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986 mal angesehen
18.02.2013, 16.34 Uhr

gut spekuliert...

Langsam schwächelt der Winter auch bei uns leicht. Zwar haben wir noch immer eine geschlossene Schneedecke – naja, bis heute zumindst noch ziemlich geschlossen. Aber drunter matscht und quatscht es schon gewaltig.
In den letzten Tagen haben die Sauen bei uns die Kirrungen noch immer gemieden. Frech wie sie waren, zogen sie auf 10 Meter an ihnen vorbei, ohne sich auch nur ansatzweise dafür zu interessieren. Dafür mögen sie die gährigen Maiskolben und Zuckerrübenreste auf dem in der Nähe liegenden Schlag.
Mir war es vor zwei Tagen gelungen, noch einen Frischling als Nahrungsmittelspender zu gewinnen, der beim ignoranten Passieren meiner Kirrung einen Tick zu frech war und mich auf etwa 15 Meter auf meinem Hochsitz passieren wollte.
Meine Kontrollrunde am See erbrachte eine einzelne Sauenfährte – wohl ein starker Keiler sowie drei Überläufer, die sich in der Röhrichtinsel eingeschoben hatten, die mitten im Grünland lag.
Also saß ich abends dort an, um den einzeln austretenden Überläufer, der nur kurz im Grünland nach Würmern suchte letztlich im Hinblick auf die Jahreszeit doch zu verschonen.

Meine Kontrollrunde heute, die ich allerdings deutlich einkürzte, erbrachte keine neuen Erkenntnisse. Kiro hatte die Sauen offensichtlich mit und wäre ausgesprochen gern in das Schilf getobt – aber das fällt hier aus, sehr zum Leidwesen meines Klettenfängers.

Dieser Revierteil hat es in sich. Eine kleine Grünlandinsel mit einem Schilf- und Weidenkomplex von etwas mehr als einem Fußballfeld, das ausgesprochen schwer zu bejagen ist. Nach Norden zum benachbarten Wald hin grenzt in der Wiese nur knapp 50 Meter hinter dem Weidenbruch das Nachbarrevier an. Nach Osten befindet sich nur wenige Meter vom Weidenbruch eine Plattenstraße, die gleichzeitig als Wanderweg zum dann folgenden See sehr stark durch Erholungssuchende frequentiert wird. Diese Plattenstraße umschließt das fragliche Gebiet über Süden nach West. Dort findet sich eine Ortschaft und zwischen Ort und Wald liegen viele Einzelgehöfte an der Plattenstraße.
Pfiffiausführer, Stöckeltanten, Jogger, Ornis, die die Wasservogelwelt des Sees inspizieren sind eigentlich zu fast allen Tageszeiten unterwegs.

Dennoch (oder gerade deswegen…?) stellt dieser Bereich immer wieder einen gern genutzten Tageseinstand der Sauen dar und so manchen Frischling konnte ich bereits erbeuten.

Heute ging es mir vor allem darum, zu erfahren, ob die Sauen das Grünland bereits maltretierten. In anderen Bereichen passierte das schon sehr massiv. Und auch hier konnte ich erste „Testgrabungen“ registrieren.
In dem kleinen Ort wohnt auch mein Chef, der an meinem jagdlichen Tun ein reges Interesse zeigt und mich eigentlch oft mit wertvollen Infos versorgt.
Und während ich noch die andere Grünlandseite abfahre, steht eben mein Chef auf der Plattenstraße bereit, um mich abzufangen.

„Vorgestern morgens um halb sieben sind wohl 15 Sauen in den Weidenbruch eingewechselt! Und heute früh um viertel 8 habe ich sie selber wieder einwechseln sehen…!“

Naja, wenn das soo ist…???

Die Abfährterunde zu Fuß durch die Wiesen bestätigte die Schilderungen zumindest dahingehend, dass es eine stärkere Rotte ist. Und schon bin ich am Pläne schmieden.

Der Wind kommt von Süd. Ausgewechselt waren die Sauen am Südende des Bruchs und wechselten dann nach West über das Grünland, vorbei an einem Miniweidengehölz, vor das ich einen Ansitzbock gestellt hatte. Dumm nur: Vom Bock aus gesehen hatte ich in Richtung des Wechsels immer Häuser im Hintergrund – nur wenig mehr als 100 Meter entfernt… Hier hatte ich also eigentlich gar keine Chance. Allerdings war zum Dorf hin auch kein vernünftiger Platz für einen Ansitz verfügbar. Bei den ganzen Gassiausführern, die hier so abends langtappen, würde mich jede Fußhupe bei den Sauen anmelden.

Auf dem Weg nach Hause bin ich fast am Verzweifeln. Mein schon erprobter Standplatz an einem Einzelgehöft würde aber auch nichts bringen, da mich dort der Wind verraten würde. Nach langem Hin und Her dann folgte die taktische Überlegung:

Du stellst dein Auto im Dorf ab und gehst von dort aus zum Ansitzbock quer durch die Wiese. Dabei schneide ich den Wechsel im rechten Winkel. Der Wind wird mich dort nicht verraten. Aber die Leitbache wird hoffentlich stutzen, wenn sie meine Spur kreuzt und eventuell lieber wieder näher an der Schilfkante weiterziehen wollen oder gar wieder zurückwechseln in den Bruch.
Ich hatte keine andere Wahl. An ein Heranpirschen ist bei dem lauten Schnee und drunter brechenden Eis der überschwemmten Wiese nicht zu denken. Auf freiem Feld ansitzen bringt nichts, weil es viel zu hell ist hier (Schnee, Straßenlaternen).

Pünktlich 18:00 Uhr sitze ich auf dem Ansitzbock und vernehme schon zartes Knacken einer vermutlich einzelnen Sau genau auf der Höhe des Auswechsels aus dem Bruch. Und schon eine dreiviertel Stunde später steht ein Überläufer in der Wiese, testet hier und da kurz, ob das Brechen sich lohne und verschwindet schnurstracks, als im Dorf eine Autotür geöffnet wird. Oha! Die hat aber Manschetten. Das kenne ich von hier einstehenden Sauen eigentlich ganz anders. Aber es ist auch wirklich taghell. Das mag kein Schwarzkittel.
In den folgenden zwei Stunden wiederholt sich das Spiel mehrfach. Erst gegen 21:00 Uhr folgen dem Überläufer offensichtlich zwei Frischlinge in die Wiese. Jetzt wird es interessant. Zwei weitere Frischlinge erscheinen und noch ein stärkeres Stück. Aber sie sind extrem schreckhaft, sausen einige Augenblicke fast panikartig wieder in die Deckung. Und dann kehrt Ruhe ein. Nach zwei Stunden ohne jeglichen konkreten Hinweis auf anwesende Sauen gehe ich davon aus, dass sie auf der gegenüberliegenden Seite, die von hier nicht einzusehen ist, ausgewechselt sind und den Wald aufgesucht haben.

Aber: Hier wird gewartet…!!!

Dann ein deutliches Krachen im Weidengebüsch halb links von mir. Da! Noch einmal! Dann wieder lange Ruhe. Jetzt: Ja jetzt hört man deutlich, dass mehrere Sauen langsam durch´s Schilf von links nach rechts Richtung Auswechsel ziehen. Aber es wird leiser, scheint sich tatsächlich auf die gegenüberliegende Seite zu verlagern…
Pech gehabt, denke ich resignierend. Trinke erst mal einen Becher Tee, der mir nach 5 Stunden Ansitz wirklich gut tut. Als der Becher leer ist stehen plötzlich mehrere Sauen auf der Wiese rechts von mir. Genau am Auswechsel haben sie begonnen, sich in die Wiese vorzuarbeiten. Entfernung bis zu ihnen wohl 100 Meter. 30 Meter weiter ein Haus…

Der Puls steht auf Höchstleistung. Mit dem Fernglas verfolge ich das geschehen. Der Leuchtpunkt ist schon mal angeschaltet, für den Fall.

Und dann geschieht, was ich befürchtet habe. Die Leitbache lenkte die Rotte über den schon gestern genutzten Wechsel und sorgt damit dafür, dass ich immer Häuser im Hintergrund habe. Jetzt kommt es drauf an! Wie wird die Bache an meiner Spur reagieren…???

Und tatsächlich. Sie stoppt. Wird sie den gleichen Weg zurücknehmen? Dann hat sie mich gekonnt ausgetrickst. Nein, sie biegt ab und folgt meiner Spur, führt die Rotte direkt zu mir, nähert sich auf 30 Meter, 20 Meter, 10 Meter!!!! – Und verhofft quasi an der Leiter meines Ansitzbockes. Längst ist die Waffe im Anschlag, aber ständig kontrolliere ich, ob der ausgewählte Frischling eine Position erreicht hat, in der ich gefahrlos schoeßen kann. Der Leuchtpunkt zeigt genau an, wo ich drauf bin, endlich stellt der Frischling sich nach einem Stüber eines Geschwisters kurz breit…
Ich schieße quasi von oben in den Dreck. Der Einschuss liegt hochblatt und der Ausschuss auf der linken Bauchseite.
Das Stück bleibt im Feuer, die Rotte verschwindet laut prasselnd Richtung Schilf. Ich habe längst repetiert und finde einen weiteren Frischling, der vor dem Schilf verhofft. Doch er steht spitz und so bleibt die Kugel im Lauf – hier wird nicht´s über den Zaun gebrochen…!

Die Uhr zeigt 0:10. Ich merke jetzt erst, wie lahm ich bin, wie die Kälte mich im Griff hat. Aber ich bin zufrieden – und dankbar!
Die Vorgabe unseres Landwirts haben mein Mitjäger und ich längst drin! 21 Sauen seit November! Das ist in unserem Revier die bisherige Höchstzahl. Und der Winter ist noch immer nicht vorbei…

Die Jagd in diesem Revierteil ist nervenaufreibend, unter Sicherheitsaspekten höchst anspruchsvoll. Da zählt jeder Erfolg viermal so viel wie im restlichen Revier…




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Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 51 Jahre,
aus Rapsfeld
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Kommentare

18.02.2013 17:21 Sauerlandjaeger93
Waidmannsheil zur Sau. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr auch noch einen Frischling erlegen kann.
18.02.2013 18:06 Erlenforst
Waidmannsheil
18.02.2013 18:57 Ongi
"Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert"
18.02.2013 19:53 nikhohunter
Waidmannsheil
18.02.2013 19:57 Waldlaeufer7x64
Waihei! Schön erzählt! Und wieder muss ich über Kiro schmunzeln, der ja bald (hoffentlich) unbekannterweise einen wachteligen Namensvetter bekommt
18.02.2013 20:14 Rapsjaeger
Erlenforst schrieb:
Waidmannsheil

Weidmanns Dank!
18.02.2013 20:14 Rapsjaeger
Ongi schrieb:
"Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert"

Frag mich mal...?
18.02.2013 20:14 Rapsjaeger
nikhohunter schrieb:
Waidmannsheil

Weidmanns Dank!
18.02.2013 20:15 Rapsjaeger
Waldlaeufer7x64 schrieb:
Waihei! Schön erzählt! Und wieder muss ich über Kiro schmunzeln, der ja bald (hoffentlich) unbekannterweise einen wachteligen Namensvetter bekommt


Wird schon klappen! Weidmanns Dank!
19.02.2013 16:14 swinging_elvis
Sauber! Und lecker! Waidmannsheil zum Frili! El
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