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Pirschbezirk

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08.09.2013, 19.38 Uhr

Pirschbezirk

"Mein" PB.
Revierbegang mit Freunden.
Und auch noch Anblick.

Jagdliche Aspekte aus der Sicht eines Pirschbezirklers
Es sind immer noch Animositäten zwischen den beiden Jägergruppen Bauernjäger und „dem Staat“ zu beobachten, wobei diese mehr von Ersteren gepflegt werden. Wer lange genug als „Bauernjäger“ gejagt hat, wird feststellen dass dies ganz unterschiedliche Ursachen hat, die auch im Wandel der Zeiten mehr oder weniger zum Ausdruck kommen. Nur wer in beiden Feldern seine Kreise zieht, dem fallen die gegenseitigen Vorurteile überhaupt auf. Ansonsten hätte sich vieles an Vorurteilen, Voreingenommenheit und Ressentiments gar nicht so hartnäckig halten können.

Der Wald hat ein weit größeres Potential an Energie als gemeinhin angenommen wird. Das betrifft in erster Linie die „Selbstheilung“ von Wunden durch meteorologische oder bio-ökologische Ereignisse, vom Schnee- und Windbruch über Dürre- und Nässeperioden bis hin zum Schädlingsbefall und sauren Regen. Wunden entstehen auch durch die wirtschaftliche Nutzung durch Raubbau, Fällung und Rückeschäden. Während man die durch Menschenwerk verursachten Auswirkungen durch Planung, Vorausschau und laufende Bewirtschaftung in den Griff zu kriegen bemüht ist, entzieht sich doch eine ganze Reihe von Einflüssen der menschlichen Steuerung, wobei man den Klimawandel und das Wettergeschehen zunehmend weniger als „natürlich“, sondern vom Mensch verursacht ansieht.

Der Umbau des Staatswaldes von einer sortenreinen Holzplantage in gut durchmischte und an Klimazonen, Boden- und Höhenlagen orientierte Begründung widerstandsfähiger Wälder muss auch jagdliche Überlegungen einschließen. Entlang von Feld-/Waldgrenzen ist die Situation hinsichtlich des Verbissdruckes eine weitaus geringere als in Kernzonen, wo das Wild Äsung und Einstand auf gleicher Fläche findet. Will man auf ehemals hundertjährigem „Fichtenboden“ Laubholz hochbringen, kommt man um Pflanzungen nicht herum, die aber auf Wild eine magnetische Anziehungskraft ausüben. Man hat sich also zu entscheiden, wie man den Übergang gestalten will. Wählt man die Zäunung, entstehen enorme Kosten durch Erstellung, Unterhaltung und späteren Rückbau. Wählt man die Reduzierung der Wildbestände muss man zwischen den einzelnen Arten differenzieren und zu Begleitmaßnahmen greifen, die über den simplen Totalabschuss hinausgehen.

Gerade die maschinengerechte Parzellierung, aber auch die bestehenden Flächen entlang des für schwerste Fahrzeuge ausgebaute Netz an Forststraßen bietet auf die Gesamtfläche bezogen riesige Flächen, die zur Entlastung des Jungwuchsverbisses beitragen können. Bei minimalem Aufwand entstehen so wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tiere, Vögel und Insekten. Bei einer möglichen Naturverjüngung sind die Voraussetzungen ganz andere, denn nach nur einer relativ kurzen Periode verschärfter Bejagung wächst mehr nach, als selbst von einem erholten und damit höheren Wildbestand verbissen werden kann. Bei der Bewertung von Waldschäden rückt denn auch der Wildverbiss gegenüber den seitens menschlicher Einflüsse verursachten zunehmend in den Hintergrund. Gleichzeitig hat sich die reine Prozenteinschätzung hin zu einer Bewertung von Schäden verlagert, die sich am waldbaulichen Ziel orientiert. Macht es doch einen gewaltigen Unterschied, ob auf einem Hektar 100 oder 100000 Eichensämlinge stehen und davon 50% verbissen werden.

Seit nunmehr 16 Jahren bejage ich einen Pirschbezirk im östlichen Steigerwald und kann schon in dieser kurzen Zeit nicht mehr so jagen, wie es anfänglich der Fall war. Die Schussweiten waren denen der Feldjagd durchaus ähnlich, was sich heute nur noch entlang von Forststraßen, Schneisen oder Rückegassen ergibt. Bewertungstrakte sind in kürzester Zeit zugewachsen und ohne den geringsten Aufwand an Pflege haben Eiche, Ahorn, Lärche und Vogelbeere eine Höhe zwischen zwei und über fünf Meter erreicht. Außerhalb einer zum Schutz von gepflanzten Weißtannen errichteten (und inzwischen abgebauten) Zäunung haben sich trotz des vorhandenen Rehwildbestandes alle Baumarten natürlich verjüngt.

Ein Pirschbezirk in dieser waldbaulichen Phase verleitet Jäger, die keine oder nur wenig Erfahrung mit reiner Waldjagd haben, zur Fehleinschätzung hinsichtlich des Wildbestandes. Die Ansitzjagd wird zunehmend schwieriger und zeitaufwendiger. Dazu kommt der Erholungsdruck durch eine Vielzahl von Naturnutzern, deren Aktivitäten das Wild lange in die Deckung zwingt wo ihm auch Äsung zur Verfügung steht. Von Vorteil erweist sich dagegen das Liegenbleiben von Wipfeln und Aststreu, weil sich Pilz- und Beerensucher zunehmend schwerer tun ihrem Hobby nachzugehen. Von den bei der Übernahme des Pirschbezirks in Eigenregie erstellten drei Kanzeln lässt sich nur noch eine in der damaligen Weise nutzen, weil dichter Jungwuchs die vormaligen Stangenhölzer abgelöst hat. Schnell verstellbare Leitern haben sich als besser geeignet erwiesen und bei nicht zu eingeschränktem Schussfeld ist deren Verwendung als Drückjagdstände möglich.

Wenngleich auf Drückjagden ein erheblicher Teil des Rehwildabschusses getätigt wird, erschwert der späte Laubfall der Buchen- und Eichenjugend die Bejagung. Der ökologische Aspekt, der das Ansprechen des Wildes nach Geschlecht erfordert, sollte nicht aufgegeben werden, wenn das Geschlechterverhältnis nicht völlig außer Kontrolle geraten soll. Zusätzlich bringt diese Auflage eine gewisse Beruhigung bei der Schussabgabe mit sich, die bei dem Fallen jeder Schranke einer unkontrollierten Schießerei Vorschub leistet. Dies wiederum erhöht die Verwertbarkeit des erlegten Wildes durch bessere Treffer, zumal durch die hohe Zahl an Jägern weder auf jede Entfernung noch unter allen Umständen geschossen werden muss.

Leider bestehen seitens der Jägerschaft immer noch Vorbehalte hinsichtlich der Bewegungsjagen auf Rehwild, obwohl die Wenigsten überhaupt dabei waren. In meinem näheren Umfeld nehmen von 100 Jägern nur fünf regelmäßig an Drückjagden teil. Die Effektivität bei der Rehwildjagd wird faktisch nicht genutzt, wenn Schwarzwild oder Füchse bejagt werden. In eigenen Gemeinschaftsrevieren stellt sich Bejagung des Rehwildes ohnehin anders dar. So sieht man im Wesentlichen bei den Bewegungsjagden der Forstbetriebe immer die gleichen Gesichter. Die Infrastruktur ist in vielen Fällen gut entwickelt und reicht von Drückjagdständen über Aufbrechplätze bis hin zu Kühlräumen, die hohen Ansprüchen genügen. Das erlegte Wild wird schnell vermarktet, was dessen Qualität als hochwertiges Nahrungsmittel garantiert.

Trotz diesen jagdlichen Umfeldes, in dem auch keine Wildschäden zu übernehmen sind, ist es verwunderlich, dass der Wunsch in den bayerischen Staatsforsten einen Pirschbezirk zu bejagen, nicht sehr ausgeprägt ist. Die Bejagung des Rehwildes ist „beim Staat“ nichts für Anfänger, die es gewohnt waren am Kleefeld auf den pünktlich austretenden Rehbock anzusitzen. Die Waldjagd stellt da schon höhere Anforderungen hinsichtlich des jagdlichen Handwerkes und der jagdpraktischen Fertigkeiten. Dazu kommt, dass ein im Beruf stehender Jäger häufig nicht die erforderliche Zeit aufbringen kann. Wenn das Wild tagsüber zieht oder äst, muss er seiner Arbeit nachgehen und die nutzbaren Stunden entfallen bei den kürzer werdenden Tagen im Herbst und Winter.

Bei den auf die Revierleiter anfallenden Aufgaben bleibt nur wenig Zeit für die Jagd, es sei denn in Form der Organisation von Bewegungsjagden und dem Ausbau der Infrastruktur. Wie aus den Statistiken der „BySF“ hervorgeht, entfällt auf die Pirschbezirkler, Begeher und Gäste ein beachtlicher Anteil am der Gesamtstrecke. Mit der Bejagung eines Pirschbezirks lässt sich Naturverbundenheit und jagdliche Betätigung verbinden und ohne viele Auflagen individuell gestalten.

Der Autor Jahrgang 1937, jagt seit 1958. Nach 35 Jahren im gleichen Gemeinschaftsjagdbezirk, betätigt er sich nun jagdlich bei befreundeten Jägern und bejagt seit 1998 einen Pirschbezirk. Der Zustand des Waldes, die selbst erstellten jagdlichen Einrichtungen und die Eigenheiten der Waldjagd waren schon Gegenstand bei drei Revierführungen für Privatjäger. Dabei war erstaunlich festzustellen, dass vieles was sich jagdpraktisch auswirkt, vielerorts unbekannt und neu war. Dass nebenher noch Rehwild in Anblick kam, widerlegte zudem die Ansicht über ein wildleeres Staatsrevier.

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SirHenry

SirHenry

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Kommentare

08.09.2013 22:54 sau_hund
......wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe!
09.09.2013 07:59 SirHenry
Du weißt jetzt wo ich überwiegend jage, wo du jagst weiß weder ich noch andere hier. Wenn es mir nicht passen würde, hätte ich das nicht 16 Jahre gemacht, sondern hingeworfen und dann über den Stsaat hergezogen, wie es viele machen, die dort (noch) nicht gejagt haben.
Schöne Woche und Waidheil
09.09.2013 16:49 esau
Der einzigen Unterschied ,der wohl generell gilt,ist der ,dass der Begeher(beim Forst und beim Pächter) quasi Angestellter und der Pächter selbständiger Unternehmer ist.
Wie der Betreffende das dann ausfüllt ,ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.
Es gibt selbsverständlich brunzdumme Unternehmer genauso wie,sehr überschlaue/-eifrige Angestellte.
Letztere fliegen ,wenn sie nicht spuren.
Aber aus der relativ risikolosen Angestelltenstellung lässt sich auch vorzüglich komfortabel gegen andere Unternehmer wettern.
Den Beweis ,es selbst besser zu machem, bleibt man einfach schuldig.
Ich finde, man sollte diese Themen aber nicht überbewerten/hochstilisieren.
Jagen wollen beide.
09.09.2013 17:09 SirHenry
esau schrieb:
Der einzigen Unterschied ,der wohl generell gilt,ist der ,dass der Begeher(beim Forst und beim Pächter) quasi Angestellter und der Pächter selbständiger Unternehmer ist.
Wie der Betreffende das dann ausfüllt ,ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.
Es gibt selbsverständlich brunzdumme Unternehmer genauso wie,sehr überschlaue/-eifrige Angestellte.
Letztere fliegen ,wenn sie nicht spuren.
Aber aus der relativ risikolosen Angestelltenstellung lässt sich auch vorzüglich komfortabel gegen andere Unternehmer wettern.
Den Beweis ,es selbst besser zu machem, bleibt man einfach schuldig.
Ich finde, man sollte diese Themen aber nicht überbewerten/hochstilisieren.
Jagen wollen beide.

Wie das auf mich bezogen aufzufassen ist, verstehe jetzt nicht, zumal ich gegen niemand wettere. Beim "Staat" gibt es sicher Klauseln, die auch Pächter in die Pflicht nehmen. Der Bezirkler verlängert ohnehin von Jahr zu Jahr.
09.09.2013 17:34 esau
SirHenry schrieb:
Wie das auf mich bezogen aufzufassen ist, verstehe jetzt nicht, zumal ich gegen niemand wettere. Beim "Staat" gibt es sicher Klauseln, die auch Pächter in die Pflicht nehmen. Der Bezirkler verlängert ohnehin von Jahr zu Jahr.

Hee!
Nur wem die Jacke passt ,der ziehe sie sich an.
Ich versuche etwas Sachlichkeit in die diesbezüglich oft geradezu fanatisch geführte
Fehde zu bringen.
Sie ist zwar nachvollziehbar aber unsinnig.
P.S. Im Berufsleben bin ich angestellt!
,und war dies auch schon bei brunzdummen (Möchtegern-)Unternehmern.
Ob ich's besser hinbekäme ,sei dahingestellt.
09.09.2013 17:36 esau
Wenn Du immer eine Verlängerung bekommen hast,spricht das für die Zufriedenheit deines Jagdherren.
Punkt.
09.09.2013 22:06 sbsax
Der Beitrag zeigt: man kann sich auch in einem PB verwirklichen.
11.09.2013 10:12 sau_hund
SirHenry schrieb:
Du weißt jetzt wo ich überwiegend jage, wo du jagst weiß weder ich noch andere hier. Wenn es mir nicht passen würde, hätte ich das nicht 16 Jahre gemacht, sondern hingeworfen und dann über den Stsaat hergezogen, wie es viele machen, die dort (noch) nicht gejagt haben.
Schöne Woche und Waidheil


......den Wandel kann ich sehr gut nachvollziehen, mein Revier grenzt an den Staat.
Das Verhältnis hat sich über die Jahrzehnte von Freundschaft und gemeinsamen jagen (mit dem alten Revierleiter) zur Feindschaft (mit den jungen Spinnern) gewandelt.
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