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Jagd in Finnland

Auf Elch und Birkwild (9 Einträge)

Suomi Spiegelung im See Mestästys 2012 Mestästys 2012
452 mal angesehen
19.04.2013, 23.31 Uhr

Finnischer Hahnenmorgen

Es war alles andere – aber kein klassischer Hahnenmorgen, an dem ich meinen Freund in den Finnischen Weiten zum Waidmannsheil auf seinen ersten Spielhahn verhelfen wollte. Weiß woben die Nebel, tief und grau hingen die Wolken über den Seen und Wäldern Finnlands. Unser Freund Markus konnte uns leider an dem Tag nicht begleiten, setzte uns aber im ersten Morgendämmer an einer jungen Kiefernkultur ab mit dem Hinweis, dass an zwei Stellen – vielleicht hundert Meter auseinander – verbliebene Alt-Kiefern das Birkwild zum morgendlichen Verweilen einladen würden.
Schnell teilten wir uns auf, mein Jagdfreund suchte in Schrotschussentfernung zu seinen Bäumen Deckung hinter einem der typischen, von der Eiszeit abgeriebenen, riesigen Felsen, ich selbst schob mich auf meinem Sitzrucksack zwischen ein paar Jungkiefern ein.

So ein Morgen hat etwas… Meditatives… Anhand des Wetters ahnt man, das der Anblick von Birkhühnern eher unwahrscheinlich ist, denn diese Vögel lieben frostig-kaltes und klares Wetter, dann streichen sie. So konnte man sich den Jäger-Gedanken hingeben, die Erinnerungen woben wie die Nebelschleier, Erlebtes, Büchsenschuss, Flintenknall… das Beobachten der Wipfel aus den Augenwinkeln geschah eher nebenbei. Am meisten horchte ich natürlich auch in Richtung meines Mitjägers, denn dieser hatte in seinem Leben noch kein Birkwild bejagt, geschweige denn einen der schillernden Hahnen strecken können. Ob dies gleich heut‘ unter diesen widrigen Bedingungen gelingen würde?

Von Markus hatten wir die Weisung erhalten, uns nach Sonnenaufgang alleine zurück zur Hütte zu begeben. Wir befanden uns am südlichen Ende des mir trotz schon vieler Jagden immer noch nur einigermaßen bekannten Elchreviers. Diese Flächen hatten halt andere Dimensionen als in unserer Heimat. Der Weg verlief über eine verwachsene Schneeschlitten-Piste direkt durch Sumpf und Urwald. In Gänze war ich ihn nie gelaufen, aber ein wenig Abenteuer konnte nicht schaden und zur Not würde sicher GPS helfen…

So sinnierend kam endlich am Horizont das erste Wild in Anblick! In recht weiter Entfernung strich ein Flug Birkwild und ließ sich schließlich in einigen dort stehenden Birken nieder, offensichtlich um das Frühstück in Form von Knospen einzunehmen. Die Entfernung war so groß, dass nicht einmal Sakaris Birkhahn-Killer, eine Wunderbüchse im Kaliber .243, die im weiteren Verlauf unseres Aufenthaltes noch eine Rolle spielen sollte, dort hätte hinreichen können. Von unseren Hagel-Püstern ganz zu schweigen! Aber plötzlich wurde es spannend. Links von mir strich ein einzelner Vogel heran um auf einer mittleren Kiefer mit dem typisch-runden Kopf einzufallen. Sicher sechzig Meter waren es. Würde die nun angesprochene Henne ihren Weg in meine Richtung nehmen? Zunächst aber taten wir das gleiche: ich reckte meinen Hals aus den Jungkiefern und das Huhn hatte die typische Flaschenform mit gestrecktem Stingel. Wie würde es ausgehen?

Ohne sich um meine Jägerwünsche zu kümmern, nahm das Edelwild nach kurzer Zeit Luft unter die Schwingen und entschwand in der Ferne… wieder einmal blanke Rohre…

Die Nebel lichteten sich, der Vorhang hob sich, die Vorstellung war vorbei! Langsam machte ich mich fertig und tat die hundert Schritt zu meinem Freund herüber. Auch er hatte den Morgen im Finnischen Forst sehr genossen und war wie ich guter Laune. Wir feixten ein wenig über die noch immer in der Ferne brockenden Brathendln, packten unsere sieben Sachen und machten uns auf die Suche nach dem Anfang des „skeedo-trails“.

Und das stapfen begann. Finnische Nationaltracht in Form von Gummistiefel war sowieso Pflicht. Saugend, nachgebend, weich, moorig. Flinten und Rucksäcke über die Schultern folgten wir dem sich durch die Wildnis windenden Pfad. Mit jedem Schritt nahmen wir dabei die Natur in uns auf, Fichten, Birken, Kiefern, Tümpel, Rinnsale, wir sahen hier und da weiteres Birkwild streichen… es war ein Erlebnis. Zwischendurch wurde an einem Felsen Rast gemacht oder über den manchmal unklaren Verlauf des Weges beraten. Hatten wir uns vielleicht schon verlaufen? Irgendwie würde es schon gehen. Tapfer schritten wir aus.

Um eine Ecke biegend fasste mich mein Freund plötzlich heftig an die Schulter. Er hatte am Ende des hier auf sicher achtzig Meter leicht abfallenden Pfades einen riesigen Vogel abstreichen gesehen. Das musste ein Auerhahn gewesen sein. Sogleich wurden die Flinten geladen und vorsichtig pirschten wir weiter. Vielleicht war noch Wild in der Nähe. Gerade hatten wir ein paar Schritte hinter uns gebracht als wir erstarrten. Ein kleines grau-braunes Federknäuel hoppste am Ende der einsehbaren Piste von Ast zu Ast und purrte schließlich davon. Verdutzt schauten wir uns an, hatten wir doch soeben ein Haselhuhn gesehen. Die Schäfte fester greifend ging es Schritt für Schritt weiter. Welche Wunder hielt der Wald noch für uns bereit?

Ein hohes Schwirren ließ mich herumfahren und sogleich die Flinte hochnehmen. Birkwild! >Bautz< ging auch schon mein erster Schuss in den sich auflockernden Finnischen Himmel. Natürlich daneben, denn pfeilschnell kamen die braunen und schwarzen Raketen daher. Auch mein Freund hatte sofort geschaltet und auf meinen zweiten ebenfalls gepudelten folgte sogleich sein Schuss, leider auch ohne Wirkung. Jetzt galt’s! Noch eine Patrone war im Rohr. Mitschwingen, überholen, ein rauher Knall… und leicht verzögert zeigte ein blau-schwarzer Hahn das berühmte Himmeln, klappte die Schwingen zusammen und stürzte wie ein Stein in den Wald. Wir waren platt!

Neben der Tatsache, dass wir soeben drei Raufußhühnerarten auf kleinstem Raum gesehen hatten, wollte auch das Waidmannsheil nicht so recht in unsere Köpfe. Mir schwante, dass der sicher verendete Vogel genau so sicher sehr schwer in diesem von Moos und Steinen durchsetzen Urwald zu finden sein würde. Mein Freund und Pinselschwinger war da aber von weniger pessimistischer Gesinnung und kämpfte sich auch schon ins Dickicht. Ich hielt Sichtabstand so gut es ging und so drangen wir in den Wald. Als wir dreißig, vierzig Meter zurückgelegt hatten, hörte ich plötzlich ein hallo. Der Jagdgenosse hatte in einer Fichte auf Augenhöhe einige Flaumfedern entdeckt. Der Hahn konnte nicht weit sein. Nähertretend sah ich ihn dann. Blauschimmernd war er zwischen Moos und Preiselbeergesträuch in eine Mulde gefallen; welch großes Glück, dass wir ihn gefunden hatten. Ehrfürchtig trat ich zurück, um den glücklichen Erleger selbst seine wertvolle Beute aufnehmen zu lassen, was dieser auch tat. Was war das eine gemeinsame Freude! Wir beide strahlten, als ich ihm den Erlegerbruch überreichte. Das Ende eines sagenhaften Morgens.

Natürlich durfte das zünftige Strecke-legen und ausgiebige Fotografieren nicht fehlen. Geraume Zeit hielten wir uns auf, denn es war auch wirklich ein prachtvoller Hahn mit langen gebogenen Sicheln im Spiel und völlig durchgefärbtem blau-schwarzen Federkleid. Genau der Rechte für meinen Freund!

So ganz war dies noch nicht das Ende, denn wir hatten dann doch die Richtung nicht gehalten. Dank der Technik fanden wir uns aber bald zurecht und eine Stunde später nach einem kleinen Umweg hing der Prachthahn an der Elchschaufel vor der Hütte. Wenn ich heute daran zurück denke… sagenhaft! Waidmannsheil und Waidmannsdank!
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

20.04.2013 10:40 Renevolution81
Meisterlich erzählt - TIRO der Hoahn ...
Meines Jagens schönste Stunden... GEWALTIG!!!
Waidmannsdank von Herzen und auf ein Neues
21.04.2013 13:37 PShunter
Schön erzählt ...man konnte die spannung mit erleben!!!

Und ins Schwobeländle ein fettes Waidmannsheil!
21.04.2013 20:30 platzi
Renevolution81 schrieb:
Meisterlich erzählt - TIRO der Hoahn ...
Meines Jagens schönste Stunden... GEWALTIG!!!
Waidmannsdank von Herzen und auf ein Neues

Auch von mir ein Weidmannsheil
Hattest ja den Vorteil - warst näher am Wild
Bei der Körperlänge
Diether
23.04.2013 09:42 Rapsjaeger
Weidmanns Heil zur Erzählung, zum Erlebnis... Irgendwann, ja irgendwann werde ich mal nicht im Sommer nach Skandinavien fahren...

Sehr schön geschrieben - macht Sehnsucht nach Norden...
23.04.2013 18:25 swinging_elvis
Rapsjaeger schrieb:
Weidmanns Heil zur Erzählung, zum Erlebnis... Irgendwann, ja irgendwann werde ich mal nicht im Sommer nach Skandinavien fahren...

Sehr schön geschrieben - macht Sehnsucht nach Norden...

Waidmannsdank von Schreiberling und Pinselschwinger! Grad denk' ich, dass ja Deine Heimat für mich zur Zeit schon fast Polarzirkel ist... Ja, über den Norden können wir uns noch austauschen... freue mich... el
23.04.2013 21:31 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Waidmannsdank von Schreiberling und Pinselschwinger! Grad denk' ich, dass ja Deine Heimat für mich zur Zeit schon fast Polarzirkel ist... Ja, über den Norden können wir uns noch austauschen... freue mich... el


Ja, freu mich auch schon drauf...!!!
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