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1. Elchbulle in Nord-Värmland
621 mal angesehen
25.09.2013, 21.30 Uhr

Ein besonderer Elch

Im Frühsommer 1993 klingelte das Telefon bei uns. Mein Freund aus dem Nachbarort war dran und sagte: "Hast Du vielleicht Interesse an Elchjagd in Värmland? Du warst doch vor ein paar Jahren schon einmal in Schweden gewesen. Mich hat ein Schützenbruder aus dem Verein angesprochen, aber ich kann aus beruflichen Gründen leider nicht." Ich bedankte mich und ließ mir die Telefonnummer geben, um dann abends mit J. über die Einzelheiten zu sprechen. Da ich im eigenen Forstrevier nur bescheidene Niederwildjagdmögkichkeiten hatte, war dies natürlich ein verlockendes Angebot. Einige Telefonate mit Schweden und schon war die Sache geritzt und das Wochenende vor der zweiten vollen Woche im Oktober konnte nicht schnell genug herankommen.

Am Sonnabendmorgen gegen 5.30 Uhr stand J. mit seinem Wagen vor der Tür, mein bescheidenes Bündel wurde dazugeladen und ab ging´s über die Vogelfluglinie gen Norden.

Wenn man dann so 11- 12 Stunden zusammenhockt, wird natürlich über alles Mögliche gequatscht, am meisten natürlich über die vergangenen und die kommende Elchjagd am Klarälven. J. war wohl 6 oder 7 Mal dort gewesen und hatte auch schon einige Stücke Elchwild strecken können, nur den größeren Schaufler hatte er noch nicht vorgehabt.

Nur von der eigentlich in jedem Jahr vorkommenden weißen Kuh erzählte er, und das immer wieder auf der 960 km langen Autofahrt.

Als wir abends dann in St. ankamen wurden wir herzlich begrüßt, zum Abendessen eingeladen und nach etlichen Stunden des jagdlichen "Abklopfens" ging´s dann "too Wiem".

Am Sonntag dann das obligatorische Schießen auf dem Schießstand, nachmittags dann mit 8 - 10 Jägern mal eben auf dem Hof ´ne Wurfmaschine aufgebaut und Tontauben geschossen...

Aber dann am frühen Montagmorgen wurde es Ernst! Treffen im Schlachthaus mit ca. 30 Jägern und 2 Hundeführern und Verkündung des Verlaufs der kommenden Jagdwoche und natürlich am wichtigsten: der Freigabe! Frei sollten sein: Zwillingskälber, einzelne weibliche Stücke und alle Bullen. Sollte die weiße Kuh wieder vorkommen, wären ihre Kälber frei.

Anschließend wurden mit einem nicht ganz jugendfreien Kartenspiel die Stände verlost und es ging dann endlich im Halbdunkel los. Nach einer halben Stunde Autofahrt wurden die Rucksäcke geschultert und unsere Gruppe von 8 Schützen machte sich auf den noch einmal fast dreiviertelstündigen Anmasch durch den felsigen Wald. Von da an hieß es dann auf dem Stand verharren, sich nichts entgehen lassen und dann nach mehr als 3 Stunden wieder abholen lassen. Im ersten Treiben war kein Schuß gefallen, und ich hatte auch nicht einmal einen der Hunde zu hören bekommen - also Elchjagd pur

Nachmittags war ich wieder der vorletzte Schütze und durfte einen schönen Marsch durch Värmlands Wälder machen. Mein Stand befand sich am Hang auf einer ca. 6 m breiten Schneise, vor mir das Treiben, ein jüngerer undurchsichtiger Jungbestand, hinter mir ein älterer, lockerer Bestand, vorwiegend aus Kiefern, Sichtweite 60 - 80 m, wobei eine ganze Reihe moosüberwucherter Felsblöcke, die manchmal die Größe eines Mittelklasseautos erreichten, die Sicht wieder einschränkten.

Nun, wenn man den ersten Jagdtag auf einer Elchjagd verbringt, ist man doch ein wenig angespannter und möchte sich nicht eine sich eventuell einmalig bietende Chanse entgehen lassen! Also auf den Rucksackhocker gesetzt, den Drilling! auf quer über die Knie und volle Konzentration nach vorn ins Treiben und dann wieder... abwarten!

So sitzt man dann eine Stunde und noch eine, aber nichts passiert, rein gar nichts!! Bis man dann plötzlich hinter sich ein ganz feines Knicken gehört haben will. Man dreht sich ganz, ganz vorsichtig um und denkt, daß kann doch nicht wahr sein!! Auf keine 25 Meter schauen einige weiße Haare über einen dieser gewaltigen Felsblöcke! Die weiße Elchkuh! Jetzt bloß keine Fehler machen - sie darf dich nicht mitkriegen bis sie auf die Schneise zieht, und wenn sie dich dort dann unweigerlich mitbekommen wird, muß sie nach vorn ins Treiben flüchten und dann hast du vielleicht eine Chanse, ihr Kalb, daß ihr dann folgen wird, zu bekommen! Also nur noch ganz flach atmen und nur noch aus den Augenschlitzen schauen und keine Bewegung machen!

Das Stück war völlig vertraut und ließ sich alle Zeit der Welt, um einen Schritt nach vorn zu machen. Nun war schon ein schmaler Streifen des Rückens zu sehen, aber das Haupt war immer am Boden, um Beerkraut zu äsen. Nach einer Ewigkeit folgte ein weiterer Schritt nach vorn und plötzlich tauchten Haupt, Träger und Blatt des Stückes hinter dem Felsen auf. Doch was war das? Das Stück war nicht die bekannte Kuh, sondern das war ein Jährlingsbulle! Da schoß es mir natürlich blitzschnell durch den Kopf: "Bullen sind alle frei - nur die weiße Kuh wollen wir schonen!" Schon war der Drillng an der Wange und der Schuß raus. Auf diese kurze Entfernung war der Schuß natürlich kein Kunststück und der Bulle kippte wie vom Blitz getroffen um, schlegelte aber noch und schlug mehrere Male mit dem Haupt heftig auf den Boden, so daß eine Spießstange abbrach. Ein Fangschuß machte dem ein schnelles Ende.

2 - 3 Minuten später kam dann ganz aufgeregt mein Ansteller P., der das Stück noch nicht hatte liegen sehen und fragte mich dann auf englisch, ob ich geschossen hätte und auf was. Ich bejahte, daß ich geschossen habe und daß das Stück liegen würde. Er war natürlich ganz begeistert, daß ich "Greenhorn" Waidmannsheil hatte. Als ich ihm dann sagte, daß es ein Bulle sei, war die Begeisterung noch größer, als ich dann aber sagte: "but it is not black!", gab es doch leichte Irritationen! Als wir dann zum hinter dem Felsen liegenden Stück gingen, wurde der schwedische Funkraum für einige Minuten schwer belastet! Aber die Ansage war eindeutig gewesen: Bullen sind alle frei!

Am nächsten Morgen wurde mir bedeutet, daß ich das nächste Treiben doch ohne Waffe mitmachen sollte, ich hab´s akzeptiert, war sowie nur Nebel!

Wer in Schweden jagt, wird es erfahren, daß es immer einige weiße Stücke, keine Albinos, ähnlich wie beim Damwild gibt, die je nach Gegend bejagt oder geschont werden, um sie im Sommer den Touristen eventuell noch als besonderes highlight vorzuführen.

Zwei Jahre später, als ich mit meiner Frau zur Mitsommernacht in Värmland war und wir abends "Elchsafari" machten, stand plötzlich ein weiße quiga auf dem Wegebankett. In den späteren Jahren wurde in unserer Jagd noch das eine oder andere weiße Kalb geschossen, ohne daß viel Aufhebens darum gemacht wurde.

Ich war von 1993 bis 2005 in Värmland zur Elchjagd, habe viel Waidmannsheil gehabt, aber in den letzten Jahren merkte man schon den Einfluß der Wölfe, da immer weniger Elchkälber vorkamen. Denen, die den Mut nicht verlieren wünsche ich für die nächsten Wochen bestes Wetter und kräftiges Waidmannshel!! War eine tolle Zeit!
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Hamsterdorfer

Hamsterdorfer

Alter: 72 Jahre,
aus Großhansdorf

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Kommentare

27.09.2013 11:22 zerberus
weidmannsheil.

klarälv.... von dort bin ich vor 2 wochen gerade zurückgekommen.

in st. angekommen... hmmm... dort wo man auch die flöße baut???
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