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Zillertaler´s Blog

Nicht geschossen ist auch gejagt........ (3 Einträge)

730 mal angesehen
27.03.2013, 11.02 Uhr

Nicht geschossen ist auch gejagt............

Nicht geschossen, ist auch gejagt….

Gestern Abend gegen 18:00 Uhr die Büchse und den Rucksack im Auto verstaut und in die untergehende Wintersonne aufgebrochen. Auf dem vertrauten Weg in das Revier über einsame Niedersachsens Kreisstraßen wandert wie gewohnt der Blick über die Felder und Moore. Rehwild steht in Sprüngen zusammen in der Abendsonne und äst das angefrorene Grün.

Ich habe mir als Ziel für den heutigen Abendansitz eine Kanzel ausgesucht, die in direkter Nachbarschaft zum nächsten Revier, ca. 50 m auf eigenem Gebiet steht. Im Nachbarrevier ist eine Fläche von fast 40 Hektar Feld einzusehen, das im letzten Jahr mit Mais und Rüben bestellt war. Der Mais wechselt jetzt mit der Rübenfläche direkt an unsere Reviergrenze und ist nur mit einem kleinen Graben von dem, der Kanzel vorgelagerten Wildacker getrennt. Der Wildacker grenzt an einen alten Waldstreifen in der Eigenjagd mit hohem Eichenbestand.

In den letzten Wochen habe ich diesen Bereich gemieden und absolute Ruhe dem Wild gelassen.

Im letzten Licht gehe ich den Grabenrand ab, und entdecke 3 Stellen, an denen das Wild über den Graben wechselt. Zu diesen 3 Stellen finden sich Schwarz- und Rehwildfährten, nicht ganz frisch aber doch im gefrorenen Boden noch klar anzusprechen. Ein Wechsel kommt aus einer Buchenverjüngung, die beiden anderen Wechsel gehen vom Graben aus direkt an den Eichenbestand am Waldrand. Später auf der Kanzel, werde ich zwei dieser Wechsel nicht mit dem Glas ausmachen können, also lohnt sich der Fußmarsch um die Fläche immer wieder.

Also aufgebaumt und eingerichtet auf der Kanzel. Büchse fertiggeladen, Probeanschlag und die gewohnte Teekanne so gestellt, das ich diese nicht mit dem Radius des Drehstuhls im entscheidenden Moment vielleicht laut auf den Kanzelboden werfe.

Es dauert nicht lange und die erste Stücke Rehwild ziehen aus dem Waldrand heraus und äsen auf der Fläche. Sechs weibliche Stücke und ein Bock. Der Bock steht irgendwann spitz zur Kanzel und ich kann erkennen, dass nur eine Stange stark ausgebildet ist. Die zweite ist kaum anzusprechen. Den Burschen merke ich mir vor und werde auch meinen Jagdkameraden informieren. Aus dem letzten Jahr ist dieser Bock im Revier nicht bekannt. Ich beobachte dieses kommen und gehen fast 2 Stunden und habe noch zwei gut im Bast stehende Sechser Böcke und im gesamtem 17 Stück Rehwild im Notizbuch, bis sich das Rehwild wieder zurückzieht um zu ruhen.

Ich sitze bewusst auf der Seite des Waldes, die der Vollmond erst später mit dem kompletten Waldrand ausleuchten kann, damit der Schlagschatten dem Wild möglichst lange Deckung bieten kann. So kann ich glasen, und habe auch genügend Restlich, aber das Wild zieht immer noch aus dem Wald und steht nicht im Scheinwerferlicht unseres Erdtrabanten. Drei Füchse in kurzen Abständen nutzen den Grabenrand als Autobahn und ich nutze die Gelegenheit, mit dem ZF meiner Büchse mitzuziehen und die Lichtverhältnisse an verschiedenen Stellen der Grabenstrecke auszuloten.

Es ist Schonzeit und dieser Gedanke ist ein schöner Gedanke, obwohl ich mit dem Absehen und dem Leuchtpunkt auf dem Wildkörper anhalte. Ich verbinde diese Anblicke aber auch immer wieder mal, um den Umgang mit der Waffe und den Zieleinrichtungen bei verschiedenen Verhältnissen trocken zu üben.

Einer der Füchse hält sich lange am Grabenrand auf und schnürt nicht gleichbleibend durch diesen Bereich. Plötzlich erscheint ein Feldhase auf dem Wildacker. Beide merken auf, und der Feldhase steht auf seinen Hinterläufen und macht sich groß. Ein geniales Schauspiel, dieses Vortäuschen und Imponieren mit seiner Scheingröße. Aber den Rückwärtsgang hat der Hase schon drin, wobei Meister Reinecke von dem Schauspieltalent des Hasen völlig überrascht und verdutzt innehält.

Im Rücken von mir spielt sich über fast 2 Stunden eine Nummer ab, die mich fast laut zum Lachen bringt. Ein Gatter verläuft dort mit einer 90 Grad Ecke im rückwärtigen Bereich der Kanzel. Gleich nach dem Aufbaumen zog dort schon ein Stück im Gatter immer am Zaun hin und her. Wahrscheinlich wusste es nicht in der Dunkelheit den Punkt zu finden, bei dem es in das Gatter geschlüpft war. Im 10 Minuten Abstand raschelt also immer das Laub in ca. 30 Meter Entfernung, und mit gleichem Schritt und Tritt marschierte das Stück immer im Gatter an diesem Zaunabschnitt vorbei. Nach einiger Zeit wurde das Rascheln beim Vorbeigehen lauter, und ich glaste zum Gatterzaun. Ein zweites Stück folgte nun dem ersten und beide absolvierten ihre Runden im Gleichschritt. Irgendwann hatten sie beide dann wohl das Schlupfloch wieder entdeckt und das Rundstreckenrennen hörte auf.

Schwarzwild kam nicht zum Anblick und ich bin auch nicht die komplette Nacht geblieben, denn es kam die Zeit, das der Mond steil über dem Waldrand stand und alles ausleuchtete. Mir reichte das erlebte und ich beschloss abzubaumen.

Ein schöner Rückweg zum Wagen durch einen hell erleuchteten Wald bildete den Abschluss dieses genialen Abends. Erholung vom Arbeitsalltag und ein tiefer innerer Friede im Einklang mit der Natur, waren für mich heute mein Ergebnis nach diesen Stunden.
Als Jäger muss man nicht zwingend schießen um glücklich und mit einem Erfolgserlebnis nach Hause zu fahren.

Jeder, der ähnliche Erlebnisse als Jäger erfahren hat, kann sich vielleicht hineindenken in meine Stimmung. Jagd ist für mich Leidenschaft, Passion, Tradition und Einstellung zum Leben mit der Natur und dem Wild.

Nicht geschossen, ist auch gejagt….

Waidmanns Heil
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Zillertaler

Zillertaler

Alter: 52 Jahre,
aus Dahoam is Dahoam

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Kommentare

27.03.2013 11:36 taube54
Super geschrieben, habe so ähnliches auch schon erlebt. Immer eine Freude im Einklang mit der Natur.
27.03.2013 12:21 Jagara
Schön geschrieben!! Werd mich heute ( bei Vollmond ) auch auf den Weg machen um ähnliches zu erleben!
27.03.2013 21:24 esau
Ja!Das ist so!
29.03.2013 08:17 WiednerDerSteirer


....ja wenn man nach so einer mondnacht,mit solch innerern zufriedenheit heimwärts zieht...ja das ist schon was lief jetzt ab wie ein film
29.03.2013 19:52 jagdchrisy
Sehr schön geschrieben.

Gruß jc
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