Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
Erfolgreiche Blattjagd
665 mal angesehen
09.07.2013, 20.02 Uhr

Blattzeit im Bayerischen Wald


Ich weiß, so ganz Blattzeit ist noch nicht, aber die Vorfreude wird mit jedem Tag größer. Deswegen eine Story vom letzten Jahr:

Die Böcke sprangen schlecht. Ausnehmend schlecht sogar. Es ist zwar bei uns so, dass die „heiße Phase“ der Blattzeit immer erst um den 5. August rum ist, dennoch sprangen in den Jahren davor die Böcke auch immer schön früher. Aber diesmal? Nichts. Von einem jungen Sechser abgesehen, der lauscherhoch aufhatte, mich mitten über eine Freifläche im Wald anwechselte, eher ansprang, mich voll jugendlicher Neugier begaffte, um mich dann zu umschlagen, mir dabei sein Blatt auf 15 Meter präsentierte und erst abzuspringen als ich „PENG“ rief. Ja, ich weiß, waldbaulich war das ganz böse und schlecht. Aber wenn ich blatte will ich keine, den ersten Testosteronrausch erlebenden Jünglinge meucheln, sondern Böcke, die schon eine Vielzahl von oben beschriebenen Böckchen produziert haben. Die erleg ich nämlich im Mai, mehr aus Pflichtgefühl heraus als aus wirklicher Freude. Denn niemand kann behaupten, wenn er schon a paar Rehe erlegt hat, dass ihm das besonders nahe geht, wenn die Böcke, noch grau, oder grad im Verfärben auf die Wiese ziehen und dort hastig fressen. Dann sitzt der Jäger auf dem Hochsitz, macht mit seinem Knallstock Lärm und das Reh sinkt ins Gras. Ganz großes Kino. Wirklich. Trotzdem weiß ich, dass das oft die einzige Chance ist, den Abschuss bei den Einjährigen zu erfüllen. Denn oft sieht man die nicht, oder besser: nur so lang, bis sie von den älteren Böcken vertrieben werden. Aber wie gesagt, Freude macht es mir keine große.
Die Blattzeit-Böcke hingegen… Uhhh, da werd ich schwach. Die ersten Erfahrungen gesammelt und gewissermaßen gelernt hab ich die hohe Kunst des Blattens von meinem Dad, der es seinerseits von einem früheren, inzwischen verstorbenen Freund hatte. Dieser hatte das Revier, in dem ich jage, bis zu seinem Tod gepachtet, und war, so würden es einige bezeichnen, ein „Herrenjäger“. Er kam nur ein paarmal im Jahr. Einmal zur Blattzeit, wo er innerhalb 10 Tagen um die 15 -20 Böcke, viele als kapital zu bezeichnen, erlegte. Und die anderen Male wenn die Sauen an der Kirrung waren. Trotzdem war er, soweit ich mich erinnern kann, ein recht lieber und umgänglicher Mensch. Meinem Vater und noch einem Mitjäger gab er, bis auf die Böcke -da durften sie jeweils nur einen erlegen- freie Büchse. Denn die wollte er blatten. Und das konnte er! Sein Mittel der Wahl war der Buttolo-Blatter und der „Piääh“-Ruf. Der Erfolg gab ihm recht, klar es waren damals noch mehr Rehe im Wald unterwegs, aber dennoch schaffte er es, die alten heimlichen Schlaumeier vor die Büchsflinte zu kriegen.
Aber ich schweife ein bisschen ab… Auf jeden Fall hielt durch diesen Mann die Kunst des Blattens in unserer Familie Einzug und mit ihm auch das Wissen um die erfolgversprechendsten Plätze. Und an einen solchen steuerte ich ein paar Tage nach dem Erlebnis mit dem Jüngling an. Eine Dickung, die schon fast zu groß war, um sie noch als solche bezeichnen zu können, umgeben von Windwurfflächen, die nun langsam, aber stetig zuwachsen. In der Fläche allerdings immer wieder kleine Blößen von vielleicht 20 auf 20 Meter. Hier habe ich viele Fegstellen gefunden. Mal schauen was hier so geht. Gegen elf Uhr vormittags, natürlich unter der Woche –da ist am wenigsten los in den Privathölzern – such ich so ein Fleckchen auf. Versuche möglichst leise, was halt nicht hundertprozentig gelingt, hinzupirschen und mich auf den großen Stein, der inmitten einer Blöße steht, zu setzen. Schnell die Bockbücksflinte mit der 6,5 und Brenneke, auf Fuchs solls ja jetzt nicht gehen, obwohl schon öfter mal welche „gesprungen“ sind, geladen und erst mal gehorcht und gelauscht. Nach etwa zehn Minuten pfrimle ich den Buttolo aus der Brusttasche und klemm ihn mir zwischen die Lippen. Heute mach ichs mal anders. Scheiß auf die Fieperei. Der Piähh-Schrei kommt gleich zum Einsatz!! PIÄÄH… PIÄÄÄH….. PIÄÄÄH. Recht öfter als drei, -viermal komm ich nicht zum Blatten. Zwischen den Fichten und Buchen vor mir schiebt sich ein roter Körper. Nicht springend, sondern langsam,. So nach dem Motto: Wer stört hier meine Mittagsruhe. Das Gewehr fliegt viel zu schnell an die Backe, der Bock bekommt das natürlich mit. Unschlüssig steht er da, weiß nicht recht, was er davon halten soll… Ein kurzer Blick durchs ZF auf den Hauptschmuck. Ja, das ist was anderes als der Jährling von vor ein paar Tagen… Der Stachel sucht den Stich des Bocks. Direkt von vorn will ich auch nicht… Er dreht sich, steht halbspitz. KABUMM!!! Diesmal nicht aus meinem Mund sondern aus der Isnyerin. Der Bock springt auf und bricht an Ort und Stelle zusammen. Vom ersten PIÄHH bis zum Schuss hats nicht mal 2 Minuten gedauert. Auch das kann Jagd sein.
Euch allen viel Waidmannsheil in der Blattzeit!!
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Frosty1

Frosty1

Alter: 29 Jahre,
aus Oberpfalz
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

10.07.2013 10:54 Jagara
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang