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Im bunten Herbst erlegt...

Ein Drückjagderlebnis (1 Eintrag)

520 mal angesehen
07.01.2013, 18.16 Uhr

Im bunten Herbst erlebt

Drückjagd in einem traditionsreichen und jagdhistorisch interessanten
Jagdgebiet Brandenburgs.Ich bekam in einem Buchenaltholzbestand, mit reichlich Naturverjüngung, einen Hochsitz zugewiesen. Vor mir ein wasserführender Graben und am Gegenhang lichter Bestand.
Mit auf der Kanzel ist meine kleine DJT-Hündin "Asti". Auf Weisung des Jagdleiters soll sie nicht vom Stand aus geschnallt werden, da sie bei Bedarf noch zur Nachsuche eingesetzt werden soll. Es herrscht leichter Bodenfrost.
Damit war ich sehr zufrieden, weil sich anwechselndes Wild durch das Geraschel im Laub leicht ankündigt. An diesem Tage führte ich meine gute, alte BDB im Kal. 9,3 X 74 R.
In der ersten Stunde hatte ich keinen Anblick, obwohl um mich herum viele Schüsse brachen und Hundegeläut zu hören war. Ich schien auf "weißen",
märkischen Sand zu sitzen. Endlich schnürte ein Fuchs aus der Buchenverjüngung. Natürlich war er nicht frei gegeben und ich grüßte ihn mit meinem abgenommenen Jagdfilz. In meinen Gedanken war ich bei den Jagden in früheren Tagen. Damals haben die preußischen Könige, die deutschen Kaiser, der dicke Hermann, Honecker und reichlich Politprominenz (aus Ost und West) in dem Revier gejagt. Wie hoch mögen die Wildbestände damals gewesen sein?
Nach der Aufbrechpause kam eine Treibertruppe vorbei und wollte wissen was ich alles gesehen hätte.
Na ja - kann ja noch Wild kommen. Kaum waren die Treiber am Gegenhang in die Buchen eingeschlieft, da knallten bei meinem Nachbarn 2 Schüsse.
Jetzt galt es aufzupassen! Und schon rauschte und prasselte es im Herbstlaub.
Eine starke Sauenrotte brach, für mich unerreichbar, durch die Buchen. Ein schwaches Stück zog durch den Graben und hielt die Richtung auf meine Kanzel. Stehend und mit der BDB in den Händen erwartete ich das Stück.
Ich hatte mir schon eine Lücke ausgewählt, in welcher ich fertig werden könnte. Jeder von euch kennt solche Situationen. Spannung pur, der Nervenkitzel, der Moment - in dem es gilt. Zwei starke Frischlinge wechselten von links nach rechts. Fast wie auf dem Keilerstand. Ich beschoß die erste Sau und sofort die zweite. Das zweite Stück zeichnete und machte sich lang. Beide verschwanden in der Buchenverjüngung. Im Hintergrund brach die Rotte durch. Nachladen war angesagt. Meine ersten Gedanken waren: Das hast Du aber schon wesentlich besser gemacht.
Na ja, von rechts nach links bin ich als Rechtsschütze auch wirklich besser.
Ich habe auf dem Keilerstand wirklich eine ganze Menge Pulver verknallt.
Mein Hundchen hatte die ganze Misere natürlich mitbekommen und meldete sich zaghaft. Die Kleine soll es richten. Ich nahm ihr die Schweißhalsung ab
und schon verschwand sie in den Jungbuchen. Wenn..dann... und da war ich sehr sicher! Doch nach einigen Minuten weder Standlaut noch Hetzlaut.
Aber dann .. wütendes Gekeifer und helles Jubilieren. Meine Kleine war an einer Sau und die Jagd bewegte sich auf mich zu. Es prasselte nur so in der Dickung und schon sah ich auch die Sau - aber das war kein Frischling sondern ein 100 Kg Keiler, der mit aufgestellten Federn und klappernden Gebrech sich meinen kleinen Hündin gestellt hatte und nicht bereit war die schützende Dickung zu verlassen. Schon wollte ich ihr zurufen: Paß auf!
Das ist kein Übungskeiler.Der macht Ernst. Doch die Kleine machte ihre Aufgabe gut, ganz wie sie es gelernt hatte. Sie griff immer wieder von hinten an und der Keiler machte seine Ausfälle, daß es nur so krachte.
Was für ein Schauspiel? Langsam machte ich mir doch Sorgen um die Kleine, weil sie bestimmt nicht von der Sau lassen würde. Wo würde ich sie abends einsammeln können? An Schießen habe ich damals überhaupt nicht gedacht, weil mir dir Keiler der AK2 seit 22 Jahren Geld kosten und ich meine Strecke eigentlich schon gemacht habe. Darüber hinaus hätte ich in dem Dickicht die Hündin gefährdet. Doch nachdem das Hin und Her sich einge Minuten hingezogen hatte, blitzte es bei mir auf und ich fragte mich warum ich eigentlich dort saß und ob ich nicht endlich in den ungleichen Kampf eingreifen will. Tatsächlich stand die Hündin einen kleinen Moment
links-abseits und der Keiler halbspitz zu mir. Dicht am Haupt vorbei setzte ich ihm die Kugel schräg in die Kammer. Im Knall lag der Schwarze und schlug noch einige Male mit den Hinterläufen, welches "Asti" zum Zufassen veranlaßte. Puh!! "Sau tot"- jubelte mein Herz. Die Hündin zerrte, böse knurrend an ihrem Keiler herum und begann zaghaft sich einzuläuten.
Standlaut! Mein Hundchen rief mich und mir wurde es warm, vor Freude.
Telefonisch holte ich mir von meinem Ansteller die Genehmigung zum Verlassen der Kanzel und flog zu Keiler und Hund. Der Keiler war richtig und mein Hundchen hatte seine Sache gut gemacht. Nach viel Lob trug ich sie ab und nahm sie mit auf die Kanzel. Dort konnte sie sich für die restliche Zeit
absolut nicht mehr beruhigen und hatte nur noch den Keiler im Blick.
Endlich "Jagd vorbei" und "Hahn in Ruh". Ich begab mich auf die Fluchtfährte der beschossenen Sauen. Die Hundenase fand ganz schnell einen Anschuß und eine Wundfährte. Ich machte ihr den Riemen lang und schon nach 40 oder 50m lag, hinter der nächsten Buschgruppe, ein strammer Frischling, welcher den Schuß "mitten drauf" hatte. Aber eine Kontrolle der weiteren Fluchtfährte brachte noch Wildbretfasern und Weißes. Ein weiteres Stück war also noch angeflickt. Mit dem roten Signalband machte ich diese Wundfährte kenntlich.
Dann zog ich den Frischling zum Keiler und begann mit der roten Arbeit.
Inzwischen kam der Ansteller und brachte die anderen Jagdkameraden unserer Gruppe mit. Gemeinsam zogen wir die beiden Sauen zum Weg.
Auf dem Streckenplatz gab es die übliche Atzung und ich schmiß gerne eine Runde Glühwein.
Vom Jagdleiter bekam ich dann die Nachsuche auf die wunde Sau übertragen und zur Unterstützung wurde mir ein ortskundiger Jäger zugeteilt. "Asti" nahm die Wundfährte ohne Zögern auf und legte sich stramm in den Riemen. Das kranke Stück hatte offensichtlich zur Rotte gefunden oder folgte dieser. Die Suche kam nach etwa 500m ins Stoppen. "Asti" suchte mit hoher Nase in Richtung eines Hochsitzes und stand vor dem Aufbruch einer Sau. Kam hier mein angebleites Stück zur Strecke? Telefonat mit dem Jagdleiter und Kontrolle des dort gestreckten Stückes. Fehlanzeige! Also trug ich die Hündin ab und setzte sie wieder auf die Wundfährte. Inzwischen verwies sie in größeren Abständen zwei oder 3 Schweißtröpfchen und immer noch war das Stück bei der Rotte. Die kleine Hündin suchte mit einem Eifer und Zielstrebigkeit, daß es Freude machte.
Inzwischen betrug die Nachsuchenstrecke etwa 2,5 Km und es ging der Dämmerung entgegen. "Weißt Du wo wir sind?", fragte mich mein Begleiter.
Natürlich konnte ich nicht sagen wo wir uns befanden. Dann doch: Das Torportal und die beiden Forsthäuser. Wir befanden uns genau an der Stelle
an der einmal Carin Hall stand. Und genau darüber war die kranke Sau gezogen. "Asti"führte uns dann noch bis zum Seeufer und tatsächlich zeigte das Fährtenbild, daß die Rotte durch den See geronnen war. An dieser Stelle brachen wir die Suche ab - obwohl die Hündin einem Bade gegenüber nicht abgeneigt war.
Jeder, der schon in so einer Lage war, kennt die Stimmung, die einen befällt, wenn man sich auf dem Heimweg befindet und man wünscht sich nicht geschossen zu haben. Fragen über Fragen überfallen den Jäger und machen nachdenklich. Wurde alles getan um das Stück zu erlösen?
Um es abzukürzen: Am nächsten Tag kam in der Nachbarjagd ein Frischling zur Strecke, der einen frischen Streifschuß über die Bauchdecke hatte.
Nun noch die Frage nach den Kosten für den Keilerabschuß. Da ich als Hundeführer unter den Bedingungen der Forstbedienst... gejagt habe,
kam ich mit dem sogenannten Knopfgeld davon.
offline

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Gangloff

Gangloff

Alter: 70 Jahre,
aus Oranienburg
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Kommentare

08.01.2013 01:25 keilerplus
Weidmannsheil! Ich hoffe nur, nach dieser astreinen Notstandssituation gabs keine unanständige Rechnung für den fiskalisch wertvollen "Trophäenträger"
08.01.2013 09:21 swinging_elvis
Na da freuen wir uns doch auf die Fortsetzung!!! Waidmannsheil!
08.01.2013 09:50 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Na da freuen wir uns doch auf die Fortsetzung!!! Waidmannsheil!

Seh ich genau so...

@Gangloff: Weidmanns Heil! Oder gibt´s noch eine böse Überraschung...???
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