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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Sitzen wie im Wohnzimmer Ansitz im Rapsfeld Insel-Schmalreh
920 mal angesehen
25.07.2013, 13.16 Uhr

Jagen auf der Insel

Eine Einladung war an meine Familie ergangen. Nein, keine jagdliche sondern eine zu einer Hochzeit. Die Freude war groß, denn neben der sicher tollen Feier in gediegener Umgebung sollte es mich auch zum ersten Mal in das schöne Bundesland Mecklenburg-Vorpommern verschlagen. Unverhofft kommt oft!

So begann also die Planung und natürlich sollte es zum einen eine kleine Urlaubsreise werden, zum anderen hatte ich für solche Gelegenheiten die „Freigabe“, mich auch um eine kleine Jagdgelegenheit zu kümmern. Land, Leute und Natur ließen sich auf diese Weise oft viel schneller kennen lernen denn als Standard-Touri. Schnell hatte ich mit den entsprechenden Forstämtern Kontakt aufgenommen und um Möglichkeit auf Reh- und Schwarzwild ersucht. In der letzten Entscheidungsphase befindlich, erkundigte ich mich bei einem mir über das Internet entfernt bekannten, ortsansässigen Jäger nach den örtlichen Begebenheiten im fernen Nord-Osten der Republik. Wie groß waren mein Erstaunen und meine Freude, als der mir bis dahin vollkommen unbekannte Nimrod spontan eine Einladung aussprach, ihn doch besuchen zu kommen. Jagen auf einer Ostsee-Insel, welcher Jäger hat mit Darß und Co. im Hinterkopf nicht gleich schöne Gedanken dabei. Schnell war alles ausgemacht und eine passende Unterkunft in Reviernähe gebucht. Es konnte losgehen.

Die Reise aus dem Hessenland in den fernen Nord-Osten war eine Gewaltige. Umso mehr freuten wir uns über die schöne Natur und die ruhige Unterkunft auf Rügen. Was braucht man mehr. Und mit kleinem Anhang ist man in seinen Wünschen eh etwas bescheidener geworden. Gleich für den Montagabend wurde mit meinem freundlichen Gastgeber ein Abendansitz ausgemacht. Die Spannung wuchs.

Zu vereinbarter Zeit trat ich mit Ausrüstung und Drilling gerüstet vor unsere Unterkunft und traf… auf einen sehr freundlichen Waidmann – da genügte ein Blick! Sehr schnell merkten wir, dass es viele Schnittmengen in jagdlicher und menschlicher Hinsicht gab. Das Erzählen nahm gar kein Ende auf der Autofahrt über Rehe, Füchse, Sauen… es machte Spaß von Anfang an! Für den ersten Abend war für mich ein Ansitz im Wald vorgesehen. Noch einmal staunte ich, als ich Freigabe auch auf stärkere Böcke und Sauen erhielt und fast bis unter den kleinen Sitz an einer Fichte gebracht wurde. Glücklich baumte ich auf und richtete mich ein.

Wie in einem Wohnzimmer saß ich hier. Ein mittelalter Fichtenbestand, durchsetzt mit reichlich Unterwuchs - der Wind blies mir leise ins Gesicht. Alles passte. Gegen die kleinen Plagegeister und Blutsauger hatte ich zum Glück auch bei dieser Wärme eine dünne lange Unterhose an und schützte Hände und Gesicht mit Tarnhandschuhen und einem dünnen Schlauchtuch. Als ich wenig später etwas Rotes durch die Blätter blitzen sah, wusste ich bereits, dass es sich um die von meinem Gastgeber angekündigte standorttreue Ricke handeln musste. Der Mann kannte sein Wild! Der Dreilauf blieb darum auch neben mir liegen. Die Ricke zog zu einer Salzlecke, von vorne schnürte ein Jungfuchs heran, den ich im dichten Kraut aber nicht frei bekam… ich war rundum zufrieden. Einfach draußen zu sein erfüllte mich bereits mit großer Zufriedenheit.

Es dämmerte schon leicht, als ich links eine Bewegung bemerkte: Ein Reh war zügig über den Waldweg gezogen und bereits wieder im Gesträuch verschwunden. Mit ein wenig Glück würde es vor mir erneut sichtbar werden und so erhöhte sich meine Aufmerksamkeit. Tatsächlich erschien es wieder im hohen Grün und nahm langsam seinen Wechsel in Richtung der Lecke. Als weiblich hatte ich es bereits angesprochen, jetzt stellte sich also nur noch die Frage nach Schmalreh oder Ricke. Eine freiere Stelle halb-rechts musste mir gleichzeitig das Ansprechen sowie die Möglichkeit zum Schuss bieten, danach wurde es sehr dicht. Schließlich tat mir das Stück gar den Gefallen, sich spitz von hinten zu präsentieren – Schmalreh – so dass der Griff zu meinem Drilling ging. Jetzt galt’s. Noch einmal über den Lauf in Richtung meiner Beute spähend gewahr ich einen roten Fleck weiter hinten auf einer kleinen Lichtung. Das starke Glas zeigte mir ein Kitz – sicher zur mir bekannten Ricke gehörend – welches genau in Schussrichtung stand. So verging diese Chance also ungenutzt, was mir aber nicht Leid tat… denn immer noch komme ich am ersten Tag lieber erst einmal an und muss nicht gleich schießen…

Am Ausgangspunkt wurde ich abgeholt und wir trafen auch noch auf einen alten Mitjäger… ein echtes Original, dem man gerne eine Weile zuhörte, bis es wieder Heim ging. Für Mitte der Woche verabredeten wir uns erneut.

Zwischendurch durften natürlich die anderen Dinge, die die Insel zu bieten hatte, nicht zu kurz kommen: tolle Natur, Seebäder, weiße Strande, schöne Städtchen. Bei einer einsamen Wanderung am Strand fand ich die Spuren von Schalen im Sand. Später wurde mir erläutert, dass dies entweder Damwild oder Muffel gewesen sein könnte. Schalenwild und Meeresstrand – welch exotische Kombination!

Schon am Telefon hatte ich erfahren, dass der Wind gedreht hatte und somit einige hoffnungsvolle Ansitze ausfielen. Was gab sich doch mein neuer Jagdfreund Mühe… ich konnte es nur mit sauberem Ansprechen und noch saubererem Schießen vergelten… neben einigen Gaumenfreuden… Der Weg führte uns zu einem kleinen Dorf und direkt dahinter in ein riesiges Rapsfeld, welches schnurgerade von einem Feldweg zerteilt wurde. Auf halber Strecke stand hier ein Drückjagdbock, der heute Abend für mich vorgesehen war. Mit einigen Hinweisen – ganz nebenbei einen Bock von vier bis sechs Jahren erwähnend – entließ er mich auf meinem einsamen Hock.

Langsam wanderte mein Blick in die weite Runde. Auf dem riesigen Rapsfeld sah man noch hier und da einen Hauch von Gelb, vereinzelt waren Feldgehölze mit Schilf eingestreut, von denen in der Stille das Quaken von Fröschen herüberklang. In der Ferne ragte die dunkle Wand eines Waldstückes in den Himmel, auf dessen angrenzender, kürzlich gemähter Wiese sich das Wild nur so tummelte: Neben zwei Kranichpaaren sah ich dort innerhalb kurzer Zeit Rehwild, Kolkraben, einen Rotfuchs… das reinste Eldorado.

Der für mich bejagbare Bereich beschränkte sich auf den Feldweg vor mir. Die mir offen gelassene Option, weiter zu einer Wiese zu pirschen, wollte ich zunächst nicht wahrnehmen. So hängte ich also meinen Lodenmantel über die Brüstung und lud den Dreilauf. Sollte Wild auf dem Feldweg erscheinen, konnte schnelles Ansprechen und genaues Schießen entscheidend sein. Eine Nachsuche im Raps musste vermieden werden. Übereilt sollte es aber auch nicht sein… alles in allem keine leichte Aufgabe. Mit Gedanken an das mögliche Erscheinen eines Bockes und die sich rechts und links des Feldweges erhebenden Rapswälle war die Assoziation mit Schillers Wilhelm Tell nicht fern: „Durch diese hohle Gasse muss er kommen“!

Zufrieden lehnte ich mich zurück und genoss den Abend. Der Gastgeber hatte sich einige hundert Meter weiter angesetzt. Was ein Glück ich doch hatte, dies hier erleben zu dürfen. Plötzlich eine Nachricht per SMS, dass nicht weit von mir ein Hirsch im Raps stünde. So sehr ich jedoch meinen Hals auch reckte, ich konnte ihn leider nicht entdecken… entweder überriegelt oder hinter einem Feldgehölz stehend…

Die Sonne näherte sich dem Horizont und tauchte die Landschaft in ein mildes Licht. Wie immer, wenn mal gerade die Aufmerksamkeit ein wenig nachgelassen hat und man in jagdlichen Träumen versunken ist, erscheint das Wild. Ein Reh stand plötzlich auf dem Feldweg. Der erste Blick auf über hundert Meter ließen mich aufgrund des Gebäudes sogleich auf ein einjähriges Stück schließen. Jetzt schnell und genau ansprechen. Weiblich! Spinne oder nicht? Bis ich dies ausmachen konnte, war das Stück aber schon wieder nach links verschwunden. Beim nächsten Mal sollte ich am besten durch das Glas des Drillings ansprechen. Da – war das Stück schon wieder. Es zog von links nach rechts, tat einige Luftsprünge – das typische Verhalten eines jungen Stückes. Und jetzt zeigte es sich endlich spitz von hinten: eindeutig Schmalreh.

Die Entfernung hatte ich über das Absehen 1 vorher bereits abgeschätzt. Sicher hundertvierzig Meter waren dies; für mich und meinen präzise schießenden Drilling nah am Maximum. Schnell baute ich mir aus dem Lodenfutteral eine Unterlage so dass mir ein bombenfestes Abkommen möglich war – weg! Erneut war das Reh verschwunden, diesmal nach rechts. War es das? Nein, da kam es erneut, zog über den Weg und naschte am linken Rand den Raps. Breit! Besser geht es nicht. Entsichern, stechen und rein ins Leben hinter’s Blatt… ich lag bombenfest… – bautz – war der Schuss draußen. Das Stück hob es vorne leicht an, um dann am linken Feldrand in meine Richtung zu trollen – mit nach hinten gelegten Lauschern. Schon meinte ich, es wanken zu sehen, als es doch noch im Raps verschwand.

Leicht schüttelte mich das Jagdfieber. Ich war mir jedoch sicher, sauber abgekommen zu sein und die große Kugel hatte ich auch vor kurzem noch auf dem 100m-Stand geschossen. Die klassischen 4 cm hoch konnten mir auf diese Entfernung sogar mit der schweren 11,5g TIG aus der 7x57 keine Probleme machen… wenn denn nicht der Steuermann…

Langsam begann ich zu packen, nicht ohne vorher eine SMS abzusetzen, vorsorglich das Wort „beschossen“ anstelle „geschossen“ nutzend.

Bedächtig baumte ich ab und begab ich mich in Richtung Anschuss. Anhand einiger Grasbüschel hatte ich mir diesen gemerkt und fand ihn - völlig unüblich – auf Anhieb. Hellrot-blasig leuchtete es mir entgegen, so dass ich schnell meine innere Ruhe wiederfand: Lungenschweiß! Mit tiefer Nase folgte ich der deutlich sichtbaren Schweißfährte entlang der Rapskante. Das sah eindeutig nach einer Todesflucht aus. Zehn Meter, zwanzig, dreißig… so langsam… vierzig, fünfzig Meter. Jetzt fand ich keine weiteren Spritzer mehr und versuchte, die Rapsstängel mit den Augen zu durchdringen. Aufatmen! Keinen Meter weiter schimmerte es rot durch, auf einem Großteil der Decke zeigten sich noch die grauen Winterhaare. Waidmannsheil!

Soeben wollte ich beherzt zufassen, als mir eine Idee kam. Und schon sah ich den Geländewagen meines Jagdfreundes den Weg hinunter kommen. Sicher konnte er schon meinem freudigen Grinsen den Erfolg entnehmen. Ich übermittelte dann auch sogleich die gute Nachricht und frug, ob er seinem Wachtel nicht auch noch eine kleine Freude gönnen wolle, womit er sich natürlich sofort einverstanden erklärte. Schnell fuhr er weiter hinter den Anschuss, den ich vorsorglich mit einem Taschentuch „verbrochen“ hatte. Hund raus, Leine raus und erst einmal das Prozedere starten: Sorgsam wurde abgelegt und der Anschuss untersucht. Erst dann wurde der Wachtel zur Fährte gelegt, die er aufgeregt annahm. Langsam schritt ich hinterher, es war immer wieder schön, diese Arbeit zu verfolgen. In diesem Falle wartete der gemeinsame Erfolg. Wenig später standen wir dann auch am verendeten Stück und der Hund wurde abgeliebelt. War das eine dreifache Freude! Gekrönt wurde das Erlebnis von der feierlichen Überreichung der Brüche, die bereits mitgebracht worden waren… Jagen wie es sein soll…

Wie im Handumdrehen glitt das scharfe Elchmesser durch den Wildkörper und wenig später war das Schmalreh sauber aufgebrochen. Ab in den Wagen und zur Kühlkammer. Es dunkelte, als wir über Schleichwege zurück zu meiner Behausung fuhren. Bei einem kleinen Bierchen feierten wir das erfolgreiche Ende eines gemeinsamen Abenteuers zweier zuvor völlig unbekannter Jäger.

Zum Wochenende rollte ich langsam von der Insel, auf der einen Seite einer tollen Hochzeit entgegen, auf der anderen eine herrliche Landschaft und einen Jäger zurücklassend, die mir in der Kürze der Zeit ans Herz gewachsen waren. Rügen – wir kommen wieder!
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

25.07.2013 13:39 djtdingo
WMH zum Schmalreh,
sehr gut geschrieben!
25.07.2013 14:13 swinging_elvis
djtdingo schrieb:
WMH zum Schmalreh,
sehr gut geschrieben!

Waidmannsdank! Freut mich wenn's gefällt!
25.07.2013 16:22 Rapsjaeger
25.07.2013 17:59 swinging_elvis
Rapsjaeger schrieb:

25.07.2013 20:04 Waldlaeufer7x64
Sehr schön geschrieben! Und stimmungsvoll das erlegte Stück fotografiert! Wmh dir und Suchenheil dem Namensvetterhund ;)
25.07.2013 20:17 esau
...kommt mir bekannt vor.
25.07.2013 20:40 Musang
esau schrieb:
...kommt mir bekannt vor.

Und mir sogar der Sitz
25.07.2013 20:43 Musang
WmH zum Schmalreh
Danke für Deinen sehr emotionalen und stimmungsvollen Bericht ! Beim Lesen wie unmittelbar dabei gewesen ! Schön, wenn es solche Jägerr und wunderbaren Gastgeber gibt
26.07.2013 09:47 Kija
.. und da wird an anderer Stelle heftig darüber diskutiert, wozu denn LL gut wäre: es ist immer gut, wirkliche Freunde zu finden.
LG Kija
26.07.2013 11:02 Ammerlaender
Schön geschrieben. Jagd wie sie sein soll!! Waidmannsheil!
26.07.2013 14:08 kong
Gut geschrieben und ein donnerndes WMH Dir...Der M. ist ein ganz anständiger Kerl, das bestätigt Deine Erzählung auch mal wieder....
26.07.2013 15:13 swinging_elvis
Musang schrieb:
WmH zum Schmalreh
Danke für Deinen sehr emotionalen und stimmungsvollen Bericht ! Beim Lesen wie unmittelbar dabei gewesen ! Schön, wenn es solche Jägerr und wunderbaren Gastgeber gibt

Waidmannsdank! ... ja, die gibt es...
26.07.2013 15:18 swinging_elvis
kong schrieb:
Gut geschrieben und ein donnerndes WMH Dir...Der M. ist ein ganz anständiger Kerl, das bestätigt Deine Erzählung auch mal wieder....

Waidmannsdank!!! Wenn ich noch Zeit gehabt hätte, in Greifswald anzuhalten...
Der M ist eigentlich ein alter Stinkstiefel, darum passen wir auch so gut zusammen War ne Freude! El
26.07.2013 17:22 esau
Musang schrieb:
Und mir sogar der Sitz

Ich vermutete ,dass es der sein könne .
Die Beschreibungen ähnelten sich frappant.
26.07.2013 21:52 Rapsjaeger
esau schrieb:
Ich vermutete ,dass es der sein könne .
Die Beschreibungen ähnelten sich frappant.


Es war selbiger... Der hat mir noch ein Überläuferchen beschert....
04.08.2013 22:40 7x65R
Schönes Geschiterl....hat Spass gemacht zu lesen.

Fällt mir doch der alte Spruch ein: Jäger sprechen eine Sprache.
05.08.2013 13:56 swinging_elvis
7x65R schrieb:
Schönes Geschiterl....hat Spass gemacht zu lesen.

Fällt mir doch der alte Spruch ein: Jäger sprechen eine Sprache.

Waidmannsdank!
Stimmt... Oft eine Sprache, von Südtirol bis nach Finnland el
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