 200 kg schweres Wild. Dessen ungeachtet werden mit ihr auch Wapiti, Elch und (Schwarz-) Bär sowie afrikanische Antilopen bejagt.
Die hervorragende Rasanz rückt die GEE auf rund 190 m. Gleiches Geschoss-gewicht vorausgesetzt, ist die QB und damit die Außenballistik etwas besser, als bei der Mutterpatrone. In der Leistung entspricht die 270 Winchester weitgehend unserer 7 x 64, steht in Deutschland allerdings weit hinter dieser zurück. Im Gegensatz zu ihrer kleinen Schwester, der 25-06, wird die 270 von den meisten europäischen Munitionsfirmen in mehreren Laborierungen gefertigt.
Die 270 Winchester ist wie die 7 x 64 für das vergleichsweise schwache Rehwild unnötig stark. Nachdem das Schwarzwild sich immer mehr verbreitet und anderes stärkeres Schalenwild meist gleichzeitig mit bejagt werden kann, stellt die 270 eine angemessene Patrone dar. Selbst mit schweren Geschossen liegt die V100 mit rund 800 m/s außerhalb einer „milden“ Wirkung.
Nicht zuletzt der Einsatz in den Dokus „Sauenfieber“ durch einen blaublütigen Jäger, hat die Patrone in den Fokus von Jägern gerückt, die glauben damit erfolgreicher zu sein, als mit ähnlichen Jagdpatronen.

280 Remington
Eine Jagdpatrone, die in Europa nur von der RWS und Norma gefertigt wird. Vergleicht man z.B. die ballistischen Daten der RWS-Laborierung mit dem 10,5 g TIG, liegen die Werte der 7 x 64 etwas höher. Mit einem Geschoss-DM von .284""/7,23 mm ist die 280 Remington ein „echtes“ 7 mm - Kaliber. Um den Absatz zu steigern, war während einer kurzen Periode die Patrone sogar als 7 mm Remington Express auf dem Markt. Die damit verbundene Konfusion veranlasste Remington jedoch, die alte Bezeichnung „280 Rem.“ wieder zu verwenden. Als rein amerikanisches Kaliber, spielt sie in diesseits des Großen Teiches keine große Rolle und unterliegt auch zu Hause der weit beliebteren 7 mm Remington Magnum.

35 Whelen
Eine Patrone, der die Ehre der Standardisierung ebenfalls recht spät zu Teil wurde. 1922 von James Howe entwickelt und nach dem berühmten Jäger, Autor und Waffenspezialisten Col. Townsend Whelen benannt. Bis auf die Auf-weitung des Hülsenhalses sind die Hülsenmaße der 30-06 unverändert über-nommen worden. 1987 brachte Remington die Patrone auf den Markt.
Die CIP - Zulassung von 1992 hat den maximalen Geschoß- auf 9,12 festgelegt, während der SAAMI - Standard .358/ 9,09 mm beträgt. Damit entspricht sie einer 9 x 63. In unserer 9,3 x 62 hat sie eine dominierende Konkurrenz, die wiederum in Nordamerika eine eher bescheidene Rolle spielt. Gegenseitig geben sich beide Patronen nicht viel nach, wenngleich die 9,3 x 62 leicht überlegen ist.
Für europäische Verhältnisse wird die „Whelen“ auf starke Arten, wie Rot- und Schwarzwild, am zweckmäßigsten eingesetzt. Mit dem 14,6 g schwerem Trophy Bonded Geschoss beträgt die E100 der Federal - Laborierung 3500 Joule. Die Remington-Patrone kommt mit dem 16,2 g Geschoss auf 3600 Joule, hat aber mit einer GEE von knappen 150 m eine etwas geringere Rasanz.

Aktuelle „Wildcats“
Auf der Basis der 30-06 sind fast noch zahlreicher, als die in den Adelstand kommerzieller Fertigung aufgenommenen Kaliber. Allein die mit dem Zusatz „06“ versehenen Geisteskinder, lassen praktisch keinen Geschoss-DM unberücksichtigt. Jeder Patronen - Freak, der etwas auf sich hält, entwickelt „seine“ Patrone, von der er glaubt und hofft, dass sie einmal in den Katalogen der Munitionshersteller erscheint. Nur wenige sind allerdings erfolgreich.
Die simpelste Modifizierung einer vorhandenen Hülse besteht durch Aufweiten oder Einziehen des Hülsenhalses. Nach diesem Muster sind, bis auf die 280 Rem., auch alle standardisierten Hybriden der 30-06 gestrickt. Irgendwo hat alles seine Grenzen, wie die 400 Whelen mit ihrer nur noch angedeuteten Schulter beweist. Dadurch entstehen Probleme hinsichtlich des Verschluß-abstandes, den rand- und gürtellose Patronen bekanntlich über die Schulteranlage bilden.
Verlegen der Hülsenschulter und deren Winkel, durch Zurückdrücken oder Ausblasen, sind schon wieder weitergehende Modifizierungen. Allein wenn diese Methoden nicht zur Anwendung kommen, zeigt nachstehende Tabelle die beachtliche Zahl an „Stiefkindern“ der 30-06. Dessen ungeachtet sind noch einige Kaliber unterhalb der 338-06 im Umlauf

Ein wesentlicher Vorteil dieser zu den Mittelkalibern zählenden Patronen besteht darin, dass die Boden-DM der Hülsen der 88er - Patrone und der 30-06 nahezu identisch sind und daher die Verwendung im 98er - System möglich ist. Die Minimalmaße des Stoßbodens von 12,00 zu 12,04 haben dafür ausreichende Toleranz.

Die eingangs erwähnten Kaliber sind nur im Rahmen des Themas umrissen. Eine detaillierte und umfassende Beschreibung hinsichtlich Wirkung, Präzision, fabrikmäßiger und wiederladebezogener Abhandlungen zu geben, war weder Sinn noch Absicht. Es wird nicht ausbleiben, dass die Jägerschaft mit einem weiteren Kaliber dieser Kategorie beglückt werden wird, das sich für einen besonderen Zweck noch besser als alle bereits vorhanden eignen soll. Nehmen wir es gelassen zur Kenntnis, aber Stillstand bedeutet nun einmal Rückschritt, auch wenn Jäger gerne am Althergebrachten hängen. Was anderseits so viele Jahre weltweite Bewährung gefunden hat, kann aber so schlecht nicht sein.
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SirHenry

SirHenry

Alter: 80 Jahre,
aus Fürth
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Kommentare

10.01.2014 12:00 Krico700
und wieder was dazu gelernt....danke
11.01.2014 06:09 Bodo_XJ
Gefällt mir wirklich gut.
Ein 'trockenes' Thema gut lesbar beleuchtet, ohne unnötige Detailverliebtheit. Subjektiv ist das Thematik 'Wildcats' vielen Jägern unbekannt.
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