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Wildrenjagd auf derf Hardangervidda Wildrenjagd auf der Hardangervidda
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07.04.2013, 20.15 Uhr

Wildrenjagd auf der Hardangervidda

Vor vielen Jahren, als unsere älteste Jagdzeitschrift noch mit Federzeichnungen und Fotos in schwarz/weiß illustriert war und der Anzeigenteil für Auslandsjagden noch auf eine Seite paßte, habe ich dort einen Beitrag gefunden, der mich sofort fesselte. Dort berichtete jemand von seiner Wildrenjagd auf der Hardangervidda im Süden Norwegens, die er auf eigene Faust unternommen hatte. Er berichtete von den Mühen, das Zelt, die gesamte Verpflegung und die Ausrüstung einschließlich Waffen dort hinaufzuschleppen, um dann dort auf die stets umherziehenden Rentierherden zu warten. Dabei kann das Wetter dort von Stunde zu Stunde plötzlich in Sturm und Regen, ja sogar in Schnee umschlagen, und das Ende August/ Anfang September!

Im Frühjahr 1986 fand ich dann zufällig eine entsprechende Anzeige, ich nahm Kontakt mit Norwegen auf und schon war die Reise für Anfang September gebucht - ein mir selbst gemachtes Geburtagsgeschenk zum Vierzigsten! Ein Kollege und Freund sollte mitkommen, allerdings wollte er nicht jagen.

Also wurde am 1. September der R4 vollgeladen und die Reise über Dänemark und Schweden in knapp 2 Tagen durchgeführt. Am frühen Nachmittag kamen wir dort an und fanden problemlos die Hütte mit dem Auto meines Jagdführers. Nach kurzer Begrüßung, einem kleinen Imbiß wurde ich dann eingewiesen. Da ich bislang keine weiteren Jäger gesehen hatte, war dann meine vorsichtige Frage, ob denn noch weitere Jäger kommen würden. "Nein" war die Antwort "Du bist der einzige und sieh mal hier, diese ganzen Lizenzen kannst Du alle haben!" Er zeigte mir ca. 20 Lizenzen. Erst habe ich abgelehnt, aber als er mir sagte, er müsse die Stücke sonst alle selbst schießen (und vor allem über die gesamte Strecke bergen), stimmt ich dann natürlich doch zu. Auf die Frage, ob wir denn Lust hätten, den Nachmittag zum Jagen zu nützen, sagte ich natürlich bei diesen Voraussetzung sofort zu, vor allem, weil auch das Wetter zwar windig, aber trocken war.

Also den Drilling auf den Rücken, Zielstock geschnappt und ran an den Berg!
Nach einigen hundert Metern merkt ich doch, daß mein bisheriger Lebensraum das norddeutsche Tiefland war, und ich mußte Peer um eine leichte Verringerung der Marschgeschwindigkeit bitten. So stiegen wir dann wohl knapp 2 Stunden bergan, um dann mit dem Abglasen der Hochflächen zu beginnen. Und richtig, nach gewisser Zeit konnten wir eine Rentierherde auf ca. 1 1/2 km Entfernung entdecken.

Nun ist eine Rentierherde ständig in Bewegung, daß heißt, wenn man Pech hat, wird man sie nicht mehr einholen können. Also, die Beine in die Hand genommen und Gott-sei-Dank gegen den Wind die Herde angepirscht. Nachdem mehrere Senken durchquert waren und man jedesmal die Herde neu suchen mußte, war es dann nach knapp 1 Stunde so weit, daß wir robbend über den Hang schauten, und da waren sie vor uns! Ca. 60 Wildrene! Peer winkte mich zu sich und deutete auf einen etwas abseits stehenden starken Bullen. Ich richtete mich ein und ließ auf ca. 140 Meter fliegen! Der Bulle stürzte wie vom Blitz getroffen und wegen des starken Windes reagierte die Herde überhaut nicht! Peer deutete auf einen zweiten Bullen, ich faßte ihn hoch an und nachdem ich geschossen hatte, stürmte er offensichtlich getroffen los und tauchte in der jetzt flüchtig werdenden Herde unter. Ich war inzwischen aufgesprungen und stand, den Drilling in Halbanschlag, und suchte in der auf 40 m vorbeiflüchtenden Herde nach dem beschossenen Bullen. Aber er kam nicht! Als wir dann mit den Gläser die Fläche absuchten, lagen dort beide Bullen!! Das war natürlich ein Super-Waidmannsheil! Danach ging´s ans Aufbrechen und dann kriegte Peer allerhand Tauwerk aus seinem Rucksack und das Bergen über Stock und Stein begann. Ich denke, daß die Bullen so ca. 100- 120 kg gewogen haben, dann zählt jeder Meter, den man geschafft hat. Jedenfalls rutschte ich nach einiger Zeit auf einem vermoosten Felsen aus und mein durch einen Unfall geschädigtes Knie meldete sich mit einem stechenden Schmerz zurück!! Damit war für mich ersteinmal die Jagd zu Ende, ich konnte nicht mehr weiter helfen und mein Freund mußte sich jetzt opfern. Ich trug beide Gewehre und konnte dann mühsam mit Hilfe meines Zielstockes die Straße erreichen. Am nächsten Tag bargen die beiden dann den zweiten Bullen und wir beschlossen, am darauffolgenden Tage die Hardangervidda für 2 Tage zu umfahren, um dann zu sehen, ob eventuell noch wieder Jagd möglich wäre oder die Heimreise angetreten werden müßte.

Also machten wie uns am nächsten Tag auf den Weg, genossen die herrliche norwegische Hochtundrenlandschaft um dann abends unser Zelt abseits auf einem Parkplatz aufzustellen. Als mein Freund nach stürmischer Nacht morgens das Zelt öffnete, kriegte er sich bald vor Lachen nicht mehr ein - es hatte über Nacht bestimmt 15 - 20 cm geschneit und der Sturm trieb den Schnee in großen Wehen über die einzige Straße. Wir frühstückten so schnell wie möglich, packten das Auto und da kam auch schon ein Scheepflug, der versuchte die Straße zu räumen. In seinem Schlepptau hatte er 6 PKW´s, denen wir uns sofort anschlossen, denn hinter uns wurde mit einer Schranke die Straße gesperrt! Und das in der ersten Septemberwoche!

Als wir am Abend dieses Tages wieder an unserem Ausgangunkt waren, hatte sich das Knie soweit beruhigt, daß am nächsten Tag wieder aufgestiegen werden konnte. Nach längeren Suchen sahen wir einen jungen einzelnen Bullen auf einer großen Freifläche sitzen, den wir anpirschten und als er hochwurde, von mir gestreckt werden konnte. Er hatte einen frischen Vorderlaufschuß und wir waren natürlich sehr froh, ihn erlöst zu haben.

Tags drauf gelang es uns noch einmal, an die Herde heranzukommen und zwei Stücke zu strecken, dann haben wir die Jagd beendet, vor allem, weil sich inzwischen herausgestellt hatte, daß das Wildbret nach dem Reaktorunfall vonTschernobyl unverwertbar war.

Abschließend muß ich sagen, daß die Wildrenjagd im Süden Norwegens sehr spannend, immer abwechseld und anstrengend war. Man ist sehr dem Wetter ausgesetzt, kann über weite Distanzen das Gelände abglasen und man ist ein wenig Herr der Lage, denn wenn man aktiv ist und das Gelände abläuft, dann hat man natürlich bessere Chansen.






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Hamsterdorfer

Hamsterdorfer

Alter: 71 Jahre,
aus Großhansdorf
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Kommentare

07.04.2013 22:40 steirabua
Kräftiges WMH!
15.04.2013 10:59 Hamsterdorfer
steirabua schrieb:
Kräftiges WMH!

Waidmannsdank!! War ein Supererlebnis in einer völlig anderen Umwelt, man konnte selbst bestimmen, wie aktiv man sein wollte und wurde letztendlich noch mit einer Super-Trophäe belohnt!
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