Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Partner - Jäger und Binnenfisc...

Fische ,Blei und Wasser (1 Eintrag)

s b4 f
474 mal angesehen
29.12.2013, 10.31 Uhr

Fischer, Blei und Wasser

Partner: Jäger und Binnenfischer

zu den Bildern:
links: Popanz verbleite Gewässer.
Mitte: Enten sterben an Blei nur durch Beschuss.
rechts: Fischsterben durch Eutrophierung und Sauerstoffmangel

Die Teichwirtschaft ist ein alter bäuerlicher Wirtschaftszweig, der nur zu einem kleinen Teil als Vollerwerbsbetrieb geführt wird. In jedem Fall hat die Fischzucht und Fischhaltung neben rein wirtschaftlichen Aspekten auch einen hohen ökologischen Stellenwert, sowohl was die Gestaltung der Landschaft als auch als Biotop für eine Vielzahl von Insekten, Amphibien, Vögeln und Säugetieren betrifft.

Mehr noch als in Flüssen und Bächen hat die Wasserqualität in stehenden Gewässern einen enormen Stellenwert. Der Eintrag von Giften, landwirtschaftlichen Abfallprodukten und Düngemitteln wirkt schon in geringen Mengen massiv auf die Fischbestände ein. Dazu kommt noch die Eutrophierung aufgrund geringen Sauerstoffes und Überdüngung, die sich bei schwindender Wassertiefe in Trockenperioden verschärft.

Wo sich Biber angesiedelt haben, kann es durch Dammbauten zu einer Störung des Zu- und Ablaufes und damit des Wasserspiegels kommen, deren Ausmaß vom Naturschutz häufig heruntergespielt wird. Mit dem Bisam haben Teichwirte schon seit langem zu kämpfen, was aber jagdlich ohne Belang ist.

Der Teichwirt ist an möglichst hohen Erträgen interessiert und teilt sie daher ungern mit tierischen „Abstaubern“, wie Fisch-(Grau-) Reihern, Kormoranen, Fischadlern und anderen Wasser-, Wat- und Greifvögeln. Einige Arten sind geschützt, während andere wie der Graureiher und Kormoran eine Jagdzeit haben, von den verschiedenen Entenarten abgesehen, die jedoch auf die Fischbestände nur einen minimalen Druck ausüben und toleriert werden können.

Um die Schäden insbesondere durch Reiher und Kormorane zu begrenzen, wurde nach längeren Verhandlungen zwischen den Behörden und dem Natur- und Vogelschutz schließlich eine Jagdzeit eingeführt. Damit wurde es den Jägern möglich, die Teichwirtschaft durch den Abschuss von Fischräubern zu unterstützen, was aber durch Ein- und Beschränkungen nicht immer den erwarteten Effekt hat.

Jagdliche Unterstützung der Teichwirte
Soweit es sich nicht um essbares Wasserwild, wie Enten, Gänse und Schwäne handelt, ist die Jagdzeit auf die „Fischräuber“ sehr kurz. Generell wird mit Schrot geschossen, was aber mit einer geringen nutzbaren Reichweite verbunden ist. Neuerdings ist bei der Jagd auf und an Wasserflächen der Einsatz von Bleischrot verboten, was den Schrotschuss in seiner Wirksamkeit minimiert, denn die Ersatzstoffe sind ballistisch ungünstig, fliegen weniger weit und haben eine geringere Auftreffwucht. Zwar lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen der Kugelschuss verwenden, aber weil meist auf meist fliegende Vögel geschossen wird, ist der Schrot die übliche Jagdpatrone.

Die häufigsten Wasservögel sind ohne Zweifel die Entenarten und hier vor allem die Stockente. Sie liegt tagsüber oft auf den Teichen und streicht weit herum, um die ihr passende Nahrung zu finden. Während der Jagdzeit wird sie meist auf dem „Strich“ in den Früh- und Abendstunden bejagt und erlegt. Viele Teiche werden seit Jahrzehnten, wenn nicht gar seit 100 und mehr Jahren bewirtschaftet und an den ebenso lange auch Enten und anderes Wassergeflügel mit Schrot erlegt wurde. Nachdem Enten ganz bestimmte Wasserflächen vorziehen, wird dort auch am meisten gejagt. Viele Schrote sind seither ins Wasser gefallen und im Schlamm der Teiche versunken, ohne dass dies auf die Wasserqualität nur den geringsten Einfluss gehabt hätte.

Dieses Bleischrot wird seit altersher auch auf Hasen, Fasane und Rebhühner verschossen wobei auch Schrote im Fleisch der Tiere und Vögel stecken bleiben und erst beim Verzehr des Bratens bemerkt oder runtergeschluckt werden. Selbst bei den größten Liebhabern von Wildbret ist es bislang noch nicht vorgekommen, dass jemand krank geworden oder gar daran gestorben wäre, wenn er das eine oder andere Schrotkorn verschluckt hat. Vielmehr geht das seinen natürlichen Weg und nach der Darmpassage verlässt es, ohne einen Schaden gemacht zu haben, den Körper.

Nachdem es in den USA vor etwa 20 Jahren zu einem Massensterben an Wassergeflügel, insbesondere an Enten gekommen sein soll, hat man drüben in den sog. „Wetlands“, also den Feuchtgebieten, die Verwendung von Bleischrot verboten, denn man war der Meinung, dass angeschossene Enten durch die Bleischrote „vergiftet“ würden. Das ist ein gewaltiger Irrtum, dem man auch in Deutschland erlegen ist und der vom Natur- und Vogelschutz mit großem Aufwand gepflegt wird.

Bei Jagdunfällen kommt es immer wieder vor, dass Menschen durch Schrote verletzt und gar nicht alle entfernt werden, weil dadurch der Schaden noch verstärkt würde. Die im Körper belassenen Schrote machen keinerlei Beschwerden. Das gleiche gilt für viele Verwundete der Kriege, die mit bleihaltigen Geschossresten im Körper alt geworden sind. Im Falle der Enten und Gänse gehen diese nicht an den „giftigen“ Bleischroten ein, sondern durch das Einsickern von Kropf-, Magen- und Darminhalt in die Blutbahn. Sie sterben an Blutvergiftung und Wundbrand selbst dann, wenn man sie mit Kirschkernen beschossen hätte.

Nachdem Enten (und Hühnervögel) zur Aufbereitung der Nahrung im Muskelmagen auch Steinchen aufnehmen, geht man davon aus, dass Enten beim Gründeln im Schlamm von Tümpeln, Teichen und anderen Gewässern auch Schrote aufnehmen, die dann durch „richtige“ Magensteinchen zerrieben und so zu einer Vergiftung führen würden. Dabei stellt sich die Frage warum Enten sich die Mühe machen im Schlamm nach Schroten zu suchen, wenn an Land jede Menge Steinchen herum liegen. Richtig an den Haaren herbei gezogen ist die Behauptung, dass Seeadler, die bei zugefrorenen Gewässern verstärkt Wasservögel greifen, daran erkranken und eingehen würden, wenn sie z.B. angeschossene und eingegangene Enten fressen, die ein Bleischrot im Körper stecken haben.

Bemühungen der Industrie einen Ersatz für Blei als Geschossmaterial zu finden, sind sehr schwierig, teuer und ökologisch höchst problematisch. Nur um eine Übersicht zu geben, was an Ersatzstoffen infrage kommt und wie es hinsichtlich der jeweiligen Ökobilanz aussieht, wurde in einem anderen Blog bereits angeführt.

Während Kleinwild mit Schroten mit einem Durchmesser von 3 bis 4 mm beschossen werden, ist das bei Schalenwild etwas anderes, denn ein ca. 10g schweres Jagdgeschoss zerlegt sich teilweise und im Körper vor allem im nicht werteten „Aufbruch“ (den inneren Organen) können Geschossteilchen stecken bleiben. Bleiben diese Wildteile offen liegen, machen sich neben Füchsen, Dachsen und Mardern, auch eine Anzahl von Vögeln darüber her. Auf und an Straßen sieht man dann wie Krähen, Eltern und Greifvögel, besonders Bussarde, die überfahrenen Tiere „aufräumen“.

Wo Seeadler ihren Lebensraum haben, hat man zu deren Überleben in harten Wintern die Aufbrüche von Schalenwild absichtlich liegen lassen. Der Tod einiger Seeadler wurde nun damit in Verbindung gebracht, dass sie daran gestorben seien, weil sie dabei auch Bleiteilchen gefressen haben. Die scharfe Magensäure hätte das Blei aufgelöst und wäre dadurch giftig geworden. Nun fragt es sich, warum ausgerechnet der Seeadler, der physiologisch auf leicht verdauliche Fischnahrung „gepolt“ ist, eine schärfe Magensäure haben soll als andere Greife, Eulen oder Krähenvögel.

Bei offenem Wasser fängt der Seeadler in aller Regel Fische und die nahe der Oberfläche schwimmen am liebsten. Ganz oben schwimmen auch tote Fische, die durch Schiffe verletzt oder an irgendwelchen Krankheiten oder Giften eingegangen sind. Am Ende der Nahrungskette frisst ein Seeadler sicher Fische, die krank oder mit irgendetwas verseucht sind, dass dabei Bleischrot eine Rolle spielt ist eher nicht zu erwarten.

Nicht zuletzt diese dem Geschossblei angelasteten Todesfälle von Seeadlern haben dazu geführt, dass an und über Wasserflächen nur noch mit bleifreien Schroten gejagt werden darf, während auf Hasen, Fasane, Tauben, Hühner oder Krähen Bleischrot weiterhin verschossen werden kann.

Wenn tatsächlich auf dem Grund der deutschen Wasserflächen, ob nun fließend oder stehend, in der Vergangenheit so viel Blei versunken ist, dann müsste sich das in der Wasserqualität bemerkbar machen. Macht es aber nicht, weil man mit derlei „Aktionen“ von anderen Dingen ablenken kann, die von weit größerer Tragweite sind. In den USA, wo das noch in weit stärkerem Maße der Fall ist, wurde ab dem Jahr der Einführung von bleifreiem Schrot kein Entensterben mehr bekannt, obwohl noch immer auf dem Grund der „Wetlands“ Tausende von Tonnen Bleischrot liegen müssen.

In Deutschland musste sich der Teichwirt zu Zeiten der jagdlichen Verwendung von Bleischrot keinerlei Gedanken um das Wohl und Wehe seine geschuppten Pfleglinge machen. Heute hat er es mit ganz anderen Problem zu tun, ob mit den eigenen „Grünen“ oder mit den EU-Bürokraten. Auf jeden Fall sind sowohl die Teichfische als auch das mit Schrot geschossene Jagdwild hinsichtlich einer Bleibelastung für den Verbraucher unbedenklich und mit Genuss zu verzehren.
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

SirHenry

SirHenry

Alter: 81 Jahre,
aus Fürth
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

29.12.2013 22:15 kong
Interessanter Abriss, aber ich möchte bezüglich Deiner Thesen folgendes zu bedebken geben:

Die Erkenntnis, dass Seeadler an Vergiftungen durch Jagdmunition sterben geht zurück auf eine Studie des Instituts für Zoologie und Wildtierforschung (IZW)

Zwischen 1998 und 2010 wurden insgesamt 473 Seeadler aus dem Nordosten Deutschlands untersucht, die häufigste Todesursache hierbei war die orale Bleivergiftung (27%) – 127 Individuen.

Die lethale Blei-Dosis für Greifvögel liegt bei gerade mal 5ppm.

Bleipartikel aus dem Verdauungstrakt von tot aufgefundenen Seeadlern wurden auf ihre Elementzusammensetzung mit Hilfe der Energie-Dispersiven-Röntgenmikroanalyse (EDX) untersucht.

Diese Analyse dokumentiert klar, dass das zu Bleivergiftungen führende partikuläre Blei aus bleihaltigen Geschossen stammt – z.T. bis zu 40 Fragmente von TM-Geschossen pro untersuchtem Individuum (Prof. L. Jonas, Medizinische Fakultät, Institut für Forensik, Rostock)

Im Magen bildet sich eine Bleichloridschicht um diese Partikel, durch permanente Bewegung und Muskelkontraktionen bricht diese Schicht immer wieder auf und setzt die giftige Dosis frei.

Gehen wir mal vorsichtig geschätzt davon aus, das p.a. etwa 1,8 Mio. Stück Schalenwild erlegt werden (DJV-Handbuch)…und legen wir mal rein hypothetisch und ganz vorsichtig geschätzt zugrunde – wenn davon nur 3% verludern/bei NS nicht gefunden werden - das p.a. bundesweit dann 54.000 Stück Schalenwild als Atzung in der Landschaft rumliegen und von Greifvögel aufgenommen werden können.

Greifvögel deshalb, weil der Seeadler als unser Wappenvogel nun mal die plakativste und am besten untersuchteste Art bezüglich dieser Problematik ist.

Alle nekrophagen Greifvogelarten sind gleichermaßen und im Gegensatz zum Seeadler bundesweit flächendeckend betroffen, denn bis zu 40% des Geschosses verbleibt, je nach Geschosskonstruktion, im Wildkörper.


Ausdrücklich beziehe ich mich nur auf die Bleireste von Büchsenmunition... zur Bleischrot-Diskussion möchte ich mich nicht weitergehend äußern.
30.12.2013 08:53 SirHenry
Wenn das so sein soll, dann stellt sich mir die Frage, warum das IZW auf mein Schreiben vom 26.6.2013 bis heute nicht geantwortet hat.
Auch wundert es mich, warum seitens der Wissenschaft den von mir in der Jagdpresse aufgestellten "Thesen" nicht widersprochen wurde. Sind da keine Jäger dabei, die mal ne Jäger-Illu lesen?
Mit Gruß und Waidheil
S.H.
30.12.2013 11:16 kong
tja...diese Frage kann Dir sicherlich nur das IZW beantworten. Die Frage ist aber, an wen Du im IZW das Anschreiben formuliert hast?

Mit Dr.Oliver Krone hast Du einen kompetenten Ansprechpartner seitens des IZW für die diskutierte Problematik - frag ihn doch einfach direkt.

Vielleicht lag es aber auch an der Fragestellung und der Art und Weise wie, warum Du keine Antwort bekommen hast?

Letztendlich gibt es zu diesem Thema auch ausreichende Verööffentlichungen wissenschaftlicher Studien, die in zahlreichen Bibliotheken und nicht zuletzt im Internet für jederman zugänglich.

Und was Deine Thesen in der Jagdpresse angeht...warum sollten Wissenschaftler die jagdliche Boulevardpresse "konsumieren" und dort irgendwelchen Leserbriefen widersprechen?

Selbst mir als informiertem Jäger aus der Praxis erscheinen ein Großteil der Artikel in so manchen jagdlichen Käseblättern als zu polemisch um sie zu kommentieren...
30.12.2013 11:55 SirHenry
Das Schreiben ging an Dr. Krone.
Wenn keine Störunsmeldung kam, dann ging es auch durch.
Zum Schreiben vom 26.6.habe ich zudem am 27.6.noch eine Korrektur geschickt.
Auf beides keine Antwort.

Was die "Fragestellung" anging, kann es durchaus sein, dass er damit in Zugzwang käme, weil die Fragen zu sehr nervten.

Warum sollte ich da nachfragen.
30.12.2013 16:05 kong
SirHenry schrieb:
Das Schreiben ging an Dr. Krone.
Wenn keine Störunsmeldung kam, dann ging es auch durch.
Zum Schreiben vom 26.6.habe ich zudem am 27.6.noch eine Korrektur geschickt.
Auf beides keine Antwort.

Was die "Fragestellung" anging, kann es durchaus sein, dass er damit in Zugzwang käme, weil die Fragen zu sehr nervten.

Warum sollte ich da nachfragen.



Weiist Du denn, ob es überhaupt angekommen ist, bevor man Stimmung macht, sollte man mal hinterfragen, ob die Post so zuverlässig arbeitet...oder, falls es aper Mail raus ist, stellt sich immer noch die Frage, ob es nicht im SPAM-Filter gelandet ist...kommt gerade bei "Dienst-Korrespondenz" häufig vor (wie ich aus eigener Erfahrung weiß)...

Und wie schon gesagt, bei ernsthaftem, unvoreingenommenen Interesse findest Du auch sämtliche veröffentlichte Studien zu dem Thema im Netz und in Hochschulbibliotheken ist über Fernausleihe auch alles möglich...
30.12.2013 18:04 SirHenry
Wenn du einen heißen Draht hast, kannst ja mal anklopfen.Wären meine Mails Spam, dann sind sie es jetzt wieder.
Falls dich das alles interessiert gegen e-mail adresse mehr. Bleibt unter uns.

Es wäre interessant zu wissen,
wer von den Reinklickern und Zustimmern
Binnen-oder Angelfischer ist.
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang