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Jagagschichtn

(7 Einträge)

785 mal angesehen
09.01.2013, 19.46 Uhr

Ja Himmelherrschaftszeiten!!!

"Ab Freitag zunehmend milder, der Schneefall geht in Regen über, es wird wieder grün bis in die Hochlagen"

Diese Worte treffen mich wie eine Watschn, wie ein schneebedeckter Fichtenzweig, der einem ins Gesicht schnellt. Ja Himmelherrschaftszeiten, sollt denn wirklich der Schnee wegtauen?
Ich sehe von meinem Buch auf, schau aus m Fenster. Draussen hat s wohl 15 cm Schnee, im Revier also wahrscheinlich 25 cm heute.

Ich hab ne Stunde Pause gebraucht. In der Hoffnung, dass zufällig einer der Waidkameraden vorbeischaut, hab ich den ganzen Tag den Ofen im Jagastübl am Leben erhalten, Jetzt ist´halb drei am Nachmittag, der Hund hat sich auf der Bank zusammengerollt, ich rauch a Pfeifferl.
Ja dann dürft ich schauen, dass ich heut noch auf an Fuchs rauskomm, denk ich so bei mir, Am Luderplatz sieht´s eh aus, als hätten die Roten eine Sternfahrt veranstaltet, des stimmt zuversichtlich.

Also raffe ich mich auf, pack den Hund ein, noch einen Eimer Luder und auf geht´s Richtung Revier.

Da es mittlerweile gut spät ist, kann ich nur noch den Luderplatz beschicken, an dem ich mich heute ansetzen werde. Eine Wiese, hufeisenförmig von unserem größten Waldgebiet umgeben. Am Rand der Wiese befinden sich zwei Weiher, einer gut in Schuss, der andere trocken und verschilft. In diesen kommt seit Wochen alles, was denen von Malepartus schmeckt.
Ich fahre mit dem Auto zwischen den Weihern am Damm durch, dann einmal im Abstand von 60 m quer zur Kanzel einmal über die Wiese und im Abstand von 20 m den Weg zurück. Einige Rote habe ich schon in den gefahrenen, oder wenn ich Zeit habe, in den getretenen Rinnen erwischt.

Beim Weiher angehalten, das Luder ins Schilf und wieder nach Hause.

So, nun heisst´s noch ein bisserl abwarten. Das Thermometer zeigt jetzt schon 5 Grad unter 0, so gefällt mir das.
Der Drilling wird im Auto verstaut, Thermoskanne mit Tee wandert in den Rucksack, Taschenlampe passt, es kann losgehen. Den Hund noch in die Box und auf geht´s zum fröhlichen Fuchsjagern.
Das Auto lasse ich nun weiter weg stehen, es steht mir eine dreißigminütige Pirsch zu meiner Kanzel bevor, die unter einer Fichte auf mich wartet. Langsam stapfe ich durch den Schnee, pulvrig ist er, jedes Geräusch verschluckend.
Dieses Gebiet bejagt ein anderer Mitgeher, er is jetzt 76 Jahre alt. Zur Rehjagd meide ich seinen Teil, da pfusche ich ihm nicht drunter. Bei Fuchs und Sau sieht das anders aus.
Ich pirsche nun schon geraume Zeit, komme an den hinteren Teil des Weihers, der mit einer Hecke Richtung Wiese eingefasst ist. Diesen gilt es noch zu umschlagen, Langsam, Stück für Stück nähere ich mich der Kanzel, nirgends Wild zu sehen. Ich steige auf die Leiter, fühle den Türgriff und-

Ja Himmelherrschaftszeiten, da is ja a Gschlössl dran!! Ich taste und taste, ja tatsächlich, ein kleines Vorhängeschloss versperrt mir den Zutritt!! Ich fühle, wie die Wut in mir hochsteigt. Ich kann s net glauben, as ganze Jahr sitzt er hier net, und dann hängt der die Kanzel zu und sagt kein Wort, überall suche ich nach dem Schlüssel, aber ich kann nix finden.

Also zurückgestapft zum Auto, nicht mehr leise und heimlich, sondern mitten über die Wiese.

So wie ich auf dem Weg zum Auto geschimpft hab, haben dem Kanmeraden zu Hause auf dem Sofa sicher die Ohren gesungen. "Sabotage" kam s mir immer wieder in den Sinn.. "Sabotage is des".. Am Auto angekommen, wird ein neuer Schlachtplan entwickelt. Irgendwie riecht s hier streng- ach ja, der Hund hatte frischen Pansen, logisch..

Mein neuer Geniestreich sieht vor, dass ich mich in den unteren Teil des Revieres begebe, da steht eine Kanzel, die elendig hoch ist, natürlich ist das Luderrohr nicht bestückt, ich hatte ja keine Zeit mehr heute, aber dann werde ich ihn wohl reizen müssen, den Reineke.

Das Auto 200 m vor der Kanzel abgestellt, Gewehr, Patronen und ab dafür. Durch meine Zuversicht wieder pirschend,erreiche ich die Kanzel.
Die steile Leiter knackst zwar etwas, hält aber.

Dazu muss ich sagen, diese Kanzel hat wiederum ein anderer Mitgeher gebaut,in meinen 4 Jahren in diesem Revier habe ich ihn jedoch nur ein einziges Mal im Revier gesehen, das heisst, sein Auto unter eben jener Kanzel. Ich habe ein Video von ihm mit der Wildkamera, bei dem er probiert, von welcher Seite das Dach der Fütterung wohl zu öffnen ist. Innerhalb der 60 Sekunden hat er s nicht herausgefunden, und das nach 10 Jahren begehungsschein.. Das spricht für sich.. Nun, dieser Jäger ist dafür bekannt, dass seine Sitze nix taugen, und taugen sie was, dann stellt er sie so auf, dass er sich selber jede Möglichkeit zum Schuss nimmt. Das kann hier nicht passieren. Die Kanzel ist gute 6 m hoch, und steht auf einem 5 m hohen Erdwall. Der Blick reicht von hier aus weit über die Wiesen bis zu den Waldrändern.

Oben angekommen, öffne ich die Türe, das heisst, ich zerre und ruckle so lange, bis sie quietschend und knarrend aufspringt.
Ich lächle, die Baukunst des Mitjägers betrachtend. Letztes Jahr habe ich, da nur ein knarzender Bürostuhl in der Kanzel war, aus Hölzern eine Art Erdsitz gebaut, hochgeschleppt und ins Innere verfrachtet. Nun habe ich Armauflage, eine Sitzfläche die bequem und eine Lehne, die leise ist.

Ich setze mich, öffne das rechte Kanzelfenster, den Kopf schüttelnd, weil die Öffnung die Fröße einer mittelalterlichen Schießscharte nicht übersteigt.. 30 cm in der Breite und 20 in der Höhe, das is das, was der Luck ein Fenster nennt.
Ich mache also das erste Fenster auf, es gibt einen krachenden Laut,das Teil bricht aus und fällt in die Tiefe, landet aber nicht im dämpfenden Schnee, nein, es landet auf einem Stein und das nicht grade leise. Ja Himmelherrschaftszeiten, hätte ich Haare auf m Kopf, ich würd sie mir ausraufen! Das gute ist, das Brettchen, das zur Fixierung des hinabgesegelten Fensters dient, brauche ich, denn die fehlt beim Frontfenster.
Heiß kocht es unter meinem Anorak, die Flüche mehren sich und werden sekündlich unkatholischer.

Nachdem ich den Fensterverhau endlich soweit hatte, zündete ich mir erst amal a Zigaretterl an, nicht um den Wind zu prüfen, der passt sicher, fühle ich doch, wie er von vorne durch die fingerdicken Ritzen weht und mir den Bart eineist.

Ich blicke auf die Wiesen. Ich habe ein Schussfeld von 200 m nach links, 350 m nach vorne, stelle aber erschrocken fest, die Sichtweite beträgt im Höchstfall 70 m in jede Richtung. Ich lasse noch etwas Zeit verstreichen, dann fasse ich mir an den Hals, die Hasenklage soll s richten und den Fuchs in meinen Wirkungsbereich locken. Doch - ja Himmelherrschaftszeiten, in dem Moment fällt mir ein, die Klage liegt im Jagazimmer, is ja logisch, die brauche ich ja nicht auf dem Gigantenluderplatz an dem ich sitzen wollte. Wut steigt hoch, kocht fast aus mir heraus, ich lache hysterisch.

Ich sitze also hier, 200 m nach links, 350 m nach vorne, auf 60 m ein Luderrohr, das seit einer Woche nicht mehr bestückt wurde, die Sichtweite reicht für vielleicht noch zehn meter über das Rohr hinaus, Ich warte als auf einen Fuchs, oder eine Sau, die vom Holz zufällig in die Richtung eines leeren Betonrohres wechseln, innderhalb eines Halbkreises von 70 m verhoffen, und am besten husten, oder sich räuspern, damit ich sie mitbekomme. Dann müssen sie nur noch lange genug breit stehen, bis ich in den wittrigen Sichtverhältnissen einen Schuss antragen kann.
Ich kratze mich am Kopf. Ich bin kein Mathematiker, aber ich kann mir ganz leicht ausrechnen, dass meine Chancen im Höchstfall bei einem Prozent liegen, heute Beute zu machen.

Ein Prozent, pahhh, das is mir doch Grund genug, um es zu versuchen!! Ich sitze zwei viertelstunden, fasse dann zum Rucksack, eine Tasse Tee und eine Pfeiffe sollen mir die Zeit verkürzen und mich vom SChlaf abhalten aber, ja Himmelherrschaftszeiten - die Thermoskanne liegt im Auto, neben der Pfeiffe und dem Tabak, daneben wiederum liegt der Hund und füllt den Luftraum mit Gärgasen.

Ich schaue links, rechts, links, hoch, haue mit einem Fuß die Tür auf, werfe meinen Rucksack in den Schnee hinunter, als ich noch sehe, wie links von der Kanzel ein langer Schatten Richtung Holz staubt - die Lunte hoch erhoben. Der Fuchs ist´s der , auf der Seite, auf der die Kanzel gar kein Fenster hat, vorbeischnürte um weiter hinten die Fasanenschütte zu inspizieren.
Großes Theater, denk ich mir, ganz großes Theater...
Nun ist´s endgültig aus mit der Ruhe, ich fluche und schimpfe, baume ab, steige den Pirschsteig hinab und rutsche aus, lande auf m Arsch im Schnee und muss wieder lachen. Ich lache apathisch, schaue mich um, wo die versteckte Kamera ist, überlege, ob ich den Drilling nicht um einen Baum hauen soll, damit ich dieses Jahr sicher nicht mehr raus brauche.

Tags darauf fing es an zu regnen, der Schnee ging weg, und seitdem is keiner mehr gekommen. Ich bin zur Kanzel, habe das Gschlössl mittels Bolzenschneider entfernt und daneben an einen Nagel gehängt, als Mahnmal.

Der Luderplatz wird immer noch bestückt, aber der Schnee fehlt weiterhin, ausserdem klage ich noch immer an den Läufen, aber bald...bald sehen wir uns wieder und dann wird sich das Schicksal wenden!!! - oder ich zünde die Kanzeln an




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tomhaus

tomhaus

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Kommentare

09.01.2013 20:00 Krico700
super Ansitz...einfach köstlich....
09.01.2013 20:50 Otterbock
Erstmal Dank für die G"schicht..
Ich frag mich nur auf wen du mehr bös bist.
Auf das Wetter das nix taugt..
Auf deine Mitbegeher die nix taugen..
Oder einfach nur auf dich selbst weil du langeweile hattest?
Ihr scheint ja richtig gut Absprache bei euch zu haben
Nix für Ungut..aber das war Frustscheiben.
09.01.2013 21:10 tomhaus
Otterbock schrieb:
Erstmal Dank für die G"schicht..
Ich frag mich nur auf wen du mehr bös bist.
Auf das Wetter das nix taugt..
Auf deine Mitbegeher die nix taugen..
Oder einfach nur auf dich selbst weil du langeweile hattest?
Ihr scheint ja richtig gut Absprache bei euch zu haben
Nix für Ungut..aber das war Frustscheiben.



Passt scho,
Absprachen brauchen wir normal nicht, der eine geht in seinem seperaten teil und bejagt dort Rehwild, Sauen und Füchse machen der Jagdherr und ich, da ihm mit seinen 76 Jahren das Licht früh zu knapp wird, ist auch gut, dass er es einsieht und dann abbaumt. Das Schloss hat er wie sich rausstellte wegen Kindern drangehängt, die an der Kanzel rumgekrackselt sind. Ich bestücke dort zwar seit Wochen den Luderplatz, aber die Kanzel hat einen hohen Standard, die habe ich nicht überprüft, also mitunter mein Fehler. Der andere Mitgeher is wie gesagt seit 4 Jahren kein einziges mal auf der Jagd gewesen, ich kenn ihn mehr oder weniger nur vom Namen. Richtig aktiv jagen nur zwei in diesem Revier, der Jagdherr und ich.
Probleme dieser Art hatte ich seit 4 Jahren nie, aber an diesem Tag ist alles zusammengekommen...
Am sauersten bin ich auf den Winter, der keiner ist glaub ich..
09.01.2013 21:10 tomhaus
Krico700 schrieb:
super Ansitz...einfach köstlich....


ausser man muss ihn selbst erleben...
09.01.2013 21:33 Otterbock
tomhaus schrieb:
ausser man muss ihn selbst erleben...

GZSZ
HO Rüd Ho
09.01.2013 22:50 Waldlaeufer7x64
Habe sehr gelacht bei der Geschichte, kann man sehr gut nachfühlen... Diese Verzweiflung ob man lachen oder weinen soll oder wie auch immer... Das schlimmste war dann wohl noch der Fuchs, der trotzdem kam, oder?
10.01.2013 01:38 Stephan83
Wie sagt man so schön, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!


Gruß und Wmh, Stephan
10.01.2013 07:58 RhoenerKauz
Ja, sowas kenn ich auch in ähnlicher Weise...
Aber mach dir nichs drauß.
Der Winter kommt ab morgen wieder ;)
Zumindest in der Rhön
10.01.2013 14:18 WiednerDerSteirer


... ich hoffe für dich,,,, dass du wieder zur ruhe gekommen bist aber so gehts,,,, wenns der teufl so will
10.01.2013 15:45 Rapsjaeger
Genial beschrieben - Schei... ! auch das ist Jagd...
10.01.2013 17:39 Kija
11.01.2013 09:53 swinging_elvis
So kann's gehen... Sicher das Vorspiel zu Deiner kommenden Geschichte: Nacht der Nächte!!!
Waidmannsheil, el
11.01.2013 10:01 tomhaus
Waldlaeufer7x64 schrieb:
Habe sehr gelacht bei der Geschichte, kann man sehr gut nachfühlen... Diese Verzweiflung ob man lachen oder weinen soll oder wie auch immer... Das schlimmste war dann wohl noch der Fuchs, der trotzdem kam, oder?




Oh ja, das war der Augenblick, wo ich überlegt hab, ob ich runtersteigen oder einfach springen soll
13.01.2013 16:05 Jaegerbursch
swinging_elvis schrieb:
So kann's gehen... Sicher das Vorspiel zu Deiner kommenden Geschichte: Nacht der Nächte!!!
Waidmannsheil, el


Wenn Diana sich gnädig zeigt, sollte es normalerweise so sein - aber was ist auf Jagd schon normal?
13.01.2013 16:34 swinging_elvis
Jaegerbursch schrieb:
Wenn Diana sich gnädig zeigt, sollte es normalerweise so sein - aber was ist auf Jagd schon normal?

... ich glaub' schon, dass es da eine Art Gleichgwicht gibt... zumindest ist die Freude am Ende größer, wenn es vorher ein paar mal schief gegangen ist... wie im Leben el
13.01.2013 16:38 Jaegerbursch
swinging_elvis schrieb:
... ich glaub' schon, dass es da eine Art Gleichgwicht gibt... zumindest ist die Freude am Ende größer, wenn es vorher ein paar mal schief gegangen ist... wie im Leben el


Wie war das nocheinmal?

"Die Jagd ist, wenn man sie richtig auffasst und betreibt, kein Vergnügen und auch keine Erholung im landläufigen Sinn, sie ist ein Stück Leben, nicht mehr und nicht weniger, gesteigertes Leben vielleicht zudem Schule des Lebens. Man darf von Ihr nicht nur Leidenschaft, Glück oder Behagen erwarten, muss das Harte, das Enttäuschende, das Ungute, dass sie bringt, auch ernsthaft, mit möglichster Fassung und parierend mit seinem besten Können hinnehmen."

Den Autor dürftest du evlt. kennen
29.01.2014 15:59 der_mit_dem_dackel_jagt
liest sich klasse! ;)
29.01.2014 17:54 tomhaus
der_mit_dem_dackel_jagt schrieb:
liest sich klasse! ;)



danksche
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