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675 mal angesehen
16.01.2013, 08.16 Uhr

Winterfreuden...

Frost, ein wenig Schnee, Windstille. Eigentlich ideale Voraussetzungen, um den Rotröcken auf den Pelz zu rücken. Ich liebe die Ansitze in winterlicher Landschaft, wenn man Gelegenheit hat, den Stimmen der Winternacht nicht nur zu lauschen, sondern gar das Treiben im Schnee auch optisch verfolgen zu können.
Gestern setzte der Schneefall ein, zunächst sehr zögerlich. Aber zum Abend legte der Winter zu und so betrug die Schneedecke am darauffolgenden Morgen schon um die sieben Zentimeter – genau richtig!
Der Freitag beschert mir regelmäßig einen frühen Feierabend! Und was ich heute machen würde, war mir längst klar! Da Schneefall bereits seit ein paar Tagen angekündigt war, hatte ich einen Feldhasen, der Opfer des Straßenverkehrs geworden war sichergestellt. Dieser kam heute zu Einsatz! Ich zog ein paar Schleppen sternförmig zu einer in der Feldflur stehenden einzelnen Esche. In Reichweite dazu fand sich eine offene Kanzel. Hier sollte also mein abendlicher Ansitz dem roten Freibeuter gelten. Den Hasen selbst verstaute ich unter zahlreichen Ästen und ein paar Steinen, damit weder Kolkis ihn entdecken konnten noch die Füchse schon am Tage Festmahl hielten.
Zwei Stunden später schon saß ich auf der Kanzel. Meine Frau hatte mich liebevoll mit „Tschüß mein Michelin-Männchen“ verabschiedet und dezent darauf hingewiesen, dass die zurückliegenden Feiertage ein empfindliches Loch in die Wildvorräte des Tiefkühlschranks gerissen hätten.
Ich nahm ihr jedoch gleich den Wind aus den Segeln. Seit meinem letzten Frischling schien das Revier sauenleer zu sein. Nicht eine einzige Fährte konnte ich in den zurückliegenden 14 Tagen finden. Auch meine Mitjäger hatten keine Anzeichen auf die etwaige Anwesenheit der schwarzen Gesellen bestätigen können. Beinahe war ich ein wenig froh, konnte ich mich doch in aller Ruhe Reinecke zuwenden…
Während es nachmittags noch windstill war, hatte dieser jetzt schon etwas aufgedreht und wehte mir von Nord um die Ohren…
Aber ich war vorbereitet, drängelte mich in eine Ecke der Kanzel, die etwas Windschutz versprach und harrte der Dinge, die kommen sollten. Zunächst rührte sich erst mal gar nichts. Der Acker lag mit einer nahezu jungfräulichen Schneedecke vor mir. Lediglich auf dem nördlich benachbarten Rapsfeld konnte ich 12 Stücken Rehwild ausmachen, die dort ästen. Das Feld selbst aber gehörte bereits zum Nachbarrevier.
Links von mir erschien ein Feldhase am Waldrand und verweilte dort über Minuten. Als Lampe schließlich weiter auf den Acker hinauswechselte, folgte ein zweiter aus dem Wald heraus. Ich genoss den Anblick, freute mich, dass mit dem Räudezug der letzten beiden Jahre die Hasen wieder ordentlich Luft bekamen und wollte nun unbedingt den Druck auf Reinecke hochhalten, um den Hasen eine Chance zu geben, ihre Besätze nicht wieder einzubüßen.
Nun saß ich schon fast zwei Stunden, einen Rotrock allerdings bekam ich nicht in Anblick. Das Rehwild stand noch immer im benachbarten Raps, als ich in der Nähe des Sprunges einen kleineren dunklen Punkt ausmachte. Dieser entpuppte sich schnell als Fuchs, der in einer Fahrspur in meine Richtung wechselte, hier und da kurz verhoffend. Ich machte mich fertig, zog die Handschuhe aus. Wenig später stand der Fuchs auf der Schleppspur und folgte dieser einige Meter. Längst hatte ich die Waffe auf der Brüstung, wartete aber noch, da ich gerade bei Frost und der Nähe der Reviergrenze kein unnötiges Risiko eingehen wollte. Ich hatte mich für heute Abend für die BBF entschieden und so auch die Chance, den Fuchs mit Schroten zu erlegen.
Es war fast zu einfach. Der Fuchs, wohl eine Fähe, folgte der Schleppe und verhoffte nur hier und da kurz, um die Schleppe zu prüfen. Der Hase war ziemlich vom Unfall mitgenommen und hatte hier und da Fellbüschel verloren. Diese erregten wohl regelmäßig die Aufmerksamkeit des Rotrockes.
Schon war er auf wenige Meter heran, als ihn die Schrote ereilten.
Ich wollte gerade die Waffe brechen, um nachzuladen, als ich bei einem Rundumblick einen weiteren Fuchs entdeckte, der sehr zügig der Spur des ersten Fuchses folgte. Er hatte den Schuss offensichtlich völlig ignoriert. Nun war ich mir sicher, dass es sich bei dem ersten Fuchs um eine Fähe gehandelt haben musste, der nun ein Rüde folgte.
Es dauerte keine Minute, bis der Rüde die längste verendete Fähe erreichte. Aus dem Lauf heraus stoppte er und machte einen Satz nach rechts um einige weitere Sätze wegwärts folgen zu lassen. Etwa 30 Meter von der Fähe entfernt stoppte der Rüde, sicherte und stellte sich unschlüssig breit…
Ich war zufrieden!
Es hatte wieder leicht zu schneien begonnen. Der Wind war abgeflaut und ich genoss die Ruhe, den Schneefall, freute mich über zwei Füchse, als ich meine Thermoskanne öffnete, um mir einen Tee zu genehmigen.
Es hat schon was von Ritual, mit genau jenem Tee im Becher auf einem Hochsitz die Rue zu genießen und sich am Becher ein wenig die Hände zu wärmen. Da halt ich´s aus…
In den nächsten zwei Stunden passierte nicht viel, wenn man davon absieht, dass ich zeitgleich auf einem 40-ha-Feld 15 Feldhasen in Anblick bekam – ein Anblick, an dem ich mich an diesem Abend besonders freute.
Irgendwann, die Thermoskanne war leer und trotz einer Vielzahl von Kleidungsstücken und warmen Gedanken, begann die Kälte doch zu wirken. Ich entschloss mich, es gut sein zu lassen für heute und bereitete mich auf den Heimweg vor.
Der abschließende Rundumblick ließ mich aber erstarren. Dort wo vorhin noch der Sprung Rehwild äste, entdeckte ich fünf schwarze Klumpen – alle gleich groß, wie es schien. Das Fernglas verriet tatsächlich 5 Sauen. Sollten die etwa den Weg in meine Richtung einschlagen…? Tatsächlich! Zunächst schienen sie noch recht unschlüssig, trollten dann allerdings zielstrebig in meine Richtung. Sie folgten tatsächlich der von mir am Nachmittag angelegten Schleppe…!
Ich bemühte mich schon längst krampfhaft, meine klammen Finger wiederzubeleben. Als sie auf 100 Meter ran waren, nahm ich bereits die BBF hoch und suchte ein Ziel. Die Sauen aber veranstalteten kein langes Federlesen. Beinahe im Galopp passierten sie mich und standen wenig später vor dem Haufen Äste und Steine, die den Hasen bedeckten und nahmen ihn auseinander. Immer mal wieder stand ein Stück auch breit. Aber da ich mir bewusst war, dass da die Feldsteine zwischen den Sauen herumlagen, zögerte ich mit einem Schuss. Dann hatte einer der Frischlinge den Hasen im Gebräch und trottete einige Meter nach rechts, weg von den Steinen. Doch bevor der Leuchtpunkt sein Ziel fand, waren die anderen vier Frischlinge bereits heran und ich hatte wieder nur einen Haufen Wildkörper im Ziel. Erst als der erste Frischling sein Bemühen, einen Happen abzubekommen aufgab und zögerlich ein paar Schritte von den anderen wegmachte, sprach die 7x65 ihr Machtwort. Dieses Machtwort hat der Frischling wohl aber nicht mehr wahrgenommen. Er lag im Knall.

Die Feldhasen ignorierten das Geschehen weitgehend, waren wohl zu sehr bereits mit sich selbst beschäftigt. Der Frischling war schnell versorgt. Etwas aufwändiger war die Bergung des 36-kg-Frischlings. Aber das störte mich nicht.
Die Füchse waren ebenfalls schnell verstaut. Die Fähe liegt bereits beim Präparator. Der Rüde ist zur Präparation nicht mehr zu gebrauchen, wird aber für die Hundeausbildung benötigt. Tja und der Frischling wird den Weg in meine Tiefkühltruhe finden…

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Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 51 Jahre,
aus Rapsfeld
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Kommentare

16.01.2013 08:22 Kija

Ein Michelinmännchen wird bei der Bergung immer ganz schnell warm
Gruß Kija
16.01.2013 08:56 Rapsjaeger
Kija schrieb:

Ein Michelinmännchen wird bei der Bergung immer ganz schnell warm
Gruß Kija


Ja, das ist wohl wahr. Dann hängen die ganzen Klamotten zum Trocknen im Keller rum...zum Leidwesen meiner Frau!
16.01.2013 09:10 SauerlaenderJung
Sauber!!! Weidmannsheil! Spannend erzählt, klasse!!!
16.01.2013 09:49 Heidefoerster
Meine Frau hatte mich liebevoll mit „Tschüß mein Michelin-Männchen“ verabschiedet
Das passiert Kong sogar wenn er in Hose&Hemd das Haus verlässt...
16.01.2013 11:11 Dackelbiene
Super ... Weidmannsheil!!!
16.01.2013 15:14 Stephan83
Waidmannsheil, schöne Strecke für einen Abend!

Gruß umdenken Wmh, Stephan
16.01.2013 16:40 swinging_elvis
Sauber! So mache ich das kommendes Wochenende auch Rock, Elvis!!! Waidmannsheil!
16.01.2013 20:46 Rapsjaeger
Dackelbiene schrieb:
Super ... Weidmannsheil!!!

Weidmanns Dank! Ja, manchmal klappt es ganz gut, manchmal...
16.01.2013 20:46 Rapsjaeger
Stephan83 schrieb:
Waidmannsheil, schöne Strecke für einen Abend!

Gruß umdenken Wmh, Stephan


Weidmanns Dank! Passiert mir aber ehrlich nicht soooo oft...
16.01.2013 20:47 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Sauber! So mache ich das kommendes Wochenende auch Rock, Elvis!!! Waidmannsheil!


Bei mir klappt so was nur, wenn ich nicht im geringsten daran denke...
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