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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Herbstjagd-Freuden 1 Rundblick Drückjagdstand Überläufer-Keilerchen
442 mal angesehen
09.01.2014, 22.04 Uhr

Ein perfekter Jagdtag

Anfang November war’s als ich wie fast jährlich der Einladung zur Drückjagd eines Jagdfreundes folgen durfte. Da sein Revier recht nah bei meinem lag und die Zeit es zuließ, gedachte ich, einen Morgenansitz vorangehen zu lassen.
So kam es, dass ich gegen viertel nach sechs neben dem Auto an einer markanten Stelle im Revier stand, um Wind und Wetter erneut zu prüfen. Viele Wald-Feld-Sitze fielen raus, da der stark böige Wind mit regelmäßigen Regenschauern den Aufenthalt dort nicht nur für den Jäger sondern auch für das Wild zu ungemütlich machte. Überhaupt dieser Wind… wo ich doch den beschaulichen Ansitz bei möglichst Windstille liebe… Die Temperaturen ließen mit fast zehn Grad ebenfalls die gewünschte weiß überhauchte Natur vermissen… Eines Waidmanns Katzenjammer!

Aber was hilft’s, wenn man trotzdem Beute machen möchte? Also rein in den Wald, rein in die Einstände, rein ins Wohnzimmer. Vielleicht war mir trotz des Un-Wetters Diana doch noch hold.

An einem älteren Windwurf stand ein Hochsitz, der auch weiten Einblick auf den schnurgerade hier vorbeiführenden Waldweg mit einigen Eichen-Persönlichkeiten bot. Wenn auch der Schlag weitestehend zugewachsen war, so hoffte ich doch bei diesem Wetter vielleicht einen Balg- oder Schwartenträger zu begegnen frei nach dem Motto: Glatter Gang, glatter Fang. Vielleicht würde aber auch ein Hase zu Holze rücken. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Schnell also den Wagen geparkt und die sieben Sachen für den Ansitz gepackt. Wenig später saß ich in meinem warmen Lodenmantel gehüllt oben und konnte mich endlich entspannen. Dem Wettergott schien es ähnlich zu gehen und so legte sich der die Wipfel zausende Wind ein wenig und sogar der Himmel riss auf und zeigte einige Streifen schönsten Dunkelblaus.

Langsam dämmerte der Tag heran und mein Blick ging den Waldweg hoch und runter. Ein Rotfuchs auf Morgenpirsch, ein über den Weg wechselndes Stück Rehwild… die Büchse in .30-06 stand griffbereit in der Ecke. Die Erinnerungen wanderten zurück an einen hier verbrachten Maimorgen, der mir mit euphorischen Grün und einer tonnenförmigen Rehdame schwer imponierte. Wie im Urwald kam ich mir damals vor, so piepte und tirilierte es von jedem Baum, aus jedem Busch. Einfach wunderbar. Jetzt begann die Natur sich in Braun- und Beigetöne zu wandeln, nur noch die Brombeere lieferte einige grüne Sprenkel. Ein plötzliches Rauschen hinter mir im Laub des Waldes riss mich aus meinen Erinnerungen. Genau so schnell wie das Geräusch entstanden war, brach es auch wieder ab. Sachte glitt das lichtstarke Doppelglas an die Augen und wanderte den Wegesrand entlang, um im immer noch grauen Schatten der Eichen eine leichte Bewegung auszumachen. Einfach faszinierend, die Tarnung des Rehwildes im Winterkleid. Langsam schob sich da ein Stück auf dem Weg vorwärts, die in der Fahrrinne liegenden Eicheln äsend. Was aber war es?

Zunächst einmal wartete ich auf Nachzügler. Als weiblich hatte ich es bereits angesprochen. Das kurze Haupt ließ mich am ehesten auf ein Schmalreh schließen. Die Minuten vergingen und das Stück äste sich den Weg hoch und runter unter den Eichen. Kein Kitz folgte, es musste ein Schmalreh sein und so ging der Lauf der Büchse langsam über die Kanzelbrüstung. Auf diese Entfernung von vielleicht vierzig Metern sollte die Erlegung kein Krimi werden… denkste!

Spitz von vorne, spitz von hinten… bei so einer Gelegenheit möchte man natürlich einen Küchenschuss anbringen… spitz von vorne… das konnte doch nicht sein. Zunehmend kam Unruhe in das Stück, sicher würde es gleich in dem Wald zurück wechseln. Genauso stieg die Spannung in mir. Würde es noch gelingen? Jetzt zog die Schmale hinter eine Grasbülte am Wegesrand, wendete und wollte wohl doch noch einmal Nachlese halten. Donnernd verließ die .30-06 den Lauf und fällte das Stück im Knall. Zufrieden durchatmend entspannte ich und stellte die Waffe wieder an ihren Platz. Perfekt. Lag. Waidmannsheil. Nur kurz verweilte ich noch, stieg dann ab von meiner hohen Warte und verrichtete schnell die rote Arbeit. Herz, Leber und Nieren wanderten in den Beutel für den kulinarischen Nachgenuss. Wunderbare Jagd wie ich sie liebe…

Nicht lange danach saß ich in der Jagdhütte meines Freundes und konnte mit Mettbrötchen und Kaffee den Tag beginnen, während das Schmalreh draußen auskühlte. An die dreißig Jäger versammelten sich um auf Schwarz- und Rehwild zu jagen. Wachtel und Bracken bildeten die mitjagenden Hunde. Der Tag konnte beginnen.

Ein Mitjäger des Reviers wies mich zu meinem Stand ein und ich ahnte bald, dass er es offensichtlich gut mit mir meinte. Im lichten Buchenwald gelegen grenzte linkerhand eine Fichtendickung an. Vor mir, von Büschen verdeckt, verlief der Zaun eines kleinen Gatters, welcher das Wild zwang, entweder bei mir oder oberhalb bei meinem Nachbarschützen durch zu wechseln. Schon beim Angehen fiel mein Augenmerk auf einen gut angenommenen Wechsel gerade einmal dreißig Meter quer vor dem Drückjagdsitz. Na dass konnte ja was werden. Nach dem Laden machte ich es mir gemütlich. Gejagt wurde nach der Uhr und das Treiben sollte drei Stunden dauern.

Wie so oft wurden meine wilden Erwartungen zunächst einmal gedämpft. Ruhig blieb es. Nur das leise Rufen der sich langsam nähernden Treiber sowie der ein oder andere Schuss bildeten ein wenig Abwechslung. Bei mir blieb es ruhig, sehr ruhig. Kein sich leise aus dem Treiben stehlender Schwarzkittel, nicht der berühmte Rotfuchs, der gerne die Vorhut der Sauen bildet… Null. Immerhin klarte das Wetter weiter auf und ich wurde sogar mit einigen Sonnenstrahlen verwöhnt. Plötzlich vernahm ich einen sich nähernden Hundelaut. Manchmal vermag man auch als Nicht-Hundeführer am Klang des Lauts zu erkennen, an welchem Wild hier gejagt wurde und entsprechend meiner Einschätzung erschien urplötzlich am Rand der Fichtendickung ein Stück Rehwild, welches ich schnell als jungen Bock ansprach. Runter also die Büchse. Der Bock machte einige Wiedergänge und verschwand wieder, ich konnte dann die Bracke beim Ausarbeiten der Fährte beobachten. Immer wieder eine feine Sache. Plötzlich bemerkte ich eine weitere Bewegung weiter oben… nur ein Huschen war’s zwischen den Büschen… mein Instinkt sagte mir, dass ich ein Reh vor mir hatte, welches hier seinen Einstand hatte und auch die Drückjagdsituation genau kannte. Ruhig und bedacht brachte es sich in Sicherheit. Na Horrido! So soll es sein.

Mittlerweile waren die Treiber bei mir angekommen und passierten meinen Stand. Viel zu berichten gab es noch nicht. Weiter ging es also und ich konzentrierte mich wieder… als ich plötzlich den Ruf hörte: Reh zurück! Und da kam es auch schon auf besagtem Wechsel. Es hatte sich offenbar überlaufen lassen und trollte ohne besondere Eile zurück ins Treiben. Das musste das vorher mehr geahnte als gesehene Stück gewesen sein. Das Ansprechen als Ricke ging mit dem bloßen Auge innerhalb Sekunden, das Hochnehmen der Büchse und der leise Pfiff waren eins. Wie ein Vorstehhund verhoffte das Stück in einer Lücke zwischen den Bäumen und hat sicher den Knall nicht mehr gehört. Nach wenigen Fluchten verendete es in Sichtweite. Ein wenig Wehmut schwang mit bei der Freude, das Stück sauber erlegt zu haben. Bald aber war ich mit den Gedanken wieder voll bei Hundegeläut und Treiberruf. Erneut ein sauberes Waidmannsheil! Welch ein Tag!

Besser konnte es also nicht mehr kommen. Ich genoss die Natur, sogar die teilweise recht ruppigen Windstöße, welche hie und da durch die Bäume fuhren… Schön!

Wenn man solch guten Anlauf gehabt hat (für meine bescheidenen Verhältnisse), dann geht man alles weitere gelassen an. Und wenn man diese Gelassenheit hat, dann gehen viele Dinge deutlich leichter von der Hand… Das merkte ich eine viertel Stunde später. Ruhig war’s geworden um mich herum. Nur in der Ferne vernahm man noch ab und zu Kugelschuss und Hundegeläut. Plötzlich gewahr ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung am linken Dickungsrand. Eine Sau trabte vielleicht fünf Meter in den Hochwald und verhoffte dann – scheibenbreit!

Was hatte sie misstrauisch gemacht? Der Wechsel von dunkel zu hell? Eine unachtsame Bewegung meinerseits? Der Wind stand weiterhin in meinem Gesicht... Wie in Zeitlupe ging die Waffe hoch, stieg die Spannung, bei mir – aber wohl auch bei der Sau… das Erlebnis gipfelte im Blick durch das vierfach vergrößernde Zielfernrohr, dass mir das prachtvolle Stück zeigte… herrliche Winterschwarte… um die fünfzig Kilo… und das unter dem Bauch waren keine Striche sondern ein buschiger Pinsel… BAUTZ!

Im spannungsentladenden Knall warf es die Sau herum und ab ging es zurück in die Fichten. Wenn ich auch leicht verdutzt war, so hatte doch das Absehen sauber hinter dem Blatt gestanden. Das Keilerchen hatte die Kugel! Aber abwarten, abwarten… und den Anschuss merken…

Es dauerte nicht lange, da kam ein einsamer Treiber bei mir vorbei: mein Ansteller, der die Dickung erneut drückte. Ihn bat ich, doch einmal einen Blick auf den Anschuss zu werfen. Wie schon fast erwartet: er fand nichts. Dann beschrieb ich ihm die ungefähre Fluchtfährte des Stückes… und nach vielleicht zehn Metern hob er den Arm: „Waidmannsheil!“ klang es in meine Ohren… welch‘ eine Freude… welch‘ eine Freude…

Der Rest ist schnell erzählt. Nach der Jagd baumte ich ab und konnte meine Beute in Besitz nehmen, von der mich das prächtige Keilerchen am meisten freute. Während Jagdfreunde zum Bergen herbei eilten, verweilte ich kurz bei dem verendeten Schwarzkittel und machte ich mich schon ans Aufbrechen. Mit vier Jägern brachten wir Beute und Ausrüstung zur Jagdhütte. Großes hallo, große gemeinsame Freude! Ein perfekter Jagdtag!
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

10.01.2014 07:00 taube54
Danke für den super Beitrag.Sehr gut geschrieben.Ich glaubte fast, ich war dabei.
10.01.2014 08:02 Rapsjaeger
Weidmanns Heil! Ja, so ein gemütlicher, nicht überladener Drückjagdtag, das ist schon was...!

Und wenn am Ende auch die Strecke stimmt...was will man mehr!

Grüße von der sturmgebeutelten Insel. Der Wind soll abflauen! Dann geht´s heute nacht raus...
10.01.2014 10:08 Berner
Schön erzählt - dreifaches Weidmannsheil!
10.01.2014 15:16 kong
Ein donnerndes WMH und vielen Dank.

Endlich mal wieder ein niveauvoller, mitreissender und spannender Blog, der Spaß macht zu Lesen nach all den Dreizeiler Blogs alá "Huhu, ich bekomm nen Welpen" oder "Hihi, ich haben den Hund heute das erste Mal gesehen" oder den Blogs mit dem Tenor "mein Buch verkauft sich nicht so gut, daher hier mal ne Leseprobe".

Schade finde ich auch, dass Dein überaus lesenswerter Blog nun schon in die zweite Reihe weichen musste und das auch noch für Werbung und nen Blog wo jemand ganz zwingend sein ganzes Fachwissen an den Mann bringen muss...
13.01.2014 11:53 swinging_elvis
taube54 schrieb:
Danke für den super Beitrag.Sehr gut geschrieben.Ich glaubte fast, ich war dabei.

Gerne! Waidmannsgruß! El
13.01.2014 11:58 swinging_elvis
Rapsjaeger schrieb:
Weidmanns Heil! Ja, so ein gemütlicher, nicht überladener Drückjagdtag, das ist schon was...!

Und wenn am Ende auch die Strecke stimmt...was will man mehr!

Grüße von der sturmgebeutelten Insel. Der Wind soll abflauen! Dann geht´s heute nacht raus...

Waidmannsdank! Recht hast Du. Das "action-packed" Jagen ist nicht so meins...
Wetter bei uns auch bescheiden... Hoffe, Du hattest Erfolg! El
13.01.2014 12:01 swinging_elvis
kong schrieb:
Ein donnerndes WMH und vielen Dank.

Endlich mal wieder ein niveauvoller, mitreissender und spannender Blog, der Spaß macht zu Lesen nach all den Dreizeiler Blogs alá "Huhu, ich bekomm nen Welpen" oder "Hihi, ich haben den Hund heute das erste Mal gesehen" oder den Blogs mit dem Tenor "mein Buch verkauft sich nicht so gut, daher hier mal ne Leseprobe".

Schade finde ich auch, dass Dein überaus lesenswerter Blog nun schon in die zweite Reihe weichen musste und das auch noch für Werbung und nen Blog wo jemand ganz zwingend sein ganzes Fachwissen an den Mann bringen muss...

Waidmannsdank!
... manchmal ist die 2te Reihe auch nicht so schlecht... RoQ, el
23.01.2014 12:12 Chinchilla
Schön erzählt!
Kopfkino inklusive
Nachträglich ein dickes Waidmannsheil!
24.01.2014 11:05 swinging_elvis
Chinchilla schrieb:
Schön erzählt!
Kopfkino inklusive
Nachträglich ein dickes Waidmannsheil!

Waidmannsdank!
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