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20.12.2013, 10.15 Uhr

versauter Rotwildansitz

In den letzten Tagen waren die Versuche auf Sauen recht erfolgreich. Naja, die Gelegenheiten waren auch recht günstig. Sauen quasi überall. Dementsprechend sahen die Felder auch aus. Gleichzeitig hatte ich Rotwild auf einem Rapsfeld bestätigen können. Dieses zog aber meist erst gegen 23 Uhr auf´s Feld. Und nachdem ich auf den sauengeschädigten Äckern erst mal für Unruhe und kurzfristige Vergrämungseffekte gesorgt hatte, wollte ich heute mein Glück auf Rotwild versuchen. Meine Mittagspause nutzte ich noch einmal zum Bestätigen des Rotwildes und freute mich über passenden Wind. Der Anruf beim Hegeringschef gab mir die Bestätigung: weibliches noch Kälber und Tiere, Männlich noch alle Altersklassen frei...

Auf dem Rückweg aus der Mittagspause noch der Anruf bei einem Mitjäger, dessen Revierteil ebenfalls einen Sauenmagneten beinhaltete. Aber der wollte heute nicht dorthin sondern in einem anderen Revierteil sein Glück auf Sauen versuchen. Das war mir gar nicht recht. Ich habe wenig Verständnis dafür, wenn sich jemand in zwei verschiedenen Revieren "einkauft" aber in keinem Revier wirklich was auf die Reihe bekommt...

Ich musste bis 18 Uhr arbeiten, fuhr nach Hause, zog mich um und wurde am Telefon von einem guten Freund ne halbe Stunde festgehalten. Aber ich sah das nicht so dramatisch, das Rotwild kam ja erst gegen 23 Uhr in´s Spiel. Gegen 20 Uhr passierte ich den Schlag, der eigentlich durch den auf zwei Hochzeiten tanzenden Mitjäger zu kontrollieren war. Kurz entschlossen hielt ich, schnappte "den Unsäglichen", lud durch und glaste erst einmal das Feld ab. Aber zu sehen war nichts.
"Na gut, dann gehst halt mal die windabgewandte Feldkante hoch." Der Entschluss stand. Wenn Sauen kommen wollen, kommen sie von der gegenüberliegenden Seite. Da würden sie mich so schnell nicht mitbekommen...

Zwar schien der Mond leuchtend hell, aber die Luftfeuchte war recht hoch, es war leicht diesig. Die Sicht musste daher auf dem Feld als eher suboptimal gelten. Aber es war ja auch mehr eine Alibikontrolle...
Der Blick auf das Feld verriet aber massive Sauenaktivitäten, die erst in den letzten zwei, drei Nächten stattgefunden haben konnten. Beim Abglasen des Feldes tauchten dann zwei dicke schwarze Klumpen auf. Na gut, dann bis zum ersten von zwei durch "Xaver" umgeworfene Drückjagdböcke, die mein Jagdfreund gebaut und wir zusammen hier gebracht hatten, weil eben jener auf zwei Hochzeiten tanzende Mitjäger auch diesbezüglich nichts fertig gebracht hatte...
Ich kam zügig voran, die Sauen waren weit weg. Ich hoffte, vom ersten umgekippten Hochsitz aus mir erst mal ein genaueres Bild vom Geschehen machen zu können. Dort angekommen, leuchtete ich erneut das komplette Feld ab - und erschrak!

Da vorn zwei starke Sauen, da noch eine, da drei, da noch eine, dann zwei kleinere, dort noch 4... Ich kriegte mich kaum wieder ein. Aber alle weit weg. Mein Gehirn ratterte, was tun? Angehen? Das wäre eine blöde Idee: weit und breit nur sehr begrenzt Kugelfang. Um den Acker verteilt kleine Siedlungen, Straßen, Straßenlampen, die außerdem dafür sorgten, dass gerade wenn die Sauen weiter weg sind, diese kaum auszumachen sind. Lediglich links von mir erhebt sich eine Geländekuppe, vor der stehend eine Saue beschießbar wäre. Wenn sie vielleicht hier her kämen, könnte das was werden...
Immer wieder kontrolliere ich das gesamte Feld. Die beiden stärksten Stücke (ob wirklich Bachen ist auf die Entfernung noch nicht auszumachen) stehen links von mir. Vielleicht 150 Meter weg. Der Rest verteilt sich über den Acker bis halb rechts von mir. Die Bewegungsrichtung ist aber eindeutig nach links. Könnte sein, dass die schon dabei sind, den Schlag zu verlassen und über die Straße in´s Nachbarrevier wechseln wollen. Ihnen an der Straße den Weg abzuschneiden ist utopisch - der Wind würde mich schnell verraten.
Rechts von mir, unmuittelbar an einem an´s Feld angrenzenden Eschen-/Pappelbruch höre ich Sauengezänk, kann aber nichts erkennen. Sind die Sauen wieder rückwärts gezogen...?

Die Kontrolle nach halb links zeigt immer noch 14 Sauen, die immer noch brechend langsam weiter nach links ziehen. Also müssen da hinten noch weitere Sauen sein...!!!
Langsam wird mir mulmig bei dem gedanken daran, wie der Schlag wohl im Tageslicht aussehen mag...

Ein Auto passiert nun die das Revier begrenzende Straße, von der die beiden starken Stücke vielleicht noch 100 Meter entfernt sind. Die Sauen sind nicht wirklich beunruhigt deswegen, flüchten nicht, stehen weiter im Gebräch. Aber sie ändern ihre Richtung, kommen nun langsam in meine Richtung. Der Rest der Rotte wendet sich mir ebenfalls zu. Jetzt gilt es. Leuchtpunkt an, Waffe gespannt und auf dem umgeworfenen Drückjagdbock aufgelegt - fertig für den hoffentlich möglichen Schuss.
Ein stärkeres Stück kommt als erstes in meine Reichweite, zieht aber immer weiter spitz auf mich zu. Noch etwa 50 Meter, 40..., 30...
Das Stück verhofft, sichert zu mir. Ich stehe aufrecht am Drückjagdbock, habe das Stück im Zielfernrohr, möchte aber eigentlich nicht das erste Stück beschießen, weil ich noch nicht weiß, was es denn nun wirklich ist. Vermute eher einen Überläufer, ob Keiler oder Bache...???

Das Stück setzt sich wieder in Bewegung, zieht weiter ganz gemächlich auf mich zu: 20 Meter... Ich halte den Atem an, sehe, wie das Stück wieder sichert, Witterung sucht. Aber es bleibt ruhig, dreht etwas bei und zieht ganz entspannt ein paar Meter weiter, ehe es erneut sichert. Ich wage kaum zu atmen. Ich kann das Stück jetzt ganz eindeutig als Überläuferkeiler ansprechen. Aber ich gebe der Spannung noch eins drauf und entschließe mich, ihn nicht zu beschießen. Er setzt sich wieder in Bewegung. Ich kontrolliere schnell, wo die nächsten Stücke sind - noch weiter weg, kommen aber auch auf mich zu. Ich möchte eine Überläuferbache bekommen. Rein vorsichtshalber fahre ich noch mit dem Keilerchen mit. Sollte er doch noch zu argwöhnisch werden, werde ich meinen Plan über den Haufen werfen und ihn mitnehmen! Bei dem Sauentanz hier darf ich nicht als Schneider vom Schadensfeld nach Hause gehen! Nicht bei der Gelegenheit...!!!
Aber das Keilerchen bleibt entspannt, zieht nun Richtung Wasserloch rechts von mir. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass die nächsten zwei Sauen auf mich zukommen, immer schön spitz. Ich habe mich längst ihnen zugewandt. Die Waffe ist wieder auf dem Bock aufgelegt, ruhig kann ich ein Stück in´s Absehen bringen, erkenne aber, dass leicht schräg nach hinten versetzt sich ein etwas stärkeres Stück breit stellt. Jetzt gilt´s! Denn noch einmal möchte ich nicht drauf vertrauen, dass die Sauen auf 20 Meter keine Gefahr in mir sehen...

Im Knall geht die gesamte Rotte ab. Nichts ist mehr zu sehen, nachdem auch das beschossene Stück der Rotte folgte. Sie gehen genau über die Kuppe weg. Ich kann nichts mehr entdecken. Mit dem Fernglas suche ich auf dem Schlag nach einem liegenden Stück - nichts.

Ich werde doch wohl nicht auf 50 meter vorbeigesemmelt haben...???

Das Fernglas habe ich abgesetzt, der "Unsägliche" steht am Drückjagdbock angelehnt. Ich lausche in die Nacht... Rechts von mir höre ich noch immer Sauen... Das kann doch wohl nicht wahr sein!!! Aber zu sehen bekomme ich sie nicht. Ich warte und lausche, vielleicht 15 Minuten. Dann suche ich den Anschuss, kann zunächst nichts finden, weil die ganze Fläche voller Sauenfährten ist, Acker umgebrochen ist. Etwas ratlos stehe ich am vermeintlichen Anschuss, suche mit dem Fernglas noch einmal nach einem leblosen Wildkörper. Aha, da ist ein dunkler Batzen, da auch noch einer - und da weiter rechts auch.... Nein, das sind keine Sauen, das müssen entweder Maulwurfshaufen sein oder Löcher, die die Sauen auf der Suche nach untergepflügten Maiskolben hergestellt haben. Aber sicher bin ich mir eben auch nicht. Ich bin mir nur sicher, es sind keine im Gebch stehende Sauen.

Auf dem Weg zum ersten schwarzen Fleck taucht im Kegel der Taschenlampe dann Schweiß auf - Erleichterung. Okey, bis zur ersten Deckung werde ich der Fährte folgen, sollte sie in die Deckung (Wald) führen, würde ich wohl abbrechen und morgen weiter suchen.
Ich folge der gut sichtbaren Wundfährte und stehe nach etwa 60 Metern vor einer verendeten Überläuferbache. Die Kugel traf wie gewünscht, zwei Finger breit hinter der Blattschaufel. Herz, was willst du mehr...???

Ich bin zufrieden, freue mich über meine dritte Sau in einer Woche, was bei uns ganz sicher nicht oft vorkommt...

Irgendwann hängt das Überläuferchen in der Kühlzelle. Der Abend ist noch jung (22:00 Uhr) und der Mond grinst gnadenlos vom Himmel! Nee, jetzt geht´s noch nicht nach Hause.
Auf der Rückfahrt in´s Revuier dann ein wenig Enttäuschung: Nebel ist aufgezogen. Und je dichter ich dem Revier komme, desto dichter wird auch die nebelsuppe...

Na gut, dann geht es eben in den Wald an eine Kirrung...

Schon beim Aussteigen aus dem Auto höre ich nicht weit entfernt lautes Krachen... Scheibenkleister! Vergrämt!!! ... Vergrämt...??? Nein, das klingt nach einem vertraut ziehenden einzelnen starken Stück, wohl ein Keiler?

Das Krachen nähert sich meinem Standpunkt. Ich knie ab, hab die Waffe im Anschlag...

Auf etwa 40 Meter erscheint aus dem Fichtenbestand eine einzelne starke Sau, ja, ein starker Keiler! Gemächlich und ohne jede Hast überfällt er den Weg. Ich habe ihn im Ziel! Der Leuchtpunkt sitzt richtig auf dem Wildkörper... ich zögere, breche ab, und lass ihn ziehen. Warum hätte ich jetzt Dampf machen sollen auf ihn? Klar, wahrscheinlich hätte ich ihn verwerten können. Aber auch nur eine 30%ige Gefahr, ein 100-Kilo-Stück vielleicht nicht zu meiner Zufriedenheit verwerten zu können, ist mir zu hoch. Die Waffen an der Wand sind für mich wirklich kein Ansporn, einen solchen Bassen in der Rauschzeit zu beschießen. Seine Zeit wird kommen. Wenn nicht bei mir, dann bei einem anderen Nimrod. Dem sei´s zur rechten Zeit dann auch gegönnt...

Meine Anfrage an unseren Landwirt, ob er Interesse an einem Frischling der 40-Kilo-Klasse hat, beantwortet er freudig mit Ja. Also habe ich einen der beiden Frischlinge für ihn fertig gemacht, eingetütet und abends zu ihm gebracht. Es folgte noch ein langes Gespräch mit ihm. Meine Sorge, er würde mir nun irgendwie klarmachen wollen, dass er beabsichtige, Wildschaden anzumelden, zerstreut er im Gespräch energisch, obwohl er natürlich längst weiß, wie die Sauen in letzter Zeit zugeschlagen haben - sehr zu meiner Freude.

Da kann man doch ein wenig entspannter (aber nicht nachlässig, weil morgen Nacht sitze ich wieder draußen... ) in die Weihnachtsfeiertage gehen...



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Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 51 Jahre,
aus Rapsfeld
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Kommentare

20.12.2013 10:55 taube54
Sehr gut geschrieben, ich denke ich war dabei.
20.12.2013 12:49 Gesch
Waidmannsheil!!

Und Glückwusch zur Disziplin: a) es ist leider nicht selbstberständlich in so einer Situation auf dem Feld immer an den Kugelfang zu denken und b) auch mal eine starke Sau ziehen zu lassen, weil die rauschig sein könnte.

Gefällt sehr!!
23.12.2013 08:02 swinging_elvis
Ja sauber sog i!!! Auf der anderen Seite muss man erst mal so viele Sauen haben, um so selektieren zu können! Nicht nur von Vorteil...
Dir jedenfalls Waidmannsheil auch in Zukunft. Ein gerechtes Jagen, an dem ich meine Freude hab... El
23.12.2013 08:04 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Ja sauber sog i!!! Auf der anderen Seite muss man erst mal so viele Sauen haben, um so selektieren zu können! Nicht nur von Vorteil...
Dir jedenfalls Waidmannsheil auch in Zukunft. Ein gerechtes Jagen, an dem ich meine Freude hab... El


Weidmanns Dank! Ja, alles hat seine zwei Seiten... Man kann nicht immer so wählen. Aber wenn man es kann, dann sollte man sich schon auch ein wenig Mühe geben...
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