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Stolz auf was?

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472 mal angesehen
06.09.2013, 20.01 Uhr

Stolz auf was?

Zu den Bildern:
4 Std-Nachtansitz auf Füchse - ein wenig Stolz aber mehr Jagdfreude.
Kudu in Afrika - Freude an Wild und Jagd, aber weshalb stolz?
Gabelbock in der Prärie - Lohn für schwierige Pirsch, mehr Freude als Stolz.

Stolz auf was?
Irgendwo habe ich mal gelesen: „Jägerstolz ist Pappelholz“

In der Ausgabe 6/2012 einer Jäger-Illu wurde auf den Jagdneid eingegangen und sogar ein Professor für Rechtspsychologie nahm dazu Stellung. Jagdneid wird, wie jeder Neid, immer einem anderen zuteil. Der Neidfaktor basiert aber nicht darauf, warum ein anderer mehr hat, weiß oder kann als man selbst, sondern einfach darauf, dass es so ist. Gründe werden nicht hinterfragt, weil man dann nur eigenen Schwächen auf die Spur kommt.

Während sich Jagdneid immer gegen andere richtet, ist es beim Stolz völlig anders. Stolz ist man in erster Linie auf sich selbst, vielleicht noch auf Mitglieder seiner Familie oder darauf, dass „man“ es geschafft hat. Jagdlich gesehen ist Stolz und Neid eng verknüpft und beide treten im normalen Leben mehr oder weniger offen in Erscheinung.

Am Anfang seiner Laufbahn ist der Jungjäger auf alles stolz. Besonderen Wert genießen die Ausrüstung, „freie Büchse“ und die ersten Erlegungen. Obwohl und weil der der Jungjäger in vielen Fällen mit minimalsten Kenntnissen und Fertigkeiten auf das Wild losgelassen wird, besteht bei genauem Hinsehen überhaupt kein Anlass zu irgendwelchem Stolz, es sei denn auf das Bestehen der Prüfung. Dennoch ist bei den Untertiteln von Fotos vom „stolzen Erleger“ die Rede.

Mit zunehmender Zahl an Jagdjahren greift die Erkenntnis immer mehr Raum, dass eine glückliche Erlegung in vielen, wenn nicht sogar in fast allen Fällen, das Zusammentreffen vieler Zufälle ist. Allein zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein, macht schon den Hauptanteil des Jagderfolges aus. Gleiches gilt nicht nur für Jungjäger, wenn durch diese Konstellation die Erlegung eines seltenen oder kapitalen Stückes möglich geworden ist. Ob das Wildbret einer 50 Kilo Sau von einer Bache oder einem Keiler stammt, spielt allenfalls für die Jagdkasse, aber nicht für den stolzen Erleger eine Rolle.

Die Freude zu jagen
Freuen kann sich der Jäger in Erwartung eines Jagdtages schon weit im Voraus. Umso mehr, wenn sich die Planung mehr oder weniger lange hinzieht. Wenn die Jagd als solche schon Freude bereitet, entsteht auch keinerlei Frust, selbst aus fernen Jagdgründen ohne Beute am heimischen Zoll aufzukreuzen. Oft ist es auch so, dass man auf einen „Notabschuss“ weit weniger stolz ist, als auf das gebuchte kapitale Stück einer bei uns unbekannten oder nicht vorkommenden Wildart.

Ob ein starker Elch stolz macht, hängt entscheidend von der Einstellung zur Jagd ab. Sich aufgrund persönlicher Voraussetzungen jeden jagdlichen Wunsch erfüllen zu können, dem fehlt schlichtweg die Basis für einen Stolz, jedoch nicht für das Aufblühen des Neidfaktors seitens anderer.

Während meiner mehrfachen Tätigkeit als Jagdführer auf Präriewild in den USA, hatte ich nie den Eindruck, dass die Jäger auf ihren Jagderfolg stolz gewesen wären. Auf was denn auch? Sie wurden umsorgt und professionell geführt und kamen zu Schuss. Ungewohnt waren allenfalls längere Fußmärsche, ungewohnter Anschlag und die im Vergleich zu deutscher Jagd in etwa doppelter Schussweite.

Ein guter Jäger kommt auch nicht auf den Gedanken, einen selbst verschuldeten Misserfolg dem Jagdführer anzulasten. Je professioneller die Führung umso höher ist deren Anteil am Erfolg. Es ist ein eigenartiges Gefühl als Jagdführer selbst geführt zu werden, wie mir das in den schottischen Highlands zuteil wurde. Wer stolz sein konnte war allenfalls der „Headstalker“ Maikel, der sein Revier bestens kannte und mich erfolgreich zu Schuss brachte. Auf das erste Stück richtete er mir sogar seinen Steyr-Stutzen so hin, dass ich auf den Schmalspießer nur noch den Finger zu krümmen hatte. Das Hirschlein legte sich zur Seite, wie es vorher im Bett gesessen hatte. Auf was hätte ich stolz sein können?

Maikel, mit dessen „Guiding“ ich sechs Stück Kahlwild, darunter zwei Dubletten schoss, entschuldigte sich umständlich für seine anfänglich mir zu übertrieben vorkommende Umsorgung. Im Verlauf der dreitägigen Jagd überwog immer mehr die gegenseitige Wertschätzung, die nicht großer Worte bedurfte. Mir fiel es daher leicht, die Leistung meines Führers vor die meine zu stellen, die ja nur darin bestand sauber zu schießen. Mit Maikel in den Grampian Mountains zu jagen, war die reine Freude. Ähnlich schienen die Mitjäger zu fühlen, die von anderen Berufsjägern der Estade geführt wurde. Maikel zeigte was er drauf hat und erwartete von mir als seinem Klienten, dass ich seine Vorlagen nur zu verwandeln brauchte.

Mir berichteten Jagdführer von Gästen, die auf ihren Lebens-, Pensions- oder Wunschhirsch „waidwerkten“. Wie soll man eine Jagd vom Hochsitz bezeichnen, wo der Betreute auf 50 Schritte seine potentielle und quasi angebundene Beute vor lauter Aufregung anflickt oder ganz fehlt. Welcher Stolz wäre gerechtfertigt, wenn das Stück nur durch den Einsatz eines erfahrenen Nachsuchegespannes zur Strecke kommt. Berufsjäger sind ja sehr zurückhaltend, was derlei Vorkommen angeht. Wenn sich der stolze Erleger des stolzen Königs der Wildbahn mit seiner Beute ablichten lässt, stellt sich die Frage, wer auf was stolz sein kann.

Wer es durch Fleiß, Aufwand und Ausdauer zu etwas gebracht hat, kann und darf auf seine eigene Leistung berechtigt stolz sein. Das gilt im privaten Leben wie auch auf der Jagd. Das hat aber nichts damit zu tun, den Stolz auf ein kapitales Stück zu übertragen, das er sich nur aufgrund seines pekuniären Hintergrundes leisten konnte. Ist doch hierfür kein anderer Schuss erforderlich, als wäre ein geringes Stück zu erlegen gewesen.

Mir ist ein Fall bekannt, wo ein Angestellter zur Pensionierung einen Hirschabschuss verehrt bekam. Bereits für seinen Drilling eine Packung hirschgerechter Patronen zu erwerben, schien ihn finanziell zu überfordern. Da der Büchsenmacher kein Leihfutteral hatte, brachten ihn die 50 € für den Kauf eines neuen an den Rand des Ruins. Als er sich nach erfolgreicher Jagd die Restpatronen vom Büchsenmacher auszahlen lassen wollte, war ich Zeuge. Draußen stieg er dann in einen Nobel-SUV. Offensichtlich machte ihm der Hirsch keine Freude, denn wie ist ein solches Verhalten zu erklären.

Berechtigter Stolz?
Warum ein Jäger Stolz empfindet ist zwangsläufig von seiner jagdlichen Einstellung abhängig. Als die körperlichen Fähigkeiten noch entscheidend für einen jagdlichen Erfolg waren, fiel die Sicherung des Unterhalts für die Sippe dem stärksten und erfahrensten Mitglied zu. Mit der Entwicklung der Jagdwaffen und dem Verschwinden des Großwildes änderten sich die Verhältnisse kontinuierlich. Heute ist es auch einem körperlichen Schwachmatikus möglich, allein aufgrund seiner Bewaffnung gefährlichstes Wild zu bejagen, ohne das eigene Leben zu riskieren. Sich mit einem Bein auf der Beute stehend als stolzer Erleger ablichten zu lassen, hat dann ein „Gschmäckle“.

Nachdem in Deutschland außer starkem Schwarzwild kein „gefährliches“ Wild mehr seine Fährte zieht, wird es eben dort bejagt, wo es vorkommt. Wer auf der Jagd den Nervenkitzel sucht, braucht Großwild nur auf kürzeste Entfernung zu bejagen. Wer auf „echte Gegner“ jagt, dann schießt er in der Regel nicht vom sicheren Hochsitz, sondern befindet sich auf Augenhöhe.

Bei geführten Jagden ist allenfalls Stolz berechtigt, wenn die eigene Fitness den Erfolg ermöglicht hat. Körperliche Anforderungen stellt an den Jäger in dieser Hinsicht die Gebirgsjagd oder in „echter Wildnis“. Wie schon angesprochen, entbehrt die Ansitzjagd dieses Aspektes, denn worauf könnte der Jäger stolz sein, ein Stück Wild zu erlegen, das ihn weder eräugt, gewittert oder sonst wie spitz gekriegt hat.

Eine Jagdeinladung soll dem Eingeladenen Freude bereiten. Je besser man den Gönner kennt, umso mehr lässt sich dessen Motivation erkennen. Diese kann freundschaftlicher, aber auch berechnender Natur sein. Schon mit der Einladung lässt sich Freude vermitteln, die sich durch einen späteren Termin sogar noch steigern lässt. Dieser Effekt der Vorfreude entsteht auch bei gebuchter Jagd, allerdings mit dem Unterschied, dass man glaubt, den Erfolg zu 100% mit eingekauft zu haben.

Manche Einladungen kommen spontan und erfreuen umso mehr. Für beide Seiten kann es frustrierend sein, der Einladung nicht Folge leisten zu können. Als Eingeladener sollte man auch wissen, was es für den Gönner bedeutet. So lehnte ich schon mehrfach Einladungen auf den Rehbock ab, weil mir das „Opfer“ seitens des Freundes schlicht zu groß erschien und ich daher mein Interesse am weiblichen Wild im Herbst bekundete. Hierauf war es weit unverfänglicher zuzusagen, weil sich dafür die sommerlichen Bockjäger nicht begeistern konnten, ja schon fast zu schade waren. Sie zeigten am Jägerabend zwar stolz die Rehböcke, obwohl außer einem guten Schuss keinerlei Grund dafür gegeben war.

Schwer zu verstehen ist es, wenn eine Trophäe stolz präsentiert wird, die außer dem dafür erforderlichen finanziellen Aufwand mit keinerlei jagdlichen Mühen verbunden war. Vielen Jägern scheint die heimische Jagd keine Freude zu machen, weil sie kaum was „für die Wand“ hergibt. Das gilt für Reh- wie für Rotwild, wo man sich auch einmal etwas „Gscheites“ gönnen möchte. Ganz ähnlich verhält sich mit der Auslandsjagd, wo für einen Jäger das unbekannte Wild an sich jagdliche Freuden vermitteln könnte. Der Reiz, in unbekannter Gegend auf unbekanntes Wild zu jagen, steht in aller Regel weit hinter der Erbeutung einer Trophäe im Medaillen-Ranking. Nichts gegen die Auslandjagd, sie ist vergleichbar mit Welt- und Fernreisen, aber bei letzteren geht es um die gesammelten Eindrücke und nicht um das stolze präsentieren jagdlicher Erfolge.

Ein Jagdkumpel jagte vier Jahrzehnte am Rand des Veldensteiner Forstes auf Rotwild. In seiner Garage und auf dem Dachboden stapelten sich Dutzende mickriger Hirschgeweihe, darunter auch solche, die beim „Staat“ noch hätten zulegen dürfen. Ob ihn sein „gekaufter“ ungarischer Sieben-Kilo-Hirsch jagdlich befriedigt hat, war nicht zu erkennen. Er wollte sich so etwas aber noch einmal „leisten“. Bei der Jagd auf völlig unbekanntes Wild wie die Gabelböcke Nordamerikas hatte ich reichlich Gelegenheit die Empfindungen von Freunden oder Jagdgästen zu studieren. Die Freude an der Jagd überwog durchwegs und ich habe mir diese Freude über elf Jahre Präriejagd hinaus bis heute erhalten. Aber für Stolz war weder Platz noch Anlass, ob zuhause noch anderwärts.

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SirHenry

SirHenry

Alter: 80 Jahre,
aus Fürth
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Kommentare

07.09.2013 18:10 frankietester
Ich bin heute stolz und zwar auf einen Hund, den wir ausgebildet haben und der sich selbst und dem HF viel Freude bereitet.
Waren heute auf Jagd alle zusammen (es waren kleine Korrekturen beim HF nötig), aber das Resultat bruzzelt jetzt in der Pfanne. (Nein, nicht der Hund und nicht der HF)
07.09.2013 18:42 SirHenry
frankietester schrieb:
Ich bin heute stolz und zwar auf einen Hund, den wir ausbildet haben und der sich selbst und den HF viel Freude bereitet.
Waren heute auf Jagd alle zusammen (es waren kleine Korrekturen beim HF nötig), aber das Resultat bruzzelt jetzt in der Pfanne. (Nein, nicht der Hund und nicht der HF)


Das wäre ein Beispiel!
Gruß und Waidheil
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