Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
714 mal angesehen
29.01.2013, 16.55 Uhr

Das Geburtstagsschweinchen

Es schneite leicht, als ich von der Geburtstagsgesellschaft hinaus ins Freie trat. Meine Groß-mutter war 83 geworden, erfreute sich bester Gesundheit und hatte all ihre Lieben – Verwandte und Bekannte – schon zum Kaffeetrinken am Nachmittag geladen. Dann gab es noch Wurst- und Käseplatten und nach einer langen Odyssee meist langweiliger Gespräche bedankte ich mich für Speiß’ und Trank, verabschiedete mich höflich, und überließ das Aufräumen und Abdecken den anderen.
Als ich nach Hause und damit ins Revier kam, prüfte ich den Wind über einen längeren Zeit-raum und stellte fest, dass er, obwohl er immer wieder leicht drehte, doch die Hauptrichtung eine östliche war. Optimal für die Baale-Wiese. Dies ist keine Wiese im herkömmlichen Sinn. Sie war zwar mal eine mitten im Wald, aber im Laufe der Zeit war sie zugewachsen und ist nun größtenteils Dickung mit einem Rückeweg an der Seite, der wiederum an Hochholz grenzt. Den Namen hat sie noch von ihrem ehemaligen Besitzer behalten. Und an eben jener „Wiese“ hatten wir eine kleine Kirrung, die unregelmäßig von den Schwarzkitteln angenom-men wurde. Und in den letzten beiden Wochen war sie häufiger als sonst, das heißt fünf oder sechsmal, besucht worden. Ich beschloss also, trotz der fortgeschrittenen Zeit, es war bereits weit nach acht an diesem Januarabend, es dort zu versuchen.
Als ich eine Viertelstunde später den Ansitzsack und den Repetierer aus dem abgestellten Auto nahm und mich auf den Weg zu der ca. 200 Meter entfernten Kanzel machte, hatte der Schneefall zugenommen. Da es in den letzten Tagen getaut hatte, hatten sich Pfützen auf dem Waldboden gebildet, die jetzt, unter dem frisch gefallenen Schnee unsichtbar, unter jedem Schritt gefährlich laut knirschten und krachten. Langsam pirschte ich zur Kanzel, darauf be-dacht, den nicht sichtbaren Pfützen auszuweichen: Ich machte einen Schritt und versuchte, durch Gewichtsverlagerung zu testen, ob sich gefrorenes Wasser unter meinen Füßen befand. So brauchte ich für die 200 Meter mehr als eine halbe Stunde. Endlich kam ich an der nicht sehr hohen Kanzel an. Ein routinemäßiger Blick zu Kirrung, bevor ich die erste Sprosse der Leiter erklimme: Alles schwarz! Zunächst registriere ich nicht, was das bedeutet, dann nehme ich das Glas hoch um sicherzugehen, was ich eigentlich schon weiß. Die Sauen sind schon da! Jetzt nur nichts falsch machen! Langsam lass ich das Glas auf die Brust sinken, der Ansitzsack gleitet auf den Boden. Sachte und behutsam lasse ich das Gewehr von der Schulter . Mensch, noch nicht geladen! Da ich sicher bin, dass das Durchladegeräusch die nur etwa 30 Meter entfernten acht Sauen - soviel sind es, alle etwa gleich groß – übelnehmen würden, überlege ich fieberhaft, wie ich lautlos eine Kugel in die Kammer bekomme. Der Ansitzsack! Ich gehe in die Knie, drapiere so gut es geht das dicke und wärmende Textil über dem Gewehr und repetiere langsam, in der Hoffnung, dass der Ansitzsack die Geräusche dämpft. Es geht! Ich richte mich wieder auf, geh in den Anschlag und – seh’ nichts! Anscheinend haben die Borstenviecher ja doch etwas mitbekommen. So ein Sch…! Grün und blau ärgern könnt ich mich! Seit Wochen versuchen wir einer von den unsteten Gesellen habhaft zu werden und nun das! Wär ich doch bloß 20 Minuten früher… Was ist das? Ein leises Knacksen ist in der Dickung zu vernehmen. Sollten die Sauen doch noch nicht über alle Berge sein? Ich entspanne mich so gut es geht und versuche ruhig zu atmen, aus Angst, die Schweine, wenn sie denn noch da sind, könnten meine Atemgeräusche hören. Auch eine Gewichtsverlagerung kommt nicht in Frage, weil ich nicht weiß, wie der Boden unter dem frisch gefallenen Schnee aus-schaut und ich kein Risiko eingehen will. Wie lange ich so warte? Keine Ahnung, die Zeit kommt einem schleichend vor in solchen Situationen. Auf alle Fälle macht sich langsam ein Krampf in meinem Oberschenkel bemerkbar. Hässlich sowas, v.a. in so einer Situation. Jetzt kommt auch noch die Angst hinzu dass, wenn die Sauen wieder kommen, ich zu keinem ver-nünftigen Schuß mehr in der Lage bin… Da, plötzlich wieder etwas Schwarzes auf der Kir-rung. Der Blick durchs Zielfernrohr – das Risiko zuerst noch einmal durch das Fernglas zu schauen erscheint mir dann doch zu groß - zeigt eine Sau, nicht gerade die größte, die gerade auf die Kirrung wechselt. Leise schiebt der Daumen automatisch die Sicherung nach vorne, der Zielstachel wandert wie selbstverständlich hinter das Blatt, der sich anbahnende Krampf ist vergessen und der Zeigefinger sucht den Abzug…
Nach dem Knall nichts. Nur das kurze Wegbrechen der übrigen Sauen. Aber der ersehnte schwarze Klumpen liegt nicht vorne. Depp, hättest doch noch gewartet, schimpf ich mit mir.. Jetzt erst mal tieeeef durchatmen. Der Anschuss wird schon Gewissheit bringen. Aber nichts! Erst ein paar Meter weiter finden sich erste, einzelne Schweißtropfen auf dem Schnee. Und nach weiteren 20 Metern die bereits längst verendete Sau.
Die Tatsache, dass ich beim Bergen mit dem alten Golf Syncro in einen Graben gerutscht bin und nur durch Traktorgewalt wieder auf einigermaßen festen Boden gekommen bin, stört mich ob meiner ersten „erpirschten“ Sau nicht weiter...
Für die, die es wissen wollen:
• Frischlingsbache (nicht führend oder innehabend)
• 25 kg
• 7x64 ID Classic
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Frosty1

Frosty1

Alter: 28 Jahre,
aus Oberpfalz
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

29.01.2013 17:35 Remmi
Waidmannsheil
29.01.2013 19:34 GlannaMuensterlaender
Waidmannsheil
klasse geschrieben
29.01.2013 19:57 Forstling
Waidmmannsheil zur Wutz, toll geschrieben
29.01.2013 20:09 Frosty1
Waidmannsdank! war zwar schon letztes Jahr, gilt aber immer noch denke ich :)
Aja und danke für die Blumen
30.01.2013 18:31 kopovx2
Waidmannsheil weiter so
30.01.2013 19:16 BigAnimalCinema
Waidmannsheil.
Aber hast ganz schön Glück gehabt. Die erste Sau die auf die Kirrung wechselt ist meist die Leitbache.

gruß
31.01.2013 08:44 swinging_elvis
BigAnimalCinema schrieb:
Waidmannsheil.
Aber hast ganz schön Glück gehabt. Die erste Sau die auf die Kirrung wechselt ist meist die Leitbache.

gruß

Waidmannsheil auch! Glück a weng, stimmt. Aber meine Erfahrung ist eher, dass die Frischlinge zuerst an die Kirrung stürmen... Hätte aber wohl trotzdem auf weitere Sauen gewartet, um einen Größenvergleich zu haben... Aber alles im Idealfall... Ich werd sicher nicht den ersten Stein werfen el
31.01.2013 09:42 Frosty1
BigAnimalCinema schrieb:
Waidmannsheil.
Aber hast ganz schön Glück gehabt. Die erste Sau die auf die Kirrung wechselt ist meist die Leitbache.

gruß


Waidmannsdank nochmal! Wie schon geschrieben, als ich sie auf der Kirrung gesehen hab, konnt ich ja sehen, dass alle ungefähr gleich groß waren. Waren also keine Ausreißer nach oben oder unten dabei. Und gefährtet hatten wir sie ja auch schon öfter und da wir nicht gerade mit Sauen gesegnet sind, war ich relativ sicher, dass es sich um diesen Frischlingstrupp handelte.
31.01.2013 16:49 BigAnimalCinema
swinging_elvis schrieb:
Waidmannsheil auch! Glück a weng, stimmt. Aber meine Erfahrung ist eher, dass die Frischlinge zuerst an die Kirrung stürmen... Hätte aber wohl trotzdem auf weitere Sauen gewartet, um einen Größenvergleich zu haben... Aber alles im Idealfall... Ich werd sicher nicht den ersten Stein werfen el


Hallo Elvis,

Was Schwarzwild an Kirrungen betrifft habe ich die Erfahrung gemacht: Umschlägt die Bache die Kanzel kommen die Frischlinge zuerst an die Kirrung. Wird die Kanzel nicht umschlagen zieht zuerst die Leitbache auf die Kirrung.

Wenn eh alle gleich groß sind dann passt soweiso alles.
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang