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16.12.2013, 08.25 Uhr

Wenn der Jäger nicht an die Sauen kommt...

Ich möchte nur wissen, was das ist...!!! Glückssträhne kann man das nun wirklich nicht nennen. Seit Wochen feiern die Sauen auf einem Winterweizenschlag Party. Der Schlag liegt auch strategisch sehr günstig - für die Sauen. Westlich des vielleicht etwa 8 ha großen langgezogenen Schlages eine viel befahrene Straße, nördlich unmittelbar die Reviergrenze. Östlich grenzt der Schlag unmittelbar an das Dorf, zumindest auf einem Teil der Feldgrenze, nördlich des Dorfes Grünland und unmittelbar am Feld eine aufgelassene Kieskuhle, mit Hochstaudenfluren durchsetzt und von Rotdorn eingefasst.

Hinter dem Grünland lag mein geliebter Weidenbruch - der Tageseinstand der Sauen. Diesen hatten sie seit Wochen in Beschlag, unternahmen von hier aus immer passend zum Wind Ausflüge auf unterschiedlichen Wechseln zum ehemaligen Maisfeld. Dort hinterließen sie Nacht für Nacht die Spuren ihres zerstörerischen Werkes auf der Suche nach Ernteresten.

Der Bauer hatte längst bei mir angerufen und Bericht erstattet. Hätte er natürlich nicht gebraucht. Ich wusste, was da los war und hatte vielfach versucht, die Sauen dort zu erwischen. Aber die Chancen waren zumindest bei westlichen Winden gleich Null. Wenn man (bei Beachtung aller nötiger Sicherheitsaspekte, die die Möglichkeiten des Ansitzes dort massiv einschränkten) dort ansaß, bekamen die aus dem Grünland anwechselnden Sauen immer Wind, egal was man veranstaltete. Und das vor allem deshalb, weil sie oft das Grünland im Halbkreis durchzogen und so den Schlag einmal komplett durch den Gegenwind prüfen konnten, ob da nicht so ein verzweifelter Nimrod ihre Ankunft erwartete.

Nachdem zunächst der Nebel der letzten Tage einen Ansitz hier aussichtslos machte, an klaren Tagen die Sauen aber durch Abwesenheit glänzten, solange ich in Reichweite war, hatte ich meine Ansitzstrategie geändert.
In einem anderen Revierteil hatte ich eine Kirrung, die seit nunmehr zwei Tagen angenommen war. Schon gestern hatte ich mein Glück versucht und war (die Sauen kommen hier oft recht zeitig) schon gegen 16:30 im Wald. Diesen Versuch hatte ich aber gegen 21:30 Uhr abgebrochen, weil ich hoffte, dass zwischenzeitlich die Sauen vom Bruch vielleicht schon auf dem Acker waren. Naja, diese Hoffnung zerschlug sich und auch der dortige Ansitz bis 01:00 brachte keinen Anblick. Heute aber stellte sich bei der Kontrolle der Kirrung heraus, dass die Sauen nach mir noch da waren...

Also wurde die Kirrung neu beschickt und erst um 19:00 Uhr saß ich an der Kirrung. Und nur wenige Minuten später hörte ich, wie sich respektlos und gemütlich ein einzelnes schweres Stück der kirrung näherte. Doch blieb die Bühne leer. Nachdem ich eine Weile nichts mehr vernehmen konnte, entfernte sich dieses Stück genau so respektlos laut und gemächlich wieder. Es folgte ein gähnend langweiliger Ansitz ohne jeglichen Anblick. Nur einmal mauzte hinter mir ein Marderhund, ließ sich aber ebenfalls nicht an der Kirrung blicken. Das zunächste hoffnungsvoll klingende Schrecken von Rehwild brachte leider ebenfalls keinen Anblick der so sehr erhofften Sauen, nicht mal akustisch waren Sauen zu vernehmen. So entschied ich mich um 23:00 Uhr zum Stellungswechsel und fuhr zum mishandelten Weizenschlag. Ich stellte das Auto im Dorf ab, leuchtete zunächst das Grünland ab. Aber da nichts weiter zu entdecken war, pirschte ich zwischen Kieskuhle und Dorf zum Weizenschlag, folgte dem alten Stacheldrahtzaun bis zum als Kiesgrubenbegrenzung aufgeschütteten Sandwall. Von dort ließ ich den Blick über das Feld wandern. Nein, wieder kein Wild auf dem Acker. Langsam wurde ich sauer. Ich hätte wetten wollen, wenn ich morgen früh den Schlag kontrollieren würde, würde ich wieder zahlreiche frische Fährten finden. Es war einfach zum Mäuse melken.
Mein Blick ging auf den benachbarten Schlag, der schon zum nächsten Jagdrevier gehörte. Und hioer fand ich, was ich erhoffte. Zwei schwarze Klumpen standen dort etwa 200 Meter von mir entfernt im Gebräch, wanderten dabei ziemlich zügig über den Acker.
Okey Jungs! Dann warten wir mal, was denn wohl passiert...

Zunächst passierte nicht soooo sehr viel. Ich hatte alle Zeit der Welt, die beiden Stücke zu begutachten. Tja, was war das nun Keiler mit Adjutant oder doch eher eine starke Bache mit nur einem ebenfalls starken Frischling...? Für ein Keilerduo hielten sie mir zu eng zusammen...
Wie auch immer, das war erst mal nicht rauszubekommen. Also hieß es abwarten, was passiert.
Der Schlag, auf dem die beiden sich rumtrieben war etwa fünf Mal so groß wie der für mich wichtige Schlag. Und auch dort stand zuvor Mais. Also war überhaupt nicht klar, dass die beiden überhaupt einen Ansporn hätten, hier herüber zu wechseln.
Aber die beiden Schwarzkittel waren da anderer Meinung. Plötzlich ging alles schnell! Bevor ich richtig zur Besinnung kam, waren sie auch schon in meinem Revier und durchpflügten zügig einmal mehr den Acker. Ich musste ran an die Jungs, weil auf diesem kleinen Feld nur ein Schuss aus kurzer Distanz überhaupt vertretbar war. Und gleichzeitig musste ich Sorge tragen, dass trotz des leicht welligen Geländes, welches durchaus aus einigen Positionen Kugelfang versprach im Hintergrund weder Häuser noch Straßen waren. Und so zog ich auf der windabgewandten Seite des Feldes immer den beiden Schwarzkitteln nach, erarbeitete mir immer wieder Positionen, aus denen ich auch mal einen Schuss hätte wagen können, wenn die Kujel doch nur mal eine Weile irgendwo still im Gebräch blieben...

Aber genau diesen Gefallen taten sie mir nicht. Entweder standen oder zogen sie spitz zu mir oder von mir weg oder aber standen scheibenbreit auf einer Geländekuppe... Es war zum Verzweifeln. Nach fast einer dreiviertel Stunde hatte ich beinahe den Entschluss gefasst, hier lediglich einen "Warnschuss" abzugeben. Aber irgendwie konnte ich mich nicht wirklich dazu entschließen. Und es kam, wie es kommen musste: sie wechselten wieder über die Reviergrenze, ungeschoren...

Ich stand wieder am Wall der alten Kiesgrube, verfolgte das Treiben der beiden rauhborstigen Teufel im Nachbarrevier und registirierte, dass ich meine Chance vertan hatte, während die Wutzen sich immer weiter entfernten.

Ich setzte mich an die Böschung, musste erst mal durchatmen. Wieder und wieder glaste ich die beiden Felder ab, aber da gab es nichts mehr zu sehen. Der Blick auf die Uhr zeigte mir: ein Uhr. Na gut, dann eben nicht. Ich wollte abbrechen, denn um viertel Sechs würde der blöde Wecker wieder ohne Rücksicht auf Verluste schreien.
Der Wind hatte wieder ordentlich aufgedreht, stand mir im Gesicht. Aber nach der Verfolgungsaktion in Klamotten, die eher für den stundenlangen Ansitz gedacht waren, war es fast angenehm erfrischend. Ich drehte mich beim Aufstehen um - und erschrak!
Hinter mir durch die Kiesgrube zog gerade auf etwa 50 Meter Entfernung eine Bache mit 6 Frischlingen geradezu dem Weizenfeld entgegen! Wie ein Infanterist warf ich mich in den Dreck, hatte die Waffe im Anschlag und erfasste einen ziehenden Frischling. Nach dem Knall folgten ein paar letzte taumelnde Schritte, ehe das Leben aus ihm wich...

Diese aprupte Wendung des Geschehens realisierte ich erst, als ich nach dem Versorgen und dem Transport in die Kühlzelle gegen 3 Uhr zu Hause war...
Diese Aktion wird hoffentlich ein paar Tage Entspannung am Weizenschlag bringen - Die Hoffnung stirbt ja zuletzt...
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Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 52 Jahre,
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Kommentare

16.12.2013 10:54 Gesch
wenn die Sauen eh schon Schaden auf dem Acker gemacht haben, sprich doch mit dem Landwirt und stell einen Drückjagdsitz AUF den Acker, so, daß Du vor dem Wind sitzt und einen Kugelfang hast.
Hat mir schon einige Sauen gebracht mit meinen "Fliegenden Sitzen".
Bei uns haben die Bauern oft geholfen und mit dem Frontlader die Sitze helfen stellen.
16.12.2013 13:29 Rapsjaeger
GeSch schrieb:
wenn die Sauen eh schon Schaden auf dem Acker gemacht haben, sprich doch mit dem Landwirt und stell einen Drückjagdsitz AUF den Acker, so, daß Du vor dem Wind sitzt und einen Kugelfang hast.
Hat mir schon einige Sauen gebracht mit meinen "Fliegenden Sitzen".
Bei uns haben die Bauern oft geholfen und mit dem Frontlader die Sitze helfen stellen.


Ansitzen und die Sauen erwarten, geht da nicht, weil se beim Anwechseln egal wo du sitzt, immer Wind bekommen. Man muss spät hinfahren und hoffen, dass die Bande schon auf dem Feld ist. Dann kann man sie vielleicht angehen, nicht aber auf einem DJ-Bock sitzend erwarten... Einzige Ausnahme: Wind zwischen Nord- und Südost..
17.12.2013 11:25 swinging_elvis
Unverhofft kommt oft! Waiannsheil! ... Und guten Appetit. So einen brauche ich auch noch!!! Roq, el
17.12.2013 12:35 7x65R
WMH....genau so ist Saujagd zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt.
17.12.2013 15:19 2309udo
Schöns Gschichtl
WMH Udo
17.12.2013 15:48 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Unverhofft kommt oft! Waiannsheil! ... Und guten Appetit. So einen brauche ich auch noch!!! Roq, el


Weidmanns Dank! Ja, aber meine Truhe ist (noch) voll. Deshalb ist der komplett weggegangen. 3 Tage früher hatte ich quasi hinter deiner Ferienwohnung ebenfalls auf einen Frischling dieser Klasse Weidmanns Heil - eben direkt am See...
17.12.2013 15:50 Rapsjaeger
7x65R schrieb:
WMH....genau so ist Saujagd zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt.


WMD...und wegen genau diesen Überraschungen liebe ich die Jagd auf Sauen, auch wenn es immer mal wieder ausartet - in Arbeit...
17.12.2013 15:51 Rapsjaeger
2309udo schrieb:
Schöns Gschichtl
WMH Udo

Danke Udo, heute gehe ich mal wieder fremd, auf Rotwild...
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