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951 mal angesehen
21.03.2013, 23.16 Uhr

Ich werd´s wohl nie lernen...

Dieser Winter meint es wirklich gut mit uns. Zumindest ich bin begeistert: Selten in einem Winter habe ich so oft bei Schnee draußen sitzen können. Und dennoch, ich kriege einfach nicht genug davon.
Gerade jetzt im März dreht der weiße Mann noch mal richtig auf. In den letzten Tagen kam zu jeder Menge neuschnee auch ewig Sturm dazu - eine widerliche Kombination. Innerhalb kürzester Zeit türmen sich unpassierbare Schneewehen auch auf den Straßen auf. Während ich mich am Tage immer noch in den Wald getraut habe um abzufährten, ließ ich das abends lieber schön sein und blieb misgelaunt zu Hause ...
Heute nun der erste Tag, an dem der Schneefall nachließ, der Wind sehr deutlich abflaute. Also stand fest: heute geht´s raus. Ich hatte in den letzten Wochen 14 Sauen strecken können - das war eh schon neuer Streckenrekord in diesem Revier. Aber da ja nun die Sauen wieder - besser immer noch im Revier unterwegs waren, wollte ich es auf Nr. 15 versuchen.

Der Schnee lag hoch im Wald. Offiziell vermeldete der Wetterdienst eine Schneedecke von 35 cm. Beim Abfährten am Tage aber reichten die Stiefelschäfte im Wald lange nicht mehr. Ich mochte an 35 cm daher nicht mehr glauben.

Mich umfing einmal mehr in diesem ausklingenden Jagdjahr eine tiefe Winterlandschaft. Der Fichtenaltbestand neben mir war alles andere als dunkel. So hell hatte ich ihn eigentlich noch nie erlebt - nicht einmal, als ich vor drei Wochen unter den Fichten sogar einen Frischling strecken konnte. Aber diese Kombination aus stattlicher Schneedecke und dem sich durchsetzenden Halbmond schaffte so viel Licht, dass es eigentlich kaum zu erwarten war, dass ich heute irgendwie erfolgreich sein könnte.

Aber das war mir eigentlich soogar recht wurst in diesem Moment. Die Stimmung war einmal mehr fantstisch. Vor mir auf der kirrung versuchte ein Rehbock an den Mais zu kommen, der sich unter den Baumscheiben verbarg. Fast tat er mir ein wenig leid...

Jetzt erst registrierte ich, dass der Wind offensichtlich wieder auffrischte. Na das fehlte mir ja nun noch...! Zunächst traten einige Böen auf. Aber nach und nach steigerten die sich, wurden zu dauerhaftem frischen und zunehmend stärkeren Wind.

Na klasse! Das hatten wir doch schon mal! Ich war ja ein "gebranntes Kind" in dieser Frage!

***

Vor einigen Jahren konnte ich es auch nicht zu Hause aushalten, war trotz stürmischen Windes und imposanter Schneedecke abends in´s Revier gefahren. Mein Ziel waren auch damals die Sauen. Aber es sollte mein anstrengenstes Jagderlebnis werden.

Zunächst quälte ich mich mit meinem Kombi über die Landstraße Richtung Revier. Das war bereits eine Tortur. Aber statt abzubrechen und wieder nach Hause zu fahren, arbeitete ich mich Meter für Meter über die Straße. Ich konnte die Straße kaum erkennen, so trieb es den Schnee über die Fahrbahn. Aber ich fuhr immer weiter, nahm dann den Abzweig von der Landesstraße und quälte mich über eine nicht geräumte Gemeindestraße. Es ging nur sehr schlecht voran, aber es ging. Und so arbeitete ich mich Richtung Wald vor, verließ die Gemeindestraße und versuchte mein Glück auf einem Feldweg. Aber nach 30 Metern saß ich absolut fest. Ich war mit zu viel Schwung auf eine Schneewehe aufgefahren, hatte den Kombi vorn ausgehoben, so dass diie Antriebsräder schnell keinen Bodenkontakt mehr hatten...

Ich überlegte eine Weile und beschloss dann, das Auto hier stehen zu lassen und wenigstens mal bis zu Kirrung zu laufen, nachzusehen und dann wieder zurückzufahren.
Das Problem war aber, bis zur Kirrung waren es noch etwa 1,5 km. Aber zu Fuß sollte das doch recht zügig zu machen sein...

Ich nahm meine BBF, Fernglas und ließ die restlichen, für einen langen Ansitz unerlässlichen Utensilien im Auto zurück...
Hätte mir vorher jemand gesagt, dass ich für die 1,5km fast eine halbe Stunde benötigen würde, dann völlig abgekämpft wäre, hätte ich es wohl gelassen...

Aber: mir hat das ja niemand gesagt...

Nach etwa 25 Minuten aber war ich der Kirrung schon recht nahe, pirschte mich durch den hohen abber lauten Schnee langsam an die Kirrung heran. Längst war ich zu der Einsicht gelangt, dass ich eigentlich nicht ganz dicht sein konnte und wollte nunmehr eigentlich nur noch alibihalber einen Blick auf die kirrung werfen. Niemals hätte ich im Traum zu glauben gewagt, dass dort tatsächlich 5 Sauen im Gberäch stehen würden...

Na, da würde ich mich aber ganz gewiss um eine von ihnen bemühen...!!!

Mit dunklen Klamotten sich im Schnee Sauen zu nähern - allein der Versuch wäre eigentlich ein Grund, jedem Jungjäger die Leviten zu lesen... Aber was solls: Schneetarn hatte ich nicht bei, wollte aber dennoch ein Stück strecken...

Also: in Zeitlupe näherte ich mich der Kirrung. Dafür nutzte ich jeden Baumstamm, der sich mir bot. Ich dampfte, zitterte, hatte ein Rauschen im Ohr - aber ich kam ganz langsam in Schussposition.

Die Sauen waren alle gleich groß. Es mussten wohl Frischlinge sein, deren Bache bereits mit dem nächsten Wurf beschäftigt war oder aber im Dezember gar auf der Strecke zu bewundern war...

Abknien und Ziel erfassen dauerte vermeintlich ewig. Irgendwann aber hatte ich einen Schwarzkittel passend im Ziel und ließ fliegen. Die Bühne war leer nach dem Knall. Kein verendetes Stück zu entdecken...

Also Zwangspause vor der Anschusskontrolle... Mir schoss die ungemütliche Frage ein, wie ich wohl hier wieder wegkommen wollte... Egal, zu spät. Jetzt musste ich durch. Nach 15 Minuten stand ich am Anschuss. Erleichtert stellte ich Lungenschweiß fest und stand nach 40 Metern vor dem Schwarzkittel. Der aber war kein Frischling sondern ein sehr starker Überläufer. Mir schwante Schlimmes...
Drei Stunden später hatte ich den aufgebrochenen Schwarzkittel zum Auto gezerrt. Und ich war absolut am Ende meiner Kräfte.
Doch damit hattte ich noch nicht einmal die halbe Miete. Der anhaltende Sturm hatte meinen Kombi komplett eingeweht...

Mit den Händen musste ich das Auto erst mal so weit freiwühlen, dass ich wenigstens an die vorsichtshalber eingepackte Schaufel kam. Und dann ging es los. Freischaufeln des Autos: das musste doch klappen. Irgendwann hatte ich die Antribsräder wieder frei, den Schnee unter dem Unterfahrschutz beseitigt. Ein erster Versuch schlug fehl. Das Auto ruckte sich keinen Zentimeter.
Der Sturm mit dem treibenden Schnee machte das Atmen zur Tortur. Aber weiter!
Die vermeintliche Hälfte der Hinterachse hatte ich frei und musste völlig ehtsetzt feststellen, dass die vordere Hälfte des Autos wieder komplett eingeweht war... Keine Chance!!!

Ich habe mich noch nie so hilflos gefühlt wie in diesem Moment. Ich wusste nicht mehr weiter...

Nach einer gefühlten halben Stunde der Blick auf die Uhr: 1:20 Uhr... Handy raus und gesucht: Aha, die Mobilnummer des Landwirtes. Einen Moment zögerte ich, dann versuchte ich es ...
Und tatsächlich nach einer Weile meldete sich am anderen Ende der Landwirt. Ich entschuldigte mich wohl viel zu oft, ehe ich endlich mein Problem schilderte.
30 Minuten später bog er mit dem Schlepper in den Feldweg ein. Und hatte mich kurze Zeit später am Haken. Ich war überglücklich und gleichzeitig ungemein peinlich berührt. Als ich wieder auf der Straße stand und das Seil abmachte, wollte ich mich bei ihm bedanken. Er winkte ab, nachdem er auf den erlegten Schwarzkittel verwies: "Wer sich bei solchem Scheißwetter darum bemüht, den Sauen auf die Schwarte zu rücken, kann zu jeder Tages- und Nachtzeit bei mir anrufen - da habe ich üerhaupt kein Problem...!!!"

Er fuhr mit seinem Schleppper und dem montierten Schneepflug vor mir her und räumte noch einmal die Straße soweit, bis er sicher war, dass ich nach Hause kam...

***

Diese immer noch sehr schmerzhafte Erlebnis schoss mir wieder ein, als ich den Wind so hörte. Nein, das würde mir heute wirklich nicht passieren. Ich kann ja nicht immer darauf hoffen, dass mich der Landwirt aus der Schnee-Schei...e holt.

Aber hatte ich jetzt nicht gerade das verräterische und typische Knacken eines Zweiges vernommen, wie es noch durch ziehende Sauen verursacht wird...? Na gut, einen Moment warte ich noch, ehe ich abbreche. Aber nichts tut sich. Ok, noch 5 Minuten... Na ein ein wenig noch, die müssen doch kommen...

Irgendwann bin ich aber doch zu unruhig und beschließe, abzubrechen. Und kaum drehe ich mich um, um meine Sachen zusammenzupacken, schiebt sich ein erster schwarzzer Wildkörper auf die Kirrung, ein zweiter und dritter folgt. Schon sitze ich wieder richtig, habe die Waffe im Anschlag und kann nach einger Zeit die Kugel auf einen Frischling loswerden. Der ist schnell gefunden, versorgt und liegt wenig später am Auto.
Ich beeile mich, ihn zu verstauen und nach Hause zu kommen. Und es ist bereits höchste Zeit. In einer halben Stunde hätte ich vermutlich auch mit dem X-trail bereits massive Proleme, hier wieder rauszukommen. Aber ich musste einfach heute raus...





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Rapsjaeger

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Kommentare

21.03.2013 23:30 Waldlaeufer7x64
Waihei! Wieder sehr schön zu lesen Das ist pure Jagd
22.03.2013 05:48 swinging_elvis
Hmm.. So eine Mischung aus Jagd und ... Jugendlichen Leichtsinn... würde auch zu mir passen... und klar: mit Schwung vorne auffahren auf den Schnee hab ich auch schon geschafft Waidmannsheil! E
22.03.2013 07:40 Kija
auch der X-Trail kommt mit manchen Schneewehen nicht klar - eigene schmerzhafte Erfahrung Ansonsten: eine gewisse Verrücktheit muss man sich schon bewahren; das Leben wäre sonst viel zu langweilig.
Weidmannsheil
LG Kija
22.03.2013 08:15 Dorschkoenig
So ein ähnliches Erlebnis hatte ich Thüringen, aufgelaufen, von einem Ehepaar rausgezogen. Zur Kirrung gelaufen, bumm Sau tot.
Eins der schönsten Erlebnisse, trotz der widrigen Umstände. WMH!
22.03.2013 09:00 esau
....sag ich doch,Wiederholungstäter.
Da hilft nur Sicherheitsverwahrung zu Haus....
Aber zumindest muss ein psychologisches Gutachten her....!
Jäger sind bekloppte Leute! ................
Weidmannsheil zur Wutz!
22.03.2013 11:13 Rapsjaeger
Waldlaeufer7x64 schrieb:
Waihei! Wieder sehr schön zu lesen Das ist pure Jagd


Eidmanns Dank! Hinterher genießt man solche Erlebnisse um so mehr, auch das gestrige....
22.03.2013 11:14 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Hmm.. So eine Mischung aus Jagd und ... Jugendlichen Leichtsinn... würde auch zu mir passen... und klar: mit Schwung vorne auffahren auf den Schnee hab ich auch schon geschafft Waidmannsheil! E


Naja, ich gebs ja zu, meine Frau fragt mich manchmal schon, ob alles in Ordnung ist mit mir... Und: Recht hat sie....!

Weidmanns Dank!
22.03.2013 11:16 Rapsjaeger
Kija schrieb:
auch der X-Trail kommt mit manchen Schneewehen nicht klar - eigene schmerzhafte Erfahrung Ansonsten: eine gewisse Verrücktheit muss man sich schon bewahren; das Leben wäre sonst viel zu langweilig.
Weidmannsheil
LG Kija


Das stimmt sicher, aber, wo mich der X-trail mittlerweile so durchgeschleppt hat, ist schon erstaunlich...!
Und ja, ich glaube nicht, dass mir das mit der Verrücktheit wirklich einmal abgeht... Und das hoffe ich auch nicht...
Weidmanns Dank!
22.03.2013 11:16 Rapsjaeger
Dorschkoenig schrieb:
So ein ähnliches Erlebnis hatte ich Thüringen, aufgelaufen, von einem Eheparr rausgezogen. Zur Kirrung gelaufen, bumm Sau tot.
Eins der schönsten Erlebnisse, trotz der widrigen Umstände. WMH!


Das ist oft so!
Weidmanns Dank!
22.03.2013 11:18 Rapsjaeger
esau schrieb:
....sag ich doch,Wiederholungstäter.
Da hilft nur Sicherheitsverwahrung zu Haus....
Aber zumindest muss ein psychologisches Gutachten her....!
Jäger sind bekloppte Leute! ................
Weidmannsheil zur Wutz!


Weidmanns Dank! Ja, ein wenig bekloppt sind wirkliche Jäger sicher...
22.03.2013 11:26 Keiler
Waidmannsheil
22.03.2013 16:31 Alpiae
ich war dabei !!!!!!
super erzählt !!!!!!!!
22.03.2013 17:28 Rapsjaeger
Alpiae schrieb:
ich war dabei !!!!!!
super erzählt !!!!!!!!


Danke...
23.03.2013 06:24 2309udo
Starke Gsechichte
Auch Deinen Landwirt sollte man besonders hervorheben.
WMH Udo
23.03.2013 16:14 Rapsjaeger
2309udo schrieb:
Starke Gsechichte
Auch Deinen Landwirt sollte man besonders hervorheben.
WMH Udo


Ja, ich glaube, da habe ich durchaus einen Glücksgriff gemacht. Natürlich mag auch er Wildschäden nicht. Leute, die sich nicht bemühen, haben es auch nicht ganz so leicht. Aber bei Sauen bin ich kaum zu bremsen, was ihm wiederum sehr gefallen muss, sonst wäre er nicht so hilfsbereit.
Er hat sich auch bereit erklärt, uns zwei Wildäcker einzurichten, und die sind nicht ganz klein...
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