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Quintessenz

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09.01.2014, 10.47 Uhr

Leseprobe


Quintessenz
Meine Einstellung zur Jagd habe ich in folgende Punkte gefasst, wobei ich schon jetzt um Nachsicht bitte. Jagt doch jeder von uns irgendwie auf seine eigene Art, weshalb ich nur für mich sprechen kann.

Ich jage, so oft es mir nur möglich ist, und es macht mir Freude, mich mit den scharfen Sinnen des Wildes zu messen. Es macht mir Freude, in unserem dicht besiedelten Land noch so viel unterschiedliches Wild beobachten zu können. Ich bemühe mich mit meinen bescheidenen Möglichkeiten die freilebende Tierwelt zu schützen.

Ich versuche als Jäger, diejenigen Beutegreifer zu simulieren, die sich in unserem Lande auf Grund der enormen Bevölkerungsdichte nicht mehr halten können. Ich bekämpfe keine Wildart, sondern ich bejage den Fuchs, das Schwarzwild oder die Rehe, genau so wie jede andere Wildart. Die Möglichkeit scheues vitales Wild zu erlegen, das ein Beutegreifer höchst selten packen könnte, bedeutet für mich nicht, dies rigoros auszunützen.

Noch nach fünfzig Jahren aktiver Jagd lerne ich ständig dazu und versuche, meine Erfahrungen weiterzugeben. Es macht mir Freude, meine Ansicht über die Jagd mit Anderen teilen zu können, seien sie nun selbst Jäger oder nicht.

Ich jage gerne, ohne dies mit Schießen gleichsetzen, schieße daher auf Wild weit seltener, als ich darauf jage. Um Wild möglichst tödlich zu treffen, arbeite ich an meiner Schießfertigkeit. Wenn ich auf Wild ziele, gelten meine ganzen Bemühungen und Vorbereitungen einem guten Treffer. Bedenken kommen vorher, nicht nachher. Wenn die Aussicht gering ist, gut zu treffen, unterlasse ich den Schuss, was auch für gefährliche Situationen allgemein und auf alles und überall gilt.

Ich bin nicht stolz darauf, eine gute Trophäe erbeutet zu haben, wenn ich für deren Güte nichts zu leisten hatte oder das Stück nicht erjagt, sondern simpel totgeschossen habe. Schieße ich – aus welchen Umständen auch immer – Wild krank, tue ich alles, um die dadurch entstandenen Leiden abzukürzen. Es käme mir nie in den Sinn, einen Schlumpschuss aus Angst um meinen Ruf zu verschweigen oder abzustreiten.

Ich trachte auch im Ausland stets danach „anständig“ zu jagen, ohne die dortigen Bräuche zu kritisieren. In meinem Umfeld versuche ich Verständnis für die Jagd zu wecken. Ich bin im Spannungsfeld von Jagd, Land- und Forstwirtschaft immer um einen fairen Ausgleich bemüht und achte darauf nicht das eine vor das andere zu stellen. Mein Interesse gilt auch dem Jagd- und Waffenrecht, der Jagdhundehaltung, dem Schießwesen, dem Brauchtum und dem Tier- und Naturschutz.

Mir macht die Jagd Freude. Sie ist für mich nichts, was Spaß macht. Ein Tier absichtlich zu töten, hat nichts mit Spaß zu tun. Wenn ich mich freue, dann nicht, weil ich ein Stück Wild getötet habe, sondern weil es mir zum Beispiel gelungen ist, es unter schwierigen Umständen mit einem guten Schuss zu erlegen. Dabei spielt für mich die Trophäe nicht die mindeste Rolle, denn dem Jungfuchs gebührt wie dem „Geweihten“, dem Küchenhasen wie der Rehgeiß „eine saubere Kugel“.

Ich werde wohl die mir noch verbleibenden Jagdjahre meiner – aus Sicht mancher Zeitgenossen – verstaubten und antiquierten Linie treu bleiben. Was ich tue oder lasse, ist gelebte Waidgerechtigkeit, die ja nach dem Verständnis einiger Psycho- und Öko-Fuzzis nun plötzlich „Jagdethik“ heißen soll. Dieses Handeln und Erleben hat weder mit Sport noch mit Hobby zu tun: Jagd ist Jagd!

Als nicht unwesentlichen Punkt will ich noch anfügen, dass ich gerne mit Genuss verzehre, was ich selbst erlegt habe. Ich weiß durch meinen Schuss, wie das Wild gelebt hat und wie es gestorben ist, wie das Stück versorgt und das Wildbret behandelt wurde. Das alles weiß ich weder bei einem Brathuhn, noch bei einer Frikadelle. Trotz aller meiner Unzulänglichkeiten ist das für mich die Quintessenz der Jagd. – So jage ich, ich kann nicht anders.

(Aus: "Alles im Grünen Bereich". Näheres gerne gegen e-Mail)
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SirHenry

SirHenry

Alter: 81 Jahre,
aus Fürth

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Kommentare

09.01.2014 11:24 taube54
Hut ab, tolle Einstellung zur Jagd. Beispielgebend.
09.01.2014 21:25 vierfuessler
dÀccord!
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