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15.10.2013, 16.08 Uhr

Herbstmondjagd

So, zunehmender Halbmond im Oktober – endlich! Ich freute mich schon ziemlich lange darauf. Die Felder waren abgeerntet und neu bestellt. Auch der Mais war weg, der Weizen drin und – die Sauen wieder zurück. Zumindest in den letzten Tagen machten sie es sich so richtig gemütlich auf den Feldern. Gestern und vorgestern kam ich leider nicht zum Abfährten. Das Wetter war nicht gerade günstig, die Prognosen sagten einzig für heute gutes, heiteres Wetter voraus. Danach sollte es sich beziehen und regnen. Und in der zweiten Wochenhälfte, also bei eigentlich bester Mondphase, wird es mit der Jagd nichts werden… Naja, da war für heute doch alles klar. Der Feierabend war heute Gesetz. Daran ließ ich nicht rütteln, obwohl einmal mehr kurz vor dem Feierabend ein ziemlich erhebliches dienstliches Problem meine Planung fast zunichte zu machen drohte. Aber Not macht erfinderisch und so kriegte ich gerade so die Kurve.

Meine Frau wartete zu Hause mit Kaffee und Kuchen – der blieb stehen. Ich musste mich beeilen, wenn ich mir noch vor dem Ansitz zumindest einen groben Überblick verschaffen wollte, wo die Sauen denn nun wirklich sind. Die Runde brachte schockierende Ernüchterung. Auf der ehemaligen Maisfläche zeichneten sich nach dem Regen der vorletzten Nacht keine frischen Fährten ab. Das Grünland, das an vielen Stellen in den letzten zwei Wochen gelitten hatte war ebenfalls seit dem Regen verweist. An meiner Lieblingsecke, dem Bruch am See fand ich auch keine frischen Fährten.
An einem zweiten Feld, das noch vor zwei Wochen mit Mais bestockt war, hatten die Sauen in der letzten Nacht jedoch ausgiebig gehaust. Meine Hoffnung zerschlug sich jedoch aus zwei Gründen. Da das Feld durch die Reviergrenze geschnitten wurde, konnte ich nur an einer Seite sitzen. Der Südostwind aber würde die anwechselnden Sauen garantiert rechtzeitig von meiner Anwesenheit in Kenntnis setzen…

Resigniert beschloss ich, es wenigstens auf ein Stück Rehwild zu versuchen und hastete zum anderen Ende des etwa 1.000 ha großen Reviers. Hier befand sich ein großes Feld, auf dem der Bauer nach der Ernte des Rapses Weizen gedrillt hatte. Und am letzten Wochenende bestätigte ich hier einen Sprung Rehwild. Einer Ricke mit zwei ganz schwachen Kitzen galt es nun. Bei der Ankunft am offenen Hochsitz machte sich wiederum Enttäuschung breit. Nicht ein einziges Stück Rehwild stand auf dem etwa 40 ha großen Schlag. Und ich entdeckte auch gleich, warum das so war. Offen sichtlich hatte der Landwirt heute den Schlag gespritzt. Frische Traktorspuren in den Fahrgassen des Feldes bestätigten meine Befürchtung.

Meine Stimmung war auf dem Nullpunkt. All die Vorfreude auf den heutigen Abend war dahin. Was tun…?

Noch einmal schweifte mein Blick über das Feld. Kein Stück Rehwild, kein Hase. Einzig die alten Furchen, die die Sauen vor ein paar Wochen durch das Feld gezogen haben auf der Suche nach Gewürm und Maus waren noch zu erkennen. Und das sehr deutlich. Aber Moment mal! Das sah doch gar nicht so alt aus… Ich verließ noch einmal den Hochsitz und kontrollierte die Stellen. Tatsächlich, hier waren die Sauen nach dem letzten Regen, also in der letzten Nacht aktiv!!!

Ich prüfte den Wind. Naja, wirklich gut war er hier nicht. Südost ging mit ein wenig Glück gerade noch so. Weiter auf Ost durfte er aber nicht drehen! Aber was hatte ich zu verlieren? Ich blieb, pfiff auf Rehwild, das eh nicht mehr kam und wartete. Dabei war mir durchaus bewusst, dass es sicher noch drei Stunden dauern würde, ehe die Sauen wirklich erscheinen könnten. Welche Sau zieht bei so leuchtendem Halbmond schon vor 22:00 Uhr auf ein riesiges freies Feld, das selbst auch nur durch weitere Felder umgeben war…???

In Gedanken war ich, ließ den Sommer Revue passieren, freute mich über die drei Sauen in den letzten drei Wochen, darüber, dass die Kraniche im Revier in diesem Jahr so erfolgreich brüteten, wir ohne großen Wildschaden durch den Sommer kamen, dass ich meinen Bauern überzeugen konnte, auf die Trockenlegung eines neu entstandenen „Temporärgewässers“ zu Gunsten „seiner“ Störche zu verzichten…

Im letzten Licht des Tages glaste ich noch einmal die verbliebenen Heckenreste am Feldrand vor mir ab, schwenkte über das Feld zum Soll. Aha, direkt hinter dem Soll ästen eine Ricke mit Kitz. Genaueres war bei dem Licht und der Entfernung nicht mehr auszumachen. Mein Blick ging zurück zur Hecke. Für zwei Sekunden nur erschienen dort zwei schwarze Wildkörper, stoppten und verschwanden wieder in der Hecke. Ich war wieder voll da! Das konnten nur Sauen gewesen sein…
Ich setzte das Fernglas nicht mehr ab, behielt die Hecke unter Kontrolle. Aber nichts tat sich. Sollten die (weshalb auch immer) verschreckt worden sein…? Sollte der Wind doch Witterung von mir dorthin verfrachtet haben? Ich haderte.

Nachdem sich über 10 Minuten regte, schwenkte ich nach links, zum Ende der Hecke und dann weiter auf das Feld. Die zwei Rehe vom Feldsoll wechselten stetig, wenn auch nicht übermäßig zügig genau in die Richtung, wo ich vorher die beiden Sauen sah. Ja, auch sie liebten die dort liegenden Eicheln, das war klar. Und die Wildbirne nebenan ließ auch reichlich Früchte fallen. Als die Rehe auf etwa 100 Meter an der Eiche heran waren, sicherten sie sehr aufmerksam, drehten schließlich ab und flüchtete dorthin, woher sie auch gekommen waren. Ich begann zu hoffen, dass die Sauen noch in Reichweite waren. Sehen konnte ich nichts. Ich lehnte mich zurück, zog den Rollkragen des Pullis hoch und schloss auch den Kragen der Jacke – der Wind hatte aufgefrischt und ich kann nicht behaupten, dass mir übermäßig warm gewesen wäre.

Einmal mehr nahm ich die Hecke unter die Lupe. An der erwarteten Stelle tat sich leider noch immer nichts und so schwenkte ich wieder nach links… - da! Da war deutlich ein stärkeres Stück Schwarzwild auszumachen. Zwar stand es noch sehr dicht an der Hecke, aber es war eindeutig. Zwischenzeitlich war auch das letzte Tageslicht am Horizont verschwunden und nur der reichlich halbvolle Mond erleuchtete die Szenerie. Zu einem starken schwarzen Klumpen gesellte sich ein zweiter und auch viele kleinere…! Ja, das musste die Rotte sein, der wir beim Maishäckseln lediglich einen Frischling abluchsen konnten! Langsam zog sie zu der Stelle, wo ich vorher schon die beiden Schwarzkittel beobachtete und ließen sich dort die Eicheln schmecken! Sollte ich wirklich Glück haben und die Sauen würden nun der Hecke in meine Richtung folgen…? Ja, es dauerte zwar eine ganze Weile, biss sich der tross wieder in Bewegung setzte, aber die Richtung war jetzt eindeutig! Und sie war eindeutig gut für mich. Ich richtete mich schon ein, ich würde hier nicht lange zaudern. Sobald die Entfernung halbwegs stimmte, musste ich es wagen. Jeder Meter näher zu mir erhöhte das Risiko, dass die Sauen doch noch Wind von mir bekamen. Aber noch war es deutlich zu weit für einen sauberen Schuss. Zwar konnte ich im Zielfernrohr den Leuchtpunkt schon gut auf einem Frischling unterbringen. Aber ein paar Meter würde ich gern noch warten…

Diese paar Meter aber wurden mir zum Verhängnis. Plötzlich bildeten die Frischlinge eine dichte Traube und die beiden Bachen bliesen zum rasanten Aufbruch! Sehr zügig ging es nach links und dann wieder Richtung Feldgrenze. Wenige Augenblicke später war der Spuk vorbei…

Ich überlegte kurz: Hier bleiben und weiter warten? Diese Rotte würde bestimmt nicht noch einmal erscheinen. Andere Sauen hatte ich in den letzten zehn Tagen hier nicht gefährtet. Rotwild auch nicht. Also: Abbaumen und umsetzen… Die Überlegung, wohin ich denn dann wohl gehen sollte, dauerte eine ganze Weile. Südostwind ist alles andere als optimal. Ich war ziemlich ratlos und enttäuscht bei der Aussicht, bei dem herrlichen Abend keinen sinnvollen Ansitzplatz zu finden. Also wollte ich wenigstens noch einmal zum Bruch am See. Ich hatte keine Hoffnung, Sauen wirklich vorzubekommen. Aber vielleicht waren sie ja wenigstens mal zu hören – oder eben nicht. Immerhin würde ich danach zumindest wissen, ob überhaupt Sauen im Bruch stecken.

Das Auto ließ ich fast schon im Unterbewusstsein im Dorf stehen. Mein zotteliger Klettenfänger blieb jetzt im Auto, da ich damit rechnete, dass vielleicht auch noch der eine oder andere Gassigeher meinen Weg kreuzen würde. Und ich hatte ehrlich keine Lust auf Hundegespräche…

Die Waffe über der Schulter pirschte ich langsam die Plattenstraße entlang, glaste immer und immer wieder die Wiesen ab. Aber außer den eingekoppelten Rindern im hinteren Teil des Grünlandes war nichts zu entdecken. Ich näherte mich einem Einzelgehöft. Das Wohnhaus war nur etwa 20 Meter von der Plattenstraße entfernt. Ihm gegenüber lag nur etwa 60 Meter entfernt der Bruch, in dem ich Sauen erhoffte. Die Wiese zwischen Plattenstraße und Bruch selbst wurde auch ohne Mond erhellt – die Straßenlampen arbeiteten hier schon so manches Mal für mich. Im Grünland selbst war nichts zu sehen. Ich positionierte mich an der Einfahrt in die Koppel und wollte eine Weile verharren. Aber kaum hatte ich einen geeigneten Stellplatz gefunden, klapperte der Stacheldraht des Koppelzaunes leise aber unüberhörbar. Mein Blick schweifte nach rechts und ich erstarrte. Kaum 50 Meter von mir entfernt trollte eine Bache mit 5 oder 6 Frischlingen am Zaun entlang genau auf mich zu. In Windeseile hatte ich den R8 von der Schulter, den Leuchtpunkt an und die Waffe gespannt. Die Rotte wandte sich vom Zaun ab und trollte in die Wiese hinein. Ich war zügig abgekniet, um am Weidpfahl anstreichen zu können. Doch in der Position war von den Sauen nichts zu sehen. Also wieder hoch – ach da, in einer Senke, in der ich wegen der hohen Vegetation im Vordergrund die Sauen zunächst nicht sehen konnte, standen sie jetzt etwas unruhig im Gebräch. Die Bache hatte ich schnell ausgemacht, die Frischlinge verschwanden in den aufgewachsenen Gräserbüscheln immer mal wieder für einen Moment. Ich streckte mich auf Zehenspitzen, die Waffe im Anschlag und das Ziel erfasste einen breit stehenden Frischling.

In breiter Front gingen die Sauen ab, strebten panisch dem Bruch zu um wenige Sekunden später laut polternd die Grauweidengebüsche zu durchbrechen und im Schilf laut platschend ihr Heil in der Flucht zu suchen…

Obwohl ich immer und immer wieder die Wiese ableuchtete. Ich konnte keinen leblosen Wildkörper entdecken. Zweifel kamen auf, hatte ich verrissen…? Richtig wohl fühlte ich mich nicht. Nachdem ich das Auto geholt hatte, suchte ich in der Wiese den Anschuss. Zwar fand ich überall Stellen, an denen die Sauen die Grasbarbe in großen Placken umgeworfen hatten, einen Anschuss konnte ich jedoch nicht finden. Ich suchte die Kante zum Bruch ab, hoffte darauf, dass ein angebleiter Frischling Schweiß an den Hochstaudfenfluren oder Weidenzweige abgestriffen hätte. Aber die noch so akribische Kontrolle erbrachte kein Ergebnis. Hatte ich wirklich gefehlt…??? Lieber so, als angebleit. Das war klar. Ich beschloss, am nächsten Morgen noch einmal bei Tageslicht zu kontrollieren, schlenderte zum Auto und warf den Plan noch einmal über den Haufen. Wozu hat man einen Hund? Wenigstens den Anschuss oder die Stelle des Einwechselns in den Bruch hoffte ich mit ihm zu finden.
Ich kreuzte auf etwa halber Höhe zwischen vermutetem Anschuss und dem Rand des Bruches die Fluchtfährte der Rotte und gab Kiro das Kommando zur Suche. Kiro untersuchte erst eine Fährte, ließ ab. Auch die zweite und dritte Fährte untersuchte er, folgte denen aber auch nicht. Bei der vierten Fährte schlug sein Verhalten schnell um. Er fiel die Fährte an und folgte recht ungestüm. Und wenig später standen wir vor dem verendeten Frischling. Die Kugel hatte ihn einen Tick zu weit hinten erwischt. Aber er lag. Kiro zauste ihn und ich ließ ihn geraume Zeit gewähren. Der Rest war schnell erledigt.

Auf der Heimfahrt musste ich schmunzeln. Das war mal wieder ein Abend der Wechselbäder der Gefühle. Letztlich mit einem Happy End. Jagdabende, wie ich sie eigentlich am liebsten habe….

Am nächsten Morgen kontrollierte ich die Fluchtfährte noch einmal. Am Anschuss (den ich rückwärts ausbuchstabierte) fanden sich nur drei Schnitthaare. Die gesamte Fluchtfährte war ohne Schweiß. Erst zwei Meter, bevor das Stück zusammenbrach, öffnete sich der Ausschuss offensichtlich, es fand sich reichlich Schweiß.


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Rapsjaeger

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Kommentare

15.10.2013 16:45 RhoenerKauz
Waidannsheil wünsch ich ;)
Aber daß die Sauen vor 22 Uhr bei so hellem Mond nicht raußkommen - das kann ich widerlegen ;) zum Beispiel gestern... 20:00 Uhr gesessen, 20:03 Uhr kam ein Keiler aufs freie Rapsfeld :)
15.10.2013 16:48 Rapsjaeger
RhoenerKauz schrieb:
Waidannsheil wünsch ich ;)
Aber daß die Sauen vor 22 Uhr bei so hellem Mond nicht raußkommen - das kann ich widerlegen ;) zum Beispiel gestern... 20:00 Uhr gesessen, 20:03 Uhr kam ein Keiler aufs freie Rapsfeld :)


Ja, kann ich auch belegen, spätestens jetzt. Aber normal ist das gaaanz sicher nicht. Zumindest nicht bei uns!

Bei Keilern ist das noch ein wenig anders. Da habe ich das mehrfach selbst erlebt. Die Bachen aber...

Weidmanns Dank!
15.10.2013 18:20 Kija
Weidmannsheil
hart erarbeitet, durch Geduld und Hoffnung - und super geschrieben
LG Kija
15.10.2013 20:09 Rapsjaeger
Kija schrieb:
Weidmannsheil
hart erarbeitet, durch Geduld und Hoffnung - und super geschrieben
LG Kija


Weidmanns Dank! Ja, das zeigt einem mal wieder - niemals die Hoffnung aufgeben...
16.10.2013 07:13 taube54
Waidmannsheil, Super geschrieben.
Gruß Taube
16.10.2013 18:09 hunterbucki
Tolle Geschichte!
Waidmannsheil
16.10.2013 21:06 esau
Weidmannsheil!
Schön ,zu lesen ,das es mal wieder geklappt hat.
Das mit dem Wechselbad ist gar nicht so selten.
Aber eigentlich ist das auch gut so.
So sind wir uns nie allzu sicher.
17.10.2013 14:26 Remmi
Super!
Waidmannsheil
18.10.2013 13:14 Dackelbiene
Und wieder mal ein Schweinchen .... .
Weidmannsheil wünsch ich Dir !
19.10.2013 19:36 Rapsjaeger
taube54 schrieb:
Waidmannsheil, Super geschrieben.
Gruß Taube

Weidmanns Dank! Schön, wenn´s gefällt...!!!
19.10.2013 19:37 Rapsjaeger
hunterbucki schrieb:
Tolle Geschichte!
Waidmannsheil

Weidmanns Dank! Das Erlebnis war schon gut, und auch das Niederschreiben hat Spaß gemacht...
19.10.2013 19:38 Rapsjaeger
esau schrieb:
Weidmannsheil!
Schön ,zu lesen ,das es mal wieder geklappt hat.
Das mit dem Wechselbad ist gar nicht so selten.
Aber eigentlich ist das auch gut so.
So sind wir uns nie allzu sicher.


Weidmanns Dank! Ja, das stimmt schon mit dem Auf und Ab an so manchen Jagdabend - deswegen gehen wir ja auch immer wieder raus...!
19.10.2013 19:39 Rapsjaeger
Bolchower schrieb:
Super!
Waidmannsheil


Weidmanns Dank!
19.10.2013 19:40 Rapsjaeger
Dackelbiene schrieb:
Und wieder mal ein Schweinchen .... .
Weidmannsheil wünsch ich Dir !


Weidmanns Dank! Ja, heute hab ich´s in die Truhe geschickt...
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