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Jagd in Finnland

Auf Elch und Birkwild (9 Einträge)

Doublette am Morgen... Nach-Degustieren Finnland 2012 - T1 Finnisches Abendessen
403 mal angesehen
24.08.2013, 13.55 Uhr

Auf die blauen Ritter der Finnischen Wälder

Tief und bleiern hingen Regenwolken über Mittelfinnland. Der triefende Wald aus Kiefern und Fichten stand wie eine dunkle Wand am Rande des Sees, nur ab und an aufgelockert durch die weißen Birkenstämme. In einer kleinen Hütte am Ufer saßen zwei Jäger, mein Freund und ich, im Kerzenschein beim morgendlichen, starken Kaffee und löffelten stumm den nahrhaften Haferbrei. Heute sollte es wieder auf die blauen Ritter gehen, nach einem vielversprechenden Jagdtag sah es aber leider nicht aus. Aber was half es! Regendichte Klamotten an, ab in die Finnischen Nationalschuhbekleidung - Gummistiefel - und die Flinten samt Patronen gegriffen. Los ging’s! Wenig später saßen wir mit unserem Freund und Jagdführer Markus in seinem alten aber sehr geländetauglichen Skoda und ritten durch den Finnischen Forst, was so langsam das Leben in unsere Glieder brachte. Noch halb schlafend schauten wir durch die Autofenster in die trübe Natur.

Aus dem Wald hinaus rappelten wir auf die offene Felder. Auch hier kam keine Euphorie auf, denn schon aufgrund der moorigen, schwarzen Erde und des verdorrten Grases hat man eher einen tristen Eindruck. Der Nebel tat das Übrige. Hinter diesen Äckern – so erklärte Markus - lag der Forst, in dem wir den in Richtung Feld gehenden Morgenstrich erwarten wollten. Denn zu dieser fortgeschrittenen Jahreszeit Mitte Oktober haben sich die Hühner bereits zu großen Flügen zusammengeschlossen, die allmorgendlich zur Äsung streichen. Plötzlich rief mein Freund „Elchwild!“ von der Rückbank und tatsächlich: Da standen sie! Langsam ließen wir den Wagen ausrollen und sahen rechterhand an einem Weidenbuschstreifen auf vielleicht vierzig Meter ein Elchtier mit Kalb. Welch ein Anblick dieses urige Wild bot, welche Pracht! Gebannt blickten wir durch das Doppelglas. Die Müdigkeit fiel augenblicklich von uns ab. Dunkelbraun waren die Decken der beiden Stücke vor dem fahlgelben Altgras, unwirkliche Erscheinungen im ersten, diesigen Morgengrauen. Viel zu selten hat man in Finnland die Gelegenheit, dieses Edelwild vertraut zu beobachten. Lange hielten sie das tuckernde Etwas dann aber doch nicht aus, das Alttier setzte sich an die Spitze und im typischen Elchtroll ging es erhobenen Hauptes Richtung Wald…

Wenig später hatten wir unser Ziel erreicht. Wir stellten das Auto am Ende des Weges ab, die Ausrüstung wurde geschultert und wir stapften entlang eines Waldrandes, vor dem ein noch nicht abgeerntetes Haferfeld stand. Es fanden sich reichlich Elchfährten, ein regelrechtes Eldorado. Aber es ging ja auf Birkhühner! Ich durfte den ersten Stand einnehmen. Mein Freund und Markus wollten sich weiter entlang der Waldkante platzieren. Ca. zwanzig Meter drang ich in den lichten Kiefernbusch, der Boden war mit Heide und Preiselbeere bedeckt. Hier richtete ich mich auf dem Sitzrucksack ein und komplettierte meine Tarnung an Hand und Kopf. Ich hatte die Flinte dabei sowie eine .243-er Büchse, die aber erst einmal im Futteral verblieb. Jetzt konnte ich den Morgen genießen. Vor mir am Waldrand standen einige hohe Birken, die sicher vorbeistreichendes Birkwild zum Verweilen verleiten würden. Wenn es sich doch nur ein wenig aufklären würde, denn die Hühner lieben klare und frostige Morgen. Aber erst einmal ankommen…

Der Tag brach an – wenn man das bei dem trüben Wetter überhaupt sagen konnte – und nicht einmal über den fernen Wäldern sah ich Birkwild streichen. Schnell verfiel ich wieder in morgendliches Dämmern, freute mich aber trotz allem über den Morgen in dieser fremden Natur, die mich an Löns’schen Erzählungen mit seiner „brauenden Nebelhexe“ erinnerte… schöne Gedankenspiele…

So verging einige Zeit, als ich plötzlich vermeinte, in einiger Ferne schwarze Punkte am Himmel zu sehen – sollte das…? Ich kniff die Augen zusammen und ja, das war ein Flug Birkwild, welcher leider in dreihundert Metern Entfernung in hohe Birken einfiel. Der Jäger erwachte in mir, denn deutlich war ihr Gurren und Miauen zu vernehmen… herrlich allein das… nur, wie heran kommen?

Fieberhaft begann ich zu überlegen. Selbst für die gestreckte Flugbahn der 243-er, dem „Birkhahn-Killer“ von Markus‘ Vater Sakari (mit Schalldämpfer!), war es für mich zu weit. Sollte ich versuchen, sie im Schutze des Waldes anzupirschen? Während ich noch so nachdachte, erschienen plötzlich weitere Hühner am Ende des langgestreckten Waldstückes, in dem wir Jäger ihrer harrten. Aufmerksam reckten sie die Stingel, irgendetwas schien ihnen nicht zu gefallen. Hoffentlich wirkte meine Tarnung. Und ehe ich mich versah, schwangen sich die ersten Vögel erneut in die Lüfte und kamen… in meine Richtung! Jetzt nur nichts falsch machen! Die Bockflinte ruhte schon in meinen Händen. Unbewusst nahm ich den Kopf zwischen die Schultern, versuchte, noch mehr mit meiner Umgebung zu verschmelzen, als auch schon die ersten Vögel über mir waren. Pfeilschnell wie die Fasanen kamen sie daher – anbacken - und mitschwingen waren eins – RUMMS - ein Huhn nahm im Knall den Kopf auf die Brust und fiel ins Heidekraut. Alles geschah unbewusst und nur kurz schoss es mit durch den Kopf, ob ich eine frische Patrone in den unteren Lauf schieben sollte, als ein weiteres Birkhuhn in Schussweite kam. Erneut wanderte der Schaft an die Backe und - ein erneutes RUMMS - wie das Erste plumpste auch dieser Vogel mausetot hinter mir herab. All das ging so schnell, dass ich Mühe hatte, mir die Orte zu merken, an denen meine Beute niedergegangen war. Hatte ich soeben zwei Stücke Birkwild erlegt? Doublette? Ich konnte es nicht so recht fassen, war regelrecht verwirrt. Langsam erhob ich mich und stapfte in Richtung Vogel Nummer eins, eine bildschöne Henne war‘s. Als solche stellte sich auch Vogel Nummer zwei heraus, den ich ebenso unerwartet schnell fand. Und so konnte ich zwei der wunderbar Gefärbten neben mir zur Strecke legen. Saubere Jagd! Was eine Freude. Zufrieden hockte ich mich wieder hin…

Plötzlich knallte es in einiger Ferne. Ob auch mein Freund noch einmal Beute gemacht hatte? Er hatte, wie sich später herausstellte. Bei ihm war das Wild sogar eingefallen und er konnte sich einen geringen Hahn in Schussweite aussuchen, der auch im Knall herab fiel. Waidmannsheil! Wieder einmal hatte uns der Finnische Morgen trotz geringer Erwartungen großes Waidmannsheil beschert. Glücklich trafen wir uns wenig später mit Markus und gingen zurück zum Wagen. Bevor wir den Tag mit der Streife auf Waldhühner fortsetzen wollten, gedachten wir eine kleine Pause an anderer Stelle einzulegen. Also ab ins den Skoda. Was für ein Tagesbeginn, aber es sollte noch besser kommen.

Gerade hatten wir ein paar hundert Meter hinter uns gebracht, als wir an einem Kahlschlag vorbei fuhren, an dessen anderen Ende Markus Birkwild in den Randkiefern entdeckt hatte. Sogleich frug er uns, ob jemand Interesse hätte, dieses mit der Büchse anzupirschen. Ich war Feuer und Flamme, wir stimmten uns ab und einigten uns, dass ich auch noch einen Hahn erlegen solle. Na dann, auf zur fröhlichen Jagd!

Hinter einer Waldecke glitt ich aus dem Wagen und über einen Graben. Dann verdrückte ich mich mit der Büchse im Futteral in den Busch. Vorsichtig schob ich mich geduckt in Richtung Waldrand und sah meine Beute in spe weiterhin in den Kiefern brocken. Welch eine spannende Pirsch! In tiefer Gangart schlich ich durch das hohe Altgras, des Schlags, setzte Fuß vor Fuß, nutzte einen weiteren Graben um mich dann im Schutze eines sicher zwei Mann hohen Baumwurzeltellers weiter zu nähern. Bisher war alles gut gegangen. Nur langsam, langsam vorwärts… Vorsichtig kletterte ich am Wurzelteller hoch und lugte über den oberen Rand… und muss ein ziemlich dummes Gesicht gemacht haben, denn die Hühner waren nicht mehr da! Enttäuschung keimte auf. Das war es dann wohl – Fehlpirsch! Gerade wollte ich mich abwenden, als ich am anderen Ende des Kahlschlags weiteres Wild in den Bäumen erblickte. Wenn auch jetzt die Entfernung ein gutes Stück jenseits der hundert Meter lag, so wollte ich es doch wagen. Sofort verschwand mein Kopf wieder in Deckung und die Büchse glitt aus dem Futteral. Zwei Patronen der Sako Speedhead wanderten ins Magazin, eine in den Lauf. Am Vorderschaft wurde das Stativ ausgeklappt, denn ich wollte jede stabilisierende Maßnahme nutzen. Vorsichtig schob ich mich erneut über den Rand – sie waren noch da! - und brachte mich sorgfältig in Stellung. Jetzt musste ich mit Sakaris „Birkhahn-Killer“-Büchse zeigen, was wir konnten. Über das auf zwölffach gedrehte Glas sondierte ich die Kiefernwipfel und hatte bald einen Hahn im Absehen. Spitz von mir weg saß er im Wipfel einer Kiefer und brockte. Jetzt hieß es volle Konzentration. Das Absehen vier wanderte langsam zwischen die Schulterblätter. Noch hatten sie zwar nichts bemerkt, aber das Ziel war klein und weit war es auch… Nach dem Entsichern und Einstechen hängte ich mich noch einmal richtig rein, verzahnte mich regelrecht mit dem im Wurzelteller verbliebenen Gras und Erdreich. Langsam verstärkte ich den Druck auf den Abzug… mehr, mehr… peitschend brach der Schuss… der Hahn verkrampfte – und fiel wie ein Stein aus der Kiefer. Puuuh, mit einem Mal fiel die große Spannung von mir ab. Hatte es auch geklappt?

Während ich mit wieder entladener Waffe den Wurzelteller herunter rutschte, kamen auch schon meine beiden Mitjäger angefahren. Ihre fragenden Blicke wollte ich nicht bestätigen, bevor ich nicht den Hahn in den Händen hielt. Darum ging es nun los, über den Kahlschlag und in die Randbäume. Hier hatte man offensichtlich vom Sturm geworfene Kiefern noch nicht geräumt und darum war es ein ganz schönes Steigen bis zum von mir gemerkten Baum. Langsam näherten wir uns von drei Seiten, dabei die Blicke immer am Boden. Oft genug hatte ich in den Büchern des jagenden Barons Ludwig von Cramer-Klett über geflügelte Hahnen gelesen, die sich per pedes in Sicherheit gebracht hatten oder sich erfolgreich vor dem Jäger drückten. Das Gefühl, welches den Waidmann dann beschleicht, kann wohl auch nur unsereins nachempfinden… Zunächst war nichts zu sehen, nicht einmal eine Feder im Gras. Oh Tapio, lass es gut gegangen sein! Doch da schallte schon ein fröhliches „Horrido“ von meinem baumlangen Freund herüber, der natürlich eine bessere Übersicht hatte und gleich unter besagter Kiefer gefunden hatte. Überglücklich nahm ich meine Beute aus einer Bülte Altgras auf. Ja, da war er – mein Hahn! Einen Zentimeter rechts von der Wirbelsäule war die Kugel ein- und vorne recht hoch ausgetreten. Sauber. Was war das eine gemeinsame Freude. Das Bangen war zu Ende. Waidmannsheil!

Nach einem verfrühten Lunch am Feuer mit den berühmten Finnischen Würsten verbrachten wir den Rest des Tages mit Streife auf Birk-, Auer- und Haselwild im Wald. Erlegen konnten wir an diesem Tag nichts mehr, der Finnische Gott des Waldes Tapio war uns aber auch schon so sehr wohl gesonnen und schenkte uns zum Abschied eine große Menge Trompeten-Pfifferlinge, die wir am Abend in der Hütte zu einem leckeren Mahl verarbeiteten: Birkhuhnbrust an Pfifferlingen und Preiselbeeren… das Ende eines herrlichen Jagdtages in Finnlands wilden Wäldern!
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

24.08.2013 14:14 Renevolution81
"Meines Jagens schönste Stunden" - HERRLISCH wie immer geschrieben und die flammende Sehnsucht in der Brust ist wieder erwacht one day ...
24.08.2013 14:16 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
"Meines Jagens schönste Stunden" - HERRLISCH wie immer geschrieben und die flammende Sehnsucht in der Brust ist wieder erwacht one day ...

... Ja, fern von Sorgen und Nöten... Gut, das neue gemeinsame Erlebnisse in nicht allzu weiter Ferne liegen... auf bald, el
25.08.2013 21:26 katja
Toller Bericht aus einem tollen Land! Ich kenn Finnland auch, leider nicht jagdlich, aber man kann sich gut dank Deiner Schilderung hineindenken...Danke und Waidmannsheil!
26.08.2013 09:43 Rapsjaeger
Weidmanns Heil! Das liest sich genial, spannend, interessant und - weckt einmal mehr das Interesse an Finland als Urlaubsland...
02.09.2013 10:18 SauerlaenderJung
Nur geil erzählt! Weidmannsheil!
02.09.2013 19:13 swinging_elvis
SauerlaenderJung schrieb:
Nur geil erzählt! Weidmannsheil!

Waidmannsdank!!!
03.09.2013 16:09 7x65R
Ich hatte mir schon ne ganze Wiele vorgenommen, deinen Blog mal in Ruhe durchzulesen. Es hat sich gelohnt....Sehr spannend und vorallem den Birkhahn mal zu essen, anstatt ihn auszustopfen
Sowas muss ich mir in meinem Jägerleben auch noch einmal gönnen....

WMH und vielen Dank für die finnische Jagdgeschichte
03.09.2013 22:29 swinging_elvis
7x65R schrieb:
Ich hatte mir schon ne ganze Wiele vorgenommen, deinen Blog mal in Ruhe durchzulesen. Es hat sich gelohnt....Sehr spannend und vorallem den Birkhahn mal zu essen, anstatt ihn auszustopfen
Sowas muss ich mir in meinem Jägerleben auch noch einmal gönnen....

WMH und vielen Dank für die finnische Jagdgeschichte

Freut mich sehr, wenn's gefällt. Wenn es denn recht ist: www.erakorpinen.fi. Have fun, c
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