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Oh, Du schöne Blattzeit

Blattzeiterinnerungen (7 Einträge)

Der Schlag hinter der Hütte - feine Aussicht Der Frühstücksbock - im Schlag Der Frühstücksbock
482 mal angesehen
01.10.2013, 19.28 Uhr

Der Frühstücksbock - Keilerschuss die Zweite

Fast eine Woche – natürlich im Urlaub – schleppte ich mich nun mit einem Hexenschuss durch die Gegend. Eher war es ein Keilerschuss, denn mir schien immer wahrscheinlicher zu sein, dass es die letzte böswillige Tat des von mir kürzlich erlegten Bassen gewesen war, mir diese Kreuzschmerzen zu bereiten. Mitleid konnte ich ob der Umstände natürlich auch keines erwarten. Also was tun? Vielleicht half es, wieder jagen zu gehen? Mittel und Gegenmittel? Es ist schon manches Mal seltsam, welche Gründe man sich zurecht legt… Das Wetter war eher kühl, aber Blattzeit sollte jetzt, gegen Ende Juli so richtig in Schwung gekommen sein. Vielleicht würde mir ja ein passender Bock zustehen.

Der Abendansitz war ein besonders Stimmungsvoller gewesen. Schon beim Angehen durch ein lichtes Holz kamen mir Bock und Ricke entgegen, umrundeten mich im Rausch und nahmen von mir nicht einmal Notiz. Gleiches Pärchen konnte ich auch wenig später auf dem riesigen, angrenzenden Schlag beobachten. Trotz der auch hier prachtvoll treibenden Vegetation hätte ich das noch recht junge aber schwach vereckte Secher-Böckerl leicht erlegen können, allerdings war mir nicht danach. So konnte ich das Treiben den ganzen Abend beobachten… Wunder der Blattzeit!

In der Hütte feierte ich dann mit einer Flasche Bier meine frisch aufgesetzte Keiler-Trophäe. Die Gedanken gingen zurück an das Erlebte, hell blitzten die Waffen im Kerzenschein… die so oft zitierte Stunde und Stimmung hatte mich voll im Griff…

Der Morgenansitz brachte ebenfalls guten Anblick, auf mein Blatten kam aber leider nur ein Jährlingsgabler, so dass der Lauf kalt blieb. Dafür freute ich mich jetzt umso mehr auf mein Frühstück. Mit ordentlicher Wurst waren die Brötchen belegt und eigentlich wollte ich es mir vor der Hütte in der Morgensonne gemütlich machen. Die wollte aber nicht scheinen, so dass ich mir etwas anderes einfallen lassen musste. Warum nicht auf einem Hochsitz gleich bei der Hütte frühstücken? Neben dem nun so genannten Keiler-Drückjagdhocker auf der anderen Seite des Weges gab es eine Kanzel, die gleich hinter der Jagdbude auf einem großen Schlag stand. Auch hier war mittlerweile der Wuchs in die Höhe geschossen, so dass ich mir keinen Anblick versprach. Aufgrund seiner Lage bot sich aber immerhin ein weiter Blick ins Land, gerade das Rechte für mein Frühstück!

So ungemütlich hatte ich mir aber den Weg dahin nicht vorgestellt. Lange war keiner mehr auf dem Sitz gewesen, einen Wildwechsel gab es auch nicht, so dass ich mich mit meiner Brötchen-Tüte und – für den Notfall – Büchse und Rucksack auf dem Rücken durchs hohe Kraut kämpfen musste. Schon nach wenigen Metern waren meine Beine pitschnass und ich begann zu fluchen. So hatte ich mir das gemütliche Frühstück nicht vorgestellt. Aber jetzt war ich nun einmal so weit, also sollte es auch bis zum Hochsitz gehen. Wenig später baumte ich auf und machte es mir oben bequem. Der Repetierer wanderte geladen in die Ecke – man konnte ja nie wissen – und endlich konnte ich mich mit klammen Beinen meinem leckeren Frühstück widmen. Entspannen, kauen und den Blick über die schöne Landschaft schweifen lassen… das war ein Genuss. Ein leichter Wind blies mir dabei ins Gesicht und der hohe Bewuchs des Schlages wogte wie die Wellen der Meeresbrandung… aber… anscheinend nicht nur vom Wind.

Keine fünfzig Meter vor mir gewahr ich plötzlich eine Bewegung. Mit dem bloßen Auge erkannte ich ein zackiges Gehörn und auch einen starken Träger. Hektik ergriff mich urplötzlich, würde mir das Stück überhaupt eine Gelegenheit zum Schuss bieten? Sollte ich versuchen, mittels Reh-Fiep zu locken? Der Gehörschutz war auch noch im Rucksack! Während die Gedanken auf mich einstürmten, ich aber auch langsam die Büchse hoch nahm, beobachtete ich weiter, das Brötchen im Mund. Langsam zog der Bock weiter, tiefen Trägers schob der sich durch das hohe Gras. Das musste ein Starker, ein Alter sein. Viel Zeit zum Entscheiden hatte ich nicht. Die Ohren waren sicher; schon verschwand der Begehrte hinter einem Holunderbusch – vorbei?

Nur einmal war mir vor Jahren auf der frischen und geräumten Windwurffläche ein Rehbock vorgekommen, ein Spießer, welcher so schnell verschwand wie er gekommen war. Ihm hätte ich das rechte Alter zugesprochen. Auch dieser schien mir reif - mein Jagdtrieb war entfacht. Das Glück und Diana schienen mir wohl gesonnen denn der Bock zog in einem weiten Kreis um meine hohe Warte und blieb damit im Blickfeld. Gespannt wartete ich auf meine Gelegenheit, da bot sich eine ganz kleine offene Stelle, die mir so eben das Blatt frei geben würde. Dort erwartete ich den Recken und als er sich anschickte, mir durch das Absehen zu ziehen, ließ ich fliegen.

RUMMS fuhr das schwere 13 Gramm Geschoss in den Schlag. Der Bock war im Knall verschwunden. Blattschuss! Backenblasend entließ ich die Spannung aus dem Körper. Da hatte ich endlich so einen Geist dieses Waldortes erbeutet! Einen alten Recken, einen nie geschauten! Die Ungeduld hielt mich nur bis zum Ende des ersten Brötchens auf dem Sitz, dann baumte ich ab und begann, mich zum Stück durch zu kämpfen. Mein Hexenschuss meldet sich jetzt wieder und da ich den Untergrund nicht sehen konnte, verstieg ich mich relativ oft, jedes Mal von einem Schlag auf den schmerzenden Rücken begleitet. Zähne zusammen gebissen und weiter. Da rutschte der Gummistiefel auf einem nassen Stück Holz. Im nächsten Moment saß ich mitten im nassen Kraut und mein Kreuz schrie auf.

Erneut fluchend wuchtete ich mich nach einer Schrecksekunde wieder hoch und kämpfte mich weiter. Endlich kam ich der Stellen näher… ja, da lag er, mein Frühstücksbock. Der Blattschuss hatte ihn im Knall verenden lassen. Kräftiger Wildkörper, rot-gelbe Decke, aber was genau hatte er auf? Als ich das nasse Gehörn aus dem Gras hob, machte sich Enttäuschung breit. Zackig war die Sechser-Krone, aber auf den ersten Blick sah man, dass es ein Jüngling war. Hohe Rosenstöcke und die noch nicht abgesunkene Masse waren Anzeichen genug. Meine erste Schätzung von zwei, höchstens drei Jahren wurde vom scharfkantigen Ergebnis des Griffs in den Äser bestätigt. Schade war’s um dieses jungen Starken. Dass kommendes Jahr die Jagd auf ihn ob der riesigen und dann undurchdringlichen Dickungen ein Ding der Unmöglichkeit geworden wäre – es war nur ein schwacher Trost. Wie hatte das geschehen können? Hier war der Wunsch der Vater des Gedanken gewesen. Schade…

Aufbrechen wollte ich an der nahen Hütte. So ging es ans Bergen des Schweren und als ich endlich mit Bock und Ausrüstung aus dem Schlag heraus war, kam so langsam doch ein wenig Freude auf. Ein Spaziergänger kam vorbei: „Haben’s ein Böckchen geschossen?“ Kenner oder nicht, ich hatte trotz der argen Rückenschmerzen aus dieser Wildnis einen Bock geholt… hatte immerhin etwas für das leibliche Wohl getan. Beim Aufbrechen an der Hütte zeigte sich, dass der Stramme noch nicht allzu sehr an der Brunft teilgenommen haben konnte, denn er war regelrecht feist. Das Wiegen führte dann zur Überraschung: Gute zwanzig Kilo aufgebrochen brachte er an den Haken!

Das Jagen gab ich an diesem Tage auf. Mein Rücken quälte mich arg und so ging es heim. Nach fast einer Woche ohne jegliche Mittel ließ ich mich nun doch zu einer Pille und einem Wärmepflaster überreden. Mit leicht schiefer Haltung schlürfte ich bis zum Abend durch die Wohnung und ging ermattet recht früh ins Bett. Am kommenden Morgen wachte ich auf und wuchtete mich in Erwartung der Schmerzen aus dem Bett… und… spürte nichts. Mich erhebend kam kein Zwicken und Zwacken, keine schiefe Haltung, der Hexen- alias Keilerschuss war von mir gewichen. War mein vom Wunschdenken geblendetes Handeln in der faulen Stunde nicht ohne Effekt geblieben? Hatte das viel zu frühe Ableben des Bocks seine Wirkung auf meinen Keilerschuss gehabt? Dass ich diese wundersame Heilung eher mit der Erlegung des jungen Frühstücksbockes als mit der Medizin verband – das können nur Jäger verstehen…
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Kommentare

01.10.2013 20:15 Waldlaeufer7x64
Wie immer schön geschrieben! Ein ehrliches und kräftiges WMH zum Bock - auch wenn er noch jung war, dass Erlebnis ist es doch, was ihn wertvoll macht!

Eine gute Überschrift wäre auch gewesen:

Der Schuss mit dem Brötchen

Grüße!
01.10.2013 20:19 esau
Ja ,manche Keiler rächen sich auch nach ihrem Ableben.
Mir brach mein bisher Schwerster beim Hochziehen an der Kühlung einen Finger an.
Es schmerzt gelegentlich heute noch.
Er wird mir als der "Fingerbrecher" in Erinnerung bleiben.
Meinem innig geliebten Püppinator verdanke ich den Burschen.
Weidmannsheil zum heimlichen Bock,und der wundersamen Heilung.
01.10.2013 20:23 swinging_elvis
Waldlaeufer7x64 schrieb:
Wie immer schön geschrieben! Ein ehrliches und kräftiges WMH zum Bock - auch wenn er noch jung war, dass Erlebnis ist es doch, was ihn wertvoll macht!

Eine gute Überschrift wäre auch gewesen:

Der Schuss mit dem Brötchen

Grüße!

Waidmannsdank... ja, das Erleben zählt...
01.10.2013 20:23 swinging_elvis
esau schrieb:
Ja manche Keiler rächen sich auch nach ihrem Ableben.
Mit brach mein bisher Schwerster beim Hochziehen an der Kühlung einen Finger an.
Es schmerzt gelegentlich heute noch.
Er wird mir als der "Fingerbrecher" in Erinnerung bleiben.
Meinem innig geliebten Püppinator verdanke ich den Burschen.
Weidmannsheil zum heimlichen Bock,und der wundersamen Heilung.

Ich habe es geduldig erlitten... für so ein Erlebnis!
02.10.2013 00:07 hunterbucki
Wunderbare Geschichte.....
02.10.2013 07:24 Kija
Weidmannsheil zum Erleben
Tja und was den Hexenschuss betrifft: Bewegungen unter Freuden, ohne an die Schmerzen zu denken, helfen - manchmal
LG Kija
02.10.2013 14:09 Rapsjaeger
Weidmanns Heil! Ja, das kann schon mal passieren... Auch wenn es dem Rehwild ja wohl selbst kaum schaden soll, dem Ego des erfahrenen Weidgenossen schadets dann gerade...
02.10.2013 18:04 wachtelman
Wie immer ein Genuss deine Geschichten .
Weiter so ich freu mich auf die nächste Geschichte.....

Waidmannsheil
Wachtelman
02.10.2013 18:07 swinging_elvis

Bewegungen unter Freuden, ohne an die Schmerzen zu denken, helfen - manchmal
LG Kija

Waidmannsdank! Der Genießer schweigt...
02.10.2013 18:13 swinging_elvis
Rapsjaeger schrieb:
Weidmanns Heil! Ja, das kann schon mal passieren... Auch wenn es dem Rehwild ja wohl selbst kaum schaden soll, dem Ego des erfahrenen Weidgenossen schadets dann gerade...

Waidmannsdank. Ja, immer weiter dran bleiben... Gruß auf die Insel!!! El
02.10.2013 18:14 swinging_elvis
hunterbucki schrieb:
Wunderbare Geschichte.....

Danke! Habe die Ehre!!!
02.10.2013 18:16 swinging_elvis
wachtelman schrieb:
Wie immer ein Genuss deine Geschichten .
Weiter so ich freu mich auf die nächste Geschichte.....

Waidmannsheil
Wachtelman

Waidmannsdank!
03.10.2013 14:41 kong
wie immer herrlich und erfrischend und ein dickes WMH zum Bock...und zwar ganz ohne Hintergedanken...denn 20kg sind 20kg...und dann lieber junges wie altes Fleisch
09.10.2013 21:19 kopovx2
Waidmannsheil!!!!!!!
10.10.2013 15:29 swinging_elvis
kopovx2 schrieb:
Waidmannsheil!!!!!!!

Waidmannsdank!
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