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Kaliber-Bestimmung

In die Zange genommen (10 Einträge)

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21.10.2013, 18.01 Uhr

Kaliberbestimmung

Zu den Bildern von links:
1 verschiedene 7mm-Kaliber.
2 alte 8mm-Kaliber.
3 verschiedenen 30er Kaliber.

In die Zange genommen
Kaliberbezeichnung, ein Buch mit sieben Siegeln ?

Nicht nur in Verkaufsanzeigen sind mitunter unmögliche Angaben zu finden, sondern häufig auch von sog. Waffenexperten werden in der Tages- und Sensationspresse Aussagen gemacht, die sich vergleichsweise ein Redakteur der Autobranche niemals leisten dürfte. Hier bietet sich interessierten Jägern die Gelegenheit, sich über die Kaliberbezeichnungen anhand von Fakten und Daten eingehender zu informieren.

Büchsenpatronen
In Europa wurde Gewehrmunition bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges nach dem System „Geschossdurchmesser mal Hülsenlänge“ kalibermäßig bezeichnet. Randhülsen bekamen ein zusätzliches „R“, zumindest was die Zivilmunition betraf.
Nach militärischer Terminologie erhielten sowohl Handfeuerwaffen, als auch deren Patronen ursprünglich eine „Modell“-Bezeichnung, die überwiegend auf dem Jahr der Entwicklung, bzw. der Einführung in der jeweiligen Armee basierte. Die erste im Deutschen Reich verwendete Einheitspatrone war die M 71 für das Mauser-Gewehr gleichen Modells, die heute als 11,15 x 60 R bekannt ist. Die Nachfolgepatrone M 88 hat sich als 8 x 57 J, bzw. JS bis in unsere Tage als Jagd- und Sportpatrone erhalten
Andere europäische Staaten verfuhren ganz ähnlich, ob es z.B. Frankreich mit seiner Lebel M 93, Österreich mit der Mannlicher M 88 oder Russland mit seiner Mosin-Nagant M 91 betraf. Die heute üblichen Bezeichnungen 8 mm Lebel, 8 x 50 R oder 7,62 x 54 R wurden erst im Zuge der internationalen Bemühungen um Vereinheitlichung der Waffen- und Patronenmaße gegen Ende des 19. Jahrhunderts festgelegt.

CIP und SAAMI
sind Normierungsgremien für die Prüfung von Handfeuerwaffen und Munition. Während sich die US-amerikanische SAAMI (Sporting Arms And Ammunition Manufacturers Institute) nur national betätigt, sind in der CIP (Commission Internationale Permanente pour l`epreuve des armes portatives/Ständige Kommission für die Prüfung von Handfeuerwaffen) mehrere Staaten zusammengeschlossen. Schon 1891 verpflichteten sich Deutschland und Österreich-Ungarn zur gegenseitigen Anerkennung des Beschusswesens. England trat 1894, Belgien 1898 und Frankreich 1904 dem Übereinkommen bei. Der 1914 gegründeten CIP gehören heute Chile, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich, Russland, Slowakei, Spanien, Tschechien und Ungarn an. Jugoslawien ist seit 1991 suspendiert.
Von Anfang an klaffte zwischen der Handelsbezeichnung und den tatsächlichen Maßen ein Unterschied, der beim Geschossdurchmesser bis zu 0,3 mm und bei der Hülsenlänge bis 0,8 mm betragen konnte. Patronen, deren Hülsenboden keine Kaliberangaben tragen, waren (und sind) daher nur recht vage zu bestimmen. Was die Bezeichnung moderner Gewehrpatronen betrifft, hat sich seit damals nicht allzuviel geändert, denn ob es sich um die 7,62 NATO von 1954 oder die alte M 88 handelt, der tatsächliche Geschoss-durchmesser ist in beiden Fällen abweichend.

Kaliberangabe ist relativ
Militärisch ist es Usus, das Laufkaliber nach dem Felddurchmesser zu benennen, der weitest gehend der Laufbohrung entspricht, in welche die Züge eingeschnitten werden. Das Kaliber 30 hat z.B. eine (Feld-) Weite von 7,62 mm, das nach dem Ziehen der 0,1 mm tiefen Züge auf einen Zugdurchmesser von 7,82 mm kommt, was wiederum ziemlich genau dem Geschossdurchmesser entspricht. Beim Knopfdrücken, dem sog. Button-Rifling, ist das Verfahren analog. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass dabei die Züge spanlos eingedrückt werden.
Beim Hämmern der Züge wird das Laufmaterial von außen gegen einen Dorn mit Negativprofil gepresst, der seinerseits den Geschossdurchmesser hat, in dessen Rillen sich die engeren Felder ausformen. Beim Hämmern ist die Laufbohrung daher zunächst weiter als beim Ziehen oder Drücken. Zur Bestimmung eines unbekannten Kalibers eignen sich einmal genormte Lehren oder Bleieintriebe in die Mündung, die nach Entfernung mit Präzisionsgeräten gemessen werden.
An gebrauchsfertigen Patronen ist es mitunter schwierig, den größten Geschoss-durchmesser abzunehmen, wenn der zylindrische Führungsteil im Hülsenhals steckt und nur der sich verjüngende Geschosskopf aus dem Hülsenmund ragt. Es sind sogar Geschossformen mit zwei Durchmessern bekannt, wo der vordere Feld- und der hintere Zugkaliber aufweist. In einem solchen Fall sind Messfehler mit großen Gefahren verbunden.

Nennkaliber....Geschoss- mm 1).......Beispiel 1..................Beispiel 2
5,6 mm / .222 - 228“.....5,63 - 5.79... 5,6 x 35 R..5.63.......5,6 x 52R....5.79
6 mm / 243“.....6,17.......................243 Win............6 mm Freres..6,18
6,5 mm / .257 - .264“...6,54 - 6,70...6,5 x 52 R.. 6,58.......6,5 x 57..6.70
.270................7,06..............270 Win...................270 Weath......7.04
7mm...............7,25..............7x64.........................7mmRM........7.23
30......................................30-06.....7,85.............300 WiMa.......7,85
308“...............7,80 - 7,85.......308Win...7.85...................30 Rem..7,80
8 mm. ...........8,09 - 8,25......8 x 57 J....8,09...............8 x 57 JS...8,22
.338“.......8,59 - 8,61..........8,5 x 63....8,59...............338 Win.M....8,61
9 mm / .357“.....9,08...........9 x 57.......9,08...............35Whelen...9,12
9,3 mm“.....9,25 - 9,57........9,3 x 62.....9,30..............9,3 x 72 R...9,57
Tabelle 1: Geschoss- verschiedener Kalibergruppen 1) maximal nach CIP
Bei den meisten 30er-Kalibern ist der Geschoss-DM 7,82 mm

Besonders anfällig für Verwechslungen sind die 22er-Randfeuerkaliber, landläufig als KK-Patronen bekannt. Der Nenndurchmesser ist keineswegs 22 mm, sondern 22 Hundertstel Inch (Zoll), umrechnungsmäßig 5,59 mm. Tatsächlich beträgt der Geschossdurchmesser aber max. 5,72 mm. Hülsenlängen dieser Patronen reichen von 10,69 bis 26,80 mm. Zu den Randfeuerpatronen, deren Zündsatz im Rand sitzt, zählen auch die 4 mm Randzünder und die Flobertpatronen im Kaliber 6 und 9 mm, die es auch mit Schrotladung gibt.

Nomen est Omen
Schon in den Anfangstagen der Patronenmunition war es in Europa üblich, den Maßangaben Zusatzbezeichnung anzufügen. In Deutschland waren das u.a. Hersteller wie Bänziger, Brenneke, Collath, Frohn, Mauser, Miller & Greiss, Sauer, Stahl oder Schüler, letztere mit der 12 (11,7) mm „Jumbo“. Österreich steuerte z.B. Mannlicher-Schoenauer und Peterlongo bei.
Das Leistungssynonym „Magnum“ wurde der 8 x 60 (R) mit der zusätzlichen Steigerung „Bombe“ zuteil, während die Hochleistungspatronen von Halbe und Gerlich, als „Halger-Magnum“ mit der für Deutschland abweichenden nicht metrischen Kaliberangabe aufwarteten. „Freres“ oder „Blaser“, sind Teil offizieller Kaliberbezeichnungen. „Vom Hofe“ reiht sich mit seinen „Super Express“-Sorten in den illustren Kreis ein. Die neueste deutschen Magnums ist die 5,6 x 50 (R) Magnum aus dem Jahr 1968 und die Blaser Magnum-Kaliber.
In England wurden „Magnums“ schon vor dem Ersten Weltkrieg eingeführt, wobei sich der Leistungszuwachs der „Nitro Express“-Patronen an den alten Schwarzpulverkalibern orientierte. Zahlenmäßig sind auf der Insel Zusatzbezeichnungen am häufigsten anzutreffen. Berühmte Namen sind Gibbs, Holland & Holland, Jeffery, Purdey, Rigby, Ross oder Westley Richards.
Mitunter ist „Magnum“ nur ein Werbegag, wie die Gürtelpatrone .224 Weatherby Magnum beweist. Die kleinere .22-250 Remington kommt ohne den Gürtel aus und liefert in manchen Laborierungen sogar eine höhere Leistung. Dessen ungeachtet liegen die anderen Weatherby-Magnums in der Pole-Position der jeweiligen Kaliberklassen.
Dass Patronen für bestimmte Waffen konzipiert wurden, geht z.B. aus der 5,6 x 35 R „Vierling“ hervor. Sogar auf Wildarten abgestimmte Patronen sind bekannt, wie die „Rook Rifle“, eine englische Büchse und Patrone für den Abschuss von Krähenvögeln, oder das bereits genannte Extrem „Jumbo“ für die Elefantenjagd.
Wenn heute von der „Försterpatrone“ die Rede ist, wird die 9,3 x 72 R gemeint, während zu ihrer Zeit die 6 x 58 eine beliebte Patrone für leichtes Schalenwild war und die ach so moderne 260 Remington praktisch vorweg genommen hat.
Aus neuerer Zeit bezeichnet das Kaliber .30 M1 Carbine eine randlose zylindrische Patrone für die 1941 von der US-Army eingeführte Infanteriewaffe. Als Hülsenmundanlieger bildet sie den Verschlussabstand wie die meisten Pistolenpatronen über den vorderen Hülsenrand.

Amerika
wird, wie dem nicht metrischen Rest der Welt, unterstellt, mit seinen Kaliber-bezeichnungen jede Systematisierung ab absurdum zu führen. Wie oben erwähnt, haben die „Dezimalpuristen“ jedoch keinerlei Grund, die Nase über das vermeintliche Chaos zu rümpfen. Wie nachfolgende Übersicht zeigt, haben die USA etwa ein Dutzend metrische Büchsenkaliber, wenn gleich nur eines auch die Hülsenlänge in der Handelsbezeichnung im „Wappen“ führt, von den beiden NATO-Patronen abgesehen.

Hülsen-
Nennkaliber........Geschoss-mm* .....länge....Einführung....Vermerk
5,56 x 47 mm Nato....... 5,70........... 44,70.......1961.....zivil 223 Rem.
6 mm Lee Navy............ 6,20............59,69.......1895.....Erste randlose Dienst-Patrone
6 mm Benchrest............6,17...........38,61.......1988.......aus .308 Win.
6 mm PPC - USA........... 6,17...........38,48.......1987.......aus 7,62x39
6 mm Remington...........6,17..........56,72........1963.......auch .244 Rem.
6,5 mm Rem. Mag.........6,72..........55,12 G....1966.......aus 350 Rem.Mag.
7 mm Benchrest............7,23..........38,35........1978.......aus .308 Win.
7-30 Waters..................7,23..........51,82 R.....1984.......aus .30-30
7mm-08........................7,23...........54,69.......1980.......aus .308 Win
7 x 61 S&H Super.........7,25.......... 61,00 G....1953.....auch 7mm Super Norma
7 mm Rem. Mag........... 7,23..........63,50 G.....1962......ähnl. .275 Belt. N.E.
7 mm Rem. Express......7,23..........64,52........1979........auch .280 Rem.
7 mm Weath. Mag........ 7,22..........64,74 G....1944........aus .300 H&H
7 mm STW....................7,23..........72,39 G....1997.......aus 8 mm RM
7 mm Dakota................7,21..........63,50........1993.......404 Jeffery
7,62 x 51 mm Nato....... 7,85..........51,18........1957.......zivil .308 Win.
8 mm Rem. Mag........... 8,22..........72,39 G.....1978.....Erste 8 mm US-Magnum
Tabelle 2: Metrische Kaliber USA (Auszug)
G =Gürtelhülse, R = Randhülse, *max. CIP-Maße in mm

Normalisiert sind u.a. die Kaliber 6 x 47 mm, 7 mm T/CU. England hat mit der 7 mm Rigby Magnum und 7 mm H&H Rimmed Magnum ebenfalls einige metrische Kaliber.

Hülsenmaße
sind weit diffiziler zu ermitteln, wenn diese vom Patronenlager abgenommen werden müssen. Was bei Kipplaufwaffen mittels Lagerabgüssen noch angeht, stößt bei Repetier- und Selbstladewaffen auf erhebliche Schwierigkeiten. Derlei Untersuchungen werden zweckmäßiger Weise einem kompetenten Büchsenmacher, der DEVA oder einem Beschussamt übertragen.

Von den auf der Waffe angegebenen Maßen auszugehen, führt in vielen Fällen nicht zum Ziel, denn gleiche Angaben können selbst bei gleichem Geschossdurchmesser ganz unterschiedliche Patronen bezeichnen. Eine 6,5 x 54 gibt es z.B. als „Mauser“ und als „Mannlicher - Schönauer“. Die finnische und Schweizer 9,3 x 53 R unterscheiden sich nicht nur in den Maßen, sondern mehr noch im zulässigen Gasdruck. Das „Kleingedruckte“ ist also auch bei Kaliberangaben von Bedeutung. Die Randpatrone 8 x 57 R wird, je nach tatsächlichem Kaliber, mit zusätzlichem „J“, „JS“ oder „360“ gekennzeichnet, letztere deshalb, weil sie auf der englischen .360 N.E. 2¼“ basiert. Das deutsche 8 mm - Kaliber mit seinen beiden unterschiedlichen Geschossdurchmessern in ansonsten völlig gleichen Hülsen ist in Tabelle 1 erwähnt. Von den deutschen Kalibern entsprechen nur ganz wenige genau dem Nennkaliber. Die 9,3 x 62 und 9,3 x 64 sind praktisch die beiden einzigen Büchsenkaliber, wo sowohl der Geschossdurchmesser als auch die Hülsenlänge auf den Hundertstel Millimeter zutreffen.

Selbst bei angegebener Hülsenlänge weicht der Nennwert z.T. erheblich vom tatsächlich zulässigen Maß ab. Die Briten nehmen es vergleichsweise genau, denn die in Inch angegebene Länge trifft fast durchgängig zu. Eine weitere Spezialität von der Insel sind die Benennungen mit Doppelkaliber, z.B. .450/.400. Hier wurde die großkalibrige Hülse auf das kleinere Kaliber eingezogen. Ob die beiden Kaliber tatsächlich von gleich edlem Blut sind, ergibt sich aus den übereinstimmenden Maßen des Rand- und P1-Durchmessers.
Die Verwendung von besonders beliebten Hülsen für größere oder kleinere Kaliber ist eine in den USA verbreitete Methode um neue Patronen zu kreieren, wie nachstehende Übersicht zeigt. Dabei ist die Abstammung nicht immer so eindeutig erkennbar, wie bei den „06“ - und „08“ - Kalibern

Kaliber.....Geschoss mm......"Mutterpatrone"
.17 Rem.............4.38.............222 Rem.
.22 - 250 Rem....5,70.............250 Savage
.243 Win............6,17.............308 Win.
.257 Roberts......6,55.............7 x 57 Mauser
.25 - 06 Rem......6,55.............30 - 06
270 Win.............7,06.............30 - 06
7 mm-08 Rem....7,23.............308 Win.
7 - 30 Waters.....7,23............30 - 30 Win.
.35 Whelen.........9,12............30 - 06
Tabelle 3: Hülsenvariationen

Von den metrischen deutschen Patronen bedienen sich die meisten der 57 mm langen Hülse der als 8 x 57 J bekannten Militärpatrone von 1888. Die Bandbreite reicht dabei von der kleinen 5,6 x 57 bis zur dicken 9,3 x 57. Die Hülsenlänge 60 mm ist schwerpunktmäßig den 8 mm - Kalibern eigen. 64 und 65 mm Länge weisen die leistungsstarken 6,5 -, 7 -, 8 - und 9,3 - mm Kaliber auf. Großvolumige 68 mm - Hülsen haben die 6,5 x 68, 8 x 68 S und 10,75 x 68.
Auf dem obersten „Treppchen“ stehen längenmäßig die .50 Browning mit 99,31, die englischen 3½ - Inch - Expresspatronen und .700 H&H N.E. mit 88,90 mm.

Eine weitere Unterscheidung ergibt sich bei US - Randpatronen aus der Gewichtsangabe der ursprünglichen Pulverladung, auch wenn viele statt Schwarzpulver heute mit rauch-schwachem Treibladungsmittel laboriert werden.

Kaliber....................... Geschoss
................................. mm........Hülse mm........Vermerk
25 - 20 Win.................. 6,55........... 33,78
25 - 35 Win.................. 6,55........... 51,89........metrisch 6,5 x 52 R
30 - 30 Win.................. 7,85............51,80.......von Beginn an mit Nitropulver
30 - 40 Krag................. 7,85............57,78........Dienstpatrone 1892 - 1906
32 - 20 Win.................. 7,94............33,40
32 - 40 Win.................. 8,15............43,38
38 - 55 Win.................. 9,58............52,96
38 - 40 Win.................. 10,17..........33,15
40 - 82 Win.................. 10,35..........60,71
44 - 40 Win..................10,85.......... 33,15........Büchse und Revolver
45 - 70 Gov..................11,63.......... 53,47........Dienstpatrone 1873 - 92
Tabelle 4: Kaliber mit Ladungsangabe in Schwarzpulver

Einige US - Kaliber führen z.T. als dritten Wert die Angabe des Geschossgewichtes (in Grain) mit an. Soweit in den aktuellen Maßtafeln enthalten, betrifft das (inoffiziell) nur noch die .45-70-300 Gov. Mit .250-3000 war dagegen die .250 Savage gemeint, die mit einem 5.64 g schweren Geschoss eine V° von immerhin 3000 fps (914 m/s) erreichte.
Um leistungsstarke Kaliber in Standardsystemen unterzubringen, wurden „Short Action -Kaliber“ mit kurzen und „fetten“ Hülsen entwickelt. Mit den „Ultra-Magnums“ wird eine nochmalige Steigerung möglich.

Schrotkaliber
Patrone gebrauchsfertig
Hülse abgeschossen

Länge ist seitlich aufgedruckt
werden nach einem besonderen System geordnet, das auf dem englischen Pfund (453,5 g) beruht. Werden aus einem Pfund Blei 12 Kugeln gleicher Größe geformt, ergeben deren Durchmesser das Kaliber 12. Je höher also die Kaliberzahl, umso kleiner der Kugeldurchmesser. Metrisch sind die Laufbohrungen der Schrotkaliber mit folgenden Maximalwerten genormt und entsprechen etwa dem Innendurchmesser der Patronenhülsen:

Schrot-
Kaliber....... mm.............gängige Hülsenlängen mm (abgeschossen)
10.............. 20,0......89
12.............. 18,9......89.....76.....70......67,5......65
16.............. 17,3........................70.....67,5.......65
20.............. 16,2..............76......70.....67,5.......65
28.............. 14,3........................70..................65
36 (.410)......9,0..............76.......70..................65

Im Gegensatz zu gezogenen Läufen lässt der Mündungsdurchmesser bei Schrotläufen keinen Rückschluss auf das tatsächliche Kaliber zu, denn die sog. Würgebohrung (oder Choke) kann bis zu 1 mm enger (aber auch weiter) sein als der zylindrische Laufdurchmesser zwischen Patronenlager bzw. Übergangskegel und Choke.
Die Papp- oder Kunststoffhülsen der Schrotpatronen sind vorne eingerollt oder gefaltet und strecken sich im Schuss. Aus diesem Grund dürfen zwar kürzere aber nur die maximal zulässigen Patronenlängen verwendet werden, um eine Gasdruckerhöhung zu vermeiden, wenn sich die Hülse in den Lauf hinein streckt.

Kurzwaffenpatronen
für Pistolen und Revolver können sowohl metrisch als auch nicht metrisch bezeichnet sein. Soweit keine Hülsenlängen auf dem Patronenboden vermerkt sind, ergibt sich die Länge der Hülse aus der Bezeichnung, von denen einige nachstehend gelistet sind.

Kaliber..............GeschossØ .........Hülsenänge.....Bekannt auch als:
6,35 Browning..........6,38............15,55.............. .25 Auto
7,63 Mauser.............7,85............17,20.............. .30 Mauser
7,65 Browning..........7,86............21,10...............32 Auto
9 mm Luger..............9,03...........19,15...............Para / 9 x 19
357 SIG....................9,03............21,97
45 Auto...................11,48............22,81............. 45 ACP
38 Spezial.................9,12............29,34............. Win. Special
357 Magnum.............9,12...........32,77.............. Rem.Magnum
44 Rem. Magnum....10,97...........32,64
45 Colt....................11,58...........32,64
Tabelle 6: Kurzwaffenpatronen

Wie bei Schrotpatronen, lassen sich kürzere Hülsen aus längeren Patronenlagern verschießen. Das trifft maßlich insbesondere auf die Kaliber 22 Randfeuer, 32 und 38/357 zu. Bei der Schussleistung müssen jedoch Abstriche gemacht werden.

Fazit
Schon die Geschichte der einzelnen Kaliber ist interessant genug, die Herkunft in der einen oder anderen Richtung an Hand der Boden- und Randdurchmesser oder der Hülsenform zurück zu verfolgen. Allein die Geschoss- geben unwahrscheinlich Stoff ab, wenn sich ein Patronensammler, Jäger oder Sportschütze mit der Historie und technischen Entwicklung „seiner“ Munition eingehender beschäftigt. Diese Zeilen konnten nur einige der wichtigsten Punkte ansprechen, sollten aber dazu ermutigen und anregen, in dieses höchst ergiebige Gebiet des Waffenwesens tiefer einzudringen.
Zum Schluss noch die Sache mit dem Punkt vor den nicht metrischen Kalibern. An sich hatte die CIP beschlossen, das Kaliber ohne den „Vorpunkt“ anzugeben. Die bundesdeutsche Ministerialbürokratie hat sich dem aber nicht angeschlossen, obwohl die Beschlüsse der CIP in deutsches Recht umzusetzen wären. Wir müssen daher bis zur nächsten Veröffentlichung der Maßtafeln die nicht metrischen Kaliber vorerst weiter punktieren. Auf den Patronenpackungen sind dagegen als Handelsbezeichnungen die Kaliber überwiegend „punktfrei“ angegeben, was als Eigenname durchaus akzeptabel ist.
Besteht auch nur der geringste Zweifel, ob eine Patrone zu einer bestimmten Waffe passt oder nicht, ist es alle Mal besser, sich einer kompetenten Stelle zu bedienen, um die jeweiligen Kaliber einwandfrei bestimmen zu lassen.
Übrigens: Leere Hülsen und Geschosse ohne Spreng- und Leuchtsatz (z.B. Jagdgeschosse) unterliegen keiner gesetzlichen Regelung. Sie dürfen von jedermann gesammelt werden und sogar Kinder dürfen damit spielen. Leere Hülsen sind als nervtötende Pfeifen recht beliebt. Es ist aber darauf zu achten, dass sich weder Pulverreste noch scharfe Zündhütchen darin befinden. So kann auch für ansonsten „nicht Berechtigte“ die Beschäftigung damit interessant sein.
PS: die Tabellen ließen sich nicht gut einstelleen
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SirHenry

SirHenry

Alter: 80 Jahre,
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Kommentare

21.10.2013 19:28 sau_hund
ich habe großen Respekt vor deinem Wissen
Doch ich bin kein Waffennarr und auch kein Wiederlader sondern einfach nur Jäger, meine Patronen kaufe ich im Laden und verschieße sie im Revier.
Deshalb ist es einfach zuviel Information für mich um alles zu lesen, sorry!
21.10.2013 20:12 Cobra
Immer wieder hochinterssant, deine Ausführungen. Danke dafür!
22.10.2013 10:04 Braunbaer
In diesem Fall, hast du mir mal nichts Neues beibringen können. In meiner Zeit als Jungjäger konnte ich die Daten sogar im Schlaf runterbeten.
Hat mich eben interessiert.
Jetzt weiß ich, was ich kaufen muss und gut ist's.
22.10.2013 10:06 SirHenry
sau_hund schrieb:
ich habe großen Respekt vor deinem Wissen
Doch ich bin kein Waffennarr und auch kein Wiederlader sondern einfach nur Jäger, meine Patronen kaufe ich im Laden und verschieße sie im Revier.
Deshalb ist es einfach zuviel Information für mich um alles zu lesen, sorry!


Du kaufst dann wohl so im Laden:
Ich hätte gerne wieder mal Patronen. Sie wissen schon, die für meinen Drilling, den Sie vor 3 Jahren eingeschossen haben
22.10.2013 11:33 Peter85
Wass will uns diese Ausführung sagen?
22.10.2013 12:09 SirHenry
Peter85 schrieb:
Wass will uns diese Ausführung sagen?


Wer ist "uns"? Ein paar Usern sagen sie immerhin was und wenn sie dir nix sagen, ist es doch o.K.
22.10.2013 16:28 sau_hund
SirHenry schrieb:
Du kaufst dann wohl so im Laden:
Ich hätte gerne wieder mal Patronen. Sie wissen schon, die für meinen Drilling, den Sie vor 3 Jahren eingeschossen haben


so ganz unrecht hast Du da nicht
22.10.2013 22:57 Schlosser
Ich kann mich Cobra nur anschließen. Respekt!
23.10.2013 08:07 SirHenry
Schlosser schrieb:
Ich kann mich Cobra nur anschließen. Respekt!

Danke für die Blumen (pardon "Bruch")
Blöd ist nur, dass sich die Tabellen aus dem Word nicht hier übertragen ließen.

Übrigens: Sooo viel Wissen ist es auch wieder nicht. aber dass lesen bildet,sieht man ja hier im Blog. Die Daten und Fakten sind nur zusammengetragen um einen besseren Überblick zu bekommen. Auf dem eigenen Mist ist am wenigsten gewachen, aber für ne Doktorarbeit dürfte es reichen
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